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Grußwort der Ministerin für Schule, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW Gabriele Behler aus Anlass der Einrichtung des Kompetenznetzwerks "Genomforschung an Bakterien für den Umweltschutz, die Landwirtschaft und die Biotechnologie" an der Universität Bielefeld am 22. Oktober 2001
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ich stehe bei meinem Grußwort in Gefahr der Wiederholung und eines déja vu-Effekts. Denn ich habe - einige von Ihnen werden sich erinnern - hier ja bereits vor gut zwei Jahren (16.04.1999) anlässlich der Eröffnung des Zentrums für Genomforschung ein Grußwort gesprochen und dabei das Erfolgskonzept der Universität Bielefeld ausführlich gewürdigt.
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Ich habe mein altes Redemanuskript aus dem heutigen Anlass noch einmal durchgeblättert. Da stand u.a.: "Dieses Zentrum hat ... ausgezeichnete Chancen eine äußerst wichtige Rolle zu spielen, und dies gleich aus mindestens drei Gründen", nämlich "1. die wissenschaftliche Aktualität seiner Forschung; 2. das hervorragende wissenschaftliche Umfeld in Bielefeld und 3. die gerade hier gegebene Anwendungsnähe, also die Möglichkeit, die Grundlagenforschung direkt in handfeste industrielle Anwendungen zu überführen."
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Es folgen dann im Manuskript einige Bemerkungen über die Vielzahl dieser Anwendungen in Landwirtschaft, Umweltschutz und Biotechnologie und über deren herausragende Bedeutung, über die interdisziplinäre Arbeit hier in Bielefeld und über den internationalen Wettlauf der Forschung bei der Entschlüsselung bakterieller Genome.
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Ich denke, ich brauche das nicht zu wiederholen, zumal nicht vor einem Fachpublikum. Und auch nicht angesichts der Tatsache, dass die Bedeutung der gen- und biotechnischen Forschung in den vergangenen zwei Jahren auch der breiten Öffentlichkeit noch viel deutlicher vor Augen getreten ist, als das seinerzeit noch zu vermuten stand.
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Es ist offensichtlich, dass die Genomforschung in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen und sie die Biotechnologie revolutionieren wird.
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Nun bin ich seinerzeit mit meiner optimistische Einschätzung über die Entwicklung der Genomforschung in Bielefeld ein sehr geringes prognostisches Risiko eingegangen. Es lag ja eine entsprechende Expertise vor.
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Dennoch freut es mich als Wissenschaftsministerin natürlich sehr, zu sehen, dass sich die Prognose bestätigt und sich die exzellente Position der Universität Bielefeld noch weiter gefestigt hat.
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Es spricht sehr für Sie, dass Sie sich auf den Lorbeeren der letzten Jahren nicht ausgeruht, sondern den weiteren Ausbau des Schwerpunktes Genomforschung auf allen Ebenen vorangetrieben haben.
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Ein entscheidender Erfolg war dabei sicherlich die Einwerbung der Förderung im Rahmen der DFG Initiative BioInformatik im letzten Jahr. Aber darüber hinaus haben Sie hier in Bielefeld noch weitere außerordentlich wichtige, zukunftsweisende Schritte unternommen. Nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Lehre.
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Es ist klar: Exzellente Forschung braucht einen exzellenten wissenschaftlichen Nachwuchs, also auch eine exzellente Lehre. Auch das ist für Sie aber nicht neu. Denn die Universität Bielefeld hat schon seit den 90er Jahren eine Vorreiterrolle beim Lehrangebot im Bereich der BioInformatik und der naturwissenschaftlichen Informatik.
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Das ist nun in den letzten Jahren zielstrebig ausgebaut worden. Ein Beispiel hierfür ist die Einrichtung der NRW-Graduate School für BioInformatics und Genome Research im Rahmen des diesjährigen NRW-Wettbewerbs. Die Universität Bielefeld wurde da nicht zuletzt wegen ihrer der wissenschaftlichen Exzellenz auf den genannten Gebieten als Standort ausgewählt, und auch das Bielefelder Gesamtkonzept für die Graduate School ist stimmig.
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Die Graduate School ist in die "BioInformatik und Genomforschung" an der Universität Bielefeld integriert. Sie wird am Centrum für Biotechnologie unter Einbindung der Institute für BioInformatik und Genomforschung und der DFG-Initiative für BioInformatik angesiedelt.
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Es sind international kompatible Bachelor- und Master- Studiengänge und ein PhD-Studiengang vorgesehen. Das wird es, wie ich hoffe, erlauben, langfristig auch den internationalen Spitzennachwuchs für die Genomforschung an der Universität Bielefeld zu gewinnen.
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Ich darf erwähnen, dass das MSWF für diese Graduate School ab 2002 ca. 1,6 Mio. DM pro Jahr bereit stellen wird. Der notwendige Promotionsstudiengang wurde vor wenigen Tagen durch das MSWF genehmigt, damit die Graduate School noch zum beginnenden Wintersemester ihren Betrieb aufnehmen kann.
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Alles in allem scheint es mir also eine sehr gute Grundlage dafür geben, dass man der Universität Bielefeld in der Genomforschung nicht nur herausragende Forschung präsentiert, sondern auch adäquate, auch international höchst attraktive Lehrangebote.
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Hinzu kommt jetzt noch ein weiterer Faktor, nämlich eine breite, nachhaltige Vernetzung von Partner aus Hochschulen, Firmen und Großforschungseinrichtungen.
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Die Universität Bielefeld nimmt in diesem neuen Kompetenznetzwerk des Bundes die zentrale Position ein. In Bielefeld wird u.a. die Geschäftstelle und das Entwicklungs- und Ausbildungszentrum des Netzwerks angesiedelt sein. Hier werden die Technologien der Genom- und Proteomforschung wie die Sequenzierung, die Transkriptomik, die Proteomik und die BioInformatik weiter entwickelt und an die Netzwerkpartner weiter vermittelt werden. Hier werden die Fragen, die sich aus der Verwertung der erzielten Forschungsergebnissen ergeben, zentral für das Netzwerk bearbeitet werden.
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Die Universität Bielefeld wird damit Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sein.
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Auch hier darf ich kurz einflechten, dass das Land dabei nicht abseits stehen wird. Wir werden, um die Universität in dieser Funktion zu unterstützen, in den nächsten drei Jahren insgesamt weitere drei Mio. DM aus der Mitteln der Zukunftsoffensive Spitzenforschung zur Verfügung stellen.
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In Stichworten zusammengefasst, heißt das alles in allem: exzellente Forschung, exzellente Lehre, Internationalität, Anwendungs- und Wirtschaftsnähe. Das ist eine ausgezeichnete Basis.
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Ein ehemaliger Wissenschaftsminister unseres Landes - er ist im Übrigen sehr bibelfest - würde angesichts dessen wohl sagen, dass man sein Licht nicht unter den Scheffel stellen soll. Vielmehr heißt es ja: "... Euer Licht (soll) leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen." (Matth. 15).
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Sie wissen, worauf ich anspiele.
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Herr Ministerpräsident Clement war mit einer Wirtschafts- und Wissenschaftlerdelegation in Schweden, sowohl in Stockholm als auch in der Region Malmö/Lund. Ziel dieser Delegationsreise war es, mit schwedischen Forschungsinstituten, Universitäten und Unternehmen eine intensivere Kooperation zu entwickeln.
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Solche Kooperationen mit europäischen Exzellenzzentren haben vor allen Dingen ein Ziel: Wir wollen unsere Universitäten und unsere Forschungseinrichtungen mit guten europäischen Partnern auf den 6. Forschungsrahmenplan einstellen.
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Sie alle wissen, dass wir im Wettbewerb um europäische Forschungsmittel nur dann eine Chance haben, wenn wir das mit europäischen Partnern machen.
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Hier in Bielefeld brauche ich für eine solche intensive Zusammenarbeit zwischen Forschung und Wirtschaft in den Feldern der Biotechnologie und Bioinformatik nicht zu werben. Sie tun das schon mit einer erfolgreichen und beispielhaften Konzeption. Gleichzeitig gilt das auch für die neuen Initiativen in anderen Fachbereichen. Lassen sie mich nur die Graduate School für Economics and Management an dieser Stelle nennen.
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Es ist aber wichtig, dass wir mit den Wirtschaftsinitiativen des Landes, beispielsweise der BioGenTec-Initiative,stärker und profilierter auftreten müssen: Sie müssen die Forschung in unserem Land profiliert in ihr Angebot einbeziehen, und zwar für alle Standorte in der Welt.
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Für die Umsetzung von Forschungsergebnissen in Produkte und Dienstleistungen haben wir als Land Programme eingerichtet (z.B. PFAU, SAFE). Aber es scheint so zu sein, dass wir für diesen Prozess des schnelleren und intensiveren Zusammenführens von Wissenschaft und Wirtschaft noch mehr Managementunterstützung zur Verfügung stellen müssen.
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Das Beispiel von North Carolina, in der die Life Sience Agency knapp 60 hochqualifizierte Mitarbeiter hat, zeigt, welche Managementspezialisten man benötigt und wie viele man von ihnen benötigt, um diese Prozesse intern und extern effektiv zu unterstützen.
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Ich bin mir mit dem Ministerpräsidenten einig, dass wir die exzellenten Forschungsleistungen in Nordrhein-Westfalen, nicht nur in den Life Siences, in einer solchen Form zusätzlich unterstützen müssen. Hier ist die Wirtschaftsseite in besonderer Weise gefragt, und ich erwarte dies auch von ihr.
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Das Wissenschaftsministerium war und ist bereit, in diesen Prozess seine bisherigen Förder-instrumente einbinden und so die Profilbildung zu verstärken.
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Ich betone als Wissenschaftsministerin noch einmal: Ein Standortprofil einer Universität, einer Region oder eines Landes erhält man nur auf der Grundlage guter Forschungs- und Ausbildungsergebnisse. Dies zu erreichen ist eine gemeinsame Verantwortung, in der individuelle Kreativität, Interdisziplinari-tät, Forschungsmanagement und Forschungsinfrastruktur optimal zusammengeführt sein müssen.
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Die Rahmenbedingungen hier in Nordrhein-Westfalen für Wissenschaft und Forschung sind gut. Wir haben eine Forschungskultur, in der Freiheit und Individualität viel Raum haben. Wir haben gute Infrastrukturbedingungen. Wir haben beispielhafte Interdisziplinarität, wie hier in Bielefeld, und wir haben eine hohe internationale Verflechtung.
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Mit dem gemeinsamen Willen, sich im internationalen Wettbewerb um Ideen, Innovationen, Produkte und Köpfe durchsetzen zu wollen, werden wir auch das Wissenschaftsland Nordrhein-Westfalen noch deutlicher positionieren.
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Auch in diesem Sinne wünsche ich Ihnen und dem Kompetenznetzwerk einen guten Start und den gewünschten Erfolg.
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