Center for Interdisziplinary Research
 
 

Kunst am ZiF

"Faszination des Unsichtbaren" / Zeitskulptur VII

Datum: 14. Mai 2000 - Mai 2001

Künstlerin: Ewa Salwinski

1993, zum 25jährigen Bestehen des ZiF, wurden Betonrampe und Würfel vor dem Haupteingang zum ersten Male installiert, mit der Absicht, diese beiden Objekte als künstlerische Herausforderung alljährlich anderen Künstlerinnen und Künstlern zur Verfügung zu stellen, wobei das Umfeld Natur/Architektur und das interdisziplinäre wissenschaftliche Arbeiten im ZiF zu berücksichtigen sind.
Frau Ewa Salwinski, die in Krakau aufgewachsen ist, dort Kunst studierte und 1989 nach Köln umzog, ist nun die sechste Künstlerpersönlichkeit, die sich dieser Aufgabe gestellt hat und uns für ein Jahr ihre Skulptureninstallation zeigt. Ihre gesamte künstlerische Arbeit, in der immer der Mensch im Mittelpunkt steht, ist stark beeinflusst von ihrer Vita.

[Zeitskulptur VII]

Bei Ewa Salwinski werden wir mit dem unerwarteten Erscheinen einer Engelformation auf einer Betonrampe konfrontiert. Es handelt sich um kinetische, d. h. bewegliche Skulpturen, die man beim flüchtigen Hinsehen vielleicht noch einer Kirchengemeinde im Zusammenhang mit dem Kunst-am-Bau Gedanken zugesteht. Und nun die Präsentation im Wissenschaftsbereich der Universität! Aber sehen wir genau hin, so lässt sich feststellen, dass die Künstlerin im Corpus der Skulpturen Zitate aus der christlichen Ikonographie des Mittelalters einbaute - zum Beten gefaltete Hände, die jedoch gleichzeitig auf Askese und fernöstliche Meditation verweisen. Die lineare farbige Anlage, erreicht durch übermalung mit Silberbronze, zitiert sparsam die farbige Holzskulptur und die Metallskulptur der Gotik. Die gespachtelte, zerklüftete Oberflächenstruktur fängt Licht ein und entmaterialisiert die Skulptur in Verbindung mit dem Silber in gewisser Weise, wie wir es beim Impressionismus kennen.

Bewegung ist Leben! Die kinetische Komponente der Figurengruppe - Bewegung ist hier abhängig von der Natur (Wind) - stellt das Unterwegssein dar. So werden die acht Figuren Sinnbild des menschlichen Schicksals: kollektiv gesehen, weil alle Figuren scheinbar gleich sind, als Individuum gesehen, weil jede Skulptur einzeln mit der Hand geformt wurde und somit Unterschiede aufweist. Die Betonrampe vor dem ZiF wird zu einem Weg für eine irdische Laufbahn, aber auch für einen Vorstoß in andere, metaphysische Bereiche.

[Zeitskulptur VII]

Die gesamte Eröffnungsrede von Peter Sommer können Sie sich als PDF-Datei herunterladen (ca. 15 kB, Quelle: ZiF:Mitteilungen 3/2000).

             [Zeitskulptur VII]



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