Abgeschlossene Projekte

Prof. Dr. Peter Weingart

Diskurse globaler ökologischer Bedrohung: Globalisierung der Wissenschaft unter Bedingungen der Medialisierung.

Projektmitarbeiter(innnen):
Dr. Anita Engels (assoziiert), Dipl. Soz. Tina Ruschenburg, Oliver Schilling (M.A./M.St.)

In diesem Projekt soll der Zusammenhang zwischen Diskursen globaler ökologischer Bedrohung und institutionellen Veränderungen in der Wissenschaft untersucht werden. Im Kontext dieser Diskurse deutet sich eine neue Form der Wissenschaftsorganisation in Gestalt globaler Forschungskonsortien bzw. -programme an (Megascience Projekte). Der Grad, zu dem sich diese Entwicklung bisher realisiert hat, ist in dem Projekt Gegenstand der empirischen Überprüfung. Megascience Projekte sind durch globale Problemstellungen und globale Organisationsformen charakterisiert. Außerdem sind sie eng an politisches Handeln gekoppelt (UNCED, exemplarisch das IPCC). Diese Entwicklung fällt mit einer zunehmenden Globalisierung und Konzentration der Medien zusammen, die aufgrund ihrer globalen Marktmacht Aufmerksamkeit im globalen Maßstab strukturieren.

Daraus ergibt sich eine neuartige Konstellation: Die globalisierte Wissenschaft ist Beobachtungsinstanz globaler Bedrohungen, auf die Politik ebenso global, d. h. durch übernationale Abkommen reagieren muß. Die Medien amplifizieren die Bedrohungsszenarien, strukturieren deren Wahrnehmung und erzeugen auf diese Weise Legitimierungs- ebenso wie Delegitimierungseffekte für die Politik. Diese Beobachtung wird in dem Projekt unter der These der zunehmenden Medialisierung der Wissenschaft überprüft.

Ebenso zentral wie die sich herausbildende globale Strukturebene der Wissenschaft ist jedoch die gleichzeitige Neuausrichtung lokaler/nationaler Agenden, die durch die Ubiquität der globalen Bedrohungsdiskurse ausgelöst wird. Durch die hier stattfindenden Übersetzungsprozesse wird eine Rekontextualisierung des Globalen vollzogen. Sie stellen ein Kernstück des Projekts dar.

Die These der zunehmenden Medialisierung der Wissenschaft gilt möglicherweise noch deutlicher innerhalb der nationalen institutionellen Arrangements von Wissenschaft und Politik als auf einer (empirisch noch zu bestätigenden) globalen Strukturebene. Legitimation und Delegitimation sind Mechanismen, die ihre strukturbildende Wirkung insbesondere in nationalen Kontexten entfalten. Forschungsfinanzierung, politische Regulierung und massenmediale Aufmerksamkeit hängen hier in interdependenter Weise zusammen. Die spezifische legitimatorische Funktion der Diskurse globaler ökologischer Bedrohung in westlichen Industrienationen läßt sich erst vor dem Hintergrund einer Neuorientierung öffentlicher Forschungsförderung erfassen, die stärker als bisher auf Kommerzialisierung und direkte Problemlösungskompetenz der Wissenschaft setzt und die Wissenschaft zu neuen Legitimationen zwingt. Die Medien bringen in diese enger gekoppelten Arrangements von Wissenschaft und Politik Dauerirritationen ein, indem sie Aufmerksamkeit für immer weitergehende Bedrohungsdiskurse - im Sinne von Überbietungsdiskursen - erzeugen.

Daraus ergeben sich die Fragestellungen des Projekts:

Diesen Fragestellungen soll mittels einer sich sowohl auf die inhaltlich diskursive als auch auf die institutionelle Ebene beziehenden Analyse nachgegangen werden. Anthropogener Klimawandel und Verlust der Artenvielfalt sind als Fallbeispiele für die Untersuchung vorgesehen.