

| Autor | Buchtitel | Begruendung |
| Denis Diderot | Jakob der Fatalist und sein Meister |
Sind wir wirklich frei? Oder gibt es etwas, das uns determiniert? Diese ernste philosophische Frage wird in einem schmalen Roman wunderbar witzig verhandelt: Sein Titelheld Jakob ist fest davon überzeugt, daß alles, was Menschen widerfährt, bereits in der "großen Rolle" niedergeschrieben ist. Das Script für unser Leben steht also längst fest, weshalb Jakob sich mit Gleichmut in sein Schicksal fügt. Wozu sich aufregen, wenn wir ohnehin nicht die Autorinnen und Autoren unserer Lebensgeschichte sein können? Denis Diderot verfolgt dieses Thema aber nicht nur, indem er seine Romanfiguren darüber reden läßt. Die Art und Weise, wie sie das tun, ist das Besondere: Sie führen eindrücklich die Schwierigkeit vor, überhaupt irgendeine Geschichte zusammenhängend zu erzählen und zum Ende zu bringen. Sollte es tatsächlich jemanden geben, der alle unsere Geschichten vorherbestimmt und in der "großen Rolle" aufgeschrieben hat, muß er Humor haben - zumindest scheint das eine gute Erklärung für den Mangel an Zielgerichtetheit und das Auftreten aller möglicher absurder Unterbrechungen und Abschweifungen zu sein. Ein Buch, das intelligent und komisch ist, noch dazu von einem großen Stilisten. empfohlen von: Jun. Prof. Dr. Michaela Rehm | Fakultät für Philsophie |
| Darrell L. Bock | The Missing Gospels | Der Autor, ein ehemaliger von-Humboldt-Stipendiat, untersucht wissenschaftlich fundiert und zugleich unterhaltsam die Ursprünge des Christentums, des Neuen Testaments und der traditionellen ("orthodoxen") christlichen Theologie, wie sie in den ökumenischen Bekenntnissen der Frühen Kirche formuliert wird. Dabei kommt er zu hochinteressanten Ergebnissen. Wer ein intellektuell und spirituell anregendes, ja herausforderndes, Buch sucht, dem kann ich "The Missing Gospels" nur ans Herz legen.
empfohlen von: J.-Prof. Dr. Dr. Frederik Herzberg | Institut für Mathematische Wirtschaftsforschung |
| David Mitchell | Cloud Atlas |
Ein in jeder Hinsicht vielschichtiges Buch das mit Erzählstränge aufwartet, die über verschiedene Epochen miteinander verbunden sind. (trotzdem ist das Buch nicht nur für Freunde von Lawrence Norfolk zu empfehlen). Das Buch ist spannend und lädt zum Nachdenken und Diskutieren ein. PS: es gibt auch eine nette Wiki-Seite dazu (http://en.wikipedia.org/wiki/Cloud_Atlas_(novel). Achtung: spoiler!) PPS: Finger weg von der Übersetzung;) empfohlen von: Prof. Dr. Harry Haupt | Zentrum für Statistik |
| Irmgard Keun |
Das kunstseidene Mädchen |
Für mich gehört Irmgard Keun zu den tragischen Frauengestalten des 20. Jahrhunderts. Ihr zweiter Roman "Das kunstseidene Mädchen" wird 1932 zu einem Sensationserfolg: gesellschaftskritisch und unterhaltsam zugleich. Tucholsky schreibt: "Eine schreibende Frau mit Humor, sieh mal an!"Die Keun orientiert sich dabei mit ihrem assoziativen, witzig-aggressiven Stil nicht nur an der gesprochenen Sprache, sondern auch am Kino: "Aber ich will schreiben wie Film, denn so ist mein Leben und wird es noch mehr sein.", so heißt es im Kunstseidenen Mädchen. Die Nationalsozialisten setzen die Romane Keuns dann auf die Schwarze Liste, sie emigriert und kehrt der Sprache wegen wieder zurück. Nach dem Krieg kann sie jedoch an ihre früheren Erfolge nicht anknüpfen, ihre Werke geraten in Vergessenheit und werden erst Ende der 1970er Jahre wiederentdeckt. Erzählt wird in dem Roman von Doris, dem "kunstseidenen Mädchen", das so gerne ein "Glanz" werden möchte. Doris will die große Welt erobern und diese große Welt, das ist für sie Berlin. Der Leser begleitet Doris auf ihrer Suche nach dem Glück - in die Tanzhallen, Bars und Literatencafés, bei ihren kurzlebigen Affairen mit Männern aus "besseren Kreisen". Doris' Auf und Ab wird von ihr selbst in ihrer ehrlichen, unverblümten Sprache erzählt, die eine ihr ganz eigene Fähigkeit zur Selbstironie erkennen lässt. Obwohl naiv, ist Doris eine selbstbewusste Frau, schön, zielsicher, gewitzt und nicht von Männern abhängig.
empfohlen von: Anke Schöning | Zentrum für Lehrerbildung |
| Marcelo Figueras |
Kamtschatka | Kamtschatka ist die Geschichte von "Harry", einem zehnjährigen Jungen aus Argentinien,dessen Eltern vor der Militärdiktatur fliehen müssen. Figueras gelingt es Harry die Geschichte der Flucht erzählen zu lassen, so dass der Leser/die Leserin miterleben kann, wie sich Harry´s Kinderwelt unter der drohenden Gefahr mehr und mehr verändert. Ein eindrucksvolles Buch.
empfohlen von: Petra Bollweg | Fakultät für Erziehungswissenschaften, AG8 |
| Jürgen von der Wense |
Wanderjahre |
'Wanderjahre' ist der 2. Teil der Biographie Wenses (1. Teil: Geschichte einer Jugend) und umfasst die Jahre 1932 bis 1966. Das Buch enthält eine von Herausgeber Dieter Heim zusammengestellte Sammlung von Briefen, Tagebucheintragungen, Landschaftsbeschreibungen (Raum östliches Westfalen, nördliches Hessen und südliches Niedersachsen) und allgemein weltanschaulichen Betrachtungen Wenses. Man bekommt einen faszinierenden Einblick in den Kosmos eines Mannes, dessen Leben aufgrund seiner vielfältigen geistigen Begabungen und seelischer Empfindsamkeit ein sehr reiches gewesen sein muss. Immer wieder fordert das Buch zur Reflexion eigener Überzeugungen heraus. In jedem Fall kann es eine Bereicherung für das eigene Nachdenken darstellen, in Bezug darauf, was die Welt zusammenhält. Nach meiner Recherche ist das Buch leider noch nicht im Bestand der Uni-Bibliothek. Die Anschaffung sei hiermit empfohlen.
empfohlen von: Torsten Breder | Fakultät für Rechtswissenschaften |
| Vikas Swarup | Six Suspects | Es ist das zweite Buch von Swarup - sein erstes "Slumdog Millionare" kennen die meisten. Zu Beginn dieser Geschichte, die in Indien spielt, wird ein Unsympath ermordet und es finden sich sechs Verdächtige. In drei Haupteilen verfolgt der Leser die Geschichte jedes einzelnen Verdächtigen und seiner/ihrer Verbindung mit dem Mordopfer bis zur Mordnacht. Das Buch ist wirklich bis zum Schluss packend und spannend geschrieben.
empfohlen von: Dr. Vivian Gramley | Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft |
| Jens Clausen, Harald Hahn und Markus Runge (Hrsg.) | Das Kieztheater: Forum und Kommunikation für den Stadtteil |
Mit dem Buch Das Kieztheater: Forum und Kommunikation für den Stadtteil machen die Autoren und Herausgeber deutlich, wie Methoden des Theaters der Unterdrückten und des Improvisationstheaters gemeinsam genutzt werden können, um eine emanzipatorische stadtteilbezogene Theaterarbeit zu entwickeln. Mit dem Projekt Kieztheater aus Berlin Kreuzberg ist ihnen dies bereits gelungen: Die Vorstellung dieses Projektes mit seinen Entwicklungsschritten, Ausdifferenzierungen und Besonderheiten steht im Zentrum dieses Buches. Herzstück des Kieztheaters ist das Forumtheater. Die Herausgeber schildern vor allem Praxiserfahrungen und zeigen auf, wie Kieztheater für die Stadtteilarbeit produktiv nutzbar gemacht werden kann. empfohlen von: Thomas Guthmann | Fakultät für Pädagogik |
| Pascal Mercier |
Nachtzug nach Lissabon |
Spannend und voller zum Nachdenken anregender und notierwürdiger Passagen.
empfohlen von: Katrin Jorke | Fakultät für Psychologie |
| Herta Müller |
Atemschaukel |
Ein Roman über sowjetische Arbeitslager - das hört sich abschreckend an. Und das ist es auch, denn es handelt sich um eine in allen Details wahre Geschichte. Herta Müller aber ist unzweifelhaft die beste Schriftstellerin der deutschen Gegenwartsliteratur. Ihr unvergleichlich präziser und anschaulicher Stil macht die Lektüre dieses Buches zu einem so bewegenden wie belehrenden Erlebnis. Eindringlicher als in jeder Geschichtsdarstellung wird der Leser über den Schrecken des 20. Jahrhunderts aufgeklärt. empfohlen von: Prof. Dr. Friedmar Apel | Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft |
| Terry Pratchett |
Nation | In "Nation" geht es darum, was uns ausmacht, was uns definiert und wie wir damit umgehen, wenn alles, was unser bisheriges Leben bestimmt hat, plötzlich hinweggespült wird. Obwohl als Kinderbuch herausgegeben, behandelt dieses (in meiner Sicht bisher beste) Buch von Pratchett eine Reihe von "grossen" Themen, inklusive Tod, Identität und die Rolle der Wissenschaft in gerade auch für "Erwachsene" sehr beeindruckender Art und Weise, gemischt mit dem typischen Wortwitz und subtilen Humor, der Pratchetts spätere Werke auszeichnet.
empfohlen von: Sven Hartmeier | CeBiTec / BiBiServ |
| Judy Dunn & Robert Plomin | Warum Geschwister so verschieden sind | Gelungene leserfreundliche Einfhrung in ein wissenschaftlich anspruchsvolles Thema.
empfohlen von: Christian Kandler | Fakultät für Psychologie |
| Cory Doctorow | Little Brother |
In "Little Brother" zeigt Doctorow auf eindringliche, spannende und sehr intelligente Weise, was passieren kann, wenn sich in unserer High-Tech-Gesellsschaft staatliche Organisationen unter der Flagge von mehr "Sicherheit" gegen die Freiheit ihrer Bürger wenden, und wie man sich auf kreative Weise mit dieser Gefahr für die Gesellschaft auseinandersetzen kann. Ich kann dieses Buch (stellvertretend für alle anderen Werke von Doctorow) nur jedem Menschen empfehlen, gerade auch denjenigen, die von sich meinen, daß sie keine Probleme bekommen, weil sie ja nichts falsch machen und nichts zu verbergen haben, denn es zeigt auf einfache und verständliche Weise, wie schnell man auf der falschen Seite landen kann, wenn man das Pech hat, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. empfohlen von: Sven Hartmeier | CeBiTec / BiBiServ |
| Simon Beckett | Kalte Asche/Written in Bone |
Ein wirklich sehr packender Thriller. Die Spannungskurve sinkt nie und bis zum letzten Ende gibt es immer neue Wendungen, die aber nie an den Haaren herbeigezogen wirken. Außderdem sehr stimmungsvoll und gut geschrieben. empfohlen von: Roland Wittler | Technische Fakultät |
| Adam Tooze |
Ökonomie der Zerstörung, Geschichte der Wirtschaft im Nationalsozialismus |
Prägnante Darlegung des Wegs in die "wirtschaftliche Supermacht" Deutschland. Eine umfassende Wirtschaftsgeschichte des Nationalsozialismus. empfohlen von: Ernst Steinberg | Fakultät Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie, Abt. Geschichte |
| Mark Haddon |
The Curious Incident of the Dog in the Night-Time |
Dieses leicht zu lesende, englischsprachige Buch wid aus der Perspektive Christopher Boone erzählt, der an Asperger Syndrom "leidet". Christopher hat Schwierigkeiten, wenn es um Metaphern, Empathie oder Kontakte mit Mitmenschen geht. Sein Leben ist sorgfältig aufgebaut, folgt einer strikten Ordnung und ist immer und überall der Logik verpflichtet. Seine außergewöhnliche Intelligenz und sein logisches Denken bringen ihm die besten Mathenoten ein. Als Christopher einen erschlagenen Hund in der Nachbarschaft findet, wird seine Neugier gewekt: er will den Fall aufklären... Das Buch folgt zwei Handlungssträngen: zum einen geht es um den Mord an dem Hund, den Christopher sehr ernst nimmt, zum anderen geht es um Christophers Leben. Der Leser bekommt Stück für Stück tiefere Enblicke in Christophers Leben präsentiert, die teils komisch, teils auch sehr traurig sind. Dieses Buch glänzt durch eine Schreibweise, die es auch "nicht so bewanderten" der englischen Sprache leicht macht, über Kleinigkeiten zu schmunzln und der Geschichte zu folgen. Der Charakter Christopher Boone ist eine Figur, die den Leser schon auf den ersten Seiten fesselt und ihn bis zum Ende des Buches nicht mehr los lässt. Hier ein kleines Lesebeispiel aus den ersten Seiten des Buches: "My name is Christopher John Francis Boone. I know all the countries of the world and their capital cities and every prime number up to 7,507. Eight years ago, when I first met Siobhan, she showed me this picture :( and I knew that it meant 'sad', which is what I felt when I found the dead dog. Then she showed me this picture :) and I knew that it meant 'happy', like when I'm rading about the Apollo space missions, or when I am still awake at three or four in the morning and I can walk up and down the street and pretend I am the only person in the whole world. Then she drew some other pictures but I was unable to say what these meant. I got Siobhan to draw lots of these faces and then write down next to them exactly what they meant. I kept a piece of paper in my pocket and took it out when I didn't understand what someone was saying. But it was very difficult to decide which of the diagrams was most like the face they were making because people's faces move very quickly. When I told Siobhan that I was doing this, she got out a pencil and another piece of paper and said it probably made people feel very and then she laughed. So I tore the original piece of paper up and threw it away. And Siobhan apologised. And now if I don't know what someone is saying I ask them what they mean or I walk away. empfohlen von: |
| Charles Darwin |
The Origin of Species by the Menas of Natural Selection | Eigentlich kann ich dieses Buch gar nicht empfehlen, da ich es gar nicht gelesen habe. Jedenfalls nicht komplett. Immerhin hatte ich mir Anfang des Jahres aus aktuellem Anlass (jeder sprach damals von dem beginnenden Darwin-Jahr) vorgenommen, jetzt endlich mal das Original zu lesen. Aber, zu meiner Schande, ich bin bislang (Ende August) nicht über Seite 79 (von 649) hinausgekommen. Schade eigentlich, denn man kann sehr viel über die Vorgehensweise der Naturforscher in früheren Jahrhunderten lernen. Insbesondere ihre unendliche Geduld bei der Beobachtung der Natur, ohne immer gleich alles verstehen zu müssen. Und dann aber doch wieder aus Myriaden von Einzelbeobachtungen die großen Zusammenhänge abzuleiten, die auch 1 1/2 Jahrhunderte späterr noch als sehr weitsichtig bezeichnet werden müssen. Ein bedeutendes Buch. Als Bettlektüre allerdings weniger gut geeignet.
empfohlen von: |
| Walter Kempowski |
Heile Welt | .In einem kleinen Heidedorf in den 60er Jahren unternimmt der nicht mehr ganz junge Matthias Jänicke seinen dritten Versuch, eine bürgerliche Existenz aufzubauen: Als frisch ausgebildeter Lehrer beginnt er die Beschulung der Dorfjugend und versucht gemäß den didaktischen Idealen seiner Zeit "freischaffenes Lernen in offener Behaustheit" zu praktizieren. In der ländlichen Gemeinschaft, die an der Oberfläche ein vermeintliches Idyll widerspiegelt, unter der es jedoch vor Zank, Missgunst und bewusst unter den Teppich Gekehrtem nur so brodelt, bleibt Matthias ein Fremdkörper, dessen Interesse an seiner täglichen Aufgabe zwischen halbherzig-pflichtschuldiger Erfüllung und gemütlich anderweitig orientierter Umgehung oszilliert. In vermeintlich bester "Taugenichts"-Manier versucht Matthias nicht einem Broterwerb nachzugehen, sondern sein "Glück" zu finden; doch wenn man erst mal die Metaebene erreicht hat, kann man die nicht mehr so einfach wieder verlassen. empfohlen von: |
| Christian Pantle |
Die Varusschlacht | Eine gute Darstellung des historischen Ereignisses mit wichtigen politischen und kulturellen Erläuterungen. Das Bild- und Kartenmaterial veranschaulicht die Vorgänge eindrucksvoll.
empfohlen von: |
| Daisy Hernandez & Bushra Rehman | Colonize This! Young Women of Color on Today's Feminism |
Das ist u.a. aus diesen Gründen mehr als empfehlenswert: 1. Die einzelnen Beiträge des Buches sind genau so klar und positioniert wie der Titel. 2. Für all' diejenigen, die sich fragen, wie (geistes)wissenschaftliche Theorieproduktion alltagstauglich werden kann - das Buch ist ein sehr gutes Beispiel 3. für alle People of Color die endlich mal ein GUTES Buch lesen wollen - das ist eines! empfohlen von: |
| Robert J. Berry |
Adam und der Affe |
Auch im Darwinjahr 2009 ist die Debatte zwischen Kreationisten und Evolutionsbiologen immer noch aktuell. Für mich als Christ und Naturwissenschaftler ist die Verbindung von Schöpfung und Evolution essentiell. Der Genetikprofessor und ehemalige Präsident der Linnean Society London stellt für mich die Verbindung von persönlichem Glauben und Wissenschaft in seinem Buch einleuchtend und klar dar.
empfohlen von: |
| Manfred Geier |
Die Brüder Humboldt |
In Zeiten von Bachelor und Master kann es eine schon fast wieder spannende Erfahrung sein, sich an das Anfang des 19. Jahrhunderts konzipierte Projekt einer humanistischen Bildungsidealen verpflichteten Universität zu erinnern. Manfred Geiers Doppelbiographie der so unterschiedlichen und doch seelenverwandten Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt ruft anschaulich und durchaus unterhaltsam Geist und Ideale jener Zeit in Erinnerung. Damit fordert das Buch seine Leser zugleich dazu heraus, über Sinn und Unsinn von Studium und Universität auch in unserer Zeit etwas grundsätzlicher nachzudenken. empfohlen von: |
| Johann Peter Hebel |
Kalendergeschichten (insbesondere "Unverhofftes Wiedersehen") | Auf-klärung schlichthin: klare Sprache, klare Gedanken. "Unverhofftes Wiedersehen" hält Ernst Bloch für die "schönste Geschichte, die es in der Literatur überhaupt gibt."
empfohlen von: |
| Agachanjanz, O.E. |
Der Wind heißt Afghane |
Ein sehr spannendes Sachbuch über Forschungen auf dem Pamir, im "Jahr der Schlange" unter dem rigiden alten Sowjet-System. Die damalige besondere Mentalität, der Jargon,die öffentliche Terminologie und Propaganda, die ständigen Versuche und Tricks die Zensur zu umgehen, all das spiegelt sich in den geschilderten Ereignisen und Vorkommnissen wieder, die in tagebuchähnlicher Form geschildert werden. Ein Zeitdokument aus Mittelasien zu Zeiten der kommunistischen Diktatur und dem Spruch: Moskau ist weit.
empfohlen von: |
| Stefan Zweig |
Die Augen des ewigen Bruders |
Eine Erzählung, die sehr nachdenklich stimmt. Man begleitet den Protagonisten auf seinem Lebensweg und wird mit Entscheidungen konfrontiert, zu denen man förmlich gezwungen ist, Stellung zu beziehen. Was ist das richtige Handeln in dieser Situation? Wer entscheidet was richtig ist und was falsch? Dürfen wir eingreifen? Dürfen wir zuschauen? Die Erzählung dringt bis zu Kernfragen eines jeden Lebens durch, ohne zu versuchen, vorgefertigte Antworten anzubieten. Mit gewohnt erzählerischer Kraft schafft es Stefan Zweig, hier auf wenigen Seiten ein großes Werk zu entfalten. empfohlen von: |
| Uwe Tellkamp |
Der Turm - Geschichte aus einem versunkenen Land |
Dieses Buch lässt, spannend geschrieben, ein totes Land in seinem Alltag für jeden auferstehen, erlebbar werden, der es nicht gekannt hat. Für alles, die es erlebt haben oder erleben mussten bringt es vergangene Erlebnisse zurück ohne der Verklärung eine Chance zu lassen. Es bietet eine der wenigen Möglichkeiten einer Reise in vergangene Zeiten, in die DDR - keine zwei Autostunden von hier - mit dem einzigen Unterschied, dass man jederzeit wieder raus kann.
empfohlen von: |
| Daniel Quinn |
Ismael (bzw. engl. Ishmael) |
Ein interessantes Buch, dass die Geschichte unserer Zivilisation mal auf ganz ungewöhnliche Weise betrachtet. Es lässt sich gut lesen und beleuchtet einige unserer Zivilisationprobleme mal aus einer ganz anderen Perspektive. Wirklich lesenswert.
empfohlen von: |
| Julia Friedrichs |
Gestatten: Elite |
Die in den vergangenen Jahren entstandene Diskussion um die Frage "Braucht unsere Gesellschaft Eliten und wenn ja, welche?" treibt Julia Friedrichs bei Ihrer Suche nach "der Elite" in Deutschland an. Meine Empfehlung ist, das Buch zunächst als eine ungemein präzise beobachtete und oftmals amüsante Milieu-Studie aufzufassen. Es offenbart hervorragende Eindrücke in die Denkstrukturen gesellschaftlicher Randgruppen wie Unternehmensberater, Elite-Stipendiaten oder G8-Gegner. Gerade dadurch, dass das Buch Elite von Beginn an eng, d.h. in erster Linie wirtschaftlich-politisch (und nicht z.B. kulturell) auffasst und auch zu keiner abschließenden Definition gelangt, zwingt es geradezu zur eigenen Meinungsbildung.
empfohlen von: |
| Tarek Badawia | Der dritte Stuhl |
Das Buch erläutert Schwierigkeiten Jugendlicher mit Migrationshintergrund, aber zeigt auch auf wie ein erfolgreicher Umgang mit der sogenannten "kulturellen Zerrissenheit"(sitzen zwischen zweiStühlen) stattfinden kann. empfohlen von: |
| Noe, Alva | Out of Our Heads |
Das neue Buch des Autors (Professor für Philosophie in Berkeley, Mitglied des 'Institute of Cognition and Brain Sciences') ist ein Plädoyer für ein Verständnis unseres Bewußtseins als 'embodied' und 'situated': "Our brains, no less than our hearts and hands, evolved in a particular environmental situation and under selection pressures appropriate to that situation." Argumentiert wird für einen Perspektivenwechsel ("the foundations of consciousness are not distinctively neural"), in gut lesbarer Form sowie mit weiterführenden Literaturhinweisen, für einen Perspektivenwechsel, bedeutsam für Philosophie, Neuro-Wissenschaften, Kognitionswissenschaft und nicht zuletzt auch für Linguistik und Robotik. empfohlen von: |
| Herfried Münkler | Die Deutschen und ihre Mythen. Berlin. Rowohlt 2009 |
Welche Vorgeschichte hat die aktuelle Aufregung um Arminius? Was sagt dies über die deutsche Abgrenzung "gegen Rom" - die auch die Mythen zu Luther oder Barbarossa prägt? Welche Bedeutung haben die Rhein-Mythen für die historische Feindschaft gegen Frankreich? Der Politikwissenschaftler Münkler beschreibt und analysiert in faszinierender Weise bekannte und unbekannte Mythen, die in der deutschen Geschichte identitätsstiftend waren und Politik legitimiert haben. empfohlen von: |
| Paul Feyerabend | Wider den Methodenzwang. Skizze einer anarchistischen Erkenntnistheorie | Bei diesem Buch ist die Frage, ob ich es als Fach- oder doch Freizeitlektüre empfehlen kann. Wahrscheinlich ist es Freizeitlektüre, die allerdings großes Potential hat, den eigenen Uni-Alltag zu irritieren. Der von Feyerabend entworfene Grundsatz "Anything goes" kann helfen starre Gedankengebäude aufzubrechen und eigene Positionen im wissenschaftlichen Diskurs zu entdecken. Als alleinige Leitlinie der Erkenntisgewinnung ist dieser Grundsatz in der gegenwärtigen Uni-Landschaft aber sicher nicht haltbar.
empfohlen von: |
| Ivo Andric | Die Brücke über die Drina | Dies ist erstens ein wunderbarer historischer Roman und zweitens sehr lehrreich für angehende Soziologen, Sozialwissenschaftler, Politikwissenschaftler unter dem Gesichtspunkt: Wie sieht der moderne Staat aus? Insbesondere: Wie durchdringt er unser gesamtes Alltagsleben? (dies an den Stellen, an denen die Eingliederung Bosniens durch Österreich-Ungarn beschrieben wird)
empfohlen von: |
| Kurt Held | Die rote Zora und ihre Bande | Eigentlich ein Kinderbuch, gewährte es mir Eintritt in eine Welt, als dessen Bürger ich mich seit Beginn meines Geschichtsstudiums eigentlich nicht mehr betrachtete.
empfohlen von: |
| W.G. Sebald | Austerlitz | Sehr schön, spannend und nachdenklich machend.
empfohlen von: |
| Eco, Umberto | Sämtliche Glossen und Parodien | Umberto Eco, geb. 1932, Professor für Semiotik an der Universität Bologna, gilt zu Recht als einer der vielseitigsten Intellektuellen und Gelehrten unserer Zeit. Neben zahlreichen Schriften zur Semiotik, zur Philosophie und zur Literatur hat er eine Reihe von Romanen verfasst, die in viele Sprachen übersetzt wurden. Am bekanntesten ist vermutlich sein Roman Der Name der Rose (Il nome della rosa), nicht weniger Aufmerksamkeit verdienen meines Erachtens die anderen Romane Ecos, also Das Foucaultsche Pendel (Il pedolo di Foucoult), Die Insel des vorigen Tages (L’isola del giorno prima), Baudolino (Baudolino) und Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana (La misteriosa fiamma della regina Loana). In all diesen Romanen, in denen in der einen oder anderen Weise historisches Material erzählerisch verarbeitet wird, gelingt es Eco, Gelehrsamkeit und Erzählkunst – wie ich finde – überzeugend zu vereinigen. Allerdings ist die Lektüre nicht immer einfach und fordert – wie im Falle von Das Foucaultsche Pendel und von Baudolino - vom Leser einige Geduld und ein nicht geringes Maß an Durchhaltevermögen. Ecos Glossen und Parodien zeigen eine Facette des Autors, die zumindest in Deutschland wenig bekannt sein dürfte. Sie gehen zurück auf Kolumnen, die er seit Ende der 1950er Jahre regelmäßig in verschiedenen italienischen Zeitschriften und Zeitungen veröffentlicht hat. Zu diesen zählen auch die sog. Streichholzbriefe, die unter dem Kolumnentitel La Bustina de Minerva seit Mitte der 1980er Jahre in dem römischen Nachrichtenmagazin L’Espresso erscheinen. Wie bei einem Autor wie Eco nicht anders zu erwarten, lassen auch seine Glossen und Parodien ein hohes Maß an souveräner und spielerischer Gelehrsamkeit und nicht zuletzt einen inspirierenden Humor erkennen. Obgleich etliche dieser Texte schon vor mehreren Jahrzehnten geschrieben wurden, haben auch diese – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der gegenwärtigen wirtschaftlichen und kulturellen Krise - an Aktualität kaum etwas eingebüsst und geben, ohne dabei den pädagogischen Zeigefinger zu heben, nach wie vor Anlass zum Nachdenken und Diskutieren.
empfohlen von: |
| Obama, Barack | Dreams from my Father | Geschrieben als Barack Obama noch in Havard studierte, ist dies eine spannend geschrieben, tiefgehende Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und der der Rassenproblematik in den USA. Hier kann man einer großen Persönlichkeit begegnen, die - inzwischen Präsident der USA - reflektiert (sehr gut) schreibt und einem die Problematik des Rassismus - nicht nur für die USA - subtil und dennoch ungemein eindrucksvoll vor Augen bringt.
empfohlen von: |
| Feydeau, Ernest | Fanny | Der 1858 erschienene Roman - auch als die kleine Schwester der "Madame Bovary" bekannt - bietet eine pikante Variante der klassischen Dreiecksgeschichte: Hier ist es nämlich der Liebhaber, welcher in flammender Eifersucht gegenüber dem legitimen Gatten seiner großen Liebe entbrennt. Doch auch stilistisch ist der Roman innovatorisch. Die psychologische Durchleuchtung einer existentiellen Erfahrung wie Eifersucht wird sprachlich äußerst detailliert bzw. fassbar umgesetzt und geschickt mit dem männlichen Selbstverständnis innerhalb der Kultur des 19. Jahrhunderts in Verbindung gebracht, wodurch auch dessen Bedeutung für den Beziehungskonflikt deutlich wird. So informiert der Roman nicht nur authentisch über das innere Durchleiden von Misstrauen und dessen radikaler Bestätigung, sondern gibt - fast schon analytisch - auch Aufschluss über die Besetzung von historisch gewachsenen Geschlechterrollen in so genannten Krisenmomenten.
empfohlen von: |
| Tilmann Lahme | Golo Mann. Biographie | Golo Mann gehörte seit 1958 - in diesem Jahr erschien die "Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts" - und dann für knapp dreißig Jahre zu den bekanntesten und einflußreichsten Intellektuellen der alten Bundesrepublik. Diese Stellung verdankte er seinem Erfolg als Geschichtsschreiber, Essayist, Kolumnist und unermüdlicher Redner. Wie es sich gehörte, rundete er sein Lebenswerk mit dem autobiographischen Werk "Erinnerungen und Gedanken. Eine Jugend in Deutschland" (1986), postum ergänzt durch die unvollendet gebliebene Fortsetzung "Lehrjahre in Frankreich" (1999). Ein letztes Mal wurde einem breiteren Publikum sein markanter, bei innerer Erregung immer energisch ins Schwanken versetzter Kopf durch die begleitende Dokumentation zu Heinrich Breloers "Die Manns" in Erinnerung gerufen; die Interviewausschnitte ließen die Narben, die eine Lebenshälfte als wenig geschätzter Sohn des 'Zauberers' und als Bruder von Klaus und Erika Mann hinterlassen hatte, mehr ahnen, als daß sie deutlich zu sehen gewesen wären. Fünfzehn Jahre nach seinem Tod hat Golo Mann (* 1909) endlich die angemessene Biographie gefunden. Während Urs Bitterlis Buch aus dem Jahr 2004 enttäuschte, hat Tilmann Lahme nunmehr die vermutlich auf lange Zeit definitive Lebensbeschreibung verfaßt. Anders als Bitterli hat er das äußerst ergiebige Tagebuch Golo Mann und zahlreiche weitere archivalische Quellen benutzt und konnte so klären, was zuvor undeutlich war. In der publizistischen Reaktion auf das Buch stand in diesem Sinne die Homosexualität im Vordergrund, die Golo Mann tatsächlich auch physisch gelebt hat, freilich immer verborgen vor der Öffentlichkeit und von heftigsten Selbstqualen begleitet, seit Kurt Hahn bei dem Internatsschüler in Salem das "Überspringen der Pubertät" und ein "Aushungern" der "abnormen Triebe" zu erreichen suchte. Lahme, Jahrgang 1974, verletzt nie das bürgerliche Decorum, nähert sich dem Thema aber unbefangener als Bitterli, der Manns Beziehungen ziemlich verklemmt behandelt und als rein platonisch zu marginalisieren gesucht hatte. Die durch mehrere Vorfälle entwickelte Feindschaft zu Theodor Adorno wird ebenfalls ausführlich geschildert, ohne daß Lahme sich Manns Perspektive ganz zu eigen macht. Mit traumwandlerischer Sicherheit bezog Golo Mann unzeitgemäße, ihn isolierende politische Positionen: In der Jugend stand er weit links, was nicht zu seiner Herkunft passte, später, als es gängiger war, als Intellektueller links zu sein, wandelte er sich durch das nähere Studium der Geschichte zum Konservativen, hielt sich aber ganz frei von der Vergottung des nationalen Machtstaates. Sein wunderbarer Satz, mit dem er in seiner "Deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts" (1958) die Schilderung des Ausbruches des Deutsch-Französischen Krieges einleitet - "Das ist eine blöde Geschichte mit lange nachwirkenden, schädlichen Folgen." -, trug ihm, wie Lahme berichtet, den Zorn des nationalkonservativen Leitwolfs der deutschen Historikerzunft Gerhard Ritter ein. Golo Manns Konservatismus war alteuropäisch-libertär, "eine politisch wie geschichtsphilosophisch einsame Position". Er hatte wohl auch deshalb Erfolg, weil er frei war von den politisch-ideologischen Belastungen des älteren deutschen Historismus, mit dessen besten Köpfen er freilich den klaren, im "Wallenstein" allerdings bisweilen ins Manierierte überspannten Stil teilte, und weil er sich bewußt freihielt von den zunehmend hermetischen Bemühungen zumal der Historischen Sozialwissenschaft eines Hans-Ulrich Wehler, die sich gegenüber den national verengten Positionen zwar ebenfalls sehr kritisch in Stellung brachte, aber auf ihrem Weg, Geschichte (wieder einmal) zur "richtigen" Wissenschaft zu machen, unterwegs die Menschen verlor - als Objekte ihres Studiums wie als Leser ihrer Erzeugnisse. Auch jedem übergreifenden "Sinn" der Geschichte - und mochte das jetzt die "Modernisierung" oder "der lange Weg nach Westen" sein - misstraute er. Eine Schule konnte Mann, der es nur vier Jahre lang auf einem deutschen Lehrstuhl aushielt, ohnehin nicht bilden: Skepsis und Melancholie sind die Tugenden des radikalen Individualisten. Es ist beklemmend zu sehen, wie der ab etwa 1960 äußerlich so erfolgreiche Golo Mann seine Historiographie einem gequälten Innenleben abringen mußte: mehr noch als an den Vater, dessen Tod er herbeigesehnt hatte, an die Mutter-Greisin und die zuletzt kranken Geschwister Erika und Michael gefesselt, oft depressiv, vor allen öffentlichen Auftritten von Lampenfieber gepeinigt, über lange Strecken Alkohol und Medikamente missbrauchend, nach dem Kraftakt des "Wallenstein" ohne neues Ziel hektisch publizierend dem Tag verfallen. Im bekannten "Fragebogen" des FAZ-Magazins gab er auf die Frage, wer oder was er sein möchte, nur zu Protokoll: "Jemand, der glücklicher ist als ich." Es lohnt sich in jedem Fall auch, die historischen Arbeiten Golo Manns (erneut) zu lesen; weniger den doch gealterten und barocken "Wallenstein" als die "Deutsche Geschichte"; dieses Buch wieder aufzuschlagen, so Gustav Seibt in der Süddeutschen Zeitung (27.3.2009), "ist wie ein höheres platonisches Wiederfinden (...); immer noch das Buch, das man einem intelligenten Fünfzehnjährigen in die Hand drücken kann, ohne ihm die Zeit zu verderben".
empfohlen von: |
| Alan Bennett | Die souveräne Leserin | Einfach eine ausgesprochen schöne und kurzweilige Geschichte :-)
empfohlen von: |
| Uwe Tellkamp | Der Turm | bereits viel besprochen, viel gelobt und deshalb kein Geheimtipp. Doch weil die fast 1000 Seiten insgesamt und vor allem die ersten 50 Seiten abschrecken, hier eine dicke Leseempfehlung. Auch wenn es sich ausschließlich um sogenannte Bildungsbürger dreht: Man lernt viel darüber, was die untergegangene DDR und was die Wende mit den Menschen in Ostdeutschland gemacht hat.
empfohlen von: |
| Nils Stephenson |
Die Barock-Triologie: und Principia |
Ich moechte an dieser Stelle keine umfassende Rezension der drei Buecher abgeben, da diese zu umfassend ausfallen muesste, als dass ich mir dieses zutrauen wuerde. Nie zuvor jedoch hat mich ein Zyklus derart gefesselt, wie diese Barock-Triologie rund um Wissenschaft, Geschichte, Philosphie, Kultur und Wirtschaft des 17. und 18. Jahrhunderts. Nils Stephenson schafft es, dem Leser in Einblick in das Barocke Zeitalter zu geben, indem der Leser die drei unterschiedlichen Hauptakteure, den Naturphilosophen Daniel Waterhouse, den Koenig der Landstreicher Jack Schaftoe und der Graefin de la Zeur Eliza ueber ein halbes Jahrhundert hinweg begleitet. Dabei verknuepfen sich die Schicksale dieser Personen zu drei spannenden Romanen und man erlebt historische Ereignisse, wie die Geburtsstunde der Principia Mathematica von Isaac Newton, erstellt mit Gottfried W. Leibniz die Kalkuele der Symbollogik, spioniert und intrigiert am Hofe Ludwigs XIV., erlebt die Blagerung von Wien durch den Tuerken, fuehrt Kriege zwischen Holland, Frankreich und England, reist mit Galeerensklaven von der Barberei-Kueste nach Hindustan und institutioniert das Bankenwesen in Europa, um nur Einiges zu nennen. Ein muss fuer alle, die an gut recherchierter, authentischer und anspruchsvoller Literatur Freude haben.
empfohlen von: |
| Marcel Proust | Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, 10. Buch | Proust schildert z.T. ironisch das bemerkenswert selbstbezogene und traditionsverhafte Verhalten und Denken der Mitglieder französischer Salons vor dem Hintergrund des Ausbruchs des 1. Weltkrieges; Proust bietet tiefe Einblicke in die Mentalitäten der adligen und großbürgerlichen Kreise Frankreichs, insbesondere von Paris
empfohlen von: |
| Pierre Bayard | Comment parler des livres que l'on n'a pas lus? | Ist das nicht der Traum vieler Studierenden? Seitenweise bei Klausuren oder Hausarbeiten zu schreiben, ohne "die" Bücher gelesen zu haben... Umso größer wird die Überraschung nach der Lektüre dieses Buches sein... denn es wird sich herausstellen, daß Sie es wommglich gar nicht gelesen haben! (Die deutsche Übersetzung wurde schon 2008 von Anke Sch�ning in diesem Rahmen empfohlen.)
empfohlen von: |
| Daston, Lorraine | Wunder, Beweise und Tatsachen. Zur Geschichte der Rationalit | Tatsachen, Evidenzen und Rationalität sind Leitvorstellungen mit denen Studierende und Wissenschaftler tagtäglich operieren. Den meisten im wissenschaftlichen Feld tätigen Personen ist jedoch die geschichtliche Gewordenheit dieser Vorstellungen nicht bewusst. Die Aufsatzsammlung von Lorraine Daston setzt hier an und lädt den Leser dazu ein, die Entstehung unserer modernen Rationalitätsbegriffe nachzuverfolgen. Eine vergnügliche, gut verstehbare Reise durch die Historie unseres modernen Denkens.
empfohlen von: |
| Reiss, Tom | The Orientalist. Solving the Mystery of a Strange and Dangerous Life | Ein Lebenslauf, der jeglicher Vorstellung eines einheitlichen Subjekts widerspricht - weit vor der Postmoderne: Lev Nussimbaum, 1905 in Baku geborener Jude, in den 1920ern Über abenteuerliche Wege nach Berlin gekommen, wo er zum Islam konvertierte. Als berühmter Schrifsteller und zeitgenössische "celebrity" schuf er sich verschiedene Identitäten (als Russe, Jude, Deutscher, Muslim usw.). Ein fesselndes Buch, das nicht nur die Konstruktionsweise von Identität/en sichtbar macht, sondern - ganz nebenbei - spannende Geschichten über wenig bekannte Regionen am Kaukasus, die russischen Revolutionen und nicht zuletzt Westeuropa in den 1920er und 1930er Jahren erzählt. (Dazu die Website: www.tomreiss.info)
empfohlen von: |
| Schlink, Bernhard | Die Heimkehr. Roman. |
Die Ausgangssituation ist aus der Nachkriegsliteratur bekannt: Die nach Hause kehrenden Kriegsheimkehrer erscheinen ihren Familien als Fremde und fühlen sich fremd; eine Situation, die dann noch einmal zugespitzt wird, wenn den eignen Platz inzwischen ein anderer eigentlich Fremder eingenommen hat.Wie solches Vexierspiel von 'heimisch sein' und zugleich 'fremd sein' sowie umgekehrt in der Generation der Söhne und Töchter aussehen kann, zeigt der Roman von Schlink in Form einer virtuosen 'Entdeckungs-Irrfahrt' die letztlich eine der Entdeckung des eigenen ICHs ist.
empfohlen von: |
| Dawkins, Richard | Geschichten vom Ursprung des Lebens: Eine Zeitreise auf Darwins Spuren. | Die Reise der Entwicklung des Lebens als Pilgerweg. Die Geschichte des Lebens kompakt!
empfohlen von: |
| Carlos Ruiz Zaf | Der Schatten des Windes | Eine sehr eigenwillige Geschichte, in der sich die Grenzen zwischen Magie und Wirklichkeit scheinbar verwischen. Die kraftvolle Sprache reißt den Leser förmlich mit in die Welt der Protagonisten und direkt ins Barcelona des beginnenden 20. Jahrhunderts
empfohlen von: |
| Audrey Niffenegger | Die Frau des Zeitreisenden | Eine Geschichte über die Kraft der Liebe, ohne dabei auch nur einen Moment kitschig zu sein.
empfohlen von: |
| Ralf Dahrendorf | Homo sociologicus | Im Todesjahr des Verf. ist es angezeigt, sich an ein Standardwerk zu erinnern, das im Jahre 1959 erschienen ist und bisher 16 Auflagen erlebt hat. Es ist sehr schmal, gleichwohl ebenso gehaltvoll wie verständlich. Grundlegende sozilogische Bezüge, in denen der einzelne steht, werden deutlich gemacht. Vieles lässt im Alltagsleben (auch gerade an der Uni) gut nachvollziehen. Der Text ist online über die UB Bielefeld abrufbar.
empfohlen von: |
| Kant, Immanuel | Kritik der reinen Vernunft | "Kopernikanische Wende" der Philosophie
empfohlen von: |
| Wolf von Niebelschütz | Kinder der Finsternis | Ein fast vergessenes Buch (1959), das auch noch 50 Jahr (sic! Jubiläum) nach seinem Erscheinen durch seine Wortgewalt und durch seine dichte Imagination besticht. Der Autor Wolf von Niebelschütz entwirft in dem Mittelalter-Roman ein Szenario, das in virtuoser Weise wissenschaftliche Präzision mit phantastischer Fiktion vereint.
empfohlen von: |
| Richard P. Feynman | Kümmert Sie, was andere Leute denken?: Abenteuer eine neugierigen Physikers | Was bedeutet es eigentlich, Wissenschaftler zu sein? Dieses Buch gibt hierzu plastische Einblicke, wobei insbesondere die Frage der Verantwortung der Wissenschaft eine zentrale Rolle spielt.
empfohlen von: |
| Wolf Wagner | Uni-angst und Uni-Bluff heute - Wie studieren und sich nicht verlieren. Berlin: Rotbuch. | Es erscheint mir sehr wichtig, dass insbesondere angehende Studierende den Mythos Universität hinterfragen und sich nicht von universitären Mechanismen abschrecken lassen. Der 'Klassiker' von Wolf Wagner ist eine hervorragende Einstiegslektüre von einem Fachmann.
empfohlen von: |
| Joey Goebel | Vincent | Man kann dieses Buch als Medienkritik lesen. Man kann dieses Buch aber auch als eine Geschichte über Freundschaft lesen, als Entwicklungsroman, als Tragödie, Krimi, Komödie... Wie auch immer: Vincent bleibt über die letzte Seite hinaus unvergessen. Ganz große Literatur!
empfohlen von: |
| Tzvetan Todorov | Die Eroberung Amerikas. Das Problem des Anderen. 1983. |
Eine Majafrau ist von den Hunden zerrissen worden... Der schöne und kluge Mensch Tzvetan Todorov lehrt und rührt an: Das Buch, längst weltweit ein Klassiker, war für mich in meiner Studienzeit d i e große Methodenlektion für die Empathie erzeugende Darstellung historischer Abläufe und sozialer Prozesse. Geeignet für alle, die die staatlich oder sozial angestiftete Grausamkeit und Kaltblütigkeit von Menschen verstehen möchten, um sich selbst davor zu bewahren. Nebenbei interessanteste Informationen zur Eroberung Amerikas. Und eine grandiose Lektion im wissenschaftlichen Schreiben. So spannend und bewegend wie ein großer Roman. Nur viel besser, denn: It's all true. Noch heute bin ich meinem Lehrer Norbert Mecklenburg, Köln, für den Lektüretipp dankbar. Unbedingt lesen!
empfohlen von: |
| Mongo Beti | Der arme Christ von Bomba | Der vor einigen Jahren leider verstorbene Mongo Beti ist der wohl immer noch wichtigste Autor Kameruns. Es lohnt sich insbesondere ihn vorzustellen, weil sich an seinem Schaffen sehr hautnah die Geschichte Kameruns vom Kolonialismus bis in die post/neokoloniale Gegenwart nachvollziehen lässt - und diese Geschichte hat durchaus ein Stück weit exemplarischen Charakter für europäisch-afrikanische Beziehungen. Monge Beti hat diese sein Leben lang kritisch kommentiert. "Der arme Christ von Bomba" - geschrieben in den 1950er Jahren - ist ebenfalls ein "giftiges" Buch, allerdings wählt Beti einen sehr eleganten und auch im besten Sinne unterhaltsamen Weg, seine Kritik vorzutragen: den Humor. Geschildert wird die Geschichte eines französischen Missionars, der eigentlich mit den besten Absichten ins Land gekommen ist aber auf einer Rundreise durch seine Gemeinde erkennen muss, dass die dort lebenden Menschen auch ganz prima ohne ihn auskommen. Und das ist noch nicht die letzte Erkenntnis, die ihn noch überraschen wird.
empfohlen von: |
| Anna Enquist | Letzte Reise | James Cook als Privatmensch, betrachtet mit den Augen seiner Frau. Eine großartige Idee, spannend, lehrreich und wunderbar geschrieben.
empfohlen von: |
| Ben C. Hett | Crossing Hitler. The Man Who Put the Nazis on the Witness Stand | Ein spannendes, exzellent geschriebenes und recherchiertes Geschichtsbuch, nicht zu dick, unterhaltsam und engagiert: Die Biographie des linksorthodoxen Rechtsanwalts Hans Litten (1903-1938), der im Berlin der Weimarer Jahre die Straßengewalt der Nazis anprangerte und von diesen 1933 ins KZ gesteckt wurde, wo er schließlich - von anhaltenden Folterungen gequält und zermürbt - einige Jahre später seinem Leben ein Ende setzte. Ein Buch voller Einblicke in die Geschichte der 1920er und 1930er Jahre und nicht zuletzt eine Liebeserklärung an eine untergegangene Kultur.
empfohlen von: |