Center for Interdisziplinary Research
 
 

Natur und Landnutzung im Pamir

Wie sind der Erhalt der Biodiversität, Naturschutz & nachhaltige Landnutzung im Pamirgebirge/Tadshikistan in Einklang zu bringen?

Termin: 22. - 25. January 2003
Leitung: Siegmar-W. Breckle (Bielefeld)

Dem Pamirgebirge kommt in unterschiedlichster Hinsicht eine Schlüsselrolle zu. Einerseits ist es geologisch, geographisch und biogeographisch ein wichtiger Übergangsraum, aber auch von der geostrategischen Bedeutung ist der Pamir seit Jahrtausenden sowohl Durchgangsland als auch Rückzugsgebiet für Völker. Die bunte Palette an Sprachen und Volksgruppen zeigt dies noch heute. Die Lebensgrundlagen sind aber durch Zerstörung der Vegetation und Übernutzung der Gebirgshänge stark gefährdet, Desertifikation greift um sich. Aus diesem Grunde ist die Frage, wie der Erhalt der Biodiversität, der Naturschutz und eine nachhaltige Landnutzung im Pamirgebirge / Tadshikistan in Einklang zu bringen sind, eine ganz wichtige Frage für den gesamten zentralasiatischen Raum. Dies um so mehr, als rund 60% der Wasserreserven dieses Raumes im Hochgebirge im Gletschereis gespeichert sind. Der Amu Darya (der Oxus der Antike) ist der wichtigste Zufluß des Aralsee, er kommt aus dem Pamir und dem Hindukusch.
Die durchgeführte Arbeitsgemeinschaft hat versucht, ein neues Bild der natürlichen Ressourcen und der heutigen sozio-ökonomischen Bedingungen dieses Gebirgsraums zusammenzutragen. Sie hat daraus zukünftige Forschungsgrundlagen und wissenschaftlich fundierte zukünftige Entwicklungszusammenarbeit abgeleitet. Hierfür war es sehr vorteilhaft, daß ein sowohl in fachlicher als auch in methodischer Hinsicht breites, sehr interdisziplinär angelegtes Teilnehmerfeld teilgenommen hat. Einerseits konnte ein aktuelles Bild der Situation auf verschiedenen Fachgebieten zusammengetragen werden, das vor allem auch durch die Präsenz von tadschikischen (und afghanischen) Wissenschaftlern (einschließlich des tadschikischen Umweltministers) präzisiert werden konnte, andererseits war es möglich am Schlußtag auch eine Synthese zu wagen, um mögliche Forschungs- und daraus resultierende Entwicklungsprojekte und ihre jeweilige Priorität zu skizzieren.
Über die Pamir-Region existiert eine gute, aber nicht systematisierte wissenschaftliche Datenbasis aus Sowjetzeiten, die über verschiedene wissenschaftliche Einrichtungen zerstreut ist (Dushanbe, St. Petersburg, Moskau, Minsk, Bielefeld); in Bielefeld sind seit einiger Zeit die während der Sowjetzeit als geheim eingestuften Originale der Vegetationskartierung des Pamir von Prof. Agakhananz aufbewahrt. Ihre Auswertung und letztendlich ihre Publikation ist Fernziel einer Vegetationsbearbeitung. Die zahlreichen Karten des Gebietes wurden in Winterthur aufgearbeitet, sie waren eine Attraktion im Flur des ZiF als Teile der Poster-Ausstellung.
Im Sommer 2002 wurde eine internationale Forschungsexpedition in die Pamirregion durchgeführt (Universitäten Bielefeld, Greifswald, Bonn; GTZ CCD-Projekt; NABU; Ministerien für Naturschutz und für Landnutzung Tadschikistans sowie ein Bayerisches Fernsehteam) als Fortsetzung der Tradition der deutsch-russischen Expeditionen von 1928 und 2001. Diese Expedition unter Leitung der Universität Bielefeld, mit dem Ziel, die von der Pamirexpedition 2001 (CDE, NABU) durchgeführte Situationsanalyse zu vertiefen und ein gemeinsames interdisziplinäres Projekt für die Pamirregion herauszuarbeiten, wurde finanziell größerenteils von der GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) getragen. Die tadschikischen Counterparts waren teilweise jetzt auch Teilnehmer der Arbeitsgemeinschaft, was viele Diskussionen sehr erleichterte.
Die Herausgabe eines popularwissenschaftlichen Sachbuches zum Pamir ist erfolgt (Der Wind, der heißt Afghane, von O. E. Agakhanjanz). Prof. Agakhanjanz / Minsk ist der beste Kenner des Pamir, er hat 20 Jahre seines Lebens im Pamir gearbeitet, darüber hinaus auch in anderen Gebirgen der damaligen Sowjetunion. Er war 1992 DFG-Gastprofessor an der Universität Bielefeld und sollte einer der Hauptredner der Arbeitsgemeinschaft sein. Leider ist er am 28. Oktober 2002 verstorben.



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