Manuela Barth, Barbara U. Schmidt |
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"The Global Art Player" |
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Einschätzungen des breit gefächerten globalen Strukturwandels
sind - je nach Standort - vielschichtig bis widersprüchlich. Sie reichen
von neoliberaler Propagierung der internationalen und liberalisierten Wirtschaft,
dem Aufschwung der weltweiten Finanzmärkte und der Optimierung der
Kommunikationsstrukturen bis zur Warnung vor zunehmender Konfliktvermeidung
in Menschenrechts- und Umweltschutzfragen und vor einer Fortsetzung des
Kolonialismus mit anderen Mitteln.
Basis unserer Text-Bild-Recherche bilden die Subjekt- und Identitätsentwürfe, die mit diesen wirtschaftlichen, technologischen und kulturellen Veränderungen einhergehen. Der Begriff 'Global Player' weckt bereits entscheidende Assoziationen: Die Welt erscheint als Spielplatz auf dem sie sich ohne größere Verantwortung austoben können, die risikofreudigen Entrepreneure und Designer der Welt von morgen. Karriere ist für sie eine Frage der persönlichen Entscheidung: "Alles ist möglich, wenn Du nur willst". Kategorien wie Geschlecht, Ethnie und Klasse sind gleichzeitig aufgehoben und unsichtbar in dieser weltweiten Community der gleichberechtigten Akteure. Uns interessiert in erster Linie die hier herrschende Rhetorik, die zumindest vordergründig von sexistischen und rassistischen Klischees abweicht. Nachzeichnen möchten wir die zugrundeliegenden Strategien der Vereinnahmung, die unter dem Motto "One World one Future" Fragen nach Ausschluß und Abwertung auf Schauplätze verlegt, auf denen Kritik kaum noch möglich ist - diese Rhetorik begann spätestens mit den United Colours of Benetton und findet sich genau so in den bunten und toleranten Kunstbiennalen. Bemerkenswert ist dabei, welche Verschiebung sich mit dem Wandel von einer industriellen zu einer Dienstleistungsökonomie auch im Künstlerimage vollzieht. Die traditionelle Position am Rande der bürgerlichen Gesellschaft hat sich in eine Vorbildfunktion für den zeitgemäßen Erwerbstätigen gewandelt. Der ist zunehmend Freiberufler, der mobil und flexibel seine Arbeitskraft und seine Ideen auf einem heftig umkämpften Markt anbietet. Verpackt im Image der jungen Kreativen wird diese Beschäftigungsform als 'Individualisierungsgewinn' deklariert. Die Bilder der Powerfrauen, die in der Werbung und Popkultur propagiert werden, fügen sich nahtlos in diesen Individualisierungsdiskurs ein, der Gelingen und Scheitern in den persönlichen Verantwortungsbereich eines/einer jeden Einzelnen stellt. Zur Diskussion möchten wir stellen, wie weit die von uns vorgestellten Subjektentwürfe auf tatsächlicher Souveränität oder auf Funktionalisierung gemäß wirtschaftlicher Interessen beruhen.
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