Begrüßung der Gäste des Jahresempfangs der Universität Bielefeld durch Rektor Prof. Dr. Dieter Timmermann, 14.06.2002, 18.00 Uhr, AudiMax
 
Es gilt das gesprochene Wort!
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Meine sehr geehrten Damen und Herren,
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zum dritten Jahresempfang begrüße ich Sie alle sehr herzlich in der Universität Bielefeld. Dies soll eine Gelegenheit sein, unseren Kooperationspartnern, Freunden und Förderern aus allen gesellschaftlichen Bereichen zu danken und diese guten Beziehungen zu festigen.
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Besonderer Dank gilt aber zunächst Herrn Prof. Wehler für die Bereitschaft, heute Abend einen Vortrag zu einem aktuellen und immer noch beklemmenden Thema zu halten. Ich denke, ich brauche Ihnen Herrn Wehler nicht weiter vorzustellen, einen – das muss man so sagen - der bedeutendsten zeitgenössischen Historiker nicht nur in Deutschland, der sich als kritischer Intellektueller nicht im sprichwörtlichen Elfenbeinturm verkriecht, sondern sich auch zu wichtigen aktuellen Fragen öffentlich äußert. Ein Dank geht auch an Herrn Rösch, Herrn Held und Herrn Heisterhagen für die musikalische Umrahmung dieser Veranstaltung.
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Der Westfälisch-Lippischen Universitätsgesellschaft danke ich einmal mehr für die großzügige Unterstützung dieser Veranstaltung. Über die Universitätsgesellschaft halten wir zahllose Kontakte nicht zuletzt in die Wirtschaft. Es ist für die Universität sehr wichtig, sich des Rückhaltes aus diesem gesellschaftlich so außerordentlich bedeutenden Bereichs sicher sein zu dürfen. Es freut mich sehr, dass heute auch der diesjährige Karl-Peter-Grotemeyer-Preis für gute Lehre vergeben wird – übrigens wieder in Anwesenheit seines Namensgebers. Dieser Preis wurde von der Universitätsgesellschaft gestiftet und symbolisiert in besonderer Weise die enge Verknüpfung der Region mit der Universität und ihr Interesse an dem, was bei uns in der alltäglichen Arbeit geschieht.
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Das Studentenwerk Bielefeld hat sich für den informellen Teil des Jahresempfangs wieder sehr viel Mühe gegeben und die Brauerei Felsenkeller sorgt erneut dafür, dass uns nachher das Bier nicht ausgeht. Auf eine Besonderheit möchte ich dabei noch hinweisen: Sie finden nachher in der Mensa auch ganz spezielle Speisen, die ausländische Studierende nach Rezepten aus ihren Heimatländern hergestellt haben – daher Dank auch an alle, die heute für unser leibliches Wohl sorgen. Dieser informelle Teil des Jahresempfangs ist uns mindestens so wichtig wie der erste Teil hier im Auditorium maximum. Wir möchten reichlich Gelegenheit zu informellen Gesprächen geben. Dabei können Sie sich im direkten Kontakt mit den Vertretern der Universität über neueste Entwicklungen in Forschung und Lehre informieren.
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Vielleicht darf ich an dieser Stelle nur wenige Sätze zur augenblicklichen Situation der Universität sagen. Das letzte Jahr war für die Universität außerordentlich bewegt und dies glücklicherweise fast ausschließlich in positivem Sinne. Dass wir in der Forschung wieder sehr erfolgreich waren zeigt die Tatsache, dass wir das Jahr 2001 mit einer Rekorddrittmittelsumme abgeschlossen haben, die noch weit über der ebenfalls Rekord bedeutenden Summe des Jahres 2000 lag. Ich kann aus Zeitgründen nicht in die Einzelheiten gehen, möchte aber wenigstens erwähnen, dass zwei neue Sonderforschungsbereiche an der Universität ihre Arbeit aufgenommen haben: in der Geschichte zum Thema „Das Politische als Kommunikationsraum in der Geschichte“ und in den naturwissenschaftlichen Fakultäten unter Führung der Physik zum Thema „Physik von Einzelmolekülprozessen und molekularer Erkennung in organischen Systemen“. Sonderforschungsbereiche sind große Verbundforschungsprojekte mit einer langjährigen Laufzeit, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft nur unter strengsten Qualitätsmaßstäben eingerichtet und finanziert werden. Wir haben jetzt vier davon.
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Im Zeichen der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und der Internationalisierung haben wir neuerdings zwei Graduate Schools, in denen junge Wissenschaftler ihre Dissertationen im Austausch mit Kollegen schreiben können, die zu ähnlichen Themen arbeiten – und dies mit einem speziellen begleitenden Unterrichtsprogramm. Die Graduate Schools wurden in der Biotechnologie und den Wirtschaftswissenschaften errichtet. Die Unterrichtssprache ist englisch.
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Das Stichwort „Internationalisierung“ spielt bei uns eine immer größere Rolle. Inzwischen konkurrieren die Universitäten weltweit um Wissenschaftler, aber auch um begabte Studierende. Wir bemühen uns durch diverse Maßnahmen, auch ein internationales Marketing, noch stärker konkurrenzfähig zu werden.
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Sehr spannende Entwicklungen gibt es augenblicklich in der Lehre. Nach dem Bologna-Abkommen der EU-Staaten sollen Studiengänge europaweit kompatibel gemacht und damit natürlich wieder ein stärkerer internationaler Austausch ermöglicht werden. Das bedeutet in Deutschland die überwiegende Umstellung auf die vor allem in den angelsächsischen Ländern üblichen Abschlüsse Bachelor und Master. Die Universität Bielefeld hat darauf schnell reagiert und will dies bis zum Wintersemester größtenteils bewerkstelligt haben, wobei einige Diplomstudiengänge weiterbestehen. Der Bachelor bedeutet einen vollgültigen Hochschul-Abschluss nach sechs Semestern, allerdings natürlich mit einer schmaleren Qualifikation. Das vollakademische Qualifikationsniveau wird dann durch das auf den Bachelor aufbauende Masterstudium von vier Semestern erreicht. Besonders wichtig ist, dass dies auch für die Lehramtsstudiengänge und damit das Staatsexamen gilt. Dies ist ein Modellversuch, der außer in Bielefeld nur noch in Bochum läuft. Allerdings bezieht er sich in Bochum nur auf die Sekundarstufe II, während in Bielefeld auch die Lehrämter für Grund-, Haupt- und Realschule betroffen sind. Nicht erst nach dem PISA-Schock ist deutlich, dass die Lehrerausbildung dringend reformbedürftig ist. Vorteil der Umstellung für die Studierenden ist nicht zuletzt, dass der Bachelor nach sechs Semestern noch nicht zwingend zu einem anschließenden Master im Lehramt führt, sondern dass hier flexibel auf Konjunkturen bei der Einstellung von Lehrern und gegebenenfalls auch auf die Einsicht reagiert werden kann, lieber doch ein anderes Berufsziel anzusteuern. Nicht nur ganz Nordrhein-Westfalen, sondern die ganze Bundesrepublik blickt jetzt in dieser Sache gespannt nach Bochum und Bielefeld.
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Meine Damen und Herren, dies waren nur wenige Schlaglichter auf die Entwicklung der Universität. Manches andere werden Sie nachher sicher in Einzelgesprächen erfahren. Und nun wünsche ich uns allen einen interessanten Abend!
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