Das Stadtmarketing
verkauft Bielefeld als die wirtschaftliche und kulturelle Metropole Ostwestfalens,
als fünftgrößten Wirtschaftsraum in Deutschland. Mit 320.000
Einwohnern gehört sie zu den 20 größten Städten Deutschlands.
Wie Sie aber schon bemerkt haben, gilt Bielefeld in unserem Kontext als
ein typisches Beispiel für Provinz. In künstlerischem und kulturellem
Kontext ist Bielefeld international weitgehendst unbekannt, nur Ausstellungen
der Kunsthalle Bielefeld erscheinen auch in internationalen Kunstzeitschriften.
Die anderen kulturellen Aktivitäten gelangen nur in die regionalen
Zeitungen und finden selbst über die Region hinaus kaum Aufmerksamkeit.
In einem Interview mit einer etablierten Bielefelder Künstlerin sagte
sie mir: "Bielefeld ist ein Killer (bezüglich der KünstlerInnenbiographie),
aber das macht mir nichts."
Die ambivalente Beziehung zu Bielefeld, die da herausklingt, möchte
ich zunächst mit einer eher atmosphärischen Beschreibung des Bielefelder
Kunstgeschehens verdeutlichen.
Ist Bielefeld
ein Ort für Kunst?
Immer wieder wurde in Variationen diese Frage auch von offizieller Seite
her gestellt und meist wie mir scheint dann, wenn versucht wurde, Kunst
im öffentlichen Raum aufzustellen. Das Stadtbuch Bielefeld bebildert
das Kapitel über das Bielefelder Kunstleben mit Portraits von 9 Künstlerinnen
und es ist zu lesen, dass die Frauen inzwischen eine wichtige Rolle spielen.
Es werden aber weder Arbeiten dieser Künstlerinnen gezeigt, noch
finden sie Erwähnung im folgenden Text. So scheint es, dass Frauen
zwar leicht Zugang zu Stadtbüchern bekommen, aber nur um ein frauenfreundliches
Image aufzubauen. Zu diesem Schluß kommen auch die Autorinnen des
Buches "Das inszenierte Geschlecht"(1) Unsere Untersuchungen
bestätigen aber eher eine untergeordnete Rolle der Künstlerinnen
im regionalen Kunstbetrieb.
Obwohl auf Länderebene gegenwärtig der Situation der Künstlerinnen
und Künstler in unserem Land viel Interesse gezollt wird, fällt
auf regionaler Ebene den regionalen Künstlerinnen von Seiten der
politischen Vertreter der Stadt Bielefeld, sowie von den Leitern der wichtigsten
Ausstellungsinstitutionen keine Unterstützung oder vermehrte Aufmerksamkeit
zu.
Skulptur im öffentlichen
Raum:
Diskussionen um Sinn und Zweck der Kunst im öffentlichen Raum wird
seit langem geführt und trotz der Kritik der " Stadtmöblierung"
bedeutet der Ankauf von Arbeiten eine wichtige Anerkennung und Existenzgrundlage
für die KünstlerInnen. Die Studie "Kunst und Bau"
herausgegeben vom Ministerium für Bauen und Wohnen des Landes Nordrhein-
Westfalen bestätigt die große Männerdominanz in diesem
Bereich. In den Jahren 1986- 1997 waren Frauen an diesen öffentlichen
Aufträgen gerade mal mit 13,6 % vertreten.
Für Bielefeld gibt es zur Zeit keine umfassende Bestandsaufnahme.
Wie allerorten ist die Aufstellung auch hier eine heikle Angelegenheit,
Interessen der Politiker , ihre Angst vor Bürgerprotesten stehen
Beratungen und Manipulationen von Experten , wie beispielsweise von den
jeweiligen Kunsthallenleitern oder Galeristen , gegenüber. Diese
Experten, es sind tatsächlich nur Männer, beraten auch Stiftungen,
Firmen oder private Sammler beim Ankauf von Arbeiten. Wie sich im Weiteren
noch herausstellen wird, ist es für regionale Künstlerinnen
bei diesem Verfahren wohl nicht möglich am regionalen Kunstmarkt
zu partizipieren.
Die Skulptur" Spiegel" der Bildhauerin Isa Genzken wurde 1992
errichtet, aber erhält seitdem keine weitere Beachtung.
In diesem Zusammenhang interessant scheint auch die Aufstellung der Skulptur
"male/female" von Jonathan Borofsky. Es handelt sich um eine
12 Meter hohe männliche Figur in deren Mitte eine weibliche Silhouette
ausgestanzt ist.
Die ergänzende Version "female/ male" gefiel der Herrenriege
der privaten Käufer nicht und für die Aufstellung beider Figuren,
was die Intention des Bildhauers erst deutlich machen würde, fehlten
angeblich die finanziellen Mittel.
Die Aufstellung der Skulptur wurde heftig kritisiert und es kam zu einer
Aktion, bei der die Figur mit einem Rock bekleidet wurde.
Der letzte Ankauf wurde im Alleingang des derzeitigen Kunsthallenleiters
Thomas Kellein getätigt und geht zu Gunsten einer Skulptur des isländischen
Bildhauers Olafur Eliasson.
Als regionale Künstlerin konnte die Installationskünstlerin
Gabriele Undine Meyer eine Erinnerungsstele an die Opfer der Zwangssterilisation
während der NS-Zeit im letzten Jahr errichten. Der regionale Bildhauer
Manfred Schnell wird einen von dem Industriellen Gerry Weber
finanzierten Brunnen im Stadbild aufstellen dürfen.
Kontakt zu internationaler
Kunst
Ausstellungen von internationalem Ansehen auszurichten ist Anspruch der
Kunsthalle Bielefeld.
Mit dem Titel "Gartenparadiese " beteiligt sich die Kunsthalle
an kulturellen Events, die vom Literaturbüro Lippe unter dem Motto
" Wege durch das Land" durchgeführt werden. In Verbindung
mit Lesungen und Konzerten international bekannter SchauspielerInnen,
MusikerInnen und AutorInnen werden kleine Ausstellungen und Installationen
mit international bekannten KünstlerInnen wie Bsp. der nordamerikanischen
Gartengestalterin Martha Schwartz oder dem wallisischen Bildhauer Not
Vital, der in diesem Jahr auf der Biennale in Venedig verteten ist, etc...
an historischen Orten in der Region ausgerichtet.
Das Publikum wird an wirklich sehr entlegene Orte in die Gärten von
alten Adelsgütern geführt und trifft dort auf international
angesehene Kunst.
Die Bestrebungen, den white cube zu verlassen, um mit der Aneignung neuer
Orte in die Region zu gehen wird deutlich ablesbar.
Lange zuvor hatten KünstlerInnen schon neue Orte für ihre Kunstpräsentationen
besetzt, da sie entweder nicht im Museum ausstellen wollten oder aber
eben nicht ausstellen konnten.
Jetzt scheint sich eine Situation zu ergeben, in der mit auf Internationalität
achtende Kuratoren, diese außermusealen Räume besetzen und
regionalen Aktionen den Rang ablaufen.
" Braucht die
Kunst Bielefeld?" fragt der Verein Offene Ateliers e.V. dieses Jahr
provokativ. Sie äußern damit deutlich ihren Ärger über
die fehlende städtische Unterstützung für regionale KünstlerInnen.
Unterstützung in Form von Preisen, Stipendien oder Unterstützung
künstlerischer events gibt es nur außerhalb Bielefelds. Dabei
geht beispielsweise der Herforder Recyclingkunstpreis aus der Initiative
einer Künstlerin hervor. Mit Jan Hoet in der diesjährigen Jury,
wurden schon neue Impulse in der Region spürbar.(2)
Der Melitta Kunstpreis im benachbarten Minden hatte als regionaler Kunstpreis
begonnen und war letztes Jahr mit Kaspar König in der Jury nur noch
eingeladenen überregionalen KünstlerInnen zugänglich. Auch
hierbei wird deutlich wie zunehmende Internationalität auf Kosten
regionaler Künstlerinnenförderung geht. Da zeitgleich zum Melitta
Kunstpreis 2000 die EXPO-Weltausstellung in Hannover stattfand, erschien
den Auslobern internationale Aufmerksamkeit sicher und ein regionales
Kunstprogramm hätte wohl in ihren Augen nicht genug Renommee versprochen.
Die Pilot Studie
Ich werde mich nun vor allem auf die Ergebnisse unserer Studie beziehen
"Die Vorteile des Künstlerinennseins."(3)
Die Studie ging aus der Auswertung einer Künstlerinnenbefragung und
Zahlen über Präsenz in Ausstellungsinstitutionen hervor. Die
Frage nach der geographischen Herkunft ausgestellter Künstlerinnen
und Künstler haben wir in die empirische Studie eingebracht, indem
wir die beiden Kategorien "regional" "überrregional"
unterschieden. Ansonsten haben wir uns im Vorgehen an der von Fenja Braster
und Sandra Sartori vorgelegten Studie zur Frauenpräsenz in Ausstellungen
in Ausstellungen Düsseldorfer Kunstinstitutionen 1969-1998 gehalten.
Bei der Korrelation von Geschlecht und geographischer Herkunft sind bei
unterschiedlichen Institutionen und bei verschiedenen Ausstellungstypen
beträchtliche Unterschiede zu verzeichnen.
Insgesamt gibt es in Bielefeld 8 Museen, davon ist nur die Kunsthalle
ein reines Kunstmuseum. Die ca. 30 Galerien sind bis auf eine Ausnahme
nur von Männern geführt, einige werden von Künstlergruppen
oder auch Kunstpädagogen geleitet. Die Fachhochschule betreibt eine
virtuelles Museum im Interenet. (www.puk.de/virtuelles-museum) In unserer
Studie untersuchten wir folgende Bielefelder Institutionen
-Kunsthalle Bielefeld
-Bielefelder Kunstverein/ Museum Waldhof
-Galerie Artists Unlimited e.V.
-Offene Ateliers e.V.
Die Ausstellungsinstitutionen
Die Bielefelder
Kunsthalle
ist das bedeutendste Ausstellungshaus in der Region. Ihre Anfänge
gehen als traditionsreiches Ausstellungshaus bis auf das Jahr 1921 zurück.
Als Sammlungsschwerpunkt war seit der Neueröffnung zunächst
die klassische Moderne unter besonderer Berücksichtigung des deutschen
Expressionismus vorgesehen. In den Jahrzehnten danach verlagerte sich
der Schwerpunkt nicht zuletzt wegen der steigenden Preise auf dem Kunstmarkt
auf zeitgenössische Kunst.
Deutlich abzulesen ist das Bemühen um eine über die Region hinausgehende
Wirkung durch überregional und international beachtete Ausstellungsprojekte.
Diese Tendenz hat sich in den 90er Jahren weiter fortgesetzt.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass die Position von Künstlerinnen
in der Ausstellungspolitik bis in der Mitte der 90 er Jahre marginal war.
In den letzten Jahren deutet sich- zumindest bei den Einzelausstellungen-
eine zunehmende Präsenz an. Auffallend ist dabei, dass Künstlerinnen
aus der Region nicht von dieser Veränderung profitieren.
Bei der Korrelation
von Geschlecht und geographischer Positionierung kommt es zu bemerkenswerten
Unterschieden zwischen Künstlerinnen und Künstlern: Wir stellten
fest, dass die größere Präsenz von Künstlerinnen
nun daran gekoppelt ist, dass sie nicht aus der Region kommen. Bei den
Künstlern verläuft die Entwicklung nahezu umgekehrt. Hier nimmt
die Zahl derer die der Region zuzuordnen sind von Dekade zu Dekade zu
und liegt im letzten Jahrzehnt bei fast 30%
Interessant an den Ergebnissen ist auch, wie stark unter den unterschiedlichen
Leitern nicht nur die zahlenmäßige Präsenz, sondern auch
die Präsentation der Arbeiten von Künstlerinnen unterscheidet.
Durch das Fehlen oder das Vorhandenseins eines Katalogs und durch den
jeweiligen Ausstellungsort im Gebäude werden Bewertungen signalisiert,
die noch weiter zu untersuchen wären.
In den 90 er Jahren ergibt sich ein facettenreiches Bild. Die von umfangreichen
Katalogen begleiteten Ausstellungen der Arbeiten von Irma Stern, Louise
Bourgois und Käthe Kollwitz präsentieren Künstlerinnen
gleichwertig neben bedeuteneden männlichen Kollegen.
Daneben finden sich neuerdings andere Konstellationen, mit denen das Museum
Künstlerinnen und ihren Arbeiten in aktuellen Diskursen zum Verhältnis
der Geschlechter, ihren Platz zuweist- so erschien beispielsweise 1998
die Engländerin Sam taylot-Wood mit einer Video - Installation als
Repräsentantin des Gefühls im Kontrast zu dem Rationalismus
der beiden gleichzeitig ausgestellten Arbeiten von Ronald Bladen und Thomas
Demand. Die unterschiedliche Wertigkeit ergab sich auch durch den jeweiligen
Ort der Präsentation in der Kunsthalle und durch das Begleitmaterial:
die Installation wurde in der Studiengalerie gezeigt, es erschien kein
Katalog. Die Ausstellungen von Bladen und Demand fanden im ersten und
zweiten Geschoß statt und zu
beiden erschien jeweils ein Katalog.
Bielefelder
Kunstverein e.V./ Museum Waldhof
Als Beispiel für bürgerliche Kunstpflege hat der Bielefelder
Kunstverein eine interessante Geschichte.
Die Gründung geht immerhin auf das Jahr 1881 zurück.
Heute unterstützen 1554 Mitglieder den Verein.
Der Verein wird von einem Mann geleitet, der ebenfalls noch andere Ausstellungsräume
in der Stadt bespielt. ( Artothek, Restaurant, Tagungshaus)
Es zeigt sich ,dass die Künstlerinnen in der Zeitspanne von 1979
bis 1999 nur gering in Ausstellungen präsent sind mit einem Anteil
von 16,6%, der seit 1999 noch um die Hälfte schrumpfte! Die Ergebnisse
zeigen, dass Handlungsbedarf besteht damit der Bielefelder Kunstverein
auch das Potential von Künstlerinnen in seine zukünftige Planung
miteinbeziehen wird.
Galerie Artists
Unlimited e. V.
Die nichtkommerzielle Produzentengalerie besteht seit 1987 und geht auf
die Initiative mehrheitlich von Frauen zurück.
Sie entstand aus dem Zusammenschluß von Angehörigen der ehemaligen
Pädagogischen Hochschule, heute an die Universität angegliedert
und der Fachhochschule für Design.
Das sind die beiden einzigen Ausbildungsinstitutionen für kunstnahe
Ausbildung in Bielefeld überhaupt.
Seit 1986 bieten
sie ein Gastatelier an. Vereinzelt bleiben eingeladenen KünstlerInnen
für immer in Bielefeld.
Es zeigt sich, dass bei dem Wunsch nach überregionaler und internationaler
Anbindung, zunächst deutlich mehr männliche Gastkünstler
eingeladen wurden.
Im Vergleich zu allen anderen Ausstellungsinstitutionen-mit Ausnahme der
Offenen Atelierse.V.- sind Frauen mit 36,6% besser vertreten.
Sehr bemerkenswert ist abzulesen wie mit wechselnden Leitungsphasen unterschiedliche
Tendenzen der Präsentation von Frauen und Männern einhergeht.
So kommt es dann zu einer höheren Frauenpräsenz, wenn sich der
Galerievorstand explizit für eine Förderung junger Künstlerinnen
ausgesprochen hat. Deutlich wird auch, dass zu Anfang der Aktivitäten
überwiegend die regionalen Künstler und Künstlerinnen die
Möglichkeit zur Präsentation genutzt haben, dann sollten vor
allem überregionale KünstlerInnen gezeigt werden, was zu starker
Unterrepräsentanz ausstellender Frauen führte.
Offene Ateliers
e. V:
Der Verein Offene Ateliers e.V. besteht seit 1991 und wird von Bielefelder
KünstlerInnen organisiert. Er ist eine regionale und weitgehendst
auf Bielefeld beschränkte Form der Selbsthilfe, die sich seit 1994
auch für internationale KünstlerInnen geöffnet hat.
Es zeigte sich auch hier, dass weit mehr internationale Männer als
Frauen eingeladen wurden.
Die offenen Ateliers e.V. stellen eine Form der KünstlerInnenselbsthilfe
dar, die den größten Frauenanteil aller untersuchten Institutionen
verzeichnet. Die Aktivitäten gehen mit erheblichem Selbstengagement
einher, da die eigenen Ateliers für ein Wochenende zu Ausstellungsräumen
werden. Insgesamt bieten diese Aktivitäten aber wenig Möglichkeiten
künstlerisches Renommee zu erzielen.
Galerien:
Die Galerien wurden nicht in unserer Studie berücksichtigt.
Die Anzahl der Galerien wuchs in den letzten 10 Jahren erheblich an, aber
es gibt nur 2 Galerien, die auf den internationalen Kunstmärkten
tätig sind. Namentlich die Galerie David und die Galerie Samuelis
Baumgarte.
Eine Übersicht über ihre Ausstellungen, die uns die Galerie
David zur Verfügung stellte, zeigt, dass die Galerie regionale Künstlerinnen
wahrnimmt und präsentiert. Im Hinblick auf die Kategorien "regional"
und "überregional" kommt es zu einer Gleichbehandlung ausgestellter
Künstlerinnen. Insgesamt arbeitet die Galerie aber mit mehr Künstlern
als Künstlerinnen.
Die Künstlerinnenbefragung:
Die Anzahl bildender Künstlerinnen und Künstler ist in den letzten
30 Jahren sprunghaft angestiegen, nach Prognosen wird mit einer Verdopplung
zwischen 1995 und 2010 gerechnet.
Man kann heute in der Region davon ausgehen, dass hier wie im gesamten
Bundesgebiet etwa 50% der künstlerisch Tätigen Frauen sind.
Für die Region müßte die genaue Anzahl der KünstlerInnen
noch ermittelt werden. Zwischen 1968 und 1994 ergibt sich jedenfalls ein
Anstieg um das Fünffache, nämlich auf 785 KünstlerInnen.
Die geringe Größe der Datenbasis der Künstlerinnenbefragung
im Rahmen der Pilotstudie kann nur einen Trend andeuten.
Insgesamt bestätigte sich das Bild, dass die Künstlerinnen sehr
stark in der Region verwurzelt sind und auf dem eher überschaubaren
Kunstmarkt, mit viel Energie und Eigeninitiative Ausstellungsmöglichkeiten
für sich geschaffen haben.
Es zeigte sich, dass die Beteiligung an überregionalen Ausstellungen
an eine persönliche Verbindung oder Vernetzung außerhalb der
Region, gebunden ist.
Da der Bielefelder Raum wirtschaftlich stark ist, gibt es auch Möglichkeiten
zum Verkauf. Aber dieser regionale Markt ist schnell gesättigt und
ist durch künstlerische Sammelleidenschaften bestimmt. Galeristen
und andere"Experten" können ihn leicht vereinahmen.
Nicht zuletzt deswegen wünschen sich die Künstlerinnen vermehrte
überregionale Anerkennung und damit Erweiterung des Absatzmarktes.
Da die nächste Akademie ca. 100 KM entfernt ist, nutzten die Künstlerinnen
das regionale Ausbildungsangebot für eine kunstnahe
Ausbildung. Die Hälfte der befragten Künstlerinnen besuchten
die Fachhochschule für Grafik und Design und die andere Hälfte
absolvierte ein kunstnahes Lehramtsstudium an der Universität, vormals
Pädagogische Hochschule. Die Lehrenden an beiden Institutionen sind
überwiegend Männer, sodaß von einer sehr einseitigen Vermittlung
der Lehrinhalte ausgegangen werden muß. Ob es zu einer Gleichbehandlung
bei der Förderung von Frauen und Männern kommt wäre weiter
zu hinterfragen.
Es zeigte sich dass zwei Drittel der Künstlerinnen Kinder haben und
ihre künstlerische Arbeit mit der Familienarbeit vereinbaren.
Deutlich wurde auch, dass sich die Künstlerinnen mit den regionalen
Strukturen auseinandergesetzt haben und innovative Verbesserungsmöglichkeiten
benennen konnten.
Nach dieser Zusammenfassung unserer Untersuchungsergebnisse, berichte
ich kurz vom Frauenkunstforum, dass sich etwa zeitgleich konstituierte.
Am Initiatorinnenkreis des FKF sind auch Mitarbeiterinnen der Forschung
beteiligt.
Das FKF:
Am 10 Mai 2000 hat sich im Ratssaal des Neuen Rathauses Bielefeld das
Frauenkunstforum OWL konstituiert. 100 Frauen -Künstlerinnen aller
Sparten, Frauen in Kulturberufen-aus ganz Ostwestfalen Lippe nahmen an
der Gründungssitzung teil. Eingeladen im Namen des Initiatorinnenkreises
hatten:
Gleichstellungsstellen
Regionalstellen
Künstlerinnen
Wissenschaftlerinnen
Inzwischen sind im Rahmen des FKF viele Aktionen durchgeführt worden,
unter anderen auch das Künstlerinnenarchiv, das sie als kleinen repräsentativen
Ausschnitt hier im Raum aufgebaut sehen. Weiterer Schwerpunkt werden Angebote
zu Professionalisierungs- Kursen sein. Modellhaft ist die Verknüpfung
des FKF mit dem Forschungsprojekt an der Universität. So können
Ergebnisse der Forschung in die Praxis umgesetzt und geprüft werden
, sowie umgekehrt Vorschläge der Künstlerinnen mit in die Forschung
einfließen.
Künstlerinnen
Interviews:
Zunächst stelle ich ihnen zwei erfolgreiche Künstlerinnen aus
Bielefeld vor und werde dann aufgrund von Gemeinsamkeiten und Unterschieden
ihres Lebenslaufs mögliche Strategien für Erfolg darlegen.
Yael Niemeyer ist Bildhauerin und Malerin. In Berlin geboren
arbeitet seit über 20 Jahren in den USA und in Deutschland und hat
auch in Italien und England gelebt. Die nicht klar durch geographische
Herkunft gekennzeichnete Identität und die daraus resultierenden
Brüche bezeichnet sie als Motor ihrer Arbeit.
Sie war Meisterschülerin von Fritz Winter,Stipendiatin der Studienstiftung
des deutschen Volkes wird und Assistentin an der Hochschule in Kassel.
In Verbindung mit dem Stipendium bekommt sie eine gute und kritische Betreuung
durch einen Architekten und eine Kunsthistorikerin, die mit für ihren
Werdegang sehr wichtig erscheint.
Schon bald gewinnt sie Wettbewerbe für Kunst am Bau Projekte und
wird eine verlässliche Partnerin für Architekten.
Sie baut einen Kreis Handwerker um sich auf, die für sie arbeiten
und ist als Subunternehmerin absolut professionell verantwortlich für
ihren Mitarbeiterstab.
Sie hat noch bei Fritz Winter durchsetzen können, dass eine Metallwerkstatt
für sie als Studentin eingerichtet wurde. In dieser besonders zu
dieser Zeit noch starken Männerdomäne hat sie Männer oft
als Verhinderer erlebt. Sie meint heute, einige Wettbewerbe nur gewonnen
zu haben, weil sie anonym verliefen. Hinterher kam das Staunen der Jury:
das ist ja eine Frau!
Sie unterstützt Feminismus im Sinne von mehr Chancengleichheit, Mitglied
einer Partei oder Bewegung ist sie nicht.
1977 siedelt sie in die USA und erlebt einen Bruch in ihrer bisherigen
Tätigkeit, weil beispielsweise der Stab an Handwerkern völlig
wegfällt und in den Staaten nicht neu aufgebaut werden kann. 1981
wird sie eingeladen in Bielefeld für die Sparte Kunst der und Kunstschule
der Stadt Bielefeld ein Konzept zu entwickeln und die Leitung zu übernehmen..
Heute ist sie durch mehrere Galerien in den USA, Deutschland und auch
Bielefeld vertreten.
Uschi Dresing
ist 1950 in Bad Salzuflen geboren.
Sie ist heute Fotografin, Fotojournalistin und Organisatorin, Producerin
und Managerin des Carnival der Kulturen in Bielefeld, Berlin und London.
Ihre Ausbildung erfuhr sie über die Möglichkeit der Begabtenförderung
an der Fachhochschule Bielefeld für Design im Fachbereich Fotografie.
Noch in der Studienzeit verdient sie Geld durch Tutorenjobs und erste
Aufträge als Fotografin bei der Bielefelder Wochenzeitung "Stadtblatt".
Während der Ausbildung erfuhr sie, dass Frauen auf technischem Gebiet
besonders hart von den überwiegend männlichen Lehrenden angegriffen
wurden. Aus diesem Grund unterstützte sie als Tutorin speziell Frauen
in technischen Belangen.
Über ein überregionales und internationales Netzwerk der Fachhochschule
Bielefeld mit regelmäßigen Tagungen und Kontakten kommt sie
zu einem deutsch französischen Projekt. Dieses Projekt wird zu einem
ausschlaggebenden Moment in ihrer Entwicklung.
Sie betreibt engagierten Fotojournalismus. Ihre Themen sind Gypsies, Frauen,
ArbeiterInnen und Jugend. Ihr Anspruch ist es, an dem Ort an dem sie lebt
mit den Menschen in Kontakt zu kommen und etwas zu verändern. Für
sie stellt Bielefeld nicht zwangsläufig Provinz dar, dennoch knüpft
sie erfolgreich Kontakte im Ausland und richtet viele internationale Ausstellungen
aus.
Seit 8 Jahren arbeitet sie an der Durchführung des Umzugs carnival
der Kulturen den sie in Rochdale kennengelernt hat und sie konnte zusammen
mit ihrem Freund diese künstlerische Ausdrucksform in Bielefeld etablieren.
Leider erfahren sie trotz des großen Erfolgs keine Rückendeckung
durch die Stadt Bielefeld und etwas mürbe geworden durch all die
Verhandlungen kommt ihr die Region langsam doch zu eng vor.
Durch einen 2. Wohnsitz in London kann sie sich dort an Ausstellungen
beteiligen. Ihre Aktivität mit carnival der Kulturen sieht sie als
neue Kunstform, die ihrem künstlerischen Anspruch voll Geltung trägt.
Für die Carnival Aktivitäten nutzt sie ein globales Netzwerk
und führt erfolgreich ihre Projekte durch.
Die beiden Künstlerinnen
unterscheiden sich sowohl in Alter, Arbeitsgebieten, als auch im Werdegang
und ihrer Positionierung in Bielefeld.
Trotzdem sehe ich gewisse Parallelen, die über Erfolgs-Strategien
auf dem Kunstmarkt Auskunft geben können. Auffällig ist natürlich,
dass beide starke internationale Anbindungen haben, ferner hatten beide
nach Abschluss ihrer Ausbildung noch einmal eine Phase intensiver Betreuung
und Beratung durch Dritte erlebt. Gleichermaßen haben sie schon
während des Studiums die gewerbliche Nutzung ihrer Arbeit erfahren
können (müssen?) und waren dadurch auf den Schritt nach draußen
schon etwas vorbereitet. Beiden ist die Benachteiligung von Frauen im
Kunstbetrieb bewusst. Für mich ergeben sich daraus auch gleich Forderungen,
die man den regionalen Ausbildungsbetrieb stellen kann; erstens müßte
die Anzahl Dozentinnen und Professorinnen erhöht werden; zweitens
sollte eine Vorbereitung auf die Situation nach dem Studium sattfinden
und drittens sollten bereits während der Ausbildungsphase internationale
Kontaktmöglichkeiten erschlossen werden.
Ein großer
Unterschied besteht natürlich darin, dass Frau Niemeyer schon als
etablierte Künstlerin nach Bielefeld kam. Ihr wurde eine attraktive
Möglichkeit als Leiterin der Sparte Kunst der Kunst und Musikschule
angeboten.
Dagegen kommt Uschi Dresing aus Bielefeld und schafft sich über persönliche
Kontakte überregionale Anerkennung. Mit carnival der Kulturen bereichert
sie maßgeblich das Bielefelder Kulturleben muß aber trotzdem
fehlende Unterstützung und Würdigung erfahren, so dass sie ihre
künstlerische Aktivitäten vermehrt außerhalb der Region
ansiedeln wird. Sollte es hier keine Änderung geben kann es Bielefeld
passieren, dass Frauen wie Uschi Dresing Bielefeld verlassen.
Bei aller Ambivalenz
der Bielefelder Situation, gibt es noch weitere positive Impulse durch
die Pilotstudie
Auswirkungen der
Studie:
Die WDR- Fernseh-
Galerie
zeigt im monatlichen Wechsel die Arbeiten regionaler KünstlerInnen
und stellt während einer Life Sendung im Regional Programm vor. Nachdem
wir ihnen unsere erste Auswertung ihres bisherigen Programms vorlegten,
das eine starke Bevorzugung männlicher Künstler aufwies, stieg
die Zahl ausgestellter Frauen wieder an.
Auf der Podiumsdiskussion im Sommer im letzten Jahr, veranstaltet vom
Frauenkunstforum OWL, stellten wir die Ergebnisse unserer Pilotstudie
vor. Auf dem Podium saßen unter anderem die Leiter der untersuchten
Institutionen. Der Kunsthallenleiter Thomas Kellein gab als statement
ab, dass die besseren Arbeiten von Künstlerinnen stammten. Darauf
wurde gleich die Forderung gestellt, diese Frauen auch auszustellen. Die
Ministerin Theda Kluth forderte die 100% Quote für einen begrenzten
Zeitraum.
Die Leiterin des Kunstvereins Oerlinghausen bedankte sich für die
Auswertung der von ihr zur Verfügung gestellten Daten und war sehr
angetan davon, was schnöde Zahlen doch alles aussagen können.
Die Analyse der Strukturen des Kunstbetriebs für die Künstlerinnen
kann ein erneutes Selbstbegreifen ermöglichen und bestenfalls zu
mehr Verständnis und Achtung gegenüber der Arbeit anderer regionaler
Künstlerinnen führen.
Anmerkungen:
1) G.Hauer/R.Muttenthaler
A.Schober/R. Wonisch
Das inszenierte Geschlecht Feministische Astrategien im Museum
Bohlau Verlag Wien
2) Susanne Albrecht, Angela Kahre, Irene Below
Die Vorteile des Künstlerinnendaseins; Zur beruflichen Situation
von Bildenden Künstlerinnen aus Ostwestfalen-Lippe und zu ihrer Präsenz
in Ausstellungsinstitutionen
Irene Below, lydia Plöger (Hg)
IFF-Forschungsreihe Band 11
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