Irene Below

 

"Kunstorte in Genderperspektive: Fragestellungen und Zielsetzungen des Workshops"

 
"Die Alternative zum Relativismus ist eine Vielfalt partialen, verortbaren, kritischen Wissens, das die Möglichkeit von Netzwerken aufrechterhält, die in der Politik Solidarität und in der Epistemologie Diskussionszusammenhänge genannt werden."
In: Donna Haraway, Situiertes Wissen


1. Die Mechanismen von Inklusion und Exklusion: Rasse, Klasse, Geschlecht und Geographien als biographische Erfahrungen
Im Sinne der nordamerikanischen Feministin Donna Haraway möchte ich zunächst den Versuch einer Selbstpositionierung in Bezug auf unser Thema vornehmen und meine partiale Perspektive als Kunsthistorikerin und Universitätswissenschaftlerin in Deutschland markieren.
2.

Geographien und gendering im sich globalisierende Kunstbetrieb
Ausgehend von Beobachtungen zur Umstrukturierung und Modernisierung des internationalen Kunstbetriebs durch die Ausbreitung von Großausstellungen wie Biennalen, durch Institutionen wie die Guggenheim Foundation und durch weltweit agierende Kuratoren, möchte ich zwei für den workshop zentrale Fragenkomplexe anreißen:

  • Welche Folgen hat die zunehmende Abkehr von der ausschließlichen Fixierung auf die westliche Kulturproduktion und die Berücksichtigung künstlerischer Arbeiten aus (fast) aller Welt? Kann dies zu einer Destabilisierung der westlichen Vorherrschaft im Kunstbetrieb führen? Welches Verhältnis von Peripherie und Zentrum, Metropolen und Provinzen, von virtuellen und realen Orten läßt sich beobachten?
  • Welche Stellung haben die Akteure, insbesondere Künstlerinnen, Kuratorinnen und Wissenschaftlerinnen in diesen Prozessen? Wie lassen sich individuelle Erfahrungen und Erfolge/Mißerfolge sowie strukturelle Vorgaben in unterschiedlichen Kunstorten unter Gender-Gesichtspunkten analysieren?
3. Globalisierung von unten auch im Kunstbetrieb? - Der Workshop und seine Ziele
Unsere Projektgruppe verfolgte bei der Auswahl der Orte, der Themen und bei dem Aufbau des Workshops das Ziel, aus unterschiedlichen Perspektiven theoretische Positionen vorzustellen und vielfältige Informationen über Rahmenbedingungen und Arbeitsmöglichkeiten von Künstlerinnen an unterschiedlichen Kunstorten zu gewinnen. Die Frage stellt sich, ob angesichts der Dominanz der Großinstitutionen des westlichen Kunstbetriebs eigenständige, sich davon abkoppelnde Formen des gleichberechtigten Austauschs und der Kooperation wünschbar und denkbar sind. Zu fragen ist weiter nach der Bedeutung transkultureller Kunstkonzepte, wie sie insbesondere von MigrantInnen mit dem Identitätsmodell der Nomadin/des Nomaden in die aktuelle Debatte gebracht wurden. Aus den Ergebnissen des Workshops und aus der kritischen Analyse und Erweiterung des bisher konzipierten Projektdesigns soll eine Kooperation und ein Netzwerk für das kommende Forschungsprojekt entwickelt werden.

 

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