Center for Interdisziplinary Research
 
 

Sinn für Ungerechtigkeit - ethische Argumentationen - globale Ordnungen

Termin: 3. - 5. März 2004
Leitung: Gerhard Kruip (Hannover), Karl Gabriel (Münster)

Die im Prozess der Globalisierung auftretenden internationalen Ungleichheiten werden von mehr und mehr Bürgern/innen, gerade auch in den reichen Staaten, als Ungerechtigkeiten wahrgenommen und angeprangert. Das wird beispielsweise sichtbar an dem Zulauf, den Organisationen wie ATTAC derzeit bekommen. Offenbar ist eine Sensibilität für Ungerechtigkeit eine wichtige Triebfeder für politisches Engagement. Es gibt auch Anzeichen dafür, dass es leichter sein könnte, sich interkulturell darüber zu verständigen, was ›ungerecht‹ sei, als universelle Gerechtigkeitsvorstellungen zu entwickeln. Aber was heißt 'Sinn für Ungerechtigkeit' und wie groß ist seine Relevanz für ethische Theoriebildung? Zwar gibt es im Anschluss an den bahnbrechenden Essay von Judith Shklar Faces of Injustice mittlerweile im Zusammenhang zunehmender Kritik an verfahrenstheoretischen Ethikkonzepten erste Rezeptions- und Beerbungsversuche. Aber eine genaue Analyse des Potenzials eines solchen Ansatzes für Fragen der globalen Gerechtigkeit steht aus. Lassen sich dank der starken, offenbar von vielen Menschen geteilten Intuitionen moralische Argumente für globale Gerechtigkeit bzw. eine allgemeine Gerechtigkeitstheorie mit globalem Geltungsanspruch formulieren, die kulturübergreifend gegenüber allen Menschen mit einem gleichermaßen verbindlichen Geltungsanspruch auftreten kann? Können von einem solchen Ansatz her eine Schärfung und Präzisierung der theoretischen Grundlegung weltweiter Gerechtigkeit und globaler Ordnung erwartet werden?
Um die genannten Fragestellungen vertieft bearbeiten zu können, wird vom 3. bis 5. März 2004 in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut für Philosophie Hannover und dem Institut für Christliche Sozialwissenschaften der Universität Münster am ZiF eine interdisziplinäre Tagung stattfinden. Sie dient der Überprüfung und Weiterentwicklung des skizzierten Ansatzes, der von den beiden genannten Kooperationspartnern in einem Forschungslaboratorium Gerechtigkeit global seit Ende 2001 in einer Gruppe von ca. 20 Philosophen, Theologen, Ökonomen, Kulturwissenschaftlern und Sozialwissenschaftlern verfolgt wird. Die Hauptreferenten, die die bisher vorliegenden Ergebnisse der Arbeitsgruppe zur Diskussion stelllen, sind Peter Dabrock, Ian Kaplow, Gerhard Kruip und Burkhard Liebsch. Zu jedem Vortrag werden mehrere Korreferate aus unterschiedlichen Perspektiven gehalten.



Print
ZiF - Center for Interdisciplinary Research - Homepage > List of ZiF Workshops > 2004 >