Methodenwahl
Welche
Verfahren der wissenschaftlichen Erkenntnisproduktion bei welchem
Untersuchungsgegenstand und Untersuchungsinteresse in Frage kommen, ist
ein wichtiger Bestandteil methodologischen Nachdenkens.
Bei der konkreten Planung einer qualitativ-empirischen Arbeit ist die
Wahl einer geeigneten Methode von großer Bedeutung. Die Methode muss
der Fragestellung angemessen sein. Gleichzeitig bestimmt die gewählte
Methode wesentlich mit, was untersucht werden kann.
Wenn
beispielsweise der Zusammenhang von Geschlecht und Beruf untersucht
werden soll, wären ethnographische Methoden genauso angemessen wie
Verfahren der Biographieforschung. Die Methoden eröffnen jedoch sehr
verschiedene Perspektiven auf das Thema und legen unterschiedliche
theoretische Rahmenkonzepte nahe. In unserem Beispiel: ethnographische
Methoden betrachten den Forschungsgegenstand als soziale Praxis und
könnten mit dem Konzept des "doing gender" verbunden werden.
Biographische Forschungsmethoden fokussieren dagegen die Konstruktion
subjektiver Erfahrung in einer geschlechtlich kodierten Gesellschaft.
Die Wahl der Methode hat also Konsequenzen für die Konstruktion des
Untersuchungsgegenstands.
Neben diesen Überlegungen spielen
immer auch pragmatische Gesichtspunkte eine Rolle, beispielsweise
methodische Vorkenntnisse und Erfahrungen, Umsetzbarkeit im
Forschungsfeld, persönliche Vorlieben und Vorbehalte der Forschenden.
Um die notwendigen Entscheidungen treffen zu können, ist es hilfreich,
sich zunächst Orientierung über verschiedene qualitative
Forschungsmethoden zu verschaffen. Einen Überblick über methodische
Ansätze und Literaturhinweise zu Einführungstexten und exemplarischen
Studien gibt es hier.
Mit der Wahl eines methodischen Ansatzes ist noch nicht unbedingt
festgelegt, mit welcher Erhebungsmethode im engeren Sinne empirisches
Material gesammelt werden soll. Eine Übersicht und entsprechende
Einführungsliteratur ist hier zu finden.
Die Entscheidung für eine Erhebungsmethode bedeutet nicht zwangsläufig
eine Entscheidung über die Strategie der Auswertung. Beispielsweise
kann ein biographisch-narratives Interview je nach theoretischer
Perspektive mit dem narrationsanalytischen Verfahren nach Fritz
Schütze, mit der Text- und thematischen Feldanalyse nach Gabriele
Rosenthal oder mit der objektive Hermeneutik nach Ulrich Oevermann
ausgewertet werden. Die Anwendung unterschiedlicher Auswertungsmethoden auf dasselbe Material wurde in der Entwicklung qualitativer Forschungsmethoden verschiedentlich erprobt.
Wie die Wahl von Forschungs- und Erhebungsmethoden mit der
Fragestellung zusammenhängt und gleichzeitig den Forschungsgegenstand
in einen theoretischen Rahmen einbettet, lässt sich gut an Beispielen qualitativ-empirischer Abschlussarbeiten aus der Bielefelder Forschungswerkstatt nachvollziehen.
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