Wissenschaftliche Begleitung der "Online-Beratung gegen Rechtsextremismus"

Kurzbeschreibung
Die individuelle Beratung von Menschen, die mittelbar oder unmittelbar vom Rechtsextremismus betroffen sind, nimmt einen hohen Stellenwert ein. Das gilt insbesondere, weil viele Betroffene, die z.B. beobachten, wie Menschen, denen sie eng verbunden sind, in rechtsextrem orientierte Szenen, hilflos sind und sich nicht trauen, direkte und öffentliche Hilfe zu suchen. Da das Web2.0 eine Plattform für die Kommunikation ist, die niederschwellig und anonym erfolgen kann, scheint eine Online-Beratung angemessen. Ist das aber der Fall, und unter welchen Bedingungen ist eine solide und systematische Online-Beratung möglich und hilfreich? Das Projekt begleitet wissenschaftlich die "Online-Beratung gegen Rechtsextremismus" des Vereins gegen Vergessen für Demokratie e.V. Die "Online-Beratung gegen Rechtsextremismus" (OBGR) ist ein Modellprojekt im Bundesprogramm "Vielfalt tut gut. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie" und Teil des Themenclusters "Modellprojekte: Jugend, Bildung und Prävention". Träger der OBGR ist der gemeinnützige Verein "Gegen Vergessen ? Für Demokratie" mit Sitz in Berlin, der sich der Demokratie-Stärkung sowie der Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus und dem SED-Regime verschrieben hat. Die zentralen Fragestellungen der wissenschaftlichen Begleitung sind: 1) Welche Kriterien sind nach Vorlage von Studien zur Online-Beratung und aus theoretischer Sicht für eine zuverlässige und nachhaltige Beratung relevant? 2) Wie zufrieden sind die Ratsuchenden mit der Online-Beratung? 3) Wie wichtig sind für die Ratsuchenden Online-Spezifika wie beispielsweise Schriftlichkeit, Anonymität und Ortsunabhängigkeit? 4) Wie steht es um die Nutzerfreundlichkeit der Online-Beratung? 5) Welche Effekte hat die Online-Beratung? Diese übergeordnete Frage lässt sich in folgende Teilfragen gliedern: Inwieweit kann die Online-Beratung ressourcenaktivierend und kompetenzerhöhend wirken? Inwiefern kann die Selbstwirksamkeit gestärkt und die Eigeninitiative der Klienten gefördert werden? Charakterisiert war das Vorgehen der wissenschaftlichen Begleitung durch eine Verknüpfung von interpretativen qualitativen Verfahren mit einer standardisierten quantitativen Befragung. Beide Untersuchungsverfahren wurden parallel mit jeweils eigenen und unterschiedlichen Datensätzen durchgeführt. Erstmalig liegt uns so ein zuverlässiges und theoretisch gut begründetes Beurteilungsinstrument vor. Das Setting der wissenschaftlichen Begleitung beschränkte sich hierbei nicht auf die bloße Erhebung und Analyse von Daten, sondern umfasste darüber hinaus neben der theoretischen Fundierung auch den Transfer der Ergebnisse unter Einbezug der Mitarbeiter des beforschten Projekts. Dementsprechend ergaben sich vier Bausteine für die wissenschaftliche Begleitung des Projekts Online-Beratung gegen Rechtsextremismus: 1.). Die kontinuierliche Recherche von Online-Beratungsansätzen, wissenschaftlichen Studien und Aufarbeitung von Evidenz aus der Forschung. 2.) Eine quantitative Befragung von Ratsuchenden, die bereits die OBGR aufgesucht haben. 3.) Eine qualitative Inhaltsanalyse von anonymisierten Beratungsprotokollen. 4.) Die Durchführung von Workshops mit allen Beteiligten zur Verbesserung der Beratungsqualität.
Laufzeit
01.04.2010-31.12.2010
Drittmittelprojekt
ja
Gefördert durch
DFG
Projektleitung
Herr Prof. Dr.Andreas Zick
Herr Dipl.-Sozw. Andreas Grau
Projektmitarbeiter
Herr Dipl.-Päd. Jörg Heeren
sowie student. Hilfskräfte und Diplomandinnen