Fenja Braster

 

"Kunstort Düsseldorf"

Die öffentliche Diskussion der letzten Jahre um Düsseldorfer Kunstinstitutionen und Ausstellungsorte ist sehr politisiert und von unterschiedlichen Diskursen geprägt:
dem Diskurs um das Museum als in Frage gestellte Institution,
dem Diskurs um die Partizipation und Mitbestimmung der KünstlerInnen
im Ausstellungsbetrieb und dem Genderdiskurs.
Die Kritik ging hauptsächlich von der Kunstszene aus, die in Düsseldorf für breitere politische Anliegen jederzeit mobilisiert werden kann.

1) Museum
Dem Museum wurde der Trend zu Eventcharakter und zu viel etablierter Kunst vorgeworfen. Der dem Kunstmuseum zugehörige Kunstpalast und die Kunsthalle waren geschichtlich gesehen die einzigen Institutionen, in denen sich auch jüngere Künstlerinnen und Künstler repräsentiert fanden, beide Orte sollten abgerissen werden. Die "Initiative rettet den Kunstpalast, die Kunsthalle und das Kunstmuseum" konnte den Abriss der Kunsthalle verhindern. Der Kunstpalast wurde bis auf die Fassade abgerissen und neu aufgebaut, und ist von einer städtischen zu einer Public Private Partnership zwischen Eon (ehemals Veba) und Stadt in Form einer Stiftung übergegangen. Dieser Neubau heißt nun Museum-Kunst-Palast, geleitet von Jean Hubert Martin.

2) Partizipation und Mitbestimmung von Künstlerinnen und Künstlern
Aus der "Initiative rettet den Kunstpalast, die Kunsthalle und das Kunstmuseum" ging auch ein neues Vorstandsgremium hervor, das den tradierten Künstlerverein Malkasten mit eigenem Gebäude und Park zu einem Ort der Gegenwartskunst verwandelt hat. Es gibt regelmäßig Ausstellungen, in denen sowohl international bekannte, aber auch gleichzeitig Düsseldorfer Künstlerinnen und Künstler unterschiedlichen Bekanntheitsgrads gezeigt werden. HauptorganisatorInnen sind momentan Katharina Fritsch und Bogomir Ecker. Die Ausstellungen finden innerhalb des Clubs statt, und sind in der Auswahl von Frauen und Männern sehr ausgewogen, und haben dabei ein sehr hohes Niveau (Cindy Sherman, Sam Taylor Wood, als Beispiele bekannter Künstlerinnen).
Als zweites Beispiel stelle ich die Ergebnisse der Einladung Jean Hubert Martins an die Künstler Thomas Huber und Bogomir Ecker vor, die Sammlung des ehemaligen Kunstmuseums, die Martin ebenfalls leitet, nach dem von ihnen entwickeltem Konzept neu zu hängen. Dieser Teil des Museums trägt von nun an den Namen "Künstlermuseum".
Als weitere Aktivität aus der Kunstszene sind die vielen Off-Spaces in Düsseldorf zu nennen: Site, Escale, Parkhaus, das Gastatelier Höher Weg, früher auch das Hobbypop Museum.

3) Gender
Hier gehe ich zur Genderdiskussion über, die ihre aktuelle Geschichte innerhalb der politischen Fragen eingenommen hatte. Parallel und zum Teil in Zusammenarbeit mit der "Initiative rettet den Kunstpalast, die Kunsthalle und das Kunstmuseum" bildete sich die "Künstlerinnengruppe". Sie forderte ein Pilotprojekt für die Kunsthalle, das für einen Zeitraum von 3 Jahren eine Quote von 50% Künstlerinnen als Endergebnis dieser Periode vorsah, das sich auch auf die Besetzung von Aufsichtsräten und Fachgremien beziehen sollte. Dieser Versuch scheiterte an den politischen Gegebenheiten, da die quotenfreundliche SPD nach den Neuwahlen ihre Vormachtstellung im Kulturausschuss verlor. Die Quote war immer sehr umstritten, und von der Künstlerinnengruppe als politische Maximalforderung verstanden worden.
Zu dieser Forderung kam es im Zusammenhang mit einer Studie zur Frauenpräsenz in Ausstellungen Düsseldorfer Kunstinstitutionen, die ich gemeinsam mit Sandra Satori durchführte, die in Presse und Öffentlichkeit Aufmersamkeit erhielt, da die Studie eine erhebliche Unterpräsenz von Künstlerinnen in den Institutionen nachwies. Diese Studie wurde 1999 publiziert und deutschlandweit an Kuratoren und Kuratorinnen verschickt.

Ergänzt werden die Ausführungen zu diesen drei Punkten durch Studien zur aktuellen Situation. Ich werde ein paar Ausstellungsorte der Reihe nach durchgehen und habe hierzu Leiter und Leiterinnen, oder wissenschaftliche Mitarbeiterinnen befragt.



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