Fakultät für ErziehungswissenschaftWissenschaftliche Einrichtung Oberstufen-Kolleg
 
 
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       Publikationen

TriOS

Eine Publikationsreihe des Oberstufen-Kollegs

Aktuell: Heft 2/2011

 

Forschung und Entwicklung: Das Forschungskonzept

Forschung und Entwicklung der Wissenschaftlichen Einrichtung und der Versuchsschule Oberstufen-Kolleg beziehen sich auf drei Typen der Bildungsforschung: Praxisforschung, Evaluation und Grundlagenforschung. In den Forschungs- und Entwicklungsprojekten kooperieren Lehrende des Oberstufen-Kollegs mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der wissenschaftlichen Einrichtung. Gemeinsam werden Untersuchungsfragen entwickelt, qualitative und/oder quantitative Methoden ausgewählt, Daten erhoben, ausgewertet und interpretiert.

Praxisforschung, Evaluation und Grundlagenforschung

In der Praxisforschung arbeitet das Oberstufen-Kolleg seit fünfunddreißig Jahren an der Schnittstelle zwischen Wissenschafts- und Praxissystem. Sinn und Nutzen einer systematischen Selbstreflexion im Rahmen dieses Forschungstyps ist es, eigenes und fremdes Handeln zu überprüfen und ggf. zu verändern sowie unter den Leitfragen "What works?" oder "Wie mache ich es besser?" neue Orientierungen und Entwicklungen einzuleiten. Am Oberstufen-Kolleg hat sich eine spezifische Praxisforschung etabliert, bei der die Lehrenden Aspekte ihres eigenen Unterrichts untersuchen. Die enge Verbindung zwischen beruflichem Handeln und Reflexion steht dabei im Dienste der Schulentwicklung und des Transfers von Erfahrungen und Erkenntnissen in andere Schulen.

Evaluation ist im Wesentlichen eine systematische Erhebung, Analyse und Bewertung von Informationen über schulische Arbeit. Die am Oberstufen-Kolleg zurzeit am häufigsten umgesetzt Form ist die formative oder prozessbegleitende Evaluation. Die Fragestellungen sind auf institutionelle Interessen bezogen. Sie zielen zumeist auf die Überprüfung pädagogischer Konzepte und stellen die Basis für die Initiierung von Verbesserungsprozessen dar. Durch Evaluation wird ein zweckgerichteter Transfer von Wissen aber auch eine Rechenschaftslegung über die pädagogische Praxis am Oberstufen-Kolleg angestrebt.

Bei der Grundlagenforschung steht das „wissenschaftlich Neue“ im Vordergrund der Erkenntnisgewinnung. Projekte zur erziehungswissenschaftlichen Grundlagenforschung wurden zunächst im Oberstufen-Kolleg eher randständig durchgeführt, da die Interessen primär auf pädagogische Entwicklungen und die Ausgestaltung der Lehrerforschung gerichtet waren. Dies hat sich in den letzten Jahren durch den Versuch zur Kombination von Forschungstypen verändert. So werden beispielsweise in einem Projekt zur Entwicklung sprachlicher Kompetenzen in der Oberstufe Instrumente der Lernausgangslagenuntersuchung (LAU) mit dem Ziel eingesetzt, zu prüfen, ob und in welcher Weise diese Instrumente neben der Evaluation von Lernständen ganzer Jahrgänge zugleich auch für die einzelschulbezogene Untersuchung von Lernzuwachs geeignet sind. Im Bereich sprachlicher Kompetenzentwicklung in der Oberstufe werden somit Bezüge zwischen den Forschungstypen über ein gemeinsames Referenzmodell hergestellt. Fragen der Grundlagenforschung werden mit Fragen der Entwicklung von Maßnahmen zur Förderung basaler Kompetenzen verbunden.

Die Verknüpfung von Forschungstypen, die in zahlreichen Projekten des aktuellen Forschungs- und Entwicklungsplans (FEP 2010/2012) praktiziert wird, ist der anspruchsvolle Versuch, Fragen von Forschung und Entwicklung in einem schulischen Feld reflexiv und konstruktiv zu bearbeiten. Dabei werden praxisrelevante Fragen zu Forschungsfragen weiterentwickelt und Ergebnisse der Forschung auf die Praxis rückbezogen. Der Wechsel der Rollen und die Akzeptanz je unterschiedlicher Expertise in professionsbezogenen und disziplinären Fragen schafft eine einzigartige Laborsituation, die den forschenden Blick der schulischen sowie der hochschulischen Akteure schärft. Damit werden die Handlungsmöglichkeiten der Lehrerinnen und Lehrer erweitert. Die Verknüpfung von Forschungstypen am Oberstufen-Kolleg ist zugleich der Versuch, forschungsmethodische Differenzen zu überbrücken und gemeinsam mit Lehrerinnen und Lehrern verschiedene sozialwissenschaftliche Methoden und Theorien im Forschungsfeld Schule zu erproben.