Forschungsgruppe Biographie- und Kulturanalyseaqua.rium: Arbeitsforum qual.-emp. AbschlussarbeitenUniversität Bielefeld
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Forschungslogiken



Empirische Studien unterscheiden sich auf den ersten Blick durch das bevorzugt verwendete Material: Quantitative Untersuchungen operieren mit großen Mengen standardisiert erhobener statistischer Daten, qualitative Untersuchungen verwenden offenere Erhebungsverfahren wie Interviews oder Beobachtung und stützen sich auf eine kleinere Zahl untersuchter Fälle.
Häufig unterscheiden sich diese Herangehensweisen jedoch - viel grundlegender als nur durch die Art ihres Datenmaterials - dadurch, dass sie unterschiedlichen Forschungslogiken folgen. Zumindest idealtypisch lassen sich so eine hypothesen-testende quantitative Forschung und eine hypothesen-generierende qualitative Forschung voneinander abgrenzen. 

Quantitative Forschung zeichnet sich dadurch aus, dass zunächst anhand von Theorien Hypothesen entwickelt werden, die es dann mit Hilfe geeigneter Instrumente an empirischen Daten zu überprüfen gilt. Dieses Vorgehen setzt in der Regel voraus, dass das Forschungsinteresse in Bezug auf bereits bestehende Theorien formuliert werden kann. Das heißt, es existiert bereits theoretisches Wissen über den Untersuchungsgegenstand, das hinreichend differenziert ist, um Hypothesen formulieren zu können. Die Überprüfung der Hypothesen nach den Standards statistischer Repräsentativität verlangt idealerweise große Samples und Datenmengen, die im (zeitlichen) Rahmen einer einzelnen Diplomarbeit meist nicht erhoben und ausgewertet werden können. Quantitativ-empirische Studien, die als Diplomarbeiten geschrieben werden, sind deshalb meist in größere Forschungsprojekte eingebunden.

Qualitativ-empirische Forschung folgt einer Logik, die als theoriegenerierend bezeichnet werden kann. Was heißt das? Im Vordergrund steht, in der Auseinandersetzung mit dem empirischen Material und dem eigenen theoretischen Vorwissen etwas Neues zu erfahren und theoretische Einsichten zu gewinnen. Das Ziel ist die Ausformulierung eines theoretischen Konzepts, das auf einen bestimmten Ausschnitt sozialer Realität bezogen ist. Dabei geht es nicht um Repräsentativität im statistischen Sinne, sondern darum, durch "genaues Hinschauen" und detaillierte Analysen differenzierte Einsichten über einen Gegenstand zu gewinnen. Das wichtigste empirische Material sind Texte, die beispielsweise aus Beobachtungen oder Interviews gewonnen und interpretativ ausgewertet werden. Diese Daten können in der Regel im Rahmen einer einzelnen Abschlussarbeit erhoben werden, für ihre Auswertung ist die Einbindung in einen kommunikativen Forschungszusammenhang hilfreich.

 
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