Forschungsgruppe Biographie- und Kulturanalyse aqua.rium: Arbeitsforum qual.-emp. Abschlussarbeiten Universität Bielefeld

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Theoriebildung



Ziel einer qualitativ-empirischen Studie ist es, den anfänglich noch vage oder eher allgemein gedachten Forschungsgegenstand (z.B. Spielkulturen von Kindern) für das untersuchte Forschungsfeld differenziert und ggf. anders und neu zu beschreiben. Es geht darum, eine präzisierte theoretisierende Darstellung des untersuchten Phänomens zu entwickeln, die möglichst alle zuvor erarbeiteten empirischen Befunde und Interpretationen integriert.

Die „Antwort“ auf die Forschungsfrage hat eher den Charakter einer gegenstandsbezogenen Theorie (z.B. über die interaktiven Spielpraktiken von Kindern im öffentlichen Raum „Spielplatz“ oder über Konfliktbewältigungsmuster unter Gleichaltrigen) als den Charakter einer an Regelmäßigkeiten orientierten Aussage nach dem Muster „Kinder verhalten sich in der Regel...“, "die Mehrzahl der Konfliktlösungen funktioniert...“. Die Form der entwickelten Theorie kann dabei unterschiedlich aussehen: Sie kann eher eine begrifflichen Explikation komplexer Phänomene (z.B. von Spielprozessen) leisten oder eine empirisch begründete Typologie anbieten (z.B. von Interaktionsmustern und Lösungsstrategien in Konfliktsituationen, von Spielsituationen in städtischen Räumen usw.).

Man kann den Prozess der Theoriebildung auch so beschreiben, dass aus dem empirischen Material und seiner Interpretation schrittweise ein theoretisches Gerüst aus Begriffen/Konzepten aufgebaut wird. Die Konzepte sind gewissermaßen „Bausteine“, zwischen denen im Laufe des Forschungsprozesses Zusammenhänge hergestellt werden, so dass eine neue Ordnung ge- oder erfunden, ein „Modell gebaut“ wird. In dieser Phase der Arbeit ist es hilfreich, sich immer wieder zu fragen:

Welches sind die bedeutsamen Kategorien?
Wie können sie dimensioniert werden?
Wie lassen sie sich zueinander in Relation setzen?
Gibt es eine oder mehrere „Kernkategorien“?
Wie differenziert und dicht können sie anhand des Materials beschrieben werden?

Hilfreich ist hierbei auch der Rückbezug auf die Forschungsfrage und ihre Weiterentwicklung im Prozess der Forschung:
Passt die entwickelte Theorie noch zur Forschungsfrage?
Und passen die entwickelten Konzepte zur gewählten theoretischen Perspektive?

So wäre es z.B. nicht plausibel, in eine interaktionstheoretische Forschungsperspektive (z.B. wenn der Gegenstand die interaktive Spielpraxis von Kindern ist) Kategorien einzuführen, die individuelle Persönlichkeitsmerkmale bezeichnen. Ein Modell dafür, wie aus empirischen Beobachtungen und Interpretationen sukzessive eine Theorie konstruiert werden kann, ist das von Glaser & Strauss entwickelte Verfahren der Grounded Theory (was soviel bedeutet wie „empirisch verankerte Theoriebildung“).

Literatur

 
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