Turnitin
 
 
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Uni von A-Z
Universität Bielefeld
  
Plagiierte Hausarbeiten

Problemlage an der Universität Bielefeld
Wolfgang Krohn, Corinna Schlombs, Niels-Christian Taubert

1. Plagiierte Hausarbeiten

Durch die von der Universität zur Verfügung gestellten Zugänge zum WWW-Dienst ist ein schneller und komfortabler Zugang zu Informationen, Datenbeständen und wissenschaftlichen Publikationen für die Universitätsangehörigen möglich. Diese an sich wünschenswerte Entwicklung der Datenverfügbarkeit eröffnet allerdings auch Möglichkeiten eines unseriösen Umgangs mit den von Dritten zur Verfügung gestellten Informationen. Im Bereich der Lehre wurden nicht nur an anderen Universitäten sondern auch in Bielefeld plagiierte Hausarbeiten entdeckt, deren Inhalte aus dem WWW kopiert wurden. Einen gewissen Einblick in den Umfang in diese Praxis gibt die Lehrveranstaltung Informatik und Gesellschaft (Technische Fakultät, Veranstalter Prof. Wolfgang Krohn) im WS 01/02. Innerhalb dieser Veranstaltung wurden bis 6/2002 39 Gruppenarbeiten eingereicht, wobei 10 Hausarbeiten als Plagiate oder teilweise plagiiert identifiziert werden konnten. Bezogen auf die Anzahl der eingereichten Hausarbeiten ergibt sich so ein Anteil nachgewiesener Plagiate von 25,6 %, bezogen auf die Anzahl der an Plagiaten beteiligten Personen von 24,6 %.

Zu unterscheiden ist im Fall von Plagiaten

  • zwischen vollständig aus einer fremden Quelle übernommenen Hausarbeiten
  • und Arbeiten, die sich aus verschiedenen Internetquellen zusammensetzen.


Aufgrund der Erfahrungen an anderen Universitäten und der großen Bandbreite von im WWW-Dienst verfügbaren Informationen ist davon auszugehen, dass es sich bei dem Auftauchen von Plagiaten nicht um ein auf spezifische Fachkulturen beschränktes Phänomen handelt. Schätzungen ergeben, dass überall dort, wo zusammenhängende Texte erarbeitet werden müssen, mit einem Anteil von Teilplagiaten von 30% zu rechnen ist. In der genannten Veranstaltung ist mündlich und schriftlich in einer Anleitung zur Erstellung von Gruppenarbeiten vor dem Plagiieren gewarnt und die Überprüfung angekündigt worden.


2. Lösungsmöglichkeiten/Handlungsoptionen

Plagiierte Hausarbeiten sind Betrugs- oder Täuschungsversuch, die einen Verstoß gegen die Prüfungsordnungen und das Urheberrecht darstellen und zudem nicht mit den Grundsätzen guter wissenschaftlicher Praxis vereinbar sind Neben dem Verlust an Qualität in der Ausbildung ist auch das gestörte Vertrauensverhältnis zwischen Lehrenden und Studierenden problematisch. Die Universität hat daher darüber beraten, mit welchen geeigneten Maßnahmen hier die Qualitätssicherung in der Lehre greifen kann.

In der Literatur wird häufig vorgeschlagen, Themenstellungen der Gruppen/Hausarbeiten so einzuschränken, dass Plagiate schwer unterzubringen sind. Dies kann durch enge Bindung an die spezifischen Inhalte von Lehrveranstaltungen geschehen. Weiterhin wird empfohlen, durch eine Verpflichtung zur Dokumentation der Arbeitsschritte die Abkürzung durch Plagiat zu verstellen. Andere erklären das Verfassen von Textarbeiten für didaktisch überholt. Vorschläge dieser Art sind zwar bedenkenswert, können jedoch auch zu unangemessenen Einschränkungen und Pedanterien führen. Auch sollte auf keinen Fall die Variabilität der copy-paste Techniken unterschätzt werden. Es ist unumgänglich Kontrollverfahren zu benutzen.

Momentan besteht für jeden Lehrenden die Möglichkeit, Teile der Hausarbeit in WWW-Suchmaschinen von Hand einzugeben und die Hausarbeiten stichprobenartig zu überprüfen. Die Hausarbeit selbst braucht dazu nicht in digitaler Form vorzuliegen. Dieses Verfahren ist für die oben erwähnte Überprüfung benutzt worden. Eine Anleitung von Prof. Debora Weber-Wulf (FHTW Berlin) findet sich hier. Ein solches Vorgehen hat allerdings einige Nachteile.

  • Hoher Aufwand: für die stichprobenartige Überprüfung der Hausarbeiten ergab sich in der oben genannten Lehrveranstaltung ein zeitlicher Mehraufwand von ~ 30-45 Min. pro eingereichter Arbeit.
  • Lückenhafte Überprüfung: das stichprobenartige Vorgehen beinhaltet die Gefahr, dass Teilplagiate, also Hausarbeiten, die sich teils aus Eigenleistungen, teils aus plagiierten Texten zusammensetzen, unentdeckt bleiben.
  • Unzugängliche Texte: Inzwischen gibt es kommerzielle Datenbanken für akademische Texte, die von den Standardsuchmaschinen nicht erreicht werden.

Aufgrund der Probleme eines solchen Vorgehens hat sich die Universität Bielefeld dazu entschlossen eine auf ein Jahr befristete Campuslizenz des Plagiatsidentifikationssystems 'Turnitin' zu erwerben. Dieses kommerzielle Angebot einer automatischen Überprüfung ist leistungsfähiger, als das Vorgehen von Hand.

  • das Vorhandensein einer Benutzerlizenz
  • und das Vorliegen einer elektronischen Fassung des zu überprüfenden Textes .

Durch turnitin.com wird ein Prüfbericht erstellt, der im Fall des Vorliegens eines Plagiats

  • die ursprünglichen Quellen aufschlüsselt, aus denen der Text oder Textabschnitte übernommen wurden,
  • den Anteil der aus fremden Texten übernommenen Passagen prozentual errechnet
  • und die Bestandteile des überprüften Textes, die aus anderen Quellen stammen, farbig unterlegt.
  • Darüber hinaus baut turnitin.com eine Datenbank auf, in der bereits überprüfte Arbeiten gesammelt werden. Später eingegebene Arbeiten werden gegenüber dieser Datenbank auf Mehrfacheinreichung kontrolliert.

 

 

Die von uns durchgeführten Tests der Suchmaschine mit von uns bereits als plagiiert identifizierten Hausarbeiten verliefendurchweg positiv: die Suchmaschine erkannte ebenfalls sämtliche Arbeiten als plagiiert und darüber hinaus weitere Textbestandteile als von anderen Quellen übernommen. Vor dem Hintergrund unserer Erfahrungen halten wir dieses Überprüfungsinstrument geeignet, alle durch plagiierte Arbeiten aufgeworfenen Probleme umfassend zu bewältigen.