Center for Interdisziplinary Research
 
 

Anfänge und Grundlegungen moderner Pädagogik im 16. und 17. Jahrhundert

Termin: 28. - 30. November
Leitung: HD Dr. H.-U. Musolff (Bielefeld), Dr. A.-S. Göing (Hamburg) und Prof. A. Suter (Bielefeld)

Die ZiF:Arbeitsgemeinschaft beschäftigte sich mit der Frage konfessioneller Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Entwicklung von Lehrinhalten, Lehrmethoden und Lehrinstitutionen in der Epoche der Reformation und der Konfessionalisierung. Die räumliche Fokussierung der Frage auf ausgewählte Bildungsregionen des alten Reichs und der Schweiz sollte den Einfluss nicht-etatistischer Kräfte auf das Schulwesen klären. Um die Beachtung des vor- oder überkonfessionell wirksamen Allgemeinen zu gewährleisten, wurde auch das höhere Schulwesen von Städten und Regionen mit verschiedenen, gleichzeitig geltenden Konfessionen untersucht. Die Interpretation vielfältiger bildungsgeschichtlicher Quellen durch Historiker, Erziehungswissenschaftler, Theologen, Germanisten und Kunsthistoriker zeigte die Fruchtbarkeit interdisziplinärer Diskussion in folgenden Punkten.
(1.) Die Kontinuität katechetischer Bildungsanstrengungen konnte als ein Motiv der konfessionsübergreifenden Hervorbringung von Bildungsformen dargelegt werden. Hingegen erwies sich der Einfluss der Obrigkeit auf die Entwicklung der Schulen als geringer, als zunächst vermutet. Insgesamt wurde die Verengung des schulhistorischen Blicks auf territorialstaatliche Normsetzungen überwunden.
(2.) Trotz konfessioneller Prägung der Schulen erwiesen sich diese bis ins 17. Jahrhundert hinein nicht als Feld konfessioneller Auseinandersetzungen, vielmehr zeigten sie funktionale Konvergenzen. Die konfessionellen Ideale wurden im Schulwesen kaum durchgesetzt. Die Kontinuitäten - insbesondere der Lehrinhalte - über die Mitte des 17. Jahrhunderts hinweg machten das Problem der Terminierung des Konfessionalisierungsprozesses deutlich.
(3.) Die Interpretation ausgewählter Werke von Melanchthon und Comenius demonstrierte, dass das gegenwärtige Verständnis dieser pädagogischen Klassiker die stereotype Frage nach dem Grad ihrer Fortschrittlichkeit hinter sich gelassen hat. Insgesamt wurden die Kongruenzen der pädagogischen Konzepte als gewichtiger beurteilt als deren Differenzen. Ein Konsens über die Tragfähigkeit eines bildungshistorischen Epochenbegriffs der Konfessionalisierung, der den gemeinsamen Forschungsstand repräsentieren könnte, wurde nicht erzielt.



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