Faculty of
Sociology

Berufsmöglichkeiten: AbsolventInnen berichten

+   Anne Dittrich

Was haben Sie studiert?

Ich habe Soziologie im Diplomstudiengang studiert. Im Hauptstudium wählte ich den Schwerpunkt Organisationssoziologie.

In welcher Position arbeiten Sie jetzt?

Meine Stelle trägt den Titel "Assistentin der Geschäftsführung". Ich arbeite in dieser Position bei der PROKON Unternehmensgruppe in Itzehoe. Das Kerngeschäft des Unternehmens besteht in der Planung und dem Betrieb von Windparks. Es ist mein erster Job nach dem Studienabschluss und ich arbeite dort seit April 2009. Ich bin die einzige Soziologin im ganzen Unternehmen.

Welche Tätigkeiten üben Sie dort aus?

Es ist schwer, die Frage in wenigen Worten zu beantworten, denn es gibt so gut wie keine Routinearbeiten. Im Grunde besteht meine tägliche Arbeit darin, verschiedenste Projekte zu koordinieren. Als typische Generalistin erarbeite ich für das Unternehmen zum einen Teil neue Themen selbst, helfe aber auch den Spezialisten unter meinen Kollegen, ihr Wissen und Können in eine konzeptionelle Form zu bringen. Ich bin eine klassische Schnittstelle zwischen den Fachabteilungen und der Geschäftsführung und muss es schaffen, beide - nicht selten divergierende - Sichtweisen so zu vereinen, dass Entscheidungen getroffen werden können.
Um es aber etwas konkreter zu machen, nenne ich ein paar Beispiele für Projekte, an denen ich (mit)gearbeitet habe:

  • Ich habe eine recht außergewöhnliche Form der betrieblichen Altersvorsorge für die Mitarbeiter des Unternehmens entwickelt und eingeführt.
  • Ich koordiniere eine Arbeitsgruppe, in der nach Möglichkeiten zur Stromspeicherung gesucht wird. Dort gilt es, Verträge und Angebote zu prüfen oder zu bearbeiten, zu recherchieren, die Geschäftsführung über den Fortschritt der Gruppe zu informieren, Protokolle anzufertigen, Kommunikation mit Externen in verschiedenen Sprachen zu pflegen usw.
  • Ich habe eine umfangreiche Mitarbeiterbefragung durchgeführt und mit den Ergebnissen thematische Workshops mit allen Mitarbeitern durchgeführt.
  • Ich versuche Wege zu finden, wie sich der Strom aus unseren Windrädern auf neuen Wegen vermarkten lässt. Dazu muss ich recherchieren, mit Externen Gespräche führen und Konzepte schreiben, die der Geschäftsführung im besten Falle eine gut begründete Handlungsempfehlung geben.
  • Ich schreibe ausführliche Artikel für den vierteljährlich erscheinenden Newsletter des Unternehmens.
  • Manchmal habe ich auch ganz normale "Sekretariatsaufgaben", wie zum Beispiel das Planen einer Reise für den Geschäftsführer oder Terminvereinbarungen.

Welche Inhalte, Methoden oder sonstigen Erfahrungen aus Ihrem Studium sind für Ihre heutige Tätigkeit besonders wichtig?

Ich benutze aus meinem Studium in der heutigen Tätigkeit eigentlich nichts und gleichzeitig doch alles. Ein kleiner "greifbarer" Teil aus dem Bereich der Methoden kam bei der Mitarbeiterbefragung zum Einsatz. Ich wusste, wie ein Fragebogen aufgebaut sein muss und wie man ihn auswertet. Alles Weitere lässt sich nicht recht fassen und ist doch da. Niemand erwartet, dass er am Ende eines theoretischen Soziologiestudiums praktische Fähigkeiten, wie die Operation eines Organs oder die Verteidigung eines Mandanten vor Gericht gelernt hat. Wenn ich mich aber selbst im Arbeitsalltag beobachte, gelingt es doch an vielen Stellen, das theoretisch Erfahrene in den Arbeitsalltag zu übersetzen.
Selbstverständlich fragt man sich auf den ersten Blick, was Webers Herrschaftstheorie mit dem Arbeitsalltag zu tun hat, aber auch Führungspersonen in konkreten Organisationen werden damit greifbar. Und natürlich sehe ich Grenzstellen; hunderte Versuche, Unsicherheit zu reduzieren, um entscheiden zu können, wie sich (fehlendes) Vertrauen auf Entscheidungen auswirkt und wie die Organisation versucht, Programme bzw. Standards zu schaffen. All dies sehen meine Kollegen sicher auch, aber sie sehen es sicher anders und selbstverständlich ist ihr Denken nicht durch die soziologischen Termini geprägt.Ich bin in der Lage, die Organisation - "mein" Unternehmen - mit Hilfe der Theorien, die ich gelernt habe, zu verstehen. Und das hilft mir dann tatsächlich, alltägliche Problemstellungen zu bewerten und zu verstehen, warum jemand so entscheidet, wie er entscheidet.
Und nicht zuletzt fällt mir auch der Umgang mit dem Wort im Vergleich zu manch anderem Kollegen wesentlich leichter, dafür hapert es bei den Zahlen... Ich habe gelernt, mir Texte und Themen sehr schnell zu erschließen. Und es fällt mir leicht, Konzepte, Artikel und Protokolle zu schreiben, was sicher dem guten Training aus dem Studium geschuldet ist.

Was macht aus Ihrer heutigen Sicht das Studium an der Bielefelder Fakultät für Soziologie aus?

Ohne zu Zögern würde ich das Studium genauso wieder machen. Aus heutiger Sicht habe ich mit der Soziologie etwas gefunden, von dem ich vor Studienbeginn nicht wusste, dass es da ist. Aber es ist auch wichtig zu wissen, worauf man sich da einlässt. Das Studium fordert von einem selbst, zu überlegen, wozu man das Ganze macht. Wenig Struktur und viel Theorie muss man aushalten können und wollen. Ich fand das immer spannend und dafür hat die Bielefelder Fakultät tolle Möglichkeiten geboten. Die breite fachliche Aufstellung ermöglichte mir sowohl die Konzentration auf den Lieblingsbereich als auch das Links-und-Rechts-Gucken. Allerdings könnte das Studium doch mit der ein oder anderen Prise nicht-soziologischen Wissens bereichert werden, um zumindest etwas mehr Praxisnähe zu bieten, die über Forschungspraxis hinaus geht. Es würde eben zum Beispiel nicht schaden, auch im Soziologiestudium zu lernen, was ein Kommanditist ist. Und dies nicht nur, um zu vermeiden, dass man sich mit entsprechender Unkenntnis gleich am ersten Tag blamiert, wenn man sich dazu entschließen sollte, in einem Wirtschaftsunternehmen zu arbeiten. Sondern auch, weil diese gesellschaftsrechtlichen Dinge auch aus (organisations)soziologischer Sicht durchaus ihre Bedeutung haben.

+   Andrea Franzke

Im Jahr 2009 habe ich mein Studium der Soziologie (auf Diplom) an der Universität Bielefeld beendet und arbeite seitdem in einem Bielefelder Marktforschungsunternehmen.

Als Full Service-Dienstleister unterstützt das Institut seine Kunden in allen Schritten eines Marktforschungsprojektes, von der Entwicklung des Fragebogens über die Durchführung der Datenerhebung bis zur Auswertung und Erstellung von Ergebnispräsentationen. Bei der Datenerhebung wird dabei vor allem auf Online-Befragungen und telefonische Befragungen gesetzt, letztere werden im hauseigenen Telefonstudio durchgeführt.

Ich selbst arbeite in dem Institut zurzeit als Research Executive und betreue sowohl ad-hoc Studien als auch Trackings. Dabei gehören zu meinen Aufgabenbereichen neben der Fragebogenabstimmung mit dem Kunden und der Programmierung von Fragebögen insbesondere auch die Auswertung der erhobenen Daten und deren Aufbereitung in Ergebnisberichten. Mein Arbeitsschwerpunkt liegt im Bereich der quantitativen Methoden. Daher kommen mir in meinem Beruf besonders die während meines Studiums erworbenen Kenntnisse aus dem Bereich der empirischen Sozialforschung zugute.

Neben statistischen Aspekten nützt mir aber auch die während des Studiums erworbene Kompetenz, gesellschaftliche Sachverhalte und das Handeln der in ihr lebenden Individuen zu hinterfragen. Auch die Fähigkeit, eine Problemstellung aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und Lösungsansätze zu entwickeln, ist in meinem Berufsalltag entscheidend. Ferner kann ich je nach Projektthema auch auf Inhalte aus Seminaren zur Sozialstruktur zurückgreifen.

Neben all den fachlichen Aspekten sind es aber vor allem auch die während des Soziologie-Studiums in Bielefeld stark geforderten und geförderten Schlüsselqualifikationen wie die Zeitorganisation, Team- und Kontaktfähigkeit, die ich in meinem beruflichen Alltag nutzen kann.

+   Prof. Dr. Wolfgang Lukas

Wie gestaltete sich Ihr beruflicher Werdegang?

1984
Diplom in der Tasche; die Frage, die mir seit Studienbeginn immer wieder gestellt wurde „und was willst du damit denn hinterher machen?“ konkretisiert sich – wird aber durch einen Mitarbeitervertrag über 2 Jahre an der Uni erstmal vertagt. In dieser Zeit konkretisiert sich auch die Entscheidung zu einer Dissertation, allerdings nicht über empirische Methoden, was Gegenstand der Diplomarbeit und des Mitarbeitervertrags war, sondern empirisch über das organisationssoziologische Thema: „People processing institutions“.

1986 bis 1989
Konzeptioneller und empirischer Teil der Dissertation. Mischfinanzierung aus Arbeitslosengeld, Werkverträgen bei der untersuchten Institution und tageweise Aktivitäten in einer Unternehmensberatung. Letzteres erwies sich als zunehmend finanziell tragfähig, so dass die Entscheidung „Job oder Dissertation“ notwendig wurde.

1989
Ein Angebot der Uni, ein neu aufzusetzendes Programm „Studierende und Wirtschaft“ aufzubauen, ergab dann den Ausschlag zugunsten der Dissertation, die ich neben dem Uni-Job zu Ende brachte.

1991
Mit der abgeschlossenen Dissertation zum Thema „people processing“ und der praktischen Erfahrungen aus der Unternehmensberatung gelang der Berufseinstieg in der internen Organisationsberatung der Schering AG. Eines der Projekte, die ich damals betreute, war die Fusion der Agro-Sparten von Schering und Hoechst. Das Joint-Venture AgrEvo sollte, konsolidiert im Hoechst-Konzern, als selbständige Tochtergesellschaft global agieren.

1993
Wechsel in die neu konstituierte AgrEvo als Leiter Grundsatzfragen Personal, in der Post-Merger-Phase war ich verantwortlich für die Zusammenführung der Personal- und Führungssysteme weltweit.

1997
Der Geschäftsführung schien meine Arbeit zu gefallen. Die Personalentwicklungsphilosophie sah vor, den Führungskräftenachwuchs mit funktional und international sehr unterschiedlichen Herausforderungen zu konfrontieren. Für mich hieß das: raus aus der Zentrale und rein ins operative Geschäft, und das im Ausland. Das Angebot, Geschäftsführer für das gesamte skandinavische Geschäft mit Sitz in Kopenhagen zu werden, nahm ich an. Ein ziemlicher Sprung ins kalte Wasser, der gelang, da ich ein engagiertes und kompetentes Team vorfand.

1999
In der Branche zeichnete sich ein weitergehender Konzentrationsprozess ab, so dass es nur eine Frage der Zeit war, bis auch AgrEvo oder Hoechst fusionieren würden. So kam es auch. Hoechst fusionierte mit dem französischen Chemie-Konzern Rhóne-Poulenc. Das bedeutete auch die dementsprechende Fusion der jeweiligen skandinavischen Geschäfte. Diese Zusammenführung war mein letztes Projekt, das ich zusammen mit meinem Geschäftsführerkollegen von Rhóne-Poulenc Norden durchführte, der die Geschäftsführung der integrierten Organisation übernahm. Für mich stellte sich die Entscheidung, entweder im neuen Konzern eine neue Aufgabe zu übernehmen oder Wege außerhalb zu beschreiten. Eine FH-Professur war eine Option. Aufgrund meiner praktischen Erfahrungen kam nur BWL in Frage, wobei ich hier erstmal ausprobieren musste, ob ich als Soziologe hier überhaupt Chancen habe. Das Ausprobieren mündete in 2 Rufen: nach Emden, den ich annahm, da ich mich entscheiden musste und später dann nach Bremerhaven, wo die Stelle attraktiver war und wohin ich nach einem Semester in Emden wechselte.

2000
Start in Bremerhaven; seitdem verschiedene Projekte in der Hochschule, aber auch neben der Hochschule nahm ich die Beratungsaktivitäten wieder auf, die ich 2008 in die SHS Business Consultants einbrachte.

Welche Inhalte, Methoden oder sonstigen Erfahrungen aus Ihrem Studium sind für ihre heutige Tätigkeit besonders wichtig?

  • Fähigkeit zum Erfassen komplexer und „weicher“ Zusammenhänge
  • Neugier und unvoreingenommenes Denken
  • Interdisziplinarität
  • Verständnis des „human factor“ als wesentliches Kriterium von Organisationen, Systemen, etc.

Was macht aus Ihrer heutigen Sicht das Studium an der Bielefelder Fakultät für Soziologie aus?

  • Breite der Studierangebots
  • Hervorragende, weltweite wissenschaftliche Reputation
  • eine sich dynamisch entwickelnde Universität
  • Campus und Infrastruktur der Uni
+   Ilka Piel

Was haben Sie studiert?

Soziologie auf Diplom.

In welcher Position arbeiten Sie jetzt?

Personalreferentin bei einem mittelständischen Unternehmen der Chemiebranche (Lackhersteller) in Hamburg.

Welche Tätigkeiten üben Sie dort aus?

Schwerpunkte der Tätigkeit sind:

  1. Internationale Rekrutierung (Stellenausschreibungen erstellen, Bewerbungsgespräche führen, Vertragsverhandlungen, Begleitung des gesamten Einstellungsprozesses) und
  2. Betreuung der Mitarbeiter im Ausland. Zu dieser Mitarbeitergruppe gehören die lokal angestellten Mitarbeiter bei einer unserer 12 ausländischen Tochtergesellschaften sowie Mitarbeiter, die zu einem der Tochterunternehmen entsandt sind.

Zu der Betreuung gehört z.B. das Erstellen von Arbeitsverträgen (jeweils in Kooperation mit einem Anwalt aus dem jeweiligen Land), die Vorbereitung und Durchführung von Entsendungen (z.B. Prüfen von steuer- u. sozialversicherungsrechtlichen Aspekten), Prüfen und Durchführen der monatlichen Gehaltsabrechnungen, Erstellen von Übersichten und Tabellen, z.B. Gehaltsübersichten unserer Mitarbeiter, Benchmarks etc.

Welche Inhalte, Methoden oder sonstigen Erfahrungen aus Ihrem Studium sind für ihre heutige Tätigkeit besonders wichtig?

Mit meinem damaligen Studienschwerpunkt 'Organisationen' habe ich schon im Studium viele Themen behandelt, die sich auch in meinen jetzigen Arbeitsinhalten/Tätigkeiten wiederfinden lassen. Ich hatte daher von Beginn an einen guten Überblick über Abläufe und Strukturen in Organisationen/Unternehmen. Auch habe ich viele ganz konkrete, fachliche Dinge wie das Führen von Interviews oder auch z.B. facts über das Thema Entsendungen (habe mein Lehrforschungsprojekt damals über Expatriates geschrieben) gelernt. Außerdem bin ich als Soziologin dazu in der Lage, nicht ganz so offensichtliche Strukturen und Hintergründe schneller zu erkennen und zu deuten, was einem nicht zuletzt eine gute Portion Gelassenheit gibt (etwas, das man für sein eigenes Selbstbewusstsein in einem Unternehmen und seine eigene Karriere nicht unterschätzen darf). Darüber hinaus habe ich damals auf Diplom studiert und musste mir daher eine sehr selbständige Arbeitsweise aneignen, was ebenfalls sehr positiv ist.

Was macht aus Ihrer heutigen Sicht das Studium an der Bielefelder Fakultät für Soziologie aus?

Mir hat die gute Verknüpfung von "Praxis" und Wissenschaft gefallen. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt meines Studium Zweifel darüber, was ich beruflich machen möchte/werde. Es gab immer Beispiele oder Themen, die einem die eigene, berufliche Zukunft nahe gebracht haben.

+   Florian Spengler

Was haben Sie studiert?

Ich studierte Soziologie auf Diplom.

In welcher Position arbeiten Sie jetzt?

Ich bin Referent beim Statistischen Bundesamt.

Welche Tätigkeiten üben Sie dort aus?

Ich arbeite im Arbeitsbereich Bürokratiekostenmessung. Das Statistische Bundesamt ist seit 2006 von der Bundesregierung beauftragt, die Bürokratiekosten zu ermitteln, die sich aus Bundesgesetzen ergeben. Dies gilt auch für neue Gesetzgebungsvorhaben. Ich persönlich bin für die Gesetzesbereiche des Innen- und des Arbeitsministeriums zuständig und berate die Gesetzgebungsreferate bei der Kostenfolgenabschätzung, die im Gesetzesvorblatt verpflichtend angegeben werden muss. Zusätzlich dazu machen wir eine Reihe von Projekten, die ich begleite. Wie z.B. die Untersuchung der Bürokratiekosten im Bereich der Pflegeversicherung. In meinem Alltag bedeutet das viel Kommunikation mit Ministerien, Koordinierung der Projekte und das Verfassen von Stellungnahmen.

Welche Inhalte, Methoden oder sonstigen Erfahrungen aus Ihrem Studium sind für Ihre heutige Tätigkeit besonders wichtig?

Auch wenn ich keine astreine Statistik mache, sicherlich die Kenntnisse in quantitativer und qualitativer Sozialforschung. Ganz wesentlich ist auch die Analyse und das Verstehen von Zusammenhängen, selbst wenn man kein Experte des zu untersuchenden Themas ist. Denn über Dinge wie das Waffenrecht oder die Sozialgesetzgebung habe ich in meinem Studium nichts bzw. wenig gelernt.

Was macht aus Ihrer heutigen Sicht das Studium an der Bielefelder Fakultät für Soziologie aus?

Die Vielfalt an Themen und Lehrenden habe ich sehr genossen. Trotz des vorherrschenden Fokus auf die Luhmannsche Theorie, hatte ich als Nicht-Systemtheoretiker genug Freiraum, für mich interessante Themen zu bearbeiten. Als aktiver Fachschaftler fand ich die Zusammenarbeit innerhalb der Fakultät sehr angenehm. Und nicht zuletzt das Soz-Café, in dem ich viele Stunden verbracht habe. Und sei es nur, um zu kickern.

+   Prof. Dr. Rudolf Stichweh

Was haben Sie studiert?

Ich habe Soziologie und Philosophie studiert, zunächst an der FU Berlin, danach an der Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld.

In welcher Position arbeiten Sie jetzt?

Ich bin Professor für soziologische Theorie an der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Luzern.

Welche Tätigkeiten üben Sie dort aus?

Meine Arbeit verteilt sich zu ungefähr gleichen Anteilen auf die Ausbildung von Studierenden und Doktoranden und meine Forschungsarbeit, die aus Lektüre, Vorträgen und dem Schreiben von Aufsätzen und Büchern besteht. Ich versuche diese beiden hauptsächlichen Seiten meiner Tätigkeit so eng wie irgend möglich zu verknüpfen und keinen Graben zwischen ihnen entstehen zu lassen.

Welche Inhalte, Methoden oder sonstigen Erfahrungen aus Ihrem Studium sind für ihre heutige Tätigkeit besonders wichtig?

Auch wenn es lange her ist, steht mir meine Studienzeit nach wie vor sehr lebendig vor Augen und bestimmt mein heutiges Verhalten in der Universität mit. Auch in dieser Hinsicht gibt es ein Kontinuum, das sich in meinem Fall natürlich eingestellt hat.

Was macht aus Ihrer heutigen Sicht das Studium an der Bielefelder Fakultät für Soziologie aus?

Bielefeld habe ich immer unter dem Gesichtspunkt verstanden, dass es eine Fakultät ist, der von ihren Möglichkeiten her eine umfassende Repräsentation aller intellektuellen Schattierungen der Disziplin Soziologie aufgegeben ist, unter Vermeidung aller Engstirnigkeiten, Dogmatisierungen und Sichtbeschränkungen, die sich anderswo oft durchsetzen. Vor allem aber ist es auch die Erfahrung und Erwartung, dass Bielefeld sich in dem Sinne im Zentrum der europäischen Soziologie verorten sollte, dass sie für anspruchsvolle Theorie und interdisziplinäre Lernbereitschaft einen Ort bieten sollte, der an anderen Orten oft schwer zu finden ist.

+   Insa Vogt

Was haben Sie studiert?

Ich habe Soziologie im Diplomstudiengang studiert. Mit dem Schwerpunktfach Sozialpsychologie und im Hauptstudium Soziale Probleme und Problemintervention.

In welcher Position arbeiten Sie jetzt?

Ich bin Projektmanagerin, Texterin, Konzeptionerin und Beraterin in einer Werbeagentur.

Welche Tätigkeiten üben Sie dort aus?

Ich bin die Schnittstelle zwischen Grafik-Designer und Kunde. Zudem bin ich Ansprechpartner für alle Dienstleister, wie z.B. Druckereien. Zudem Ansprechpartner für alle Dienstleister wie z.B. Druckereien. Ich koordiniere die einzelnen Projekte wie z.B. Flyer, Broschüren, Internetseiten, Marken-Entwicklung, Strategieplanung und arbeite mich dabei in sehr viele unterschiedliche Themen ein. Diese gilt es dann zielgruppengerecht aufzubereiten, verständliche Texte zu verfassen und mit Grafikern ein passendes Layout dazu zu entwickeln. Die Gestaltung stimme ich dann mit dem Kunden ab und leite den weiteren Produktionsablauf. Des Weiteren bin ich aktiv bei der Kreativentwicklung z.B. von Logos oder Kampagnen dabei.

Welche Inhalte, Methoden oder sonstigen Erfahrungen aus Ihrem Studium sind für Ihre heutige Tätigkeit besonders wichtig?

Theorien der Soziologie oder Methoden kommen in meiner täglichen Arbeit nicht vor, jedoch habe ich durch das Studium meine Fähigkeiten hinsichtlich strukturiertem und analytischem Denken ausbauen können. Zudem stelle ich fest, dass Soziologen sehr gut Texte quer lesen können, auf den Punkt Inhalte zusammenfassen können und einen besonderen Blick auf Themen haben. Des Weiteren kommt mir bei der Arbeit zu gute, dass es mir leicht fällt, Themen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, was auch in der Soziologie oft gelebt wird.

Was macht aus Ihrer heutigen Sicht das Studium an der Bielefelder Fakultät für Soziologie aus?

Die Fakultät hat mir damals ein wirklich sehr gutes, umfangreiches Studium geboten. Ob das heute im Zuge des Bachelor-Studiums noch so ist, möchte ich bezweifeln. Denn damals fand ich die Vielfalt der Fächermöglichkeiten und das Ausprobieren unterschiedlicher Schwerpunkte, das Studieren ohne genauen Plan und die Chance, während des Studiums herauszufinden, was interessant und passend für einen ist, sehr gut. Zudem gab es damals sicherlich mehr Freiraum und Zeit, um sich intensiv mit Themen auseinander zu setzen. Das Literaturangebot der Bib hat mir auch immer sehr gut gefallen und die Vielfalt der unterschiedlichen Vorlesungen. Es war gut, dass das Studium nicht zu stark auf die Methoden der Sozialforschung gesetzt hat, sondern mehr auf die Theorien, dennoch hätte man sicherlich noch stärker die Praxis integrieren können.