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Rechenschaftsbericht des Rektors der Universität Bielefeld, Prof. Dr. Dieter Timmermann, an den Senat, 12.02.2003

Das Jahr 2002 war für die Hochschulen nicht zuletzt von bundesweit ausstrahlenden Debatten geprägt. Zu Beginn gab es eine lebhafte Diskussion um das neue Dienstrecht und seine Befristungs- und fehlenden Übergangsregelungen. Etwas überraschend wurde Bielefeld zum bundesweiten Zentrum der Kritik an Teilen der Dienstrechtsreform, die u.a. erhebliche Beeinträchtigungen bei der über Drittmittel finanzierten Projektforschung befürchten ließ. Nicht nur der davon besonders betroffene akademische Mittelbau meldete sich öffentlichkeitswirksam zu Wort, sondern auch prominente Professoren. Der Senat verabschiedete dazu eine sehr abgewogene Resolution, die die Dienstrechtsreform grundsätzlich nicht in Frage stellt, sondern sich mit den genannten Problemen auseinandersetzt. Es ist nicht zuletzt Vorschlägen aus Bielefeld zu verdanken, dass es schließlich zu Nachbesserungen kam. Die Universität hat inzwischen sechs Juniorprofessuren besetzt und wird zunächst Erfahrungen mit dieser im Vorfeld ebenfalls teilweise heftig kritisierten Neuerung sammeln. Das bedeutet weiterhin kein grundsätzliches Votum für die flächendeckende Abschaffung der Habilitation (ausführlicher zur Dienstrechtsreform s. den Abschnitt „Personal“).

Mit besonderer Sorge wurde die Entwicklung der öffentlichen Haushalte beobachtet. Für die Universität ist es von herausragender Bedeutung, dass die mit dem Qualitätspakt verbundene Planungssicherheit bis 2004/06 auch wirklich erhalten bleibt, um strategische Weichenstellungen und damit eine langfristig wirksame Profilbildung zu ermöglichen. Am 10. Mai wurde die seinerzeit vom Senat zustimmend zur Kenntnis genommene Zielvereinbarung mit dem Land zur weiteren Entwicklung der Universität bis 2004 unterzeichnet. Sie betrifft u.a. die Bereiche Genomforschung/Bioinformatik/Strukturbiochemie/Nanowissenschaften sowie Lehrerausbildung, Public Understanding of Science and Humanities (PUSH), Politikwissenschaft und Medienwissenschaften, wobei die traditionell an der Universität verankerte Interdisziplinarität für diese Bereiche von besonderer Bedeutung ist. Mit dem Modellversuch zur konsekutiven Lehrerausbildung hat Bielefeld einen großen Schritt im Rahmen der generellen Internationalisierung der Studienstruktur gemacht, der ebenfalls bundesweit mit Interesse verfolgt wird (weiteres dazu unten).

Seit dem 1. Januar 2003 ist die Universität Bielefeld eine von vier Hochschulen des Landes, in denen der Globalhaushalt eingeführt wurde. Die damit verbundene erweiteterte Finanzautonomie, wird allerdings bedauerlicherweise weiter durch die zentrale Bewirtschaftung der Liegenschaften durch das Land konterkariert. Haushaltsprobleme hat es im Jahr 2002 glücklicherweise nicht in überdurchschnittlichem Maß gegeben. Wie sich die Einbrüche bei den Steuereinnahmen in diesem Jahr auf die Hochschulen auswirken werden, ist zum Teil schon absehbar. Erhebliche Einbussen wird es bei den Mitteln aus dem Zentralkapitel geben. Die Mittel aus Schöpfungen werden um 20% gekürzt – davon ist Bielefeld durch den Globalhaushalt aber nicht betroffen. Nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Finanzautonomie ist die Einführung der Kosten- und Leistungsrechnung zu sehen, die flächendeckend eingeführt wurde. Bei den Fondsstrukturen der Universität wurde eine Vereinfachung beschlossen: der FIF 3 (Einzelprojekte in Fakultäten) wurde in das integrierte Verteilungsverfahren übergeführt.

Nach langer Vorarbeit hat die Universität jetzt eine neue Grundordnung, deren Praktikabilität sich nun erweisen muss.


Strukturelle Neuerungen

Wichtigste strukturelle Änderung des letzten Jahres ist die Auflösung der Fakultät für TGKM. Die Zahl der Fakultäten der Universität Bielefeld wurde damit erstmals in ihrer Geschichte reduziert. Das Rektorat hofft, dass die Betroffenen sich in den neu zugeordneten Fakultäten für Geschichte und Philosophie (und nun auch Theologie), Soziologie und Linguistik und Literaturwissenschaft schnell zu Hause fühlen. Mit dieser Umorganisation hängt auch die Errichtung eines „Ästhetischen Zentrums“ zusammen, mit der im letzten Jahr begonnen wurde. Hier sollen die vielfältigen, aber bisher sehr zersplitterten künstlerisch-kulturellen Aktivitäten in der Universität unter einem Dach zusammengefasst und gemanagt werden. Dazu sollen demnächst zwei neue Mitarbeiter gewonnen werden.

Das IDM ist im Berichtszeitraum als wissenschaftliche Einrichtung in die Fakultät für Mathematik eingegliedert worden. Zu IWT und FSPM hat der Senat entsprechend seinen Grundsätze für die Neugründung von zentralen wissenschaftlichen Einrichtungen die Weiterführung beider Einrichtungen mit neu konzipierten zukunftsorientierten Forschungsfeldern empfohlen.

Die langjährige gute Zusammenarbeit mit den von Bodelschwinghschen Anstalten wurde im letzten Jahr durch die Gründung eines An-Instituts für interdisziplinäre Epilepsieforschung bestätigt. Mit dem Institut für Evangelische Theologie und Religionsdidaktik wurde erstmals auch eine gemeinsame Einrichtung mit der Kirchlichen Hochschule Bethel gegründet.


Forschung

Inzwischen hat man sich in der Universität fast schon daran gewöhnt, dass jedes Jahr die Summe der eingeworbenen Drittmittel in ganz erheblichem Umfang ansteigt. Auch für 2002 ist wieder ein Rekord zu vermelden: gegenüber der auch für Bielefelder Verhältnisse gewaltigen Summe von 58,3 Mio. DM (29 Mio €) gab es nochmals einen Anstieg auf 34 Mio. €. Der Umfang an zusätzlichen Zuwendungen aus Landesmitteln ist mit ca. 3 Mio. € konstant geblieben. Ein erheblicher Anteil davon geht auf die Mittel für Sonderforschungsbereiche, Forschergruppen, Graduiertenkollegs, auf die Genomforschung und die Gesundheitswissenschaften zurück. Am 1. Januar 2002 nahm der neue Sonderforschungsbereich 613 „Physik von Einzelmolekülprozessen und molekularer Erkennung in organischen Systemen“, an dem auch Biologen und Chemiker beteiligt sind, seine Arbeit auf. Mit herausragenden Ergebnissen wurde der SFB 360 „Situierte künstliche Kommunikatoren“, der von Linguisten und Informatikern getragen wird, verlängert. Allerdings zeigt sich bisweilen auch, dass es nicht immer leicht ist, einen derart komplexen Organismus wie einen SFB über einen langen Zeitraum zusammenzuhalten. Seit 1. Juni fördert das BMBF einen großen Forschungsverbund zum Thema „Desintegrationsprozesse – Analysen zur Stärkung von Integrationspotenzialen einer modernen Gesellschaft“, dessen Konzept vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung entwickelt wurde und der auch von hier aus koordiniert wird. Darüber hinaus spielt Bielefeld eine zentrale Rolle bei einem ebenfalls neu etablierten Forschungsverbund Pflegewissenschaft.

Gute Fortschritte machen weiter die Bemühungen um die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses durch ein geordnetes Doktorandenstudium, das sich (selbstverständlich) als dritte Stufe der neuen BA/MA-Studienstruktur etablieren soll. Dabei ist es im Sinne der Internationalisierung, wenn dazu Graduate Schools eingerichtet werden. Zum Wintersemester haben erfreulicherweise gleich zwei Graduate Schools ihre Arbeit aufgenommen, nämlich in Chemie/ Biochemie und in der Soziologie. Außerdem wurde in der Soziologie ein weiteres Graduiertenkolleg mit dem Titel „Weltbegriffe und globale Strukturmuster: Ausdifferenzierung und funktionale Diversifikation der Weltgesellschaft“ etabliert, und zum 1.10.2002 wurde das von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Promotionskolleg „Der Einfluss sozialer Faktoren auf das Leistungsgeschehen im Gesundheitswesen der BRD“ in der Fakultät für Gesundheitswissenschaften eingerichtet .

Spektakuläre, weit über die Grenzen der eigenen Fächer wahrgenommene Erfolge gab es für Bielefelder Naturwissenschaftler mit der Synthese des Nano-Igels, eines riesenhaften anorganischen Moleküls und (im Zusammenhang mit dem SFB 613) mit der Erzeugung ultrakurzer Lichtblitze im Attosekunden-Bereich. Beides bedeutete „Weltrekord“.

Dass Bielefeld in der Forschung weiter eine „Top-Adresse“ bleibt, zeigen auch mehrere Spitzenplätze im von STERN und CHE im letzten Jahr veröffentlichten Ranking. Es ist gute Tradition in der Universität, solche Rankings nicht überzubewerten, aber einen gewissen Aussagewert und vor allem eine nicht zu unterschätzende Öffentlichkeitswirksamkeit wird man ihnen nicht absprechen können.

Lehre

Mit dem Modellversuch zur Lehrerausbildung hat sich die Universität für ein ambitioniertes Unternehmen entschieden, das viel Energie von allen Beteiligten erfordert (und das sind sehr viele), dessen Gelingen aber auch weichenstellend für die Reformierung dieses großen Studienbereichs nicht nur in Nordrhein-Westfalen sein dürfte. Als einzige Universität bezieht sich die Reform bei uns nicht nur auf das Lehramt für Gymnasien wie in Bochum, sondern auch auf die Ausbildung für das Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen. Die Strukturreform bezieht sich aber selbstverständlich nicht auf die Lehramtsstudiengänge allein: inzwischen sind auch alle Magisterstudiengänge ausgesetzt und in das konsekutive Modell überführt worden. Auch der Diplomstudiengang Sport wurde bereits umgestellt. Von diesen Neuerungen versprechen wir uns u.a. eine Verkürzung der Studienzeiten und die Erhöhung der Erfolgsquoten. Damit soll zugleich ein umfassender Studienreformprozess verbunden sein. Zentrale Stichworte dazu sind mehr Praxisanteile im Studium und andere, innovative Unterrichtsformen. Entscheidend für den Erfolg der Reform wird nicht zuletzt sein, ob die Wirtschaft die neuen Abschlüsse akzeptiert, wobei ein derart exportabhängiges Land wie die Bundesrepublik mit einer Internationalisierung in der Ausbildung eigentlich keine Probleme haben dürfte.

Nach der Einführung der Bachelor-Studiengänge entstehen jetzt Stück für Stück die Entwürfe für die Master-Studiengänge. Die erste Fakultät, die die Stufung bereits bis zum PhD eingeführt hat, ist die Fakultät für Gesundheitswissenschaften. Die Befürchtung, die neue Studienstruktur würde potenzielle Studierende zunächst einmal abschrecken, hat sich bisher nicht bestätigt. Ganz im Gegenteil ist die Studienanfängerzahl zum Wintersemester gegen den Bundes- und Landestrend sogar leicht angestiegen, wobei fast zwei Drittel dieser Anfänger Frauen waren.

Das Lehrangebot hat sich im letzten Jahr erneut erweitert. Mit dem BA-Studiengang „Politikwissenschaft“ wird der im Qualitätspakt angestrebte Ausbau dieses Bereichs fortgeführt. Einen neuen BA-Studiengang bietet auch die Fakultät für Gesundheitswissenschaften mit „Gesundheitskommunikation“ an, ein Thema, dessen Relevanz auf der Hand liegen dürfte. Im Rahmen der Umstellung des Diplomstudienganges auf BA/MA bietet die Sportwissenschaft im Master neben dem „traditionellen“ Schwerpunkt „Prävention und Rehabilitation“ nun auch einen Master mit integriertem Beifach Betriebswirtschaft zum Schwerpunkt „Entwicklung und Management“ an – auch dies angesichts der nicht zuletzt wirtschaftlichen Bedeutung von Sport sicherlich außerordentlich sinnvoll.

Aus der Versteigerung der UMTS-Lizenzen finanziert das BMBF den Einstieg in die „Notebook-University“ des mobilen Lernens und Lehrens. Unter den ersten 12 geförderten Hochschulen ist auch die Universität Bielefeld mit den Bereichen Bioinformatik, Neurobiologie, Klinische Linguistik, Rechtswissenschaft und Mediengestaltung, in denen die Nutzung neuer Medien in der Lehre besonders unterstützt wird.

Übergang Schule-Hochschule

In ihren schülerorientierten Aktivitäten ist die Universität seit Jahren bereits sehr erfolgreich. Inzwischen gibt es Angebote für alle Altersstufen ab der Primarstufe (teutolab) über peanuts (Naturwissenschaften für Mädchen) bis zu „Eintauchen in die Wissenschaften“ für besonders begabte und motivierte Schüler der 13. Jahrgangsstufe (um nur einige dieser Aktivitäten zu nennen). Seit dem letzten Jahr läuft nun in Bielefeld das Programm „Studieren ab 16“. Nach guten Erfahrungen an anderen Universitäten können Schüler mit herausragenden Leistungen bereits während der Schulzeit reguläre Lehrveranstaltungen an der Universität besuchen. Augenblicklich bezieht sich dies auf die Fächer Mathematik, Chemie und Physik. Das Angebot soll aber auch auf andere Fächer ausgeweitet werden. Sehr erfolgreich entwickelt sich auch der gemeinsam mit der Stadt organisierte Förderunterricht für Schülerinnen und Schüler nichtdeutscher Herkunftssprache, der jetzt durch die Mercator-Stiftung (aber auch durch andere Spender) großzügig unterstützt wird. Inzwischen sind die Bielefelder Bemühungen in der Kooperation mit Schulen durch den Preis des Stifterverbandes im Wettbewerb „Übergänge“ auch übergreifend gewürdigt worden. Die Universität Bielefeld wurde zusammen mit fünf weiteren Hochschulen für ihr Gesamtkonzept zur Zusammenarbeit mit Schulen ausgezeichnet.


Public Understanding of Science and Humanities/Öffentlichkeitsarbeit

Auch der teilweise mit dem Übergang zwischen Schule und Hochschule verknüpfte Bereich PUSH gehört zu den im Qualitätspakt besonders berücksichtigten Aspekten bei der Weiterentwicklung der Universität. Generell zeigt sich in den letzten Jahren die Tendenz einer größeren Offenheit von Wissenschaftlern, ihre Ergebnisse allgemeinverständlich (und möglichst öffentlichkeitswirksam) bekannt zu machen, ohne dabei an Seriosität einzubüßen. Das „Forum offene Wissenschaft“ leistet dabei seit Jahren wertvolle Dienste mit Vorträgen zu aktuellen Themen wie 2002 „Konflikt der Kulturen: Wie können wir zusammenleben?“ Aus gegebenem Anlass veranstalteten der Verein für Philosophie, die Abteilung Philosophie, das Zentrum für interdisziplinäre Forschung und das Rektorat gemeinsam ein Ringvorlesung mit dem Titel „Im Angesicht des Terrors: Zur Verteidigung der Aufklärung“. Auch die großenteils von Wissenschaftlern der Universität gestalteten Veranstaltungen zur Wehrmachtsausstellung hatten eine außerordentlich gute öffentliche Resonanz. Im Wintersemester begann zudem mit „Wissenschaft live – verständliche Wissenschaft“ eine neue Vortrags- und Diskussionsreihe, in der prominente Wissenschaftler der Universität – von Hertz 87,9 übertragen - ihre Forschungen vorstellen und mit Gästen und dem Publikum darüber diskutieren.

Dass PUSH aber schon bei den ganz Kleinen anfangen kann, beweist ein Mitarbeiter aus der Chemie, der mit großem Erfolg in Kindergärten mit Handpuppen kleine Experimente vorführt. Dass solche frühen Prägungen für die spätere Einstellung zu den Naturwissenschaften eminent wichtig sind und damit auch eine Rolle bei der Studienfachwahl spielen, belegen Forschungen einer Professorin aus derselben Fakultät. Der große, vom Stifterverband 2002 erneut preisgekrönte Erfolg des teutolab hat nun dazu geführt, dass in einer Reihe von Partnerschulen der Region kleine „Filialen“ der Universitätseinrichtung aufgebaut und damit die langen Wartezeiten für Schulklassen durch den enormen Andrang in der Universität reduziert werden. Erfreulicherweise wird es demnächst auch eine Ausweitung auf physikalische Experimente und Mathematik geben.

Eine wichtige Neuerung aus der Öffentlichkeitsarbeit der Universität ist die verbesserte Website mit einem Content-Management-System, das eine Integration bestehender und neuer Seiten in das Uni-Layout ermöglicht. Gleichzeitig wurden elektronische Dienste wie das elektronische Kommentierte Vorlesungsverzeichnis“ eingebunden. Über Neuerungen wie diese berichtet regelmäßig die im letzten Jahr eingerichtete Rubrik „Universität Bielefeld digital“ in der Uni-Zeitung. Im letzten Jahr wurden auch die gestalterischen und technischen Voraussetzungen geschaffen, den Forschungsbericht der Universität elektronisch – als netzbasierte Datenbank – zu erstellen. Dies wird die Darstellung der Forschungsaktivitäten und –potenziale deutlich verbessern.



Internationales/Absolventen-Netzwerk

In den internationalen Beziehungen hat auch im letzten Jahr der Austausch mit Russland eine besondere Rolle gespielt, nicht zuletzt durch den Aufbau eines „Zentrums für Deutschland- und Europastudien“ in St. Petersburg. Inzwischen hat die Universität ein eigenes (wenn auch kleines) Stipendienprogramm für ausländische Studierende und Graduierte aufgelegt, das insbesondere auf Osteuropa bezogen ist.

Weiterhin sehr erfreulich entwickeln sich auch die Beziehungen zur renommierten Universität Paris VII. Hier ist es bisher zu einer intensiven Zusammenarbeit vor allem in Physik und Chemie und in Geschichtswissenschaft gekommen. Nachdem bereits ein gemeinsamer Studiengang in Geschichte existiert, ist dies nun auch für Physik und Chemie geplant. Darüber hinaus ist auch ein gemeinsames Graduiertenkolleg in Physik in Vorbereitung.

Traditionell ist die Fakultät für Mathematik für ausländische (Spitzen-) Wissenschaftler außerordentlich attraktiv. Dies wurde durch eine Studie der Humboldt-Stiftung wieder eindrucksvoll bewiesen: die Fakultät belegte hier noch vor Bonn und Berlin den Spitzenplatz. Erfolgreich waren auch Physiker und Germanisten, während andere Bereiche an dieser Stelle ihre Aktivitäten noch intensivieren könnten.

Auch das Absolventen-Netzwerk wird zusehends internationaler. Im Jahr 2002 bildeten sich erste Netzwerke von Absolventen der Universität Bielefeld in Polen und Taiwan. Dies sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das Netzwerk weiter im Aufbau befindet und die Absolventen von den Fakultäten immer wieder auf die Möglichkeiten, die die Mitgliedschaft eröffnet, hingewiesen werden sollten.

Personal/Personalentwicklung/Gleichstellung/Betriebliche Gesundheitsförderung

a) Personalstruktur und Stellensituation

Das Jahr 2002 hat mit dem Inkrafttreten des 5. HRG-Änderungsgesetzes zu Beginn des Jahres 2002 Auswirkungen auf die Beschäftigungsmöglichkeiten von wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch an der Universität Bielefeld gehabt. Der bislang für befristete Beschäftigungsverhältnisse im wissenschaftlichen Bereich geregelte Kanon von sachlichen Befristungsgründen- wie z. B. der Beschäftigung mit dem Ziel der wissenschaftlichen Weiterqualifikation oder aufgrund von Drittmittelförderung – ist entfallen und durch einen zeitlichen Befristungsrahmen von max. sechs Jahren vor der Promotion und sechs Jahren nach der Promotion unter weitgehender Anrechnung von Zeiten, die nicht im wissenschaftlichen Angestelltenverhältnis verbracht wurden, ersetzt worden. Dieser Teil der Dienstrechtsreform, der nur einen Teil der sehr viel umfassenderen Dienstrechtsreform darstellt, mit der insbesondere auch die Qualifikationsphase klarer strukturiert und in einen klareren zeitlichen Rahmen eingebunden werden sollte, galt unmittelbar mit Inkrafttreten des 5. HRG-Änderungsgesetzes zu Beginn des Jahres.

Die unmittelbare Geltung dieses Teils der Dienstrechtsreform hat insbesondere aufgrund fehlender Übergangsregelungen zu Schwierigkeiten in der Anfangsphase geführt, weil Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nach alter Rechtslage z. T. noch neue befristete Arbeitsverträge hätten erhalten können, dies nach neuer Rechtslage, die sofort ohne Übergangsregelungen galt, nicht mehr konnten. Nach Druck aus den Hochschulen hat sich der Bundesgesetzgeber entschlossen, kurze Zeit später eine Übergangsregelung zu schaffen, die nunmehr hilft, Härten, die aufgrund des Übergangs von altem zu neuem Recht entstanden waren, aufzufangen.

Andere Teile der umfassenden Dienstrechtsreform – insbesondere die Einführung der W-Besoldungsstruktur inkl. der beamtenrechtlichen Verankerung des Amtes eines Juniorprofessors/einer Juniorprofessorin bedürfen noch einer Umsetzung in nordrhein-westfälisches Landesrecht. Der Bund hat hierfür eine Übergangsfrist bis Ende 2004 bzw. Anfang 2005 eingeräumt. Nachdem das Land NRW zu Beginn letzten Jahres noch angekündigt hatte, das Bundesrecht sehr schnell in Landesrecht umsetzen zu wollen, deuten die Signale derzeit dahin, dass mit einer Umsetzung nicht vor Ende 2004 zu rechnen sein wird. Das bedeutet, dass das Rektorat momentan davon ausgeht, dass auch bis Ende 2004 Beamtenernennungen nach der alten Personalstruktur vorgenommen werden – sprich Professorinnen und Professoren nach der Besoldungsordnung C ernannt werden und es bis Ende 2004 auch noch die Möglichkeit geben wird, Ernennungen nach C1 zur Assistentin oder zum Assistenten und nach C2 zur Dozentin oder zum Dozenten bzw. Oberassistentin oder Oberassistenten durchzuführen. Auch diese Verschiebung der ursprünglichen Umsetzungsplanungen in Landesrecht auf einen späteren Zeitpunkt bringt Spielräume für den derzeit im Qualifikationsprozess befindlichen wissenschaftlichen Nachwuchs, weil nach wie vor die C2-Möglichkeiten erhalten bleiben. Um an der Universität Bielefeld zusätzliche Spielräume zu schaffen, hatte das Rektorat in den Haushaltsverhandlungen mit dem MWF für das Haushaltsjahr 2003 vier zusätzliche C2-Stellenbesetzungsmöglichkeiten beantragt. Dem hat das MWF mit Aufnahme in den entsprechenden Haushalt 2003 entsprochen.

Im zurückliegenden Jahr 2002 sind an der Universität Bielefeld im Vorgriff auf die neue Personalstruktur auch bereits die ersten von Bund und Land NW vorgriffsgeförderten Juniorprofessuren besetzt worden. Die Universität Bielefeld hatte sich – wie viele andere Hochschulen in NRW und anderen Bundesländern auch – beim BMBF um die Förderung beworben. Bewilligt worden waren zwölf vorgriffsgeförderte Juniorprofessuren in insgesamt neun Fakultäten. Bislang besetzt wurden sechs dieser Positionen. Die Auswahlverfahren sind in ähnlicher Weise wie Berufungsverfahren für Professuren verlaufen. Die ausgewählten Personen sind zunächst – da es das Amt eines Juniorprofessors/einer Juniorprofessorin im nordrhein-westfälischen Landesrecht beamtenrechtlich noch nicht gibt – zu Assistentinnen und Assistenten mit der Besonderheit ernannt worden, dass die Aufgaben in Forschung und Lehre zur selbstständigen Wahrnehmung übertragen wurden. Sobald der landesrechtliche Rahmen zur Verfügung steht, werden die Personen in das Amt eines Juniorprofessors/einer Juniorprofessorin überführt. Nicht zuletzt im Zusammenhang mit den durchgeführten Verfahren hat sich gezeigt, dass viele Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler, aber auch die Mitglieder der Fakultäten und Einrichtungen, z. T. noch große Unsicherheiten in Bezug auf diese „neue Personalkategorie“ und ihre richtige Verortung im Wissenschaftssystem haben.

Zur Stellen- und Haushaltssituation allgemein lässt sich sagen, dass die Universität Bielefeld den 1998 angelegten Umbau von Stellen in Form der Umwidmung von Stellen aus anderen Bereichen in Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie in fachnahes technisches Personal abgeschlossen hat. Insgesamt sind 29 Stellen aus anderen Bereichen in 25 Stellen für wissenschaftliches und fachnahes nichtwissenschaftliches Personal umgewidmet worden.

Auch im vergangenen Jahr hat sich gezeigt, dass die vom Land NRW zugelassenen flexiblen Nutzungsmöglichkeiten der Finanzautonomie die Handlungsoptionen der Universität Bielefeld deutlich verbessert haben. Auf diese Weise konnten über 3 Mio. € für Zwecke in Forschung und Lehre eingesetzt werden, wobei wiederum ein erheblicher Teil in Personalmaßnahmen investiert wurde.

b) Personalentwicklung

Die Universität hat 2002 im Bereich der Personalentwicklung einige Maßnahmen aus dem Vorjahr abgeschlossen bzw. fortgesetzt. So fanden weitere begleitende Seminare zur Einführung von Mitarbeiterinnen- und Mitarbeitergesprächen in der zentralen Verwaltung statt. Dieses Personalentwicklungsinstrument ist in der zentralen Verwaltung seit zwei Jahren erprobt worden. Eine Evaluation ist im laufenden Jahr vorgesehen.

Die Führungskräfteschulung der Ingenieure und Meister der Technischen Betriebsverwaltung wurde im Frühjahr 2003 abgeschlossen. Die vom Kanzler eingesetzte Arbeitsgruppe „Qualifizierung von Frauen im Bereich des Büro- und Schreibdienstes“ hat ihren Abschlussbericht vorgelegt. Der Vorschlag einer Aufstiegsfortbildung zur Verwaltungsfachangestellten wurde zwischenzeitlich in Kooperation mit dem Studieninstitut für kommunale Verwaltung Ostwestfalen-Lippe erfolgreich umgesetzt. Die bisherigen Ansätze für die regionale Kooperation der Hochschulen in OWL wurden mit Unterstützung der Koordinierungsstelle für Hochschulübergreifende Fortbildung (HÜF) gestärkt und Kooperationsseminare durchgeführt.

c) Gleichstellung

Ende Januar 2002 hat der Arbeitskreis gegen sexualisierte Diskriminierung und Gewalt seine Arbeit aufgenommen. Seine Aufgabe ist es, gezielt für dieses Thema zu sensibilisieren und zur Enttabuisierung innerhalb der Hochschule beizutragen. Die Errichtung dieses Arbeitskreises geht zurück auf die im Jahr 2001 von der Universität verabschiedete Richtlinie gegen sexualisierte Diskriminierung und Gewalt.

Bereits im letzten Jahr wurde an dieser Stelle berichtet, dass die Umsetzung des Landesgleichstellungsgesetzes in die Praxis eine ständige Befassung mit diesem Thema auf allen Ebenen erfordert. Dieses gilt für das vergangene Jahr entsprechend und wird uns insbesondere auch in diesem Jahr beschäftigen, da Ende 2003 eine Fortschreibung der aufgrund des Landesgleichstellungsgesetzes in den Fakultäten aufgestellten Frauenförderpläne erforderlich wird.

Im Jahr 2002 wurden vier neue Professorinnen an der Universität ernannt, weitere vier Ruferteilungen an Frauen sind zur Zeit noch offen. Mit den Neueinstellungen beträgt der Frauenanteil bei den Professuren jetzt knapp 15 %. Zur Erinnerung: im Rahmenplan zur Gleichstellung von Frauen und Männern hat sich die Universität als Ziel gesetzt, den Frauenanteil in diesem Bereich bis 2005 auf 20 % zu erhöhen.

d) Betriebliche Gesundheitsförderung

In der Betrieblichen Gesundheitsförderung konnten im vergangenen Jahr eine Vielzahl von Projekten fortgesetzt und neue begonnen werden. Zu Beginn des Wintersemesters wurden unter dem Motto "Ohne Rauch geht’s auch“ vier Gesundheitstage zur Einführung der vom Rektorat beschlossenen neuen Regelungen zum Rauchen in der zentralen Halle. Ein Abschlussbericht über die Arbeit des Gesundheitszirkels für Studierende liegt inzwischen vor. Die Erfahrungen mit diesem bundesweit ersten Gesundheitszirkel für Studierende werden über Publikationen in verschiedenen Fachzeitschriften und – büchern in andere Hochschulen transferiert. Eine Arbeitsgruppe bearbeitet zur Zeit die im Zirkel erarbeiteten Verbesserungsvorschläge. Die Befragung der wissenschaftlich Beschäftigten zu ihrer Arbeitsbelastung und gesundheitlichen Situation ist abgeschlossen, und die Ergebnisse sind ausgewertet. Ein entsprechender Bericht wird dem Rektorat in Kürze vorgelegt. Das im Vorjahr mit dem Gesundheitstag begonnene Projekt "Viel Wirbel um die Säule" wurde in 2002 in zweimonatigen Abständen durch entlastende Übungen zu einzelnen Körperpartien fortgesetzt. Der Steuerkreis Gesundheit hat der Vorlage einer Arbeitsgruppe zur Einrichtung eines Angebots zur psycho-sozialen Beratung für Beschäftigte zugestimmt. Dem Rektorat wird dazu in Kürze ein Vorschlag unterbreitet.


Schlussbemerkung

Im Jahr 2002 erzielte die Universität große Erfolge in den Mannschaftssportarten, die sie im Jahr des Hochschulsports 2003 zu wiederholen hofft. Bei den Herren wurde Bielefeld Deutscher Hochschulmeister im Handball und Vizemeister im Fußball. Die Damen wurden Vizemeister im Handball. Vielleicht sind diese für die Corporate Identity wichtigen Erfolge ein gutes Omen für das neue, durch die äußeren Rahmenbedingungen gewiss nicht einfacher werdende Jahr. Dass die Universität 2002 nicht nur im Sport, sondern insgesamt sehr erfolgreich war, ist hoffentlich trotz notwendig geraffter Berichterstattung deutlich geworden. Allen, die dazu in Forschung, Lehre und (Selbst-)Verwaltung beigetragen haben, sei auch diesmal herzlich gedankt!

 
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