Forschung
Bereits seit fast drei Jahrzehnten befasst sich
die Frauen- und Geschlechterforschung der unterschiedlichen wissenschaftlichen
Disziplinen mit der Entwicklung der Geschlechterverhältnisse sowie
deren Bedeutung für die Verteilung von politischer, wirtschaftlicher,
sozialer und kultureller Macht in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Dieses wissenschaftliche Feld hat sich seitdem theoretisch, methodisch
und inhaltlich stark ausdifferenziert. Besonders hervorzuheben ist dabei
die Veränderung der Forschungsperspektive: In den 1980er Jahren
fokussierte sie vor allem auf die Lebenssituation von Frauen. In den
1990er Jahren erweiterte sich das Erkenntnisinteresse; in den Blick
gerieten nun zunehmend horizontale und vertikale Asymmetrien im Geschlechterverhältnis
und deren gesellschaftliche Auswirkungen. Diese Entwicklung findet ihren
Niederschlag auch in der Umdefinition der Frauenforschung hin zur Frauen-
und Geschlechterforschung.
National und international hat sich die Frauen-
und Geschlechterforschung seit der Gründung des IFF zu einem integralen
Bestandteil des Wissenschaftssystems entwickelt. Über die Frauen-
und Geschlechterforschung hat die Erkenntnis, dass das Geschlechterverhältnis
eine der grundlegenden gesellschaftlichen Strukturierungs- und Organisationsformen
darstellt, zunehmend Eingang in die Einzelwissenschaften gefunden und
deren Forschungen, Publikationen und auch deren Lehrinhalte beeinflusst.
Die bislang behauptete (Geschlechts-)Neutralität von Wissenschaft
wurde erfolgreich in Frage gestellt. Die Frauen- und Geschlechterforschung
leistet heute einen nicht mehr wegzudenkenden Beitrag bei der Entwicklung
gesellschaftlicher Problemformulierungskompetenz. Das dieser Beitrag
teilweise immer noch kontrovers aufgenommen wird, liegt in ihrem Gegenstand
selbst begründet und verdeutlicht den anhaltenden Diskussionsbedarf
zur Geschlechterthematik als wissenschaftliche und soziale Frage. Aktuelle
Tendenzen in der nationalen und übernationalen Gesetzgebung, die
Einführung von Gendertrainings in großen Firmen und Verwaltungen
und die aktuelle Diskussion über neue Modelle der Work-Life-Balance
sind nur einige Beispiele für gegenwärtig virulente Entwicklungen.
Dem entspricht auf der wissenschaftlichen Ebene eine Ausdifferenzierung
theoretischer Konzepte und empirischer Fragestellungen.