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Der  Bielefelder Cluster  &#x201e;Cognitive  Interaction Technology&#x201c;: Robotertechnik auf höchstem Niveau
Die  von der Exzellenzinitiative geförderten Cluster (Verbünde) sollen  &#x201e;international sichtbare und konkurrenzfähige Forschungs- und  Ausbildungseinrichtungen&#x201c; etablieren. Zudem sollen sie ein wichtiger  Bestandteil der strategischen und thematischen Planung einer Universität sein &#x2013;  was in Bielefeld mit dem Cluster zur &#x201e;Cognitive Interaction Technology&#x201c;  zweifellos der Fall ist. Auch dem Anspruch, mit dem Cluster das Profil zu  schärfen und Prioritäten zu setzen, wird die Hochschule gerecht: Seit Jahren  schon ist die Kommunikation von Mensch und Maschine am Teutoburger Wald ein  Forschungsthema, seit Jahren erfolgt eine strategische Berufungspolitik durch  die Hochschulleitung, wird dazu in Sonderforschungsbereichen interdisziplinär  und vernetzt gearbeitet und in diese Fragestellungen investiert: ob es um die  Einrichtung eines Eye-tracking-Labors ging oder ob  für einen Roboter eigens eine Wohnung  angemietet wurde. Auch die Partner aus der Industrie, die mit im Boot sind,  wurden strategisch ausgewählt &#x2013; zu gegenseitigem Nutz und Frommen.

Hightech,  die sich dem Menschen anpasst &#x2013; und nicht umgekehrt!
Der  Haushaltsroboter &#x2013; Helfer in Küche und Keller, dienstbarer Geist, der hinter  seinem Besitzer herräumt und den Müll hinausträgt: eine Herausforderung für  Wissenschaft und Technik. Und leider noch eine Zukunftsvision. Allerdings eine,  auf die nahezu jeder &#x201e;anspringt&#x201c;. Das ist   Helge Ritter längst gewöhnt. Der Professor an der Technischen Fakultät  der Universität will dazu beitragen, diesen Roboter im Exzellenz-Cluster  &#x201e;Cognitive Interaction Technlogy&#x201c; Wirklichkeit werden zu lassen.
Informatiker,  Biologen, Linguisten, Physiker, Psychologen und Sportwissenschaftler unterstützt  von führenden Industrieunternehmen (Honda, Bertelsmann und Miele), verfolgen  damit ein Ziel: In Zeiten, in denen schon beim Kauf eines Neuwagens ein  Handbuch von der Dicke eines Lexikons mitgeliefert wird und die Programmierung  eines Fernsehers den Laien überfordert, die Mensch-Maschine-Kommunikation zu  verbessern. Sie wollen den Weg bereiten für Computer, Roboter und Geräte, die  dem Menschen angepasst sind. 30 Millionen Euro stehen ihnen für ihr Projekt in  den kommenden fünf Jahren zur Verfügung. 
&#x201e;Wir  wollen eine Technologie entwickeln, die es dem Computer ermöglicht, mit dem  Menschen auf einer Bedeutungsebene zu kommunizieren&#x201c;, sagt Ritter: Er soll  nicht nur stur auf per Klick eingegebene Befehle reagieren, sondern im wahrsten  Sinne aufs Wort gehorchen und auch Sprache, Gestik und sogar Emotionen  erfassen. Wenn der Roboter künftig wirklich Partner des Menschen sein soll,  dann muss er diesem die Wünsche quasi von den Augen ablesen und ihn auch  verstehen, wenn Anweisungen nicht in der Computersprache von heute erfolgen. Es  muss genügen, wenn, verbunden mit einem eher diffusen Deuten, der Befehl  ergeht, &#x201e;die Schuhe dort&#x201c; aus dem Weg zu räumen.
Ganz  normale und gängige Haushaltsgeräte sollen entsprechend aufgerüstet und damit  benutzerfreundlicher werden. So soll die Waschmaschine von morgen erkennen, ob  gerade die Dame des Hauses oder ihr Angetrauter die Trommel mit Hemden,  T-Shirts und Schlafanzügen bestückt &#x2013; und die unterschiedlichen Vorkenntnisse  berücksichtigen. Zu lange geschleuderte Seidenwäsche soll dann ebenso der  Vergangenheit angehören wie verfärbte Blusen. Ebenso sollen die Computer der  nächsten Generation erkennen, wofür sich der Mensch vor dem Bildschirm  interessiert. Wohin lenkt er den Blick, wie lange verweilt er auf welcher  Information? Der Rechner wird das registrieren und beim nächsten Aufruf  Entsprechendes anbieten.
Sicher,  an einer Hochschule geht es zumeist um Grundlagenforschung. Aber es geht in dem  Cluster um Grundlagenforschung, die eine Anwendung vor Augen hat und an deren  Ende die Entwicklung von Prototypen stehen soll. Dafür garantieren nicht  zuletzt die Partner der Bielefelder Forscher: Honda ist an der Robotik  interessiert, Bertelsmann an der Nutzung von Medien und Miele an der  Weiterentwicklung von Hausgeräten.
  
Maschinelle  Bewegungs- und Teamintelligenz
&#x201e;Es  sind einige große Themenfelder, denen wir uns in den Arbeitsgruppen widmen  werden&#x201c;, sagt Ritter. Das erste ist die Bewegungsintelligenz: Ein Roboter, der  sich autonom in einer nicht strukturierten Umgebung wie es ein Haushalt nun  einmal ist, bewegen soll, darf nicht überall anecken. &#x201e;Er muss taktil sein&#x201c;,  nennt das der Informatiker. Der Roboter &#x2013; und vor allem der Pflegeroboter, der  schneller auf die Gesellschaft zukommen kann als so mancher sich vorstellen mag  - muss Fingerspitzengefühl haben.
Zudem  muss das System aufmerksam sein, auf den Menschen und die Objekte achten, es  muss das haben, was der Forscher als Teamintelligenz bezeichnet. Die  non-verbale Kommunikation, in allen Kulturen Basis des Miteinander, darf ihm  kein Buch mit sieben Siegeln sein.  Dazu  muss der Helfer von morgen Sprache, Gestik und Mimik seines Gegenübers  wahrnehmen, Ratlosigkeit oder Unmut erkennen und richtig verstehen. Hier können  die Wissenschaftler der Universität Bielefeld an zwei Sonderforschungsbereiche  anknüpfen, von denen &#x201e;Alignment in Communication&#x201c; noch aktuell ist und von der  Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird.. Auch darin ging und geht es  um Analyse und Verständnis menschlicher Körpersprache und Sprache, um die  mühelose &#x201e;Ausrichtung&#x201c; von Mensch und Maschine. 
  
Lernen,  aus Informationen Schlüsse zu ziehen
Und  schließlich geht es um das Thema Gedächtnis und Lernen. &#x201e;Ein System ist nur in  dem Maße intelligent, in dem es neue Informationen aufnimmt&#x201c;, erklärt Helge  Ritter. Die Zeiten, als der Computer nur so schlau war, wie der Mensch ihn  gemacht hat, sollen der Vergangenheit angehören: &#x201e;Er soll lernen, aus  Informationen seine Schlüsse zu ziehen.&#x201c; Hier kommen neben den Informatikern  die Neurowissenschaftler ins Spiel um zu erklären, wie das Gedächtnis beim  Menschen strukturiert ist. Wie lernt er? Wo im Gehirn speichert er was ab?  &#x201e;Kognitive Systeme gibt es heute nur in der Biologie. Davon wollen wir lernen.&#x201c;
Daher  werden die Informatiker auch von Linguisten, Psychologen, Sportwissenschaftlern,  Biologen und Physikern unterstützt. Schließlich wird es auch um die Frage  gehen, wie der Mensch mit der Maschine interagiert, wie er sich ihr gegenüber  verhält und was er ihr zutraut. Die Antwort darauf wird sich auf das Design  auswirken. 

Ein  Roboter, der Spaß versteht
Um  die Barriere zwischen Mensch und Roboter zu senken, ist es beispielsweise  wichtig, dass der Roboter ein wenig kleiner ist als sein Besitzer. Anderenfalls  könnte er als bedrohlich empfunden werden. Ebenso machen sich Forscher an der  Universität Bielefeld Gedanken über   Gesichtsausdruck, über Mimik und die &#x201e;Hauttemperatur&#x201c; der maschinellen  dienstbaren Geister. &#x201e;In einem Interaktions-Labor werden wir Versuche mit  Erwachsenen und mit Kindern machen, um zu testen, wie die Akzeptanz ist&#x201c;, sagt  Ritter. Sein Traum ist ein Roboter, der Spaß versteht, der ein fragendes oder  ein &#x201e;Aha&#x201c;-Gesicht machen kann &#x2013; je nachdem, ob er eine Anweisung verstanden  oder nicht verstanden hat. &#x201e;Das muss nicht einmal ein menschliches Gesicht  sein, es kann auch ein freundliches Karikaturengesicht sein.&#x201c;
Ritter  sieht es durchaus als eine &#x201e;heroische Aufgabe&#x201c; an, einen Roboter so zu  konstruieren, dass er als Partner angenommen wird. &#x201e;Bei einem Schuh merken wir  auch eher, wo er drückt, als wo er passt. Ebenso wird es bei der  Mensch-Maschine-Kommunikation sein: Wir merken eher, wo es hakt.&#x201c; 
Er  erwartet langfristig in allen Bereichen mehr Komfort bei technischen Geräten  und verheißt, dass es in zehn, zwanzig Jahren genügen wird, dem Computer verbal  Befehle zu erteilen. &#x201e;Cognitive interaction technology ist gut, um etwas  durchzubuchstabieren: Bausteine, die Elemente zur Kognition und ihrem  Verständnis beitragen.&#x201c; Auf lange Sicht, denkt er, werde das Miteinander von  Mensch und Maschine problemlos sein.  Die  Wissenschaftler setzen dabei auch auf die jungen Leute. Sie haben weniger  Berührungsängste, ihnen kann ein kluges Marketing zudem vermitteln, dass so ein  Roboter, der mitdenkende Computer oder die schlaue Waschmaschine nicht nur  nützlich, sondern auch cool sind. Der menschliche Butler bleibe immer ein  Luxus. Für &#x201e;Normalsterbliche&#x201c; aber werde es den Roboter geben, der vielleicht  irgendwann ein wichtigeres Statussymbol als das Auto sei.
  
Schöne  Visionen und anspruchsvolle Organisationsaufgaben
Dass  das Selbstbild des Menschen in einer immer stärker technisierten, von Robotern  gemanagten Welt leiden könnte, glaubt Ritter nicht. &#x201e;Wir könnten uns auf das  Menschliche, auf den emotionalen Bereich konzentrieren. Und vielleicht ist  irgendwann auch die Idee überholt, dass der Mensch erwerbstätig sein muss.&#x201c; Der  Adel, lächelt der Informatiker, habe einst seine Zeit auch genutzt, um zur Jagd  zu gehen, sich den schönen Künsten oder, zugegeben, dem Krieg, zu widmen &#x2013; und  zwar ohne dadurch psychischen Schaden zu nehmen. Vielleicht aber, überlegt  Ritter, würden auch neue Berufsfelder erschlossen, Tätigkeiten, die neue  Fähigkeiten erfordern und freisetzen.
Um  der Vielzahl von Fragestellungen nachgehen zu können, betont Ritter, sei in dem  Cluster eine &#x201e;große kritische Masse&#x201c; von Wissenschaftlern nötig. Einzelne  Arbeitsgruppen seien damit überfordert, es wird daher eine Reihe von Teams  geben. Die Hälfte der Fördersumme, schätzt Ritter, werde in die Schaffung neuer  Forschungsgruppen fließen. Die sollen rasch ins Leben gerufen werden, um wenig  Zeit zu verlieren. Sechs Monate Berufungszeit sind veranschlagt. Nicht viel,  angesichts der Attraktivität des Themas und der Forschungsbedingungen aber  vermutlich ausreichend, um gute Leute an den Teutoburger Wald zu locken.  Daneben wird eine Graduiertenschule eingerichtet, um Nachwuchswissenschaftlern  die Promotion und Qualifizierung auf hohem Niveau zu ermöglichen. Den  Bielefeldern schwebt auch eine &#x201e;virtuelle Fakultät&#x201c; vor, die der Vernetzung  dienen soll. Renommierte ausländische Wissenschaftler, erläutert Ritter,  könnten den Cluster so zu Forschungsaufenthalten &#x201e;besuchen&#x201c;. Etwa zwölf Prozent  der 34 Millionen Euro müssen zudem für die zentrale Verwaltung und vor allem  die technische Ausstattung aufgewendet werden.
 




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