Wirtschaftseliten zwischen Konkurrenzdruck und gesellschaftlicher Verantwortung

Kurzbeschreibung
Das Forschungsprojekt untersucht die Rolle und das Selbstverständnis von Topmanagern, führenden Unternehmern und Vertretern zentraler Wirtschaftsverbände in der gegenwärtigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situation. Ausgangspunkt ist die Überlegung, dass Probleme gesellschaftlicher Integration nicht allein Sache von Politik, Polizei und Sozialarbeit sind. Wirtschaftseliten beeinflussen und fällen Entscheidungen von gesamtgesellschaftlicher und persönlicher Tragweite, z.B. durch Standortentscheidungen zu Unternehmensansiedlungen, durch die Einstellung oder Entlassung von abhängig Erwerbstätigen, durch die Unterstützung politischer Kandidaten und Parteispenden. Sie besitzen eine herausragende Stellung in öffentlichen Debatten und sind in der Position, auf die politischen Einstellungen breiter Bevölkerungskreise Einfluss nehmen zu können. Im unmittelbaren lokalen Lebensumfeld sind sie nicht nur durch ihr Steueraufkommen und die Bereitstellung von Arbeitsplätzen wichtige Partner für Städte und Gemeinden, sondern insbesondere auch durch die Förderung sozialer Projekte und kultureller Aktivitäten.
Über Unternehmer, Manager und Vertreter von Wirtschaftsverbänden liegen - meistens im Rahmen von allgemeinen Elitestudien erhobene - Daten zur Repräsentativität ihrer sozialstrukturellen Zusammensetzung und politischen Einstellungen sowie Untersuchungen zu Netzwerken, Kommunikationsstrukturen und der Zirkulation von Führungspositionen vor. Jedoch fehlen Informationen darüber, wie Wirtschaftseliten ihre eigene gesellschaftliche Rolle erstens reflektieren und zweitens wahrnehmen.
In diesem Sinne untersucht das Projekt, wie sich Wirtschaftseliten in der Bundesrepublik zu Tendenzen gesellschaftlicher Desintegration verhalten. Wie schätzen sie die aktuellen politischen und sozioökonomischen Entwicklungen ein? Welches Leitbild von Gesellschaft und gesellschaftlicher Integration vertreten sie? Welche Ordnungsvorstellungen haben sie? Wie sehen sie ihre eigene Verantwortung und Rolle im Spannungsfeld von Staat, Markt und Gesellschaft? Hat sich ihr Selbstverständnis und ihre Problemwahrnehmung (etwa in Bezug auf gesellschaftliche Desintegrationstendenzen) verändert? Was tun sie, um gesellschaftliche Integration zu fördern und Desintegrationstendenzen entgegen zu wirken?
Zur Untersuchung dieser Fragen wurde eine Kombination aus quantitativen Inhaltsanalysen, teilstrukturierten Interviews und Fallstudien gewählt. Die Inhaltsanalysen von Tagespresse und von Publikationen der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände sollen einen Blick auf die an die Öffentlichkeit adressierten und entsprechend kalkulierten Äußerungen von Wirtschaftseliten einerseits sowie ihrem tatsächlichen Handeln andererseits im Zeitverlauf eröffnen. Anhand des Studiums ausgewählter Fälle mehr oder weniger verantwortlichen Handelns sollen die Bedingungen für die Übernahme sozialer Verantwortung in ihrer Prozesshaftigkeit und unter Einbezug der Perspektiven unterschiedlichster Akteure beleuchtet werden. Mittels der Leitfadeninterviews mit führenden Repräsentanten der Wirtschaft in ausgewählten Regionen soll nach Gründen für die sich aus den anderen Methoden ergebenden Einstellungen und Verhaltensweisen gefragt und versucht werden, die Erklärungsmuster jenseits des Lichts der Öffentlichkeit zu erfassen.
Laufzeit
01.07.2002-30.08.2005
Drittmittelprojekt
ja
Externe Kooperationspartner
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
Beteiligte Einrichtungen
Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung
Gefördert durch
Bundesministerium für Bildung und Forschung, BMBF