Center for Interdisziplinary Research
 
 

Reform und Innovation in einer unstabilen Gesellschaft

Termin: 13. - 15. Februar 2003
Leitung: Giancarlo Corsi, Elena Esposito (beide Modena)

Ziel der Tagung war, die Reformbemühungen in Frage zu stellen als ein Phänomen, das sich in jedem Bereich der modernen Gesellschaft verbreitet hat und normal geworden ist. Die Gliederung der Teilnehmer war stark interdisziplinär: Politologen, Juristen, Theologen, Organisationstheoretiker und Soziologen. Es wurde versucht zu verstehen, ob ein solches Phänomen allgemeine und gemeinsame Merkmale jenseits der spezifischen Kontexte zeigt und mit den besonderen Strukturen moderner Gesellschaft zu tun hat. Vor allem wurden die Idee des "Neuen" (als 'ontologischen Undings') und die Zeitdimension anhand der Frage analysiert, unter welchen Bedingungen Neues erkennbar und herstellbar ist. Diskutiert wurden in dieser Hinsicht verschiedene Perspektiven, vor allem: die theologische Unterscheidung von Reform, Reformation und aggiornamento; die Trennung von idealen Vorstellungen (Reform der Routine) und konkreten Praktiken (Routine der Reform) in den formalen Organisationen; die logischen und technischen Schwierigkeiten, die Möglichkeit einer Selbstveränderung des Rechts in den Rechtsordnungen explizit vorzusehen, die merkwürdige Neigung bestimmter Staaten zur politischen Reform als "Neubeginn der Geschichte", die insbesondere in Lateinamerika zu beobachten und durch eine Verschmelzung von politischen, rechtlichen, wirtschaftlichen und personbezogenen Strukturen gekennzeichnet ist. Nach wie vor blieb die Frage, welche Funktion die Rhetorik der Reform in der modernen Gesellschaft erfüllt, nicht ganz beantwortet. Eine mögliche Forschungsrichtung wurde im Verhältnis von Reform und Evolution identifiziert: dass dabei die Differenz von Gesellschaft und Organisationen eine erhebliche Rolle spielt, war ein allgemeiner Ausgangspunkt. Inwieweit Reformen zur Evolution beitragen, ist jedoch unklar geblieben. Eine positive Feststellung ist jedenfalls, dass die soziologische Forschung andere (nicht unbedingt wissenschaftlichen) Disziplinen anregen und neue Probleme bzw. Beobachtungsperspektiven entstehen lassen kann. Die Teilnehmer wurden demnach eingeladen, die während der Tagung erwähnten Schwerpunkte zu entwickeln, nicht zuletzt im Hinblick auf die vorgesehene Publikation der Beiträge.

Tagungsbeiträge

Giancarlo Corsi, Elena Esposito: Eröffnung: Reform: Problemstellung aus soziologischer Sicht
Alberto Melloni: Historisch-semantische Wandlungen des Begriffs "Reform"
Continuity vs Discontinuity. Reform and Aggiornamento in 20th Century Roman Catholic Religious Studies
Nils Brunsson, Dirk Baecker: Wirtschaft: Innovation in Unternehmen und Märkten
Mechanisms of Hope - How to keep great beliefs in a harsh reality
Innovation durch Management und Beratung
Martin Schulte: Die Poesie der Reform des Verwaltungsrechts

Teilnehmende
Dirk Baecker (Witten), Nils Brunsson (Stockholm), Giancarlo Corsi (Reggio Emilia), Elena Esposito (Reggio Emilia), Michael Hutter (Witten), Klaus Japp (Bielefeld), Athanasios Karafillidis (Witten), André Kieserling (München), Stephan Kirste (Heidelberg), Günter Küppers (Bielefeld), Alberto Melloni (Reggio Emilia), Javier Torres Nafarrate (México, D.F.), Juliana Neuenschwander Magalhaes (Belo Horizonte), Rafael Palacios (Bochum), Francesco Pelloni (Frankfurt am Main), Darío Rodríguez (Santiago), Johannes Schmidt (Bielefeld), Hartmann Tyrell (Bielefeld)



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