Universität Bielefeld Dokumente Universität Bielefeld

Universität |  International |  Benutzer | 
 Sie befinden sich hier:
 · Universität Bielefeld
   · Universität
     · Einrichtungen
       · Pressestelle
         · Dokumente
 
Dokumente
 

 

Rechenschaftsbericht des Rektors der Universität Bielefeld,
Prof. Dr. Dieter Timmermann, an den Senat, 13. Februar 2002

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

das Jahr 2001 war für die Universität Bielefeld außerordentlich reich an Ereignissen und vielfältigen Herausforderungen. Seit April 2001 ist das neue Rektorat im Amt. Es stellt sich seinen Aufgaben in einer Zeit der Umbrüche, der Autonomisierungsbestrebungen für die Hochschulen, der Suche nach einer effektiveren Selbstverwaltungsstruktur, des systematischen Rückgriffs auf Controlling- und Evaluationsinstrumente, der immer größeren Konkurrenz zwischen den Hochschulen um Ressourcen, Studierende und Reputation. Wohl wie nie zuvor fordern diese Wandlungsprozesse Flexibilität im Denken und Handeln von allen verantwortlich Beteiligten und besonders von den Rektoratsmitgliedern die Fähigkeit, strategische Entscheidungen zu fällen bei der Entwicklung von Zukunftsperspektiven, bei effektivem Management der vorhandenen Ressourcen, bei der Suche nach kreativen Lösungen in der Selbstverwaltung und bei Konflikten. Durch die Vorarbeit der vergangenen Rektorate – meinem Vorgänger Gert Rickheit sage ich an dieser Stelle herzlichen Dank für sein großes Engagement – sind die Startvoraussetzungen nicht schlecht: Viele innovative Weichenstellungen waren bereits eingeleitet, und selbstverständlich bezieht sich das Meiste, was hier vorzutragen ist, auch auf Aktivitäten des vorigen Rektorates, an die jetzt anzuknüpfen ist. Eine sehr erfreuliche Resonanz gab es für das neue Rektorat schon auf seine informell gehaltenen, aber dennoch stringent problembezogenen Besuche in den Fakultäten und auf den Versuch, die Senatssitzungen effizienter zu gestalten.

Qualitätspakt

Für die Selbstreflexion der Universität war die im Kontext des Qualitätspaktes angestoßene Leitbilddiskussion von großer Bedeutung. Dabei wurde im Bericht an den Expertenrat das von Gründung der Universität an richtungsweisende Konzept der Interdisziplinarität für die Bedingungen des Jahres 2000 reformuliert und konkretisiert. Dass dies überzeugend gelungen ist, wurde vom Expertenrat nachdrücklich bestätigt. Auch insgesamt kann die Universität mit der vom Expertenrat gezogenen Bilanz sehr zufrieden sein: Die hohe Forschungsintensität wurde hervorgehoben und der Universität wurden sehr gute Entwicklungsmöglichkeiten bescheinigt. Die Landesregierung hat die Zahl der bis 2009 kw-geschriebenen Stellen auf 78 begrenzt. Jeder Stellenverlust ist schmerzlich, aber im Landesvergleich ist dies der geringste Abbau bei den Universitäten, und zugleich besteht die Chance, Finanzmittel aus dem Innovationsfonds des Landes zurückzugewinnen. Darüber hinaus ist es für eine flexible Strukturpolitik erforderlich, Instrumente wie den internen Innovationsfonds zu etablieren und zu stärken. In Zukunft werden diejenigen Hochschulen, die durch solche Instrumente auch aus eigener Kraft Innovationsfähigkeit beweisen, noch größere Vorteile bei der Konkurrenz um Mittel des Landes haben. Die Universität ist für diesen Konkurrenzkampf gut gerüstet, darf sich aber im Bewusstsein solcher Lorbeeren nicht ausruhen - ein Abrutschen in die Mittelmäßigkeit droht heute schneller denn je – schon Stillstand bedeutet de facto Rückschritt.

Integration der Fakultät für TGKM/Zentrale Einrichtungen

Neben dem Auslaufen der Primarstufenausbildung empfahl der Expertenrat auch den nach 20 Jahren letzten Schritt der Verschmelzung von Universität und PH durch die Integration der Fakultät für TGKM in fächeraffine Fakultäten. Angesichts der anerkannt hohen Qualität der Lehrerausbildung in Bielefeld gerade in der Primarstufe mit ihren Spezialitäten wie Integriertes Eingangssemester oder Lernwerkstatt, anderer günstiger Standortfaktoren und der Tatsache, dass die Universität Paderborn den Wegfall der Primarstufenausbildung in Bielefeld nicht – wie vom Expertenrat empfohlen – würde kompensieren können, hat sich die Universität eindeutig für den Verbleib und Ausbau der vollständigen Lehrerausbildung ausgesprochen. Damit verpflichtet sie sich zugleich zu zusätzlichen Anstrengungen in diesem Bereich, wie sie u. a. unten im Zusammenhang mit den Zielvereinbarungen angesprochen sind.

Den Vorschlag einer Integration der Fakultät für TGKM hält das Rektorat aber aus strukturpolitischen Gründen für sinnvoll. Diese Fakultät wird als Resultat der PH-Integration nur durch das eher dünne Band der Lehrerausbildung zusammengehalten, ohne dass es (außer im Primarstufenstudiengang Lernbereich Kunst/Musik) enge fachliche Verflechtungen gibt. Die Sondierungsgespräche über eine Zuordnung der Fächer zu anderen Fakultäten verliefen erfreulich konstruktiv, so dass bereits Anfang Januar 2002 weitgehend Einigkeit über die Zuordnung erzielt wurde. Zu diesem Thema gibt es in der heutigen Sitzung einen eigenen TOP, so dass die Einzelheiten an dieser Stelle nicht weiter erläutert werden müssen.

Eine andere wichtige strukturpolitische Maßnahme ist die Integration des bisher als zentrale wissenschaftliche Einrichtung existierenden IDM in die Fakultät für Mathematik. Von einer organisatorischen Anbindung als Einrichtung der Fakultät ist eine engere fachliche Verflechtung des wichtigen Feldes Mathematikdidaktik mit der Mathematik insgesamt zu erwarten, auch wenn kommunikative Bande durchaus bereits bestehen.

Rektorat und ZiF stehen in einem Dialog über die Zukunft des ZiF. Nach Jahrzehnten außerordentlich erfolgreicher Arbeit ist es an der Zeit, die Konzepte der Forschungsorganisation am ZiF angesichts einer inzwischen entstandenen Landschaft konkurrierender Einrichtungen zu überdenken, um dessen herausragenden Ruf auch für die Zukunft zu sichern.

Oberstufen-Kolleg

Die sehr leidenschaftlich geführte Debatte um das Oberstufen-Kolleg wurde im März mit folgendem Ergebnis vorerst beendet: Das Oberstufen-Kolleg bleibt zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Universität, die Ausbildung am OS bezieht das Grundstudium nicht mehr ein und wird auf drei Jahre verkürzt, die Lehrverpflichtung wird von 14 auf 18 Stunden erhöht und 20 von 92 Stellen werden bereits ab dem Jahr 2002 aufgrund von kw-Vermerken wegfallen. Dabei soll eine neuartige Verflechtung zwischen gymnasialer Oberstufe und Universität in der Studieneingangsphase erprobt werden, nachdem sich der erfolgreiche Abschluss des Grundstudiums am OS auch wegen der sehr selektiv gehandhabten Anerkennung dieser Studienleistungen durch die Universitäten schon lange als Fiktion erwiesen hatte. Die Klagen von über 30 Lehrenden des OS gegen die Deputatserhöhung könnten diesen Stabilisierungsprozess verzögern, und die Umsetzung des neuen Konzepts bedarf noch intensiver Anstrengungen von Seiten des OS und des MSWF.

Neue Grundordnung

Auch die neue Grundordnung, die augenblicklich vorbereitet wird, sollte den neuen Anforderungen an ein flexibles und effektives Hochschulmanagement entsprechen, ohne dass dies auf Kosten von Partizipationsmöglichkeiten gehen darf: Sachkenntnis statt formaler Gruppenproporz, große Freiräume bei der Einrichtung (oder Abschaffung) von Kommissionen, lieber zu wenig als zu viel festschreiben. Das Rektorat hatte dem Erweiterten Senat seinerzeit einen stark verschlankten Entwurf einer neuen Grundordnung vorgelegt und hofft im Interesse der Universität auf eine sachgerechte Lösung. Schon das neue Hochschulgesetz hatte deutlicher zwischen starker „Exekutive“ und kontrollierender „Legislative“ differenziert als zuvor, und im Interesse einer dynamischen Entwicklung der Universität sollte dies in einer modernen Selbstverwaltungsstruktur zum Ausdruck kommen. (Stand von vor der Sitzung des Erweiterten Senats vom 6.2.2002)

Juniorprofessuren

Als Reaktion auf die Diskussion um die internationale Konkurrenzfähigkeit des deutschen wissenschaftlichen Nachwuchses und die durch die Habilitation lange Qualifizierungszeit hat das BMBF ein Programm zur Einführung von Juniorprofessuren ohne Habilitation eingeführt. Nach einem langen und differenzierten Diskussionsprozess hat die Universität sich entschlossen, 12 solcher Juniorprofessuren in neun Fakultäten zu beantragen. In der Universität gibt es kein eindeutiges Votum für einen generellen Wegfall der Habilitation, sondern eher die Tendenz, nach Fachkulturen zu differenzieren. Bundesweit scheinen die geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächer stärker zur Beibehaltung der Habilitation zu tendieren, während die Naturwissenschaften stärker von ihr abrücken. Der Universität schien es aber sinnvoll, das Instrument der Juniorprofessuren praktisch zu testen, um zu einem differenzierten Urteil zu kommen. Die Beantragung der Stellen bedeutet daher auch kein Votum für die flächendeckende Abschaffung der Habilitation.

Kosten- und Leistungsrechnung und Controlling

An Instrumente wie Kosten- und Leistungsrechnung und Controlling werden wir uns schon bald und auf Dauer in der Universität gewöhnen müssen. Bis zum 31. Dezember dieses Jahres muss beispielsweise die Kosten- und Leistungsrechnung flächendeckend eingeführt sein. Die Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft hatte sich als Testfall für diese nicht einfach umzusetzende Neuerung zur Verfügung gestellt. Dafür sei ihr und insbesondere ihrem Dekan noch einmal herzlich gedankt. Eine bessere Ausnutzung der Ressourcen bei den Medienserviceeinrichtungen Bibliothek, Hochschulrechenzentrum, Audiovisuelles Zentrum und Öffentlichkeitsarbeit erhofft sich das Rektorat von dem gerade ernannten IT-Manager, der durch Koordination in diesem Bereich Synergieeffekte erzeugen soll, wie sie ja in der technischen Entwicklung selbst (stärkeres Zusammenwachsen der traditionellen Medien zu Multimedia) begründet liegen. Auch über eine „kundenfreundlichere“ Reorganisation des Studierendenservices macht sich augenblicklich eine AG Gedanken. Sehr erfreulich ist, dass das elektronische Informationssystem BIS/KVV demnächst flächendeckend eingeführt sein wird und die Studierenden so im Internet einen konkurrenzlos schnellen und komfortablen Überblick über Lehrveranstaltungen (inkl. Zeit- und Ortsangabe) bekommen können. Schließlich gibt es intensive Bemühungen um eine Verdichtung der Fondsstrukturen. Nach Auffassung des Rektorats existiert an der Universität eine zu große Zahl von „Einzeltöpfen“, mittels derer jeweils von verschiedenen Organen bzw. Kommissionen unabgestimmt über die Förderung von Innovationen in der Lehre, in der Forschung, in der Strukturentwicklung entschieden wird. Das Rektorat wird über diesbezügliche Aggregationspläne mit dem Ziel transparenter Verfahren Benehmen mit dem Senat herstellen.

Zielvereinbarungen

Nach den vergleichsweise moderaten, aber dennoch schmerzhaften Stellenabzügen durch den Qualitätspakt im Frühjahr geht es für die Universität nun darum, die im Bericht an den Expertenrat aufgezeichneten Perspektiven weiter zu konkretisieren und in Handeln umzusetzen. Dazu dienen auch die im November im Senat vorgestellten und von ihm zustimmend zur Kenntnis genommenen Zielvereinbarungen mit dem Land zu fächerübergreifenden Schwerpunkten in Forschung und Lehre. Dabei geht es nicht zuletzt darum, mit überzeugenden Konzepten in erheblichem Umfang Mittel aus dem Innovationsfonds des Landes einzuwerben. Die Zielvereinbarungen beziehen sich auf „Genomforschung/Bioinformatik, Strukturbiochemie und Nanowissenschaften“, auf „Lehrerausbildung“, auf „Public Understanding of Science and Humanities“ und auf „Medienwissenschaften“. Wir gehen davon aus, dass in späteren Schritten Zielvereinbarungen zu anderen Schwerpunkten abgeschlossen werden.

a) Genomforschung/Bioinformatik/Strukturbiochemie/Nanowissenschaften

Im Bereich Genomforschung/Bioinformatik/Strukturbiochemie/Nanowissenschaften hat es an der Universität in den letzten Jahren eine sehr erfolgreiche, zum Teil sogar stürmische Entwicklung in Forschung und Lehre gegeben. Zentraler Aspekt dieser Entwicklung ist die auch als Leitbild der Universität dienende Interdisziplinarität. Im genannten Forschungsgebiet wird besonders deutlich, wie die traditionellen Grenzen zwischen den Naturwissenschaften zunehmend verschwimmen. Im Jahr 2001 wurden hier die Früchte langfristiger intensiver Anstrengungen geerntet. Die Universität wurde im Rahmen der Ausschreibung des BMBF zum Kompetenznetzwerk im Bereich der Genomforschung gekürt, der SFB 549 „Prozessierung und Signalwirkung extrazellulärer Makromoleküle“ wurde verlängert. Die DFG-Initiative Bioinformatik fördert die Einrichtung einer C4-Professur für Genominformatik einschließlich Mitarbeiterstellen, eine Stelle für Biomathematik, den Aufbau einer Service-Infrasruktur für Bioinformatik und Nachwuchsgruppen für Transkriptomik und Proteomik. Eine weitere C4-Stelle für Bioinformatik wurde inzwischen an der für die geschilderten Entwicklungen ebenfalls außerordentlich wichtigen Technischen Fakultät besetzt. Schließlich wurde mit großen Vorschusslorbeeren von Seiten der Gutachter der SFB 613 „Physik von Einzelmolekülprozessen und molekularer Erkennung in organischen Systemen“ genehmigt, der Physik, Chemie und Biologie zusammenführt. Dieser SFB ist nicht zuletzt einer klugen Strukturpolitik der Fakultät für Physik zu verdanken, die durch Umdenominationen hervorragende interdisziplinäre Anschlüsse hergestellt hat.

Auch in den nächsten Jahren wird es wichtig sein, weitere Professuren in die für die Zielvereinbarung relevanten Bereiche umzuwidmen. Dies dürfte geradezu ein Modellfall einer Profilschärfung sein, wie sie mit Zielvereinbarungen angestrebt wird. Die Universität verpflichtet sich darin zum Ausbau des CeBiTec und zum Aufbau des Kompetenzzentrums für bakterielle Genomforschung, zur Ausrichtung einer Reihe neu zu besetzender Professuren in Physik und Chemie auf SFB-relevante Gebiete, zu der Einrichtung des Master-Studiengangs „Bioinformatik und Genomforschung“, zu der Erhöhung der Ausbildungskapazität in Biochemie sowie der Einrichtung neuer Studienangebote in Physik/Nanowissenschaften. Vom Land erwartet die Universität in der Zielvereinbarung erhebliche Anstrengungen zum Ausbau des CeBiTec, Berufungsmittel zur Gewinnung renommierter Forscher in Zusammenhang mit dem SFB 613 und nicht zuletzt der Realisierung eines neuen Laborgebäudes mit 3.300 qm Hauptnutzfläche, denn nach vielen Jahren des Raumreichtums droht der Universität nicht zuletzt durch die vielen erfolgreichen Forschungsinitiativen nun akute Raumnot. Dies betrifft alle Teile der Universität und erfordert daher ein verändertes Raummanagement.

b) Lehrerausbildung

Die Universität hat sich in der Lehrerausbildung zur Erprobung einer Bachelor/Master-Struktur entschlossen und dies ebenfalls zum Gegenstand einer Zielvereinbarung gemacht. Mit der Erprobungsphase soll überwiegend zum Wintersemester 2002/03 begonnen werden. Die Vorteile einer solchen Reformanstrengung in Richtung einer professionalisierten Lehrerausbildung liegen in einer klaren Studienstruktur, hoher Durchlässigkeit, Berufsfeldbezug des Studiums, Differenzierung durch fachliche Profile, studienbegleitende Prüfungen und Credit Point System. Durch die hohe Durchlässigkeit soll nicht zuletzt vermieden werden, dass trotz eines berufsfeldbezogenen Studiums Studierende bei den im Zeitverlauf immer wieder schwankenden Berufsaussichten in Phasen der Überfüllung der Lehrermärkte vergleichsweise spät in einer beruflichen Sackgasse landen. Bis zum Ende des Bachelor sollen die beruflichen Alternativen offen gehalten werden können. Erst das Masterstudium ist stringent auf den Lehrerberuf ausgerichtet. Hier wird auch ein engerer Bezug zur zweiten Ausbildungsphase angestrebt. Die Nachteile der bisherigen Studienorganisation sollen dabei vermieden werden. Wenn sich diese neue Struktur bewährt, ist ein großes Stück der Studienreform geschafft! Die Universität verpflichtet sich in der Zielvereinbarung unter anderem zur Einführung einer erweiterten Studienberatung und -betreuung, zur Einführung von Praxisphasen sowohl für das Berufsfeld Schule als auch für verwandte pädagogische Berufsfelder, zur Entwicklung eines Curriculums für das Schulfach Naturwissenschaften (Lehramt Grund-, Haupt- und Realschulen) und zum Ausbau des Lernbereichs Kunst/Musik als Unterrichtsfach für das Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen.

c) Public Understanding of Science and Humanities (PUSH)

Im Bereich Public Understanding of Science and Humanities (PUSH) geht es um die Bündelung zahlreicher Einzelaktivitäten an der Universität zu einem zusammenhängenden Konzept, vor allem um die Verschränkung folgender Aktivitäten: des Internet-Auftritts der Forschungsgruppen der Universität auf der gemeinsamen Plattform „Forum Wissenschaft und Gesellschaft“, die Ausrichtung besonderer Veranstaltungen und „Events“ für verschiedene Öffentlichkeiten und aus unterschiedlichen Anlässen, die Qualifizierung des akademischen und wissenschaftlichen Nachwuchses durch ein regelmäßiges Workshopangebot und aktive Beteiligung an PUSH-Aktivitäten der Universität und der Forschungen zu PUSH aus medienwissenschaftlicher und wissenssoziologischer Perspektive. Wissenschaft soll dabei vordringlich im Kontext öffentlicher Problemwahrnehmungen dargestellt werden. Nach einem Pilotprojekt mit sechs Forschungsgruppen unter Federführung des IWT sollen diese Aktivitäten in den nächsten drei Jahren auf die gesamte Universität ausgeweitet werden. Erfreulicherweise gibt es schon eine Reihe von Veranstaltungen und Events, die sich an die außeruniversitäre Öffentlichkeit richten. Am bekanntesten ist sicher mit Recht das seit Jahren sehr erfolgreiche „Forum Offene Wissenschaft“. Inzwischen gibt es auch zahlreiche auf Schüler bezogene Aktivitäten wie das Teutolab, die Tagung „Eintauchen in die Wissenschaften“, das Projekt „Pea*nuts“ oder die Ringvorlesung „Mathematik und Natur“ für Schüler und Lehrer. Auch das Zentrum für interdisziplinäre Forschung bemüht sich, öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen wie Vorträge bekannter Wissenschaftler und öffentliche Kolloquien anzubieten. Die wissenschaftliche Weiterbildung und das Programm „Studieren ab 50“ tragen ebenso zu Verbindungen zur Öffentlichkeit bei. Gleiches gilt mit anderer Stoßrichtung für das Projekt „Bielefeld 2000plus“. Zu einer flächendeckenden Verankerung von PUSH gehört die Qualifizierung des wissenschaftlichen Nachwuchses auf diesem Gebiet. Bisherige punktuelle Ansätze sollen zu einem systematischen Qualifizierungsangebot ausgebaut werden. Für die Studierenden geht es um die Entwicklung des fächerübergreifenden Studienmoduls PUSH und die Etablierung eines „Studentischen Forschungsmagazins“. Zwar gibt es bereits Forschungsprojekte zum Verhältnis Wissenschaft – Öffentlichkeit, doch wäre für die systematische Etablierung von PUSH ein wissenschaftliches Monitoring-Projekt zur Begleitung erforderlich.

d) Medienwissenschaften

In den Medienwissenschaften gibt es an der Universität bereits jetzt ein unerwartet breit gefächertes von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Fakultäten getragenes Angebot an Lehrveranstaltungen, das zu einer fächerübergreifenden Ausbildungsstruktur weiterentwickelt werden soll. Dabei geht es einerseits um Technologien neuer Medien und andererseits um Medientheorie und Medienanalyse als neue Forschungs- und Lehreinheit, welche die Vielfalt der Gegenstände und Verfahren in den Medienwissenschaften in den Blick nehmen und entsprechende Integrationsleistungen erbringen soll. Sowohl für die Technologie neuer Medien wie für die genannte Schnittstelle müßte je eine Professur eingerichtet werden. Die Lehrangebotsstruktur erfordert eine systematische Zusammenfassung der vorhandenen Angebote im Rahmen einer modularisierten Lehrangebotsstruktur und die Entwicklung weiterer Module.

Auch im Rahmen des Nachfolgeprogramms zu „Qualität der Lehre“ „Studienreform 2000plus“ wurde eine Zielvereinbarung zwischen Universität und Land geschlossen. Sie bezieht sich auf zahlreiche lehrbezogene Aktivitäten wie die Stärkung des Studierendenservice, die Einführung gestufter Studiengänge und Kreditpunktesystemen oder die Entwicklung und Erprobung von fächerübergreifenden Modulen. Großer Wert wird auch auf die Verbesserung der Übergänge zwischen Schule und Hochschule und zwischen Universität und Beruf gelegt, Bereiche, in denen die Universität schon seit längerem intensive Anstrengungen unternimmt. Gleiches gilt für die Studieneingangsphase.

FORSCHUNG/GRADUATE SCHOOLS/INTERNATIONALES

a) SFBs/Forschungsgruppe/Drittmittelprojekte/Stiftungsprofessur

Die auffälligsten Erfolge der Bielefelder Forscherinnen und Forscher im Jahr 2001 sind zweifellos die neuen SFBs „Das Politische als Kommunikationsraum in der Geschichte“, den die Historiker in Zusammenarbeit mit Philosophen, Soziologen, Rechts- und Literaturwissenschaftlern eingeworben haben, und der von den Physikern zusammen mit Chemikern und Biologen eingeworbene SFB „Physik von einzelnen Molekülprozessen und molekularer Erkennung in organischen Systemen“. Außerdem wurde der SFB 549 verlängert. Sehr erfreulich ist, dass sich auch bei den SFBs erfolgreiche Forschung über eine große Breite des Fächerspektrums der Universität erstreckt. Diesen Trend bestätigt nicht zuletzt die neue DFG-Forschergruppe „Texttechnologische Informationsmodellierung“, die von Bielefeld aus koordiniert wird und in der Wissenschaftler der Universitäten Gießen und Tübingen und des Instituts für deutsche Sprache Mannheim mitarbeiten. Auch bei der Volkswagenstiftung wurden erfolgreich große Projekte eingeworben, nämlich „Wissenschaft im Umbruch: Auf dem Weg in die Wissensgesellschaft“ im IWT und „Erinnern und Gedächtnis“ in der Abteilung Psychologie. Erstmals ist an der Universität Bielefeld eine Stiftungsprofessur etabliert worden, und zwar an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften. Stifterin ist die große Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Die Professur ist mit „Externes Rechnungswesen“ denominiert. Die Universität bedankt sich – dieses Beispiel sollte Schule machen. Die Rekorddrittmittelsumme aus dem Jahr 2000 mit knapp 50 Mio. DM wurde für 2001 mit 58,3 Mio. DM noch weit übertroffen.

b) Graduate Schools/Graduiertenkollegs

Auch ein neues Graduiertenkolleg mit dem Titel „Auf dem Weg in die Wissensgesellschaft“ am IWT wurde 2001 positiv begutachtet. Die Universität verfügt damit über neun Graduiertenkollegs, von denen eine Reihe im letzten Jahr verlängert wurde! Gleich zwei internationale Graduate Schools zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses haben 2001 den Betrieb aufgenommen. Die „International Graduate School in Bioinformatics and Genome Research“ der Fakultäten für Biologie, Chemie, Mathematik und der Technischen Fakultät ist in das Gesamtkonzept „Bioinformatik und Genomforschung in Bielefeld“ der DFG-Initiative Bioinformatik integriert. Sie ist eine von sechs Graduate Schools of Excellence, die das Land Nordrhein-Westfalen ab dem laufenden Semester einrichtet. Unabhängig von diesen Aktivitäten wurde an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften die „Bielefeld Graduate School for Economics and Management (BiGSEM)“ gegründet, die ebenfalls ihren Betrieb zum Wintersemester aufnahm. Hierauf bezogen hat die Fakultät erfolgreich erhebliche Mittel aus dem neuen Programm „Internationale Qualitätsnetze“ des DAAD zum Austausch von Graduierten und Postdoktoranden eingeworben. Erfreulicherweise haben DAAD und DFG der Fakultät für Soziologie die Finanzierung eines internationalen Promotionszentrums mit dem Abschluss PhD zugesagt. Und schließlich gibt es auch in der Fakultät für Chemie eine Initiative zum Aufbau einer Graduate School. Mit den Graduate Schools setzt die Universität ihre Bemühungen um einen internationalen Standard entsprechendes Lehrangebot fort und steigert ihre Attraktivität für ausländische Graduierte.

c) Internationales

Seit dem Jahr 2001 hat die Universität mit Philippe Blanchard einen Beauftragen für Internationales. Herr Blanchard hat bereits durch seine weltweiten wissenschaftlichen Kontakte Herausragendes auf diesem Gebiet geleistet. Dazu gehört auch die Kooperation mit der Universität Paris VII, die im letzten Jahr durch die Unterzeichnung des Abkommens formal besiegelt wurde. Neuerdings ist die Universität auch Mitglied der Deutsch-Französischen Hochschule. Auch zu Russland haben sich die Beziehungen intensiviert. Im Rahmen einer längeren Reise des Rektors wurden neue Kooperationsabkommen mit Hochschulen in St. Petersburg und Jaroslawl abgeschlossen. Von besonderer Bedeutung ist, dass zusammen mit dem DAAD und der Staatlichen Universität St. Petersburg von Bielefeld aus in St. Petersburg ein Zentrum für Deutschland- und Europastudien eingerichtet wurde, das seinen Schwerpunkt in den Sozial- und Kulturwissenschaften hat.

Als einzige Universität in NRW beteiligte sich Bielefeld mit zahlreichen Veranstaltungen am „Europäischen Jahr der Sprachen 2001“. In jedem Monat widmete sich ein Festival einem bestimmten, geographisch definierten Sprachraum. An der Gestaltung der Programme, die von Schnuppersprachkursen über Vorträge bis zu kulturellen Veranstaltungen reichten, beteiligten sich auch ausländische Studierende aus den jeweiligen Ländern. In der Schlussveranstaltung wies die Wissenschaftsministerin ausdrücklich auf das außergewöhnliche, mit sehr viel Aufwand verbundene Engagement der Universität Bielefeld hin.

Die Universität ist neuerdings auch Mitglied in dem von HRK und DAAD neubegründeten Konsortium GATE Germany, die den Hochschulen professionelle Hilfestellungen beim immer wichtiger werdenden internationalen Hochschulmarketing geben soll. Nicht zuletzt versucht die Universität ihre (auch bisher erfolgreichen) Bemühungen um die Rekrutierung leistungsfähiger ausländischer Studierender zu intensivieren. Ein kleiner zusammen mit der Stadt Bielefeld und Bielefeld Marketing entwickelter Marketingbaustein sind die „Begrüßungspakete“ für ausländische Studierende mit Informationen und Souvenirs zum Studium in Bielefeld.

LEHRE

Einziger neuer grundständiger Studiengang des Jahres 2001 an der Universität ist der Bachelorstudiengang „Bioinformatik und Genomforschung“ an der Technischen Fakultät. Der dazugehörige Masterstudiengang ist in Planung. Damit setzt die Universität auch im grundständigen Studium ihre Bemühungen um eine international kompatible Studienstruktur fort. Über entsprechende Aktivitäten zur Stufung und Modularisierung des Lehramtsstudiums wurde oben bereits berichtet. Auf Vorschlag des Expertenrats wurde wegen geringer Nachfrage der Lehramts- und der Magisterstudiengang für „Latein“ eingestellt. Die Universität konnte das Land überzeugen, die zu diesem Bereich gehörende C4-Stelle wiederzubesetzen, weil dies im Rahmen der Modularisierung durch viele Anknüpfungspunkte in Allgemeiner Literaturwissenschaft, Romanistik, Geschichte und der Lehrerausbildung gerechtfertigt ist. Parallel gilt dies auch für die Slavistik. Das Lehrangebot für die Lehramtsstudiengänge in Katholischer Theologie läuft hingegen ersatzlos aus. An der Fakultät für Gesundheitswissenschaften wurde wegen der großen Nachfrage nach Epidemiologen in Zusammenarbeit mit der Universität Tübingen und der LMU München ein Studiengang „Master of Science in Epidemiology“ eingerichtet, ein Bachelor-Studiengang „Gesundheitskommunikation“ ist genehmigt. Aus der Fakultät für Soziologie wurde der Antrag auf ein BA/MA/PhD-Programm für Politikwissenschaft gestellt.

Für diejenigen, die eine Beschäftigung in der Wirtschaft und nichtstaatlichen Organisationen suchen, fand im November zum zweiten Mal mit großem Erfolg die Berufseinstiegsmesse „Perspektive 2001“ statt, die nicht zuletzt das Interesse der regionalen Wirtschaft für die Universität und ihre Absolventen unterstreicht. Dazu passt, dass es an der Universität neuerdings zwei studentische Unternehmensberatungen gibt – STUNT und Pilotfisch -, die dadurch, dass sie ihre Dienste anbieten, Studierenden gleichzeitig zu einem selbstorganisierten und gewiss außerordentlich spannenden Einstieg in die Praxis verhelfen.

KOOPERATION SCHULE - HOCHSCHULE

Im Jahr 2001 hat die Universität ihre zahlreichen schülerorientierten Aktivitäten weitergeführt und ausgebaut. Zum dritten Mal fand die Schülerakademie „Eintauchen in die Wissenschaft“ für 30 besonders motivierte, leistungsstarke und intellektuell breit interessierte Schülerinnen und Schüler der 13. Jahrgangsstufe statt, nicht zuletzt in der Hoffnung, dass viele von ihnen ihr Studium in Bielefeld aufnehmen. Außerordentlich erfolgreich verlief gleich beim ersten Mal das von der Frauenbeauftragen initiierte Projekt „Pea*nuts – Probieren – Erfahren – Anwenden. Naturwissenschaften und Technik für Schülerinnen“. Es richtete sich überwiegend an Schülerinnen der SII aus der Region und ermöglichte ihnen, eine Woche lang in den Herbstferien die naturwissenschaftlichen Fakultäten und die Technische Fakultät kennen zu lernen. Außer in der Biologie sind in diesen Fakultäten die Frauen deutlich unterrepräsentiert. Umso erfreulicher war, dass 150 Schülerinnen dieses Angebot intensiv nutzten. Die genannten Fakultäten beteiligten sich erstmals auch an dem „Girl’s Day“ für 10- bis 15-jährige Mädchen im April. Der diesjährige Schülerinformationstag sprengte mit 1500 (!) Interessenten die bisher gekannten Dimensionen. Auch das Teutolab leistet Außerordentliches für ein frühes Heranführen von Schülern an die Naturwissenschaften. Wie sein Zwischenbericht ausweist, haben hier seit der Gründung vor zwei Jahren 5000 Schüler aller Schulstufen Experimente durchgeführt. Außerdem gab es Lehrerfortbildungen. Diese Aktivitäten sollen noch ausgeweitet werden.

Ein gemeinsames Projekt mit der Stadt Bielefeld ist seit dem Sommersemester 2001 der „Förderunterricht für Schülerinnen und Schüler nicht deutscher Herkunftssprache“. Lehramtsstudierende und Studierende des Faches Deutsch als Fremdsprache erteilen diesen Unterricht nicht nur in Deutsch, sondern auch in Mathematik, Englisch und Geschichte, und dies mit großer Nachfrage insbesondere in den Jahrgangsstufen 7 bis 10. Hier werden die Ebenen der unmittelbaren Förderung, der Lehrerausbildung, der Lehrerfortbildung und der Forschung und Entwicklung miteinander verbunden. Vielleicht sei der Hinweis erlaubt, dass in der PISA-Studie auch die mangelnde Förderung von Migrantenkindern heftig kritisiert wird.

Mit Unterstützung des DAAD im Rahmen eines Programms gegen ausländerfeindliche Tendenzen wurde in Bielefeld das Projekt „Meet an international Student“ etabliert. Ausländische Studierende besuchen dabei als Experten zu einem speziellen Thema Schulklassen aus der Region. Ziel dieser interkulturellen Begegnungen ist die Förderung des gegenseitigen Kennenlernens und Verstehens zwischen In- und Ausländern und damit auch das Aufweichen möglicherweise vorhandener stereotyper Vorstellungen bei den Schülern.

Und schließlich ist die Universität in Kooperation mit der Fachhochschule und dem Gildenhaus Institut an einem Projekt zur Integration benachteiligter Jugendlicher in das Berufsleben beteiligt. Aus Sicht des Rektorats kann für die schülerbezogene Arbeit der Universität eine außerordentlich positive Bilanz gezogen werden. Die große Resonanz, auf die die unterschiedlichen Aktivitäten gestoßen sind, zeigt, dass man hier einem Bedürfnis entgegengekommen ist. Die Anstrengung lohnt nicht nur aus Sicht der Schüler, sondern ist auch angesichts der sich verschärfenden Konkurrenz der Hochschulen um Studierende unerlässlich.

Public Understanding of Science and Humanities

Dass sich das in die Zielvereinbarungen einbezogene Feld PUSH an der Universität auf breiter Basis konkretisieren lässt, zeigen zahlreiche Einzelaktivitäten des Berichtsjahres. Lange vor dem 11.09. war die Reihe „Das Eigene und das Fremde“ des Forums Offene Wissenschaften geplant; sie erhielt durch die Anschläge eine ungeahnte Brisanz. Zusätzlich wurde zu Beginn des Wintersemesters von Rektorat und IKG eine Vortragsreihe mit dem Thema „Unkontrollierbare Gewaltspirale?“ organisiert. Die Universität bewies damit, dass sie schnell auf ein neues allgemeines Informations- und Diskussionsbedürfnis reagieren kann. Dies gelang nicht zuletzt deshalb, weil vor Ort schon sehr lange über multiethnische Konflikte geforscht wird und dabei auch deutliche Warnungen vor der Bedrohung durch den Fundamentalismus artikuliert worden waren.

Zum Themenbereich PUSH fanden im Sommersemester zwei hochkarätig besetzte Tagungen am ZiF statt, die großes öffentliches Interesse erregten: Die erste Tagung - unter Beteiligung des Nobelpreisträgers Sir Harold Kroto und des „Vaters der Pille“ Carl Djerassi - befasste sich mit der Vermittlung naturwissenschaftlicher Kenntnisse an ein breiteres Publikum, in der zweiten Tagung, „Monde et Savoir“, ging es im Kontext der Sokal-Debatte – Sokal war selbst anwesend – um die Konstruktion wissenschaftlicher Erkenntnisse im Spannungsfeld unterschiedlicher Wissenschaftskulturen. Diese Tagung war zugleich Ausdruck der intensivierten Kontakte zur Université Paris VII.

Mit einem Projekt zu gebietsfremden Arten, das von einer Gruppe von Studierenden der Ökologie unter Leitung eines wissenschaftlichen Mitarbeiters durchgeführt wurde, beteiligte sich die Universität Bielefeld an der Kölner Science Street im Rahmen des „Jahres der Lebenswissenschaften“ des BMBF und von „Wissenschaft im Dialog“ des Landes. Dieses Projekt erhielt wegen seiner Anschaulichkeit und seines Einfallsreichtums vor zwei Max-Planck-Instituten den ersten Preis unter 12 Forschungseinrichtungen und Universitäten aus ganz Deutschland, und noch ein weiterer Preis ging an Studierende, nämlich an die Mitarbeiter des Campus-Radios. Vom Stifterverband wurde die Initiative HERTZ junior prämiert, in der Schüler unter Hilfestellung der Campus-Radiomacher für ihre Altersgenossen (aber nicht nur für die) aus der Wissenschaft berichten. Ein weiterer Preis ging an das Teutolab. Auch der Tag der offenen Tür zur Einweihung der Stadtbahnhaltestelle diente dem PUSH. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung öffnete die Universität ihre Türen und bewies mit einem attraktiven und aufwändigen Programm u.a. ihre Fähigkeit, ausgewählte Themen aus der Wissenschaft publikumswirksam aufzubereiten. Bei manchem in der Universität dürfte zugleich die Erleichterung groß gewesen sein, dass das Kapitel Stadtbahn mit seinen jahrelangen Aufs und Abs endlich glücklich abgeschlossen ist und daher auch nicht mehr in den Rechenschaftsberichten der nächsten Jahre aufzutauchen braucht.

PERSONAL/GESUNDHEITSFÖRDERUNG/GLEICHSTELLUNG

a) Stellensituation

Die Universität hat den 1998 angelegten Umbau von Stellen auch im Jahr 2001 und zum Jahr 2002 fortgesetzt. Dahinter steht das Ziel, insbesondere im Bereich des wissenschaftlichen Nachwuchses, in dem in den vergangenen Jahren überproportional viele Stellen weggefallen sind, Ausgleiche zu schaffen. Im Umfang von jeweils sieben Stellen zum Jahr 2001 und 2002 wurden daher Stellen aus anderen Bereichen in Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie in fachnahes technisches Personal umgewandelt.

Zum Haushaltsjahr 2001 wurden zudem die bisher im Zentralkapitel des Ministeriums geführten Stellen des Hochschulsonderprogramms III, nämlich sechs Professorenstellen und zehn Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, in das Haushaltskapitel der Universität übernommen und sind so endgültig zu Stellen der Hochschule geworden.

Nachdem die Teilquote von 800 Stelleneinsparungen bis 31.12.2003 im Rahmen des Qualitätspaktes landesweit in die Haushaltspläne des einzelnen Hochschulen aufgenommen worden war, waren die übrigen Stelleneinsparungen bisher zentral als kw-Kontingente der einzelnen Hochschulen für den gesamten Planungszeitraum des Qualitätspaktes bis zum 31.12.2009 im Haushaltsplan ausgewiesen. Trotz aller landesweiten Bemühungen der Hochschulen mussten diese im November auch die restlichen 1200 Stelleneinsparungen ab dem 1.1.2004 bis zum 31.12.2009 stellen- und zeitscharf dem Ministerium melden. Das Ministerium nimmt diese Festlegungen in den Haushalt 2003 auf, um damit auch perspektivisch aufzeigen zu können, dass die derzeitige Vorfinanzierung über den Innovationsfonds gerechtfertigt ist. Das Rektorat hat daher die Abgabezeitpunkte aller Stellen, die einen externen kw-Vermerk aufgrund des Qualitätspaktes haben sowie diejenigen, die einen internen kw-Vermerk aufgrund von Senats- bzw. Rektoratsbeschlüssen für Umwidmungen innerhalb der Hochschule haben, festgelegt.

Auch im vergangenen Jahr hat sich gezeigt, dass die vom Land zugelassenen Möglichkeiten, im Rahmen der Finanzautonomie Personalmittel in Sachmittel umzuwandeln und umgekehrt aus Mitteln Personal zu beschäftigen, die Handlungsoptionen der Universität deutlich verbessert haben. Auf diese Weise konnten über 5 Mill. DM für Zwecke der Forschung und Lehre eingesetzt werden, wobei ein erheblicher Teil davon wiederum für Personalmaßnahmen investiert werden konnte.

b) Personalentwicklung

Die Universität Bielefeld hat 2001 im Bereich der Personalentwicklung vieles fortgesetzt, was schon zuvor auf den Weg gebracht worden war. Im zweiten Halbjahr 2001 wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der zentralen Verwaltung in Seminaren geschult, um in diesem Jahr die sogenannten Mitarbeiterinnen- und Mitarbeitergespräche einzuführen. Im Personaldezernat war dieses Personalentwicklungsinstrument über zwei Jahre erprobt worden.

Im Sommer 2001 begann eine umfangreiche Führungskräfteschulung der Ingenieure und Meister des Technischen Betriebsverwaltung. Mit Hilfe dieser Schulung sollen die Kommunikationskompetenzen erhöht werden, lösungsorientierte Mitarbeitsgespräche, teamorientiertes Führungsverhalten, Reflexion des eigenen Führungsstils und die Stärkung der bestehenden Führungskompetenzen erreicht werden.

In den letzten beiden Jahren lief zudem die erfolgreiche Pilotphase eines Personalentwicklungsprogramms für den wissenschaftlichen Nachwuchs mit Qualifizierungsangeboten zu Forschungsplanung/Projektmanagement, journalistischem Schreiben (PUS), Rhetorik und Präsentation u.a. Mit einigen Modifikationen soll das Programm jetzt in größerem Rahmen fortgesetzt werden.

c) Betriebliche Gesundheitsförderung

Im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung sind im vergangenen Jahr eine Vielzahl von Projekten fortgesetzt und neue begonnen worden. Unter anderem wurde

- im August ein Gesundheitstag zum Thema Rückenfreundlichkeiten als Auftakt für ein entsprechendes Projekt unter großer Beteiligung und Nutzung der Beratungsangebote durchgeführt,

- im Rahmen eines Projekts zur gesundheitlichen Situation der wissenschaftlich Beschäftigten die Gruppe der wissenschaftlich Beschäftigten befragt, mit dem Ziel, zum ersten Mal an einer Hochschule ein spezifisches Gesundheitsförderungskonzept für wissenschaftlich Beschäftigte mit konkreten Maßnahmen zur Verhütung gesundheitsbedingter Gefahren abzuleiten und dem Rektorat Vorschläge zur Umsetzung zu machen,

- ebenfalls zum ersten Mal ein Gesundheitszirkel für Studierende eingerichtet, um Studierende in die Entwicklung gesundheitsorientierter Maßnahmen und Lösungsmodelle als Expertinnen und Experten für ihre Gesundheit einzubeziehen sowie

- ein gut nachgefragtes Kursprogramm mit dem Schwerpunkt Bewegung und Entspannung angeboten.

d) Gleichstellung

Im Februar 2001 wurde Frau Baaken, wiss. Mitarbeiterin in der Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft, vom Senat für 4 Jahre zur neuen Gleichstellungsbeauftragten der Universität gewählt. Sie ist nach Frau Schmidt-Lentzen (1988 – 1997) und Frau Löther (1997 – 2001) die dritte Inhaberin dieses Amtes. Zu dem Thema „Gleichstellung“ gab es im vergangenen Jahr keine so herausragenden Punkte wie dies in den Vorjahren mit den Gesprächen in den Fakultäten, dem Landesgleichstellungsgesetz oder der Erstellung von Frauenförderplänen der Fall war. Das heißt aber nicht, dass es auf diesem Gebiet nichts mehr zu tun gibt. Gerade die tatsächliche Umsetzung des Landesgleichstellungsgesetzes - insbesondere bei Stellenbesetzungen -, die auch vom Ministerium konkret im Blick gehalten wird (z. B. die Beteiligung von Frauen bei Berufungskommissionen), erfordert eine nahezu ständige Befassung mit diesem Thema. Diese Allgegenwärtigkeit zeigt aber auch, dass Gleichstellung immer mehr zur Normalität wird, und dies ist sicherlich der richtige Weg, die immer noch bestehende Unterrepräsentanz von Frauen abzubauen. In diesem Zusammenhang ist erfreulicherweise mitzuteilen, dass Ende des Jahres die zweite Professorin einen C4-Ruf an die Fakultät für Chemie angenommen hat. Insgesamt sind von 14 Ruferteilungen drei Rufe an Frauen ergangen, davon zwei auf C4-Professuren.

KANZLERWECHSEL

Nach 30 Jahren im Dienste der Universität, davon 12 Jahre als Kanzler, ist Karl Hermann Huvendick im Juli aus dem Dienst ausgeschieden. Als eine der profiliertesten Persönlichkeiten der Universität hat er die Entwicklung der letzten Jahre als ihr „Anwalt“ gegenüber dem Land und als kompetenter Leiter ihrer Verwaltung und kreatives und einflussreiches Mitglied des Rektorats entscheidend mitgeprägt. Dafür sei auch an dieser Stelle noch einmal Dank gesagt. Mit Hans-Jürgen Simm wurde ein ebenso kompetenter wie dynamischer Nachfolger gefunden, der für die Managementfunktion im Hinblick auf eine zukunftsorientierte Positionierung der Universität Bielefeld das entscheidende Know-how und das richtige Gespür mitbringt.

Wie immer kann dieser Bericht die stets komplexe Entwicklung nur andeutend und ohne Anspruch auf Vollständigkeit im Detail beschreiben. Dass das Jahr 2001 aber ein außerordentlich erfolgreiches und ereignisdichtes war, ist hoffentlich deutlich geworden. Allen, die daran mitgewirkt haben, sei herzlich gedankt! Auf diese Erfolge, die im übrigen nur möglich sind, weil hier der von vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern getragene ganz alltägliche Betrieb reibungslos und daher auch unauffällig funktioniert, kann man aufbauen, und sie sind ein guter Ansporn, sich um eine noch bessere Universität Bielefeld zu bemühen.

 
Zum Seitenanfang