Center for Interdisziplinary Research
 
 

Science and Values

Termin: 9. - 12. Juli 2003
Leitung: Martin Carrier (Bielefeld), Don Howard (Notre Dame, IN), Peter Weingart (Bielefeld)

Wissenschaft und Werte sind auf vielfältige Weise miteinander verwoben. Von Belang sind dabei insbesondere epistemische, gesellschaftliche und ethische Werte. Epistemische Werte betreffen Erkenntnisziele wie Erfassung der Wirklichkeit oder Vereinheitlichung des Wissens; gesellschafliche Werte drücken sich sowohl in Nutzungshoffnungen wie auf in der Furcht vor den Risiken des wissenschaftlich-technischen Fortschritts aus; ethische Werte schließlich kommen vor allem zum Tragen, wenn der Anschein besteht, dass die von der Naturwissenschaft gewonnenen Eingriffsoptionen oder bereits die Mittel, die für ihre Gewinnung herangezogen werden, mit den Menschen- und Bürgerrechten kollidieren. In der Konferenz wurden diese thematischen Aspekte in kontrastiver Anlage behandelt. Jeweils zwei Vortragende äußerten sich auf gegensätzliche Weise zu einer gemeinsamen Fragestellung. Diese kontroverse Anlage der Veranstaltung trug zu einer lebhaften und fruchtbaren Diskussion bei.
Einen der thematischen Schwerpunkte der Tagung bildete der Einfluss gesellschaftlicher oder ethischer Werte auf die Theoriewahl. Zum Beispiel trat Helen Longino für eine Berücksichtigung emanzipatorischer Werte ein und verlangte, dass das gesamte gesellschaftliche Spektrum in der Wissenschaft vertreten sein sollte. Janet Kourany strebte weitergehend an, die Wissenschaft auf die Beseitigung von gesellschaftlicher Ungerechtigkeit zu verpflichten. Dagegen traten Ernan McMullin und John Norton dafür ein, solche nicht-epistemischen Werte aus dem Rechtfertigungszusammenhang wissenschaftlicher Aussagen herauszuhalten.
Im Blickpunkt stand auch die Frage der mit wissenschaftlichen Anwendungen verbundenen gesellschaftlichen Risiken. Dabei wurde einerseits die Schwierigkeit betont, durch die generalisierende, die Einzelfälle übergreifende Zugangsweise der Wissenschaft hochkomplexe Sachverhalte verlässlich zu beherrschen. Die betreffenden Modelle greifen häufig auf idealisierte Annahmen zurück, sodass sich die relevante Sachlage außerhalb ihres legitimen Geltungsbereichs befindet. Andererseits wurde hervorgehoben, dass sich viele solcher Probleme durch hinreichende Berücksichtigung der lokalen Umstände lösen lassen und dass hierbei dem Einbezug der Laien vor Ort eine wichtige Rolle zukommt.
Ein weiterer Themenbereich war den Auswirkungen der Kommerzialisierung der Wissenschaft gewidmet. Dabei kontrovers der Frage nachgegangen, welche Auswirkungen der in der Industrieforschung verbreitete Geheimhaltungsdruck auf die Verlässlichkeit von Forschungsresultaten und auf die Sicherheit technischer Innovationen hat.
Die Konferenz zu Science and Values, die gemeinsam von Wissenschaftlern der Universitäten Bielefeld und Notre Dame (Indiana, USA) organisiert wurde, diente auch dem Zweck, die Anfang 2000 beschlossene Kooperation zwischen beiden Universitäten in Fragen der philosophischen und soziologischen Wissenschaftsforschung mit Leben zu erfüllen.



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