Forschungsgruppe Biographie- und Kulturanalyse aqua.rium: Arbeitsforum qual.-emp. Abschlussarbeiten Universität Bielefeld

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Qualitative Forschung als Prozess - (k)eine guided tour



Ein qualitativ-empirischer Forschungsprozess stellt sich nicht als lineare Abfolge einzelner, im Voraus festgelegter Arbeitsschritte dar. Charakteristisch für qualitative Forschung ist vielmehr ihre Reflexivität und Prozesshaftigkeit. Das heißt unter anderem, dass die Ergebnisse und Erträge eines Arbeitsschrittes die Gestaltung der darauf folgenden Schritte maßgeblich strukturieren; "Schleifen" und Rückbezüge gehören zum Arbeitsprozess. Dennoch gibt es im Verlauf eines qualitativ-empirischen Forschungsprozesses einige systematisch zu klärende Fragen, die hier als "Haltestationen" einer "guided tour" vorgestellt werden. "Guided tour" bedeutet hier nicht, dass diese Stationen in der Praxis der Reihe nach durchlaufen und nacheinander abgehakt werden. Möglicherweise wird eine bereits durchlaufene "Station" in einer späteren Phase des Prozesses noch einmal relevant.

Der qualitativ-empirische Forschungsprozess beginnt nicht mit vorgefassten Hypothesen, die bestätigt oder verworfen werden sollen, sondern mit einer offenen Frage. Aus einem Forschungsinteresse muss daher zunächst eine Forschungsfrage entwickelt werden, die sowohl dem Interesse gerecht wird als auch als Ausgangspunkt für den Forschungsprozess geeignet ist.

Eng mit der Forschungsfrage verknüpft ist die Wahl einer geeigneten Forschungsmethode. Verschiedene Forschungsmethoden arbeiten mit unterschiedlichen theoretischen Rahmenkonzepten, die für die Fragestellung anschlussfähig sein müssen. Umgekehrt bestimmt die Methodenwahl die Konstruktion des Forschungsgegenstandes mit. Eine geeignete Methode zu finden, kann u.U. einen längeren Suchprozess bedeuten. Im Zuge dessen werden verschiedene Möglichkeiten ausprobiert und Entscheidungen aufgrund erster Erfahrungen, im Lichte des gewonnenen empirischen Materials oder auch aufgrund von Fragen der Praktikabilität getroffen. In jedem Fall benötigt die Aneignung von Methodenwissen Zeit, die bei der Planung des Forschungsprozesses berücksichtigt werden sollte.

Die Analyse und Interpretation empirischen Materials und die Entwicklung von theoretischen Ideen beginnt im qualitativen Forschungsprozess nicht erst, wenn die Datenerhebung abgeschlossen ist, sondern bereits mit den ersten empirischen Erfahrungen (dem ersten Tag im Forschungsfeld, der ersten Kontaktaufnahme für ein Interview, usw.). Das Sammeln von Material und seine Auswertung verlaufen parallel und beeinflussen sich gegenseitig. So kann auch aufgrund von Erkenntnissen, die aus bereits vorhandenem Material gewonnen wurden, die Strategie der Datenerhebung verfeinert oder verändert werden.

Ebenso spielt das Schreiben nicht erst am Ende des Forschungsprozesses eine Rolle, wenn es um die Darstellung der Ergebnisse geht, sondern ist ein wesentliches Element der Forschungsarbeit, das den gesamten Prozess begleitet.

In der beschriebenen Verschränkung spiegelt sich das Verhältnis von Theorie und Empirie wieder, so wie es in qualitativ-empirischen Ansätzen angelegt ist. Dass die Entwicklung von theoretischen Ideen, Thesen oder Modellen zu einem Gegenstand in einer Art Hin- und Herbewegung zwischen Theorie und Empirie stattfindet, ist Teil der grundsätzlichen methodologischen Orientierung qualitativ-empirischer Forschung.

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