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Publikationen
Mecheril (2003) Hybridität
· Mecheril (2003) Zugehörigkeit

 
Paul Mecheril

Politik der Unreinheit. Ein Essay über Hybridität.
(2003, Wien: Passagen, ISBN 3-85165-617-2, 121 Seiten, 14,- €)

Zusammenfassung

Aufgabe zeitgenössischer kritischer Gesellschaftstheorie ist es, so formuliert es Seyla Benhabib im Rahmen ihrer im Juni 1997 gehaltenen Max Horkheimer Vorlesungen in Frankfurt am Main, Klarheit über die neue Politik der Identität/Differenz zu gewinnen, innerhalb derer kulturelle und ethnische Gruppierungen Rechte und Handlungsräume einfordern. Eine besondere Position im Feld der Auseinandersetzungen um Identität und Differenz nehmen diejenigen ein, die sich eindeutigen Zuordnungen entziehen. Angestoßen durch Studien, die den cultural studies zuzuordnen sind, ist es üblich geworden, entsprechende soziale und personale Phänomene der Uneindeutigkeit und Mehrdeutigkeit in dem Ausdruck Hybridität zu fassen. Hybride Zugehörigkeiten stellen die propagierte, geglaubte und sozial praktizierte Reinheit und Exklusivität natio-kultureller Identität in Frage. Hybridität widerspricht Reinheitsgeboten.

Wenn man den Unreinheitsbegriff auf die Analyse natio-kultureller Mehrfachzugehörigkeiten und Hybridität bezieht, stellen sich Reaktionen auf Unreinheit (wie Ekel und Widerwille, Assimilationsanforderung, Ausschluss) als kontextspezifische Ausschlussformen dar, die jene Differenzen (wieder-)herstellen sollen, die durch natio-kulturelle Ordnungen symbolisiert und produziert werden. Mit Hilfe des Unreinheitsbegriffs können aber auch Paradoxien der im Feld des Multikulturalismus und der interkulturellen Pädagogik diskutierten Politik der Anerkennung markiert werden. Denn sobald beispielsweise im Rahmen eines anerkennenden Ansatzes der und die Andere erkannt wird, findet eine Festschreibung des domestizierten Anderen als Anderer statt. Das Problem der identifizierenden und achtenden Einbeziehung des unreinen Anderen in seiner Unreinheit, besteht darin, dass sie im Akt der Anerkennung nicht nur die Logik, die den Schmutz möglich macht, sondern auch den konkreten Schmutz, die Schmutzigkeit der Anderen reproduziert.

Mit jeder Politik wird affirmativ das in den Vordergrund gerückt, worum es der Politik geht, was sie zu begehren vorgibt, sei es nun »Gleichheit«, »Anerkennung«, »Freiheit« oder »Würde«. Weil nun jede Politik gefährdet ist, sich in ihrem Begehren zu verfangen, wird in der Politik der Unreinheit eine politische Referenz gewählt, die eher das Gegenteil eines begehrten Gutes bezeichnet. Mit einer auf Unreinheit bezogenen Politik soll damit bereits in der Benennung zweierlei anzeigt werden; dass nämlich Politiken der kulturellen und ethnischen Differenz/Identität angemessener Weise erstens nur als unabschließbare Prozesse der diskursiven Auseinandersetzung und zweitens nur als paradoxe Politik gedacht werden können.

Der Essay ist in sechs Schritte gegliedert. Zunächst geht es um das Phänomen hybrider Zugehörigkeit (1) und die Frage, inwiefern hybride Zugehörigkeit als Unreinheitsphänomen verstanden werden kann (2), um als einen ersten dekonstruierenden Schritt der Politik der Unreinheit herausstellen, dass »Reinheit« und »Vollkommenheit« Einbildungen bezeichnen, die geeignet sind, Verhältnisse der Dominanz zu konservieren (3). Gegenüber einer Politik, die das Bewahren einer Vollkommenheit anstrebt, wird eine Politik der Anerkennung des Unreinen in den Vordergrund gerückt, die zunächst in ihren Paradoxien und Dilemmata dargestellt (4), ehe sie als Politik der transformativen und affirmierenden Anerkennung der Unreinheit ausgeführt wird (5). Charakteristisch für die Unreinheitspolitik ist die ihr eingeschriebene kommunikativ-tentative Ausrichtung, in der es um zweierlei geht: um das Darstellen sowie um das Verändern von Verhältnissen der Identität/Differenz (6).

 
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