Sheila Pepe |
"Nachrichten aus der Stadt der Ambitionen" |
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übersetzt von Heide Schmidt
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Seit Beginn der Moderne
beansprucht New York für sich die Vormachtstellung im internationalen
Kunstbetrieb. Ein Grund mag die herausragende ästhetische Bedeutung
sein, die durch die New Yorker Schule abstrakter Maler in den 40ern begonnen
wurde und von den nachfolgenden Generationen von Künstlern weitergeführt
wurde. Andere mögen meinen, dass die Stadt selbst ein Sinnbild der
Moderne ist. New York ist eine Stadt, aufgebaut wie ein Gitter und sie
stellt es auch dar, U-Bahn, Brücke und Wolkenkratzer, heroisch, gigantisch
und effizient. New York ist ein Produkt des Handels. Als Henry Hudson 1609 durch den Hafen von New York segelte suchte er eine Handelsweg nach Osten für die India Trade Co. Und schon 1621 war New Amsterdam eine Handelsstadt, nach den Gesetzen des Handels regiert. Es war ein Handelsposten bewohnt von kolonialisierenden Kaufleuten aus Amsterdam: unter anderem Holländer, französische Protestanten, sephardische Juden, englische Calvinisten. Es war eine Mischung vertriebener Leute (1), die die eingeborenen Lenape Leute mit windigen Verträgen und Gewalt entwurzelten und 1625 Leute aus Angola gewaltsam zu Sklaven machten. Die Prägung durch Rassismus und Gier hat New York bis heute nicht verloren. Aber auch nicht die Verlockung als Ziel der Hoffnung für Millionen von Einwanderern, wie meine eigenen Großeltern, die die vergoldeten Straßen des "American Dreams" gesucht haben. Und selbst wenn wir uns winden ob der Sentimentalität dieser Sichtweise, er zieht immer wieder Leute in die Stadt, besonders Künstler. Acht Millionen Leute leben derzeit in New York. Wieviele von ihnen sind Künstler, Händler, Kuratoren, Kritiker and Wissenschaftler? New York hat sich in ein gewaltiges Netzwerk von Kunstproduktion und Handel entwickelt. Es ist ein nicht zu bändigender Markt. Da die Betonung auf Privateigentum und individueller Teilhabe liegt, gibt es keine zentrale Organisation, die die genaue Anzahl von Unternehmen auf diesem Gebiet feststellen und sammeln könnte. Selbst wenn wir versuchten, die Anzahl der Teilnehmer festzustellen, so wir es immer sehr viel mehr geben, die nicht erkennbar sind und doch dazu gehören. Sie verdienen ihr Geld auf andere Art und Weise, arbeiten in ihren Ateliers, tauschen Kunst gegen Zahnbehandlung oder veranstalten Ausstellungen in ihrem Wohnzimmer. Ohne den Anreiz des Staates, sich als Künstler oder Kunsthandwerker registrieren zu lassen, werden wir niemals wissen, wieviele es wirklich gibt. Dennoch, da unsere Frage um die Sichtbarkeit geht und besonders um die der Frauen, können wir nur die Kunst betrachten, die sich auf dem Markt befindet.
Wir fangen oben an mit den Museen, die Sammlungen haben. Ich sage oben, wegen der Bedeutung und Beständigkeit ihrer Sammlungen. Dieser Besitz bedeutet, dass die Museen den Raum haben, um wertvolle Sammlungen unterzubringen und auszustellen, dass sie entsprechend des Umfangs eine größtmögliche Anzahl von Angestellten haben, und dass sie beträchtliche Beziehungen zu öffentlicher und privater Finanzierung haben. Es ist wichtig, sich klar zu machen, das Museen ernannte Erziehungsinstitutionen sind. Das bedeutet, dass sie von der Steuer ausgeschlossen sind und für städtische, staatliche und Bundesförderung in Frage kommen. Und während diese Art der Förderung in den letzten zehn Jahren gewaltig geschrumpft ist, sind diese Institutionen bestens geeignet, den größten Anteil davon zu bekommen. Privatpersonen, Stiftungen und Gemeinden spielen eine wichtige Rolle in der Unterstützung dieser Institute, da ihr Spenden von der Steuer absetzbar sind. Weitere Hilfe kommt durch Mitgliedschaften, Eintrittsgeldern und Veröffentlichungen. Das Museum of Modern Art war die treibende Kraft hinter dem Image der Stadt als Zentrum der modernen Kunstwelt. Sein Besitz spielt eine zentrale Rolle in der Förderungdes Konzepts, während des 20.Jh. Kunst von Europa nach USA zu transferieren. !929 mit dem Startgeschenk von acht Drucken und einer Zeichnung eröffnet, ist die Sammlung zu heute mehr als 100.000 Werken der verschiedensten Medien angewachsen.(2) MoMA und P.S.1, ein ca. 3000m2 (?) großer alternativer Raum mit Wohnprogramm, gaben 1999 bekannt , dass sie fusionieren würden. Das verschafft dem MoMA ein international anerkanntes zeitgenössisches Programm und versorgt P.S.1 mit der Stabilität und Macht eines großen Museums. Die Guggenheim Sammlung begann ebenfalls im Schatten der Moderne. Damals bekannt als Museum für gegenstandslose Malerei, etablierte es sich vor ungefähr 60 Jahren.(3) Das erste Bau des Guggenheim Museums wurde von Frank Llozd Wright entworfen und 1959 eröffnet. Die in Venedig angesiedelte Peggy Guggenheim Sammlung wurde 1979 der Guggenheimstiftung übergeben. Sich auf eine Geschichte internationaler Örtlichkeiten und bahnbrechender Architektur beziehend, baut der augenblickliche Direktor, Thomas Krens, eine Reihe von Museen, mit zusätzlichen Gebäuden in Bilbao und Berlin. Es ist ein Unterfangen, dass versucht, eine Kolonialisierung zu vertuschen, indem es Architektur als Kunst feiert.1998 wurde mit dem Bau des Guggenheim Virtual Museum begonnen, ein Gebäude, dass die Stiftung als das "allerwichtigste Gebäude des nächsten Jahrtausend" betrachtet. Es existieren Pläne für ein weiteres großes Bauwerk von Frank Gehry in Lower Manhattan.
Es war nicht ungewöhnlich für die frühen zeitgenössischen Museen als kommerzielle Galerien genutzt zu werden. Künstler, in der amerikanischen Reihe im MoMA ausstellten,(6) wurden oft durch das Kaufversprechen der Freunde des Museums oder der Hoffnung, vom Museum gekauft zu werden, angelockt. Diese Anfänge spiegeln die komplexe Rolle des Museums wieder, historische Wichtigkeit und Marktwert zu etablieren. Für unsere Zwecke werden zwei interessante Punkte deutlich.Der eine ist, das Geld und Privilegien auf den Genderstatus Einfluss nehmen. Der andere ist, wenn geschlechtspezifische Interessen, wie das Hobby des Sammelns unwichtiger moderner Kunst, mit einer Menge Geld verbunden ist, wird es zu einem von Männern geführten Unternehmen. Heute haben alle drei Museen Direktoren, wie es eben so ist.
Die kommerziellen Galerien folgen als nächstes in der Machtpyramide, obwohl diese Gruppe auch leicht an die Spitze der Liste gerückt werden könnte. Kommerzielle Galerien sind die Drahtzieher in der New Yorker Kunstszene. Sie sitzen fest im Sattel ,am Knotenpunkt zwischen Künstler, Sammler und Museum. Zusammengenommen haben die Galerien sehr viel Macht, obwohl eine strenge hierarchische Ordnung zwischen ihnen besteht. Zur Zeit sind beinahe 500 Galerien im Galerienführer für New York aufgeführt(9). In der Vergangenheit waren sie hauptsächlich in Manhattan angesiedelt, in Gebieten zusammengedrängt, die bereits von Museen oder Künstlern bewohnt wurden. Heute sind die Immobilienpreise die treibende Kraft für die Ansiedlung und Umsiedlung von Galerien. Eine wichtige Galerie wird immer Kunden nach sich ziehen, egal wo sie ist. Andere Kunden suchen junge Galerien und eher unbekannte Schaffensorte auf der Suche nach der großen Entdeckung. Und die Presse verfolgt immer das Randgeschehen, um einen entfernt gelegenen Schaffensort zum Insiderspot zu machen.
Verschiedene postmoderne Kritiker haben den New Yorker Kunstbetrieb dahingehend beeinflusst, dass eine größere Anzahl von bis dahin im "Abseits stehenden" Künstlern Zugang in die etablierte "Kunstwelt" fanden. Ihre Kritik ist nirgendwo sonst so ehrgeizig umgesetzt worden wie von den Künstlern in ihren Bereichen in den 60er, 70er und 80er. Einige dieser Orte waren gegründet worden als eine alternative Form zu Galerien und Museen, andere entstanden aus den Werken selbst. White Columns ist der älteste dieser Art in New York. Die Künstler Gordon Matta-Clark und Jeffrey Lew gründeten ihn 1969 als einen experimentellen Ausstellungsort. Seine Zielsetzung, die ungewöhnlichsten und kreativsten Werke bildender Kunst gemacht von Künstlern, die wenig Unterstützung haben, darzustellen, wird heute durch eine ständige Ausstellung und Retrospektiven durchgeführt. In anderen Fällen, besonders bemerkenswert im Fall von A.I.R., der 1972 von und für Frauen gegründet wurde, haben Künstler einen Raum für sich geschaffen, getragen von dem Wunsch nach Inklusion. Es war nicht die Art ihrer Werke, die sie aus dem mainstream ausschloss. Ihre Identität als Künstlerinnen tat es. A.I.R. ist heute ein Künstlerkollektiv. Artists Space hat eine fünfundzwanzigjährige Geschichte, in der Künstler und Künstlerinnen zusammenarbeiten, mit dem Ziel, verschiedenste Werke auszustellen, die von verschiedensten Leuten gemacht und gestaltet sind. Begonnen hat es 1972 als Committee for Visual Arts, es war gegründet worden als eine Serviceorganisation ohne Gewinn, sie sollte Künstlern helfen, die Voraussetzungen zu erfüllen, um Zugang zu erlangen zu der Hunderttausend Dollar Kunststiftung der Stadt New York. Im Rahmen des konservativen , doch aufgeblähten Martkt der 80er, gediehen "alternative Kunsträume". Stadtviertel wie East Village hatten ihre eigene Kunstszene. Politisch motiviertes Kunstschaffen mit bezug auf die AIDS Krise, auf das Darstellen der schwulen und lesbischen Wirklichkeit und der Rechte der Frau wurde von New Yorker Künstlern organisiert und ausgeführt. Afro-amerikanische Künstler, die im Studio Museum in Harlem an dem Programm für Künstler vor Ort teilnahmen, hatten eine größere, stadtweite Resonanz. Asiatische Künstler und Kuratoren riefen die Gruppe Godzille ins Leben und erreichten durch gemeinsame Anstrengungen eine größere Präsenz. International ausgerichtete Ausstellungen und Vorortprogramme wie P.S. 1 begannen. Und internationale Künstler und Kuratoren nahmen in größerem Umfang an Ausstellungen in Orten wie Exit Art/the First World teil. Straßenkunst, wie Graffiti beanspruchte den Status von Galeriekunst. In vielen Fällen haben diese ungleichen Bemühungen den etablierten Markt angestoßen und Veränderungen herbeigeführt. Bald schon haben Galerien und Museen die Werke gezeigt. Mehr als einmal wurden Vertreter ausgewählt, für kurze Zeit hochgehoben und dann wieder fallen gelassen. Politische Kunstaktivitäten erschöpften sich von selbst in den meisten Fällen, das lag an mühsamen kollektiven Prozessen oder daran, dass sie in den Kunstmarkt assimiliert wurden oder einfach daran, dass sie nicht zu finanzieren waren. Zwei Gruppen führen dise Praxis der Kunstaktivitäten fort, die Guerilla Girls und Dyke Action Machine.
Jeder erklimmt eine Leiter, die einen um zu überleben, die andern um Ruhm zu erlangen. Es scheint als hätten wir an einem Punkt den Mythos des hungerneden Künstlers ins Spiel gebracht mit der Vorstellung, dass Kunst nicht Leben wohl aber eine Karriere bedeutet. Und keine Institution hat mehr dazu beigetragen als die Akademie. New Yorker Künstler sind heute besser ausgebildet als je zuvor.Die meisten der Kunstimmigranten in New York sind Graduierte von Kunstschulen und MFA Programmen. Selten sieht man den Lebenslauf eines Künstlers in einer New Yorker Galerie mit weniger als zwei oder mehr Zeilen unter "Ausbildung": BFA, MFA und einige andere Assistenähnliche Programme scheinen obligatorisch zu sein (12). Gleichermaßen fordern andere Orte in der Kunstwelt mehr formale Ausbildung.
Da Ausbildung eine immer größere Rolle beim Zugang zu den Ausstellungsorten spielt, ist der Status der Frauen in der Wissenschaft ein wichtiger analytischer Faktor. Zur Zeit gehen 60% der MFA Abschlüsse und 50% der Fine Arts Promotionen an die Frauen, die bildende Kunst studieren(13). In Kunstgeschichte werden 69% der Assistenten- und Lehrassistentenstellen von Frauen besetzt und sie erhalten 66.5% alles Promotionsabschlüsse. Seit den 70er und 80er hat sich die Situation der Lehrenden in den USA verbessert. Mit 52.5% haben die Frauen zum ersten Mal mehr Fakultätsstellen in Kunstgeschichte als die Männer. !987-88 waren es 43% und 1978-79 30%. Dennoch die Mehrheit der Toppositionen geht immer noch an die Männer, 55% feste Fakutätsverträge und 63% sind Lebenszeitprofessoren. Das Ungleichgewicht in den Fakutäten entspricht dem in den großen Museen. Männer haben 50% der Lehrtätigkeit inne, 74% feste Fakultätsverträge und 76% Lebenszeitprofessuren (14). Nun kommen wir schließlich zu den Künstlerinnen. Aber ehe wir einige Beispiele von in New York erfolgreich arbeitenden Frauen erörtern, sollten wir die Basisstrukturen betrachten, mit denen alle Künstler am Markt beteiligt sind. Nicht alle Künstler sind mit dem Kunstmarkt verbunden, aber alle Künstler sind im erstanlichem Maß mit dem Immobilienmarkt verbunden. Immobilien sind alles in New York. Sie sind ständiger Gesprächsgegenstand in allen Kreisen. Für Künstler, die Raum nicht nur zum Leben sondern auch zum Arbeiten und hoffentlich Ausstellen brauchen ist das von grüßter Bedeutung. Künstler in New York haben keinen besonderen Anspruch auf Raum, keinerlei Subvention und keine Unterstützung vom Staat. Darum haben sie immer die billigsten Örtlichkeiten in Manhattan und jetzt in Brooklyn gefunden und bald in den Randgbieten, da höhere Preise sie aus den Stadtvierteln vertreiben. Es hat sich herausgestellt, dass Künstler eine veredelnde Kraft in der City sind. Sie bauen Lagerhäuser aus, ziehen Galerien und Leute an, die bereit sind höhere Miete zu zahlen, um wie Künstler zu leben. Diese neuen Nachbarn ziehen widerum Boutiquen und Restaurants an, die auf der Suche nach verfügbaren Einkommen sind. Immobilienhändler beutzen Umzugsbewegung der Künstler als vorrangigen Indikator für zukünftige Gewinne. Ich habe vier Künstlerinnen ausgewählt, deren Werke lose im Bereich der Malerei angesiedelt sind, da dies eine Art und Weise ist, die immer noch eng mit New York identifiziert wird. Jede repräsentiert eine andere Position , künstlerisch, kulturell und in bezug auf Alter und Karriere. Keine von ihnen hat einen vergleichbaren Berühmtheitsgrad wie Cecily Brown, Nan Goldin oder Cindy Sherman. Sie alle sind erfolgreich arbeitende Künstlerinnen. Kara Walker, geboren
1969 , erhielt 1991 einen BA in Drucken und Malen vom Atlanta College
of Art und 1994 einen MFA von der Rhode Island School of Design. 1995
hatte sie ihre erste Ausstellung in New York City und bald darauf erhielt
sie das hoch angesehene McArthur Stipendium, in den Staaten als "genius
award" (Genieauszeichnung) bekannt. Sie hat viele Ausstellungen in
den Staaten und Inka Essenhigh, ebenfalls Jahrgang 69 erhielt ebenfalls aufeinanderfolgende Abschlüsse in Kunst, 1992 einen BFA von dem Columbus College of Art and Design und 1994 einen MFA von der School of Visual Arts in New York. Sie ist eine Malerin, die in einer gewissen abstrakt traditionellen Weise arbeitet. Essenhighs erste Ausstellung in New York war 10997 in dem "not-for-profit space" La Mama. Die Ausstellungsorte für ihr Werk nahmen im Laufe der Jahre an Bedeutung zu mit kürzlichen Ausstellungen im Deitch Projects in Soho und in Mary Boone in Midtown. In 2001 war die erste internationale Ausstellung. Amy Silman besuchte 1973 das Beliot College, 1975 das NYU und erhilet 1979 einen BFA von der Schoolof Visual Arts. Diese Malerin stellte über Jahre hinweg in Gruppen aus, in den 80er und frühen 90 lebte sie in Künstlerresidenzen. 1991 stellte sie zum ersten Mal allein in New York aus. In Künstlerkreisen gut bekannt, hat sie zunehmend Erfolg, sowohl bei den Kritikern als auch kommerziell. 1995 erhielt sie einen MFA vom Bard College, wo sie lehrt. In den vergangenen zwei Jahren hat sie zahlreiche Preise erhalten , darunter das Guggenheim Forschungsstipendium, den Tiffany Preis und das Stipendium der Joan Mitchell Foundation. Ihr Zugang zu ihrer Malerei ist einfach und lyrisch und reflektiert ihre Karrierephilosophie als eine langsam aufgebaute Ansammlung von Aktivitäten. Deborah Kass erhielt 1974 ihren BFA von der Carnegie Mellon University. Wie viele Künstlerinnen ihrer Generation hat sie keinen MFA Abschluss, sie hat jedoch das Whitney Independent Studio Art Programm absolviert. Eine begriffliche (?) Künstlerin, die sich für die Malerei entschied. Ihre erste Ausstellung war 1987 in der Baskerville Watson Galerie. Sie wurde ausgestellt zusammen mit Richard Prince und Carroll Dunham. Sie ist die offenste Feministin in dieser Gruppe und viele ihrer Werke wenden sich an ihre Identität als jüdische Homosexuelle. Ihre Werke sind in zahlreichen öffentlichen Sammlungen vertreten unter anderem die Whitney, MoMA und das Guggenheim und werden von wichtigen privaten Sammlern gekauft. Eine große Retrospektive ihrer Werke reiste kürzlich durch die USA mit geringem kritischem Echo. Man würde denken, dass ihre Werke von großen Galerien vertreten werden, gewichtige kritische Aufmerksamkeit erregen und dass ihre Werke so wie der ihrer männlichen Kollegen auf Auktionen gehandelt werden. Aber das ist nicht der Fall(15). Da Museumsausstellungen, Ankäufe und Auktionen die derzeitigen Indikatoren für Erfolg auf dem Markt und historische Inklusion sind, müssen wir den schleppenden Fortschrittt für Frauen in Erwägung ziehen und mit einem aufmerksamen Blick diese Bereiche untersuchen. Obwohl immer mehr Frauen in diesen Ausstellungsorten besser vertreten sind als jemals zuvor, liegt noch ein weiter Weg vor ihnen. Auffällige Erfolge auf dem Kunstmarkt und in Mussen müssen uns aufmerksam machen auf die Mechanismen, die einen Schritt nach vorn für einige Frauen bedeuten und für andere nicht. In diesem Zusammenhang ist die sich verändernde Rolle der Kunstkritiker zu Marketingagenten von besonderm Interesse. Ein Mechanismus dieses Marketings ist die Situation der Werke junger Künstlerinnen in einer patrilinealen künstlerischen Tradition. Ein Beispiel dafür ist Sarah Sye. Diese Installationskünstlerin war kürzlich der Liebling der internationalen Biennalen, sie wurde häufig mit zahlreichen Künstlern verglichen: Tatlin, Gabo, Tuttle, Serra, Pollock, Tonz Cragg, Fred Sandback und Jason Rhodes. Bei einigen Gelegenheiten ist ihr Werk mit der Installationskünstlerin Jessica Stockholder in Verbindung gebracht worden. Es ist schockierend, dass das Werk Judy Pfaffs nicht in die Diskussion einbezogen wurde(16). Sie war es, die in den späten 70er den komplexen Gebrauch von Raum und Material initiierte und so Malerei, Zeichnungen und Skulpturen in ihren Installationen verband und eine Sprache schuf, die Stockholder und Sze jetzt benutzen. Die Exklusion dieser Tatsache in den zeitgenössischen Kritiken macht Pfaffs Werk unsichtbar, obwohl es ihr Werk ist, das dem Werk Szes am meisten ähnelt. Die Vernachlässigung einer matrilinealen Kunstgeschichte ist unverzeihlich, egal wie schnell sie die Werke junger Künstlerinnen voranbringt. Der Fall Sze, Stockholder
und Pfaff erweitert die Generationsunterschiede zwischen Künstlerinnen,
wie sie schon diskutiert wurden. Junge Künstlerinnen schlagen einen
direkteren Weg nach der Schule zu einer erfolgreichen Karriere ein, sie
beschreiten Wege, die von Generationen von Künstlerinnen vor ihnen
bereitet wurden. Da die New Yorker Kunstwelt zunehmend seine Identität
als Markt begreift und Handel unser Bewußtsein steuert, gibt es
nur wenige, die den Willen und die Geduld haben, diese Geschichte anzuerkennen.
Der Handel strebt nach neuen Informationen und kluger Verpackung, wie
der Trend zum auffälligen Kunstmarketing im Internet beweist. Es
gibt wenig Hinweise, dass diese Atmosphäre sorgfältiges Beachten
und angesammeltes Wissen fördert. Da die Akademie wieder einmal ein
Bestandteil des Marktes ist, sind die Kunstschulen finanziell gebunden,
möglichst viele Studenten aufzunehmen und ihre Studenten anzuhalten,so
schnell wie möglich fertig zu werden. Nur selten nehmen sich junge
Künstler die Zeit, sich außerhalb der Schule zu entwickeln
oder die Bilanz ihrer historischen Wurzeln und Schulden zu ziehen. Wir
leben in einer Kunstwelt, die gut darin geworden ist, "Anderssein
" zu Ware zu machen. Junge Frauen sind in der Lage, diese Tatsache
zu nutzen und an dem mainstream des Marktes teilzuhaben. Mit diesen Strategien,
die ihnen zur Verfügung stehen,. Gelingt es immer mehr Frauen, Erfolg
in der Kunstwelt zu haben. Insgesamt ist das eine gute Sache. Da es zu
einer größeren Ausgewogenheit zwischen den Geschlechtern führt.
Es bleibt allerdings die Frage, ob die Mechanismen, die wir benutzen,
um Erfolg zu haben, den Kunstbetrieb auf andere Weise einengen, oder ob
weiterhin die Vielfältigkeit von Interessen und Werten erhalten bleibt,
wie sie uns von unseren feministischen Ziehmüttern vererbt wurde. 1 Edwin G, Burrows und Mike
Wallacem Gotham: A History of New York City to 1898, Oxford University
Press, NY, 1999 |
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