Oberstufen-Kollegan der Universität Bielefeld
 
 
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Termine 2017/18



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     für KollegiatInnen



Projektunterricht:
     Produkttag SoSe17

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Mitgliederversammlung
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Projektvorstellung:
     Atlantiküberquerung

      27.04.2017, 18.00, Feld II


Projektunterricht:
     Produkttag WS16

      27.01.2017, 10.00-14.00


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     Elternsprechtag

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•  Artur Klinau liest aus:
     "SCHALOM"

      20.09.2016


•  Einladung zum Eltern-
     abend am OS

      13.09.2016, 19.00 auf Feld II


Zukunftsperspektiven für Europa - Chancen und Risiken -


Deutsch-polnische Jugendbegegnung in Rzeszów 2010


Ein Reisebericht von Lennart Clasmeier
Leitung der Fahrt: Felix Rengstorf / Hans Jaekel


Rzeszów, Januar 2010

Die polnische Geschichte ist geprägt von Besatzung und Fremdherrschaft und die Rolle, die Deutschland in dieser Geschichte spielt, ist traditionell die der Besatzer. Vor allem der Überfall auf Polen am 1.September 1939 und die damit verbundenen Jahre der Besatzung, des Krieges und des faschistischen Terrors, sowie die Shoa hat die deutsch-polnischen Beziehungen traumatisierend beeinflusst.
Mit der neuen Ostpolitik in den 70er Jahren begann langsam eine diplomatische Annäherung der BRD an Polen, die sich durch den polnischen Systemwechsel und die Auflösung der Blöcke noch verstärkte. Der Beitritt Polens zur EU bezeichnet einen neuen Status in der deutsch-polnischen Beziehung und eröffnet nun die Chance gemeinsam die Geschichte aufzuarbeiten und mit Vorurteilen und altem Hass aufzuräumen.
Im Zusammenhang mit dieser Geschichte steht das Projekt „Deutsch-polnische Begegnung in Rzeszow 2010”. Im Rahmen einer 8-tägigen Exkursion in die polnische Stadt Rzeszów lernt eine Gruppe von KollegiatInnen des Oberstufen-Kollegs die deutsch-polnischen Beziehungen hautnah kennen.
Nach 2 Tagen der Vorbereitung brechen wir mit dem Zug die 17-stündige Fahrt an. Die Gruppe besteht aus knapp 30 Leuten, darunter 5 Praktikanten, zwei Lehrende und Wolfgang Herzog vom Bielefelder Arbeitskreis Zwangsarbeit, der die Gruppe begleitet, da er eingeladen wurde, in Rzeszów einen Vortrag zu ehemaligen Zwangsarbeitern in Bielefeld zu halten.
Die KollegiatInnen hatten sich Forschungs- und Erkundungsaufgaben für die Fahrt gestellt. Die Themen hierfür waren breit gestreut: von historischen Themen wie den jüdischen Spuren in Rzeszów oder den Kriegsbeginn 1939 über tagespolitische Fragen, wie den Bau der Gaspipeline durch die Ostsee und die EU-Außengrenze bis hin zu gesellschaftspolitischen Themen, wie die polnische Jugend und Musikkultur oder den in Polen weit verbreiteten Katholizismus war vieles vertreten.
Zur Vorbereitung von Vorträgen oder Führungen führten die deutsch-polnischen Gruppen vor allem Interviews mit Studenten, außerdem organisierte die Gruppe, die zum Kriegsbeginn gearbeitet hat, ein Zeitzeugengespräch mit einem überlebenden polnischen Zwangsarbeiter.
Neben den Vorträgen standen noch viele weitere Punkte auf dem Programm. Auch hier lag der Schwerpunkt, so wie man es bei einer Exkursion unter der Zielsetzung einer deutsch-polnischen Begegnung erwarten kann, auf der deutsch-polnischen Verständigung. Verständigung im wahrsten Sinne des Wortes, so besuchten wir am ersten Tag polnische GeschichtsstudentInnen der Universität Rzeszów, mit denen wir in Diskussionsrunden über den Angriff auf Polen und den Hitler-Stalin Pakt diskutierten, jedoch war dies recht schwer, da diese kein Deutsch konnten, und die Verständigung auf Englisch anfangs durchaus ein kleines Hindernis darstellte. Nachdem wir dieses Problem erkannt hatten, ging es also weiter zum Sprachtandem mit polnischen Studenten, bei dem es um die sprachliche Verständigung ging. Zwar konnte man in der kurzen Zeit natürlich nur wenig von der Sprache erlernen, aber das Tandem war trotzdem ein Erfolg, da hier vor allem auf Englisch Kommunikation stattfand.
Auch beim gemeinsamen Gesangsabend mit polnischen Studenten ging es um diese Form von Kommunikation, allerdings dieses Mal ein bisschen ausgelassener, als beim Treffen in der Universität am Vortag.
Jedoch ging es nicht nur um die Begegnung mit polnischen StudentInnen, sondern auch eine Begegnung mit der deutsch-polnischen Geschichte und der heutigen Beziehung zwischen Deutschland und Polen in der EU.
Bei einem Besuch der EU Außengrenze in Przemyśl lernten wir einen neuen Aspekt der EU kennen, von dem wir in Deutschland nie etwas mitbekommen. Die Abwesenheit von Staatsgrenzen ist für uns eine Selbstverständlichkeit geworden, und so war der Anblick der Grenzanlagen durchaus befremdlich.
Wie die Beziehung zwischen Deutschland und Polen in der EU heute aussieht, erfuhren wir im Rathaus und bei einem Gespräch mit dem Prorektor der Universität, bei dem es vor allem um Polen in der EU und die Zusammenarbeit, die es zwischen Polen und Deutschland gibt und geben soll, ging. Hier war auch die Ostseegaspipeline ein Thema, welche die deutsch-polnischen Beziehungen stark belastet hat.
Der historische Teil der Fahrt legte den Schwerpunkt auf den Themenkomplex Shoa/2.Weltkrieg. Wir besuchten den Wald Bór, in dem während des 2. Weltkriegs Massenerschießungen stattfanden und wo sich heute ein kleines Mahnmal sowie eine Kenntlichmachung der Gräber mitten im Wald befindet. Außerdem besuchten wir den bereits oben erwähnten Vortrag zur Zwangsarbeit in Bielefeld, welcher von Menschen verschiedenen Alters besucht wurde. Unter den Gästen waren auch einige überlebende Zwangsarbeiter aus dem 2.Weltkrieg, die den Vortrag sehr lebendig gemacht haben, und die über die deutsche Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte sehr froh waren.
Nach einer Woche verließen wir Rzeszów und fuhren mit Übernachtung in Krakau zurück nach Hause, mit vielen neu gewonnenen Kontakten, mit neuem Wissen erfüllt und mit einem neuen Blickwinkel auf den östlichen Nachbarn Deutschlands.
Hier kann man sich das Video zur Rzeszów-Fahrt 2010 anschauen.