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Rede von Prof. Dr. Dieter Timmermann anlässlich der feierlichen Rektoratsübergabe
 
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Sehr geehrte, liebe Anwesende,
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Nun sind wir, das Rektorat bereits 6 Wochen im Amt, und Sie sehen mich noch relativ frisch und optimistisch vor Ihnen stehen. Ich sage dies deshalb, weil wir unerwartet viele Glückwunschschreiben von zahlreichen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und insbesondere auch von einer großen Zahl von Rektorkollegen und -kolleginnen erhalten haben. Hinzu kommen die vielen mündlichen Äußerungen in der Universität selber. Ich spreche hier bewußt von Äußerungen, weil damit eine Merkwürdigkeit zusammenhängt. Während die schriftlichen Glückwunschschreiber nach meinem Empfinden das Rektoramt implizit als eine verantwortungsvolle und reputierliche Tätigkeit sehen, die auszuführen eine Ehre bedeutet und Glückwünsche rechtfertigt, deren Ausübung aber zugleich eine große Herausforderung und schwierige Aufgabe ist, waren die meisten der internen Äußerungen merkwürdig ambivalent: sie waren fast stets in die Frage gekleidet, ob man nun einen Glückwunsch aussprechen oder Mitleid mit dem neuen Amt ausdrücken solle, so als sei das Amt ein Fahrstuhl zum Schafott.. Dass dies keineswegs das Schicksal eines Rektors sein muss, konnten Sie vorhin bei der Ansprache meines Vorgängers, Herrn Rickheit, erleben, der sich, wie Sie sich überzeugen konnten, weder seine Gesundheit noch seine gute Laune noch seinen Humor hat nehmen lassen. Daher gehe ich ganz optimistisch und zuversichtlich an die neuen Aufgaben heran.
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Ich bin mit der Erwähnung meines Vorgängers schon bei meinem zweiten Redepunkt. Nicht weil es die Höflichkeit gebietet, sondern aus ganzem Herzen möchte ich Gert Rickheit für sein Wirken als Rektor in den vergangenen viereinhalb Jahren danken. Aus seiner Ansprache ist Ihnen deutlich geworden, dass er die Universität mit großem Erfolg durch eine kritische Phase geführt hat, durch eine kritische Phase, die noch längst nicht abgeschlossen ist und die in erster Linie mit dem “Qualitätspakt” und mit dem Problem der personellen Erneuerung der Professuren verbunden ist; denn in den kommenden zehn Jahren scheiden etwa 2/3 der derzeit in den Fakultäten tätigen Professoren und Professorinnen allein aus Altersgründen aus. Und Sie können sich vorstellen, wie wichtig es war und in Zukunft sein wird, über die Neubesetzungen die Qualität von Forschung und Lehre an dieser Universität nicht nur zu halten sondern nach Möglichkeit zu steigern. Die zukünftige Entwicklung und das Schicksal der Universität entscheiden sich fast ausschließlich über die Berufungen und die Qualität der Forschungs- und Lehrleistungen der neu berufenen und neu zu berufenden Professoren und Professorinnen und über deren Attraktivität für leistungsstarken akademischen Nachwuchs sowie für neugierige Studierende.
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Wie bereits angesprochen, hat Gert Rickheit in seiner Amtszeit als Rektor und als renommierter Forscher stets die hohe Qualität der Forschung, aber auch die Notwendigkeit, die Lehre zu verbessern und zu restrukturieren, als zentrale Zielgrößen der Rektoratspolitik formuliert und konsequent verfolgt. Es ist sicherlich eine große Führungsleistung von Gert Rickheit gewesen, dass er die Fallen und Fallstricke des Qualitätspaktes gemeinsam mit dem Rektorat, der Senatskommission und dem Senat gemeistert hat, und zwar durch einen transparenten Führungsstil, der zum Ergebnis hatte, dass allen Stellungnahme von Rektorat und Senat zum Qualitätspakt einstimmig den Senat passieren konnten. Zugleich zeigt die Tatsache, dass die Universität Bielefeld aus dem Qualitätspaktprozess nur mit der Auflage kleinerer studienstruktureller Korrekturen und mit dem Verbleib der Primarstufenlehrerausbildung an diesem Standort herausgekommen ist, dass erstens das Feld der Studiengänge gut bestellt ist, zweitens die Absicht, dort, wo es Sinn macht, eine Art Dreifelderwirtschaft in Form dreigestufter konsekutiver Studiengänge, nämlich Bachelor-, Master und Doktorandenstudiengänge einzuführen, auf ministerielle Resonanz gestoßen ist, und drittens wir im Hinblick auf die Primarstufenempfehlung des Expertenrats mit den weitaus besseren Argumenten im Ministerium Gehör finden konnten. Dieser Argumentationserfolg zeigt, dass rationale Argumentation mit der Politik nicht nur möglich, sondern auch erfolgreich sein kann. Ich denke, dass dies nicht selbstverständlich ist, es wird daher von uns entsprechend anerkannt und gewürdigt, verehrte Frau Ministerin.
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Gert Rickheit war also nicht nur erfolgreicher Fähr- und Steuermann in einer Fahrt durch klippenreiches Gewässer, er führte uns durch die Stromschnellen immer mit seinem durch nichts zu beeinträchtigenden Humor, durch eine gewisse Leichtigkeit des rektoralen bzw. professoralen Seins, die in ernsten Situationen oft Entlastung durch befreiendes Lachen brachte. Für die Fährmannsleistung ist die Universität Dir, lieber Gert, zu großem Dank verpflichtet, den ich Dir hiermit im Namen der gesamten Universität aussprechen möchte. Persönlich möchte ich Dir für die Lehrzeit danken, die ich im Rektorat unter Deiner Leitung erleben durfte, und für die freundliche, ja freundschaftliche und humorvolle, lockere und produktive Atmosphäre in unserer Zusammenarbeit. Ich wünsche Dir, nachdem Du wieder ganz in die wissenschaftliche Arbeit zurückgetaucht bist und neue ehrgeizige Projekte, auch zum Wohle der Universität, verfolgst, den gewünschten und notwendigen Forschererfolg, wofür natürlich eine unabdingbare Voraussetzung und Bedingung ist, dass Du gesund und so produktiv wie bisher bleiben mögest.
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Ich möchte einen zweiten Dank abstatten, und zwar an Philippe Blanchard, der immerhin sechseinhalb Jahre Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs gewesen ist und nun zur Freude des neuen Rektorats sich bereit erklärt hat, sich auch in Zukunft in den Dienst der Universität zu stellen. Herr Blanchard wird in den nächsten Jahren als Universitätsbeauftragter für die Pflege und Entwicklung der internationalen Beziehungen der Universität Bielefeld verantwortlich sein. Für die Bereitschaft, diese Aufgabe zu übernehmen, möchte ich Ihnen, lieber Herr Blanchard, ganz herzlich danken, danken möchte ich Ihnen aber auch für die Bildungserlebnisse, die Sie - ich denke nicht nur mir - im Rektorat verschafft haben, und zwar durch Ihr breites fundiertes Wissen, das dank Ihrer Belesenheit, Ihrer grenzüberschreitenden Neugier und Ihrer weltweit gespannten Kontakte zu Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen vieler Disziplinen, weit über die Grenzen Ihres Faches, der mathematischen Physik, hinausgeht. Herr Blanchard, nochmals vielen Dank für die bisherige Zeit mit Ihnen im Rektorat und für die Bereitschaft zu weiterer Zusammenarbeit.
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Meine Damen und Herren, die Universität Bielefeld hat den Ruf, eine Forschungsuniversität zu sein, die - wie uns der Expertenrat bescheinigt - sich nicht nur zur Interdisziplinarität bekennt, sondern sie auch lebt. Diese Orientierung ist von Beginn an ein leitbildhaftes Merkmal der Universität gewesen, wofür u.a. das Zentrum für interdisziplinäre Forschung steht, ein Merkmal, das aber auch in der Lehre trägt und natürlich durch die fächerübergreifende Kommunikation fördernde räumliche Struktur der Universität begünstigt wird.
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Die Universität hat aber nicht nur den Ruf einer Forschungsuniversität, sie ist es, davon sind wir jedenfalls überzeugt, und wir finden uns erstens durch die jüngsten Einordnungen durch den Stern und das CHE, zweitens durch das pro Wissenschaftler Drittmittelranking der Förderung durch die DFG und drittens durch die Tatsache bestätigt, dass die Universität im vergangenen Jahr mit 50 Mill. DM das höchste Drittmittelvolumen seit ihres Bestehens einwerben konnte, das entspricht immerhin volumenmäßig 20% , also einem Fünftel, ihres staatlich gewährten regulären Budgets. Was aber bedeutet diese starke Forschungsorientierung für die Universität Bielefeld zu Beginn des 21. Jahrhunderts und für ihre weiteren Entwicklungsperspektiven in den kommenden Jahren vor dem Hintergrund der gegenwärtigen hochschulpolitischen Diskussionen und der Erwartungen von Politik, Wirtschaft, Medien, kurz der Öffentlichkeit an die Universitäten? Als Stichworte der Orientierung seien genannt:
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1) die Globalisierung und der weltweite Wettbewerb um Erkenntnisproduzenten und Wissensträger, sprich um Forscher und Forscherinnen einerseits und Hochschulabsolventen und -absolventinnen andererseits, die Fiktion der Einheitsuniversität und homogener Qualitäten versus Profiluniversitäten mit heterogenen Qualitäten,
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2) die Suche nach Wahrheit als Aufgabe der Universität gegenüber der Erwartung nach Nützlichkeit der Forschungs- und Lehrleistungen bzw. die Forderung von Problemlösungspotenzial in Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit,
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3) damit zusammenhängend stellt sich die Frage: wie tragfähig ist heute noch die Unterscheidung zwischen Grundlagen- und angewandter Forschung, zwischen zweckfreier und zweckgebundener (Auftrags-) Forschung, zwischen selbstbestimmter und fremdbestimmter Forschung,
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4) die Lehre als akademische Lehre bzw. universitäre Bildung versus hochschulische Berufsausbildung oder wie es der frühere Vorsitzende des Wissenschaftsrats Wilfried Schulze ausgedrückt hat: Elfenbeinturm oder Beschäftigungsorientierung,
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5) Autonomie oder staatliches Gängelband; bürokratische Steuerung versus neue Steuerung mit Globalhaushalt, Finanzautonomie, Zielvereinbarungen, entscheidungsstärkere Rektorate und Dekane bzw. Dekanate, Kosten-Leistungsrechnung, Controlling und Evaluation.
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Bestimmte Weichen sind in diesem Feld von Variablen bereits gestellt, manche davon nicht mehr rückholbar, andere im Prinzip veränderbar. So scheint der Globalisierungsprozess trotz der gegen ihn gerichteten Protestbewegungen unaufhaltbar. War es einerseits immer schon ein Merkmal von Wissenschaft, ihre Erkenntnisse ubiquitär zur Verfügung zu stellen und ihre Akteure in einem Wettbewerb um knappe Forschungsmittel gegeneinander konkurrieren zu lassen, so weitet sich dieser Wettbewerb unaufhaltsam auf, indem er immer stärker die Konkurrenz um wissenschaftlichen Nachwuchs, aber auch um etablierte Forscher und Forscherinnen und damit um die Erkenntnisproduzenten einbezieht mit der Folge, dass deutsche Universitäten - jedenfalls unter den Bedingungen des status quo, aber auch unter den politisch beabsichtigten Bedingungen der Dienstrechtsreform - im Vergleich zu US amerikanischen, japanischen, australischen oder Schweizer Gehaltsniveaus nicht konkurrenzfähig sind. Hier kann und darf, sehr verehrte Frau Ministerin, seitens der Dienstrechtsreformer und Finanzminister das letzte Wort noch nicht gesprochen sein.
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Ich möchte dieses Problem mit einem kleinen, aber deutlichen Satz des früheren Präsidenten der Harvard University, Derek Bok, kommentieren, der sagte: “Wenn du denkst, Bildung ist zu teuer, versuch es doch mit Dummheit”.
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Derzeit politisch gewollt und von den Hochschulen im Grundsatz akzeptiert ist das Bestreben, den Hochschulen größere Autonomie gegenüber den staatlichen Akteuren einzuräumen und diese Reform mit neuen Steuerungsinstrumenten zu verknüpfen. Dazu gehören u.a.:Globalhaushalte, Zielvereinbarungen zwischen Ministerium und Universitäten einerseits, zwischen Rektorat und Fakultäten sowie Einrichtungen andererseits, Evaluation und Akkreditierung, Kosten-Leistungsrechnung und Controlling sowie Stärkung der Entscheidungskompetenzen von Rektoraten und Dekanaten. Den Verlust von formalem Einfluss der Gruppen wollen wir dabei durch neue Formen der Partizipation jenseits der formalen Mitbestimmungswege, die nun eher Benehmenswege genannt werden sollten, ausgleichen, durch Formen, die auf projektförmige Handlungseinheiten und Handlungsprozesse sowie Einbindung der Gruppen über die Expertise ihrer Mitglieder und nicht durch das Kriterium der Mitgliedschaft allein setzen. Es dürfte klar sein, dass ein längerer Lernprozess vor uns allen in der Universität Tätigen liegt, in welchem wir lernen müssen, mit diesen neuen Steuerungsinstrumenten und Partizipationsformen so umzugehen, dass die erwartete Entscheidungs- und Handlungseffizienz eintritt und zugleich verhindert wird, dass sich in der Universität das Gefühl breit macht, es werde alles über die Köpfe der Betroffenen hinweg entschieden.
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Was bedeuten diese genannten Bedingungen nun für uns als Rektorat? Sie bedeuten, dass beamtete Wissenschaftler eine Universität managen sollen, obwohl sie dafür keine Ausbildung genossen haben. Sie bedeuten, dass das Rektorat eine sich selbst steuernde, stark fragmentierte und zwischen seinen Gliedern außerordentlich lose gekoppelte Organisation steuern soll, eine Organisation, die als solche weder emotionaler noch reputationsgemäßer Bezugspunkt für die in ihr tätigen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen ist, das sind allein die Wissenschaftsdisziplinen, in denen sie zu Hause sind. Sie bedeuten, dass der Zusammenhang zwischen gutem Hochschulmanagement und individuellem Forschungs- und Lehrerfolg für das Wissenschaftlerindividuum und für die Lernenden intransparent bleibt und dass demzufolge individueller Erfolg in Forschung oder Lehre nicht notwendig vom Erfolg der Institution abhängt; sie bedeuten, dass autoritativer Leitung wenig Erfolg beschieden sein wird, Leitung vielmehr als Unterstützung sich selbst organisierender Prozesse verstanden werden muss; die Bedingungen bedeuten, dass die Universitätsleitung mit Ambivalenzen, Unklarheiten, Kontingenzen, Komplexitäten und Spannungen umgehen muss; sie bedeuten, dass die Leitung die Arbeitsfähigkeit der Basiseinheiten, der Fakultäten und Einrichtungen stärken muss;
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sie bedeuten, dass Kommunikation und Dialog ein zentrales Managementmedium sein müssen und dass die Leitung auf Kontextsteuerung im Verein mit Anreizen setzen sollte. Die Bedingungen bedeuten, dass die autonome Universität in ein fundamentales internes Spannungsverhältnis gerät, nämlich in das Spannungsverhältnis zwischen der von der Politik gewährten Autonomie der Institution Universität einschließlich der Institution Fakultät einerseits und der grundgesetzlich gewährten Autonomie des Wissenschaftlerindividuums andererseits, die ihm bzw. ihr die Freiheit in Forschung und Lehre bzw. - wie es die Verfassungsrichterin Jutta Limbach vergangene Woche ausgedrückt hat - die Garantie freier Wahrheitssuche gewährt. Genau besehen, hat die Autonomie der Universität ein dreifaches Gesicht: erstens die Autonomie der Institution gegenüber der Politik und anderen äußeren Ansprüchen gesellschaftlicher Interessengruppen, zweitens die Autonomie des forschenden, lehrenden und studierenden Individuums gegenüber der Institution Universität, und drittens die Autonomie dieses Individuums gegenüber den gesellschaftlichen Ansprüchen und Anforderungen. Und dennoch ist die aus dieser dreifachen Autonomie fließende Freiheit der Wahrheitssuche nicht grenzenlos. Sie hat andere, gleichwertige Grundrechte zu respektieren, sie steht in gesellschaftlicher Verantwortung ihres Tuns gegenüber der Gemeinschaft, die ihr die Ressourcen bereit stellt, und sie ist begrenzt durch die Forschungsförderprogramme der Forschungsförderorganisationen, des Staates und anderer Geldgeber. Gerade die zuletzt genannte Beschränkung ist Gegenstand kritischer Diskussion, wird hier doch nicht zu Unrecht eine Finalisierung der Erkenntnisgewinnung und deren Unterwerfung unter Nützlichkeitserwägungen befürchtet.
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Meine Damen und Herren, erst die autonome Universität kann die Freiheit gewähren, in der sich Forschung, Lehre und Lernen zu höchster Blüte entfalten können. Sie ermöglicht die Vielfalt neuen Wissens, das auf methodisch gesicherte Weise gewonnen wird. Aus dieser Innovationsfunktion der Universität ergibt sich zwangsläufig ihre zweite Kernaufgabe, nämlich die Weitergabe des neuen Wissens an die Studierenden. Dazu gehört selbstverständlich auch die Integration des neuen Wissens in Wissensbestände, die zu früheren Zeiten und von anderen Wissenschaftlern erzeugt worden sind sowie die Weitergabe von Wissen, das andere Wissenschaftler entdeckt haben. Was spricht eigentlich dagegen, dieses Wissen nicht auch anderen Zielgruppen als den Erststudierenden anzubieten, wenn wir davon ausgehen können, dass sie dieses Wissen verarbeiten können? Was spricht dagegen, dies auf eine didaktische aufbereitete Weise zu tun, die es den lernungewohnten oder lernentfremdeten Personen erleichtert, sich das wissenschaftliche Wissen anzueignen?
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Ich will damit sagen: Wissenschaftliche Weiterbildung ist keine Lehre 2. Klasse, die an einer Universität nichts zu suchen hat, sondern sie ist Lehre für andere Zielgruppen, für Zielgruppen, die andere Lernvoraussetzungen als Erststudierende mitbringen und denen daher didaktisch in anderer Weise Rechnung getragen werden muss.
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Und was spricht eigentlich dagegen, den Studierenden dort wo es möglich ist zu demonstrieren, welche praktische Relevanz eine Theorie, eine Methode, ein empirisches Forschungsergebnis hat, ohne dass diese Anreicherung von akademischer Lehre durch Transferbeispiele in die Darbietung von Rezepten für alltägliches Handeln münden muss bzw. soll. Und was spricht schließlich dagegen, immer dann, wenn ein Forschungsergebnis Anwendungsperspektiven enthält, diese auch aufzuzeigen, ohne dass daraus der Zwang für den Entdecker oder die Entdeckerin erwachsen sollte, die Anwendungsmöglichkeit selber auszutesten. Das kann man getrost anderen überlassen,. nur sollten diese anderen nicht unbedingt japanische oder amerikanische Forscher bzw. Ingenieure sein, sondern möglichst Nachwuchswissenschaftler an der Universität des Entdeckers.
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Lassen Sie mich noch einmal auf die universitäre Lehre zurückkommen, die ja schon seit Jahren im Zentrum der Kritik steht, trotz des Programms “Qualität der Lehre”, mit dem das Wissenschaftsministerium Impulse zu verbesserter Lehre geben wollte. Ich denke, dass wir es den Studierenden mit unserer traditionellen Art der Lehre schwer machen. Denn wir sollten uns der Tatsache bewusst sein, dass die Art, wie wir neue Erkenntnisse erzeugen bzw. entdecken, unserer üblichen Art, diese Erkenntnisse in der Form der Lehre weiterzugeben, diametral entgegengesetzt ist. Während der Forschungsprozess in der Regel als Prozess von Versuch und Irrtum abläuft und über viele konkrete Schritte und Hypothesen, die verworfen, korrigiert, endlich akzeptiert werden, voranschreitet, lässt die Lehre diesen Prozess von Versuch und Irrtum nicht mehr erkennen, die Forschungsergebnisse werden meist deduktiv als fertige Konstrukte präsentiert, und die Lehre leidet an anschaulicher Konkretion. Vor vielen Jahren hat die Bundesassistentenkonferenz die Formen des rezeptiven, des genetischen und des forschenden Lernens und Lehrens unterschieden. Immer noch - so scheint mir - pflegen wir die Form des rezeptiven Lernens und vergeben damit größere Lern- und Studienerfolge. Ich wünsche mir an dieser Universität Lehrende, welche die Studierenden nicht einfach mit Wissen zuschütten, sondern die den Studierenden zeigen, wie sie durch dieses Wissen navigieren und es später in ihren außeruniversitären oder in ihren Wissenschaftsberufen nutzen können.
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Wir müssen als Lehrende aber auch zulassen, dass die Lernenden eigene Wege zum Erfolg suchen. Das Offene, das Unerwartete und Ungewöhnliche, ja auch das Widerspenstige, das die Freiheit der Forschung hervorbringt, auch die Kritik am bisher Gedachten, die für den Erkenntnis- und Wissenschaftsfortschritt so wichtig ist, müssen wir als Ergebnis der Lehre erwarten dürfen und akzeptieren, auch wenn dies zu ertragen uns oft schwer fällt. Es ist und bleibt das Privileg der nachwachsenden Generationen, durch ihre Kritik nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die Gesellschaft zu entwickeln und zu verändern. Von wem soll dieser Veränderungsdruck ausgehen, wenn nicht von den Studierenden bzw. den nachwachsendenGenerationen?
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Ich hoffe, dass deutlich geworden ist, dass Forschung, Lehre und Studium der Freiheit bedürfen, allerdings nicht einer laissez-faire Freiheit oder Willkür, sondern einer Freiheit in Verantwortung für die Menschen, für die Wissenschaft und ihre Folgen für die Gesellschaft. Daher hat diese Universität sich den Fragen nach den Folgen der Genomforschung durch eine Professur für Technikfolgenabschätzung gestellt, und sie hat begonnen, sich ihrer Verantwortung für die Aufklärung der Bürger über das, was in ihr getan wird, bewußt zu werden. Ich gehe davon aus, dass die Menschen, die außerhalb der Universität leben und arbeiten, wissen wollen und wissen müssen, was in den Universitäten mit den von ihnen zur Verfügung gestellten Mitteln tatsächlich getrieben wird, wenn ihre Bereitschaft, die Wissenschaft aus ihren Steuermitteln zu fördern, nicht leiden soll. Das bedeutet: die Universitäten und die ihnen wirkenden Akteure sind für die Verständigung ihres Tuns, ihrer Methoden und Ergebnisse in die Lebenswelten der Bürger hinein verantwortlich. Diese Verantwortung verlangt eine weitaus größere Öffnung der Wissenschaften und der Universitäten in die Lebenswelten der Bürger hinein als bisher, sie verlangt aber eben auch, dass die Universitäten für diese Aufgabe des Public Understanding of Science Ressourcen bereitzustellen willens sein müssen, und die Kollegen oder Kolleginnen, die Anteile ihrer Zeit für die Vermittlung der Theorien, Methoden und Befunde der Disziplinen in die Gesellschaft hinein zur Verfügung stellen, dürfen deshalb nicht an Reputation einbüßen. Denn diese Tätigkeit wird den Universitäten und der Wissenschaft insgesamt langfristig nützen.
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Ich sagte bereits, dass Wissenschaft ein höchst innovatives System ist und Forschen wie Lehren und Lernen in der Universität innovative Aktivitäten sind. Innovationen benötigen ein Klima der Toleranz, d.h. die Universitäten und die in ihnen wirkenden Menschen sind zur Entfaltung ihrer Leistungsfähigkeit auf Toleranz im Inneren und in ihrer Umwelt angewiesen, damit auch das Ungewöhnliche und Widerspenstige, das Exotische und Unbequeme zu denken und zu entdecken möglich und gefördert wird. Wernher v. Braun, der Ihnen allen bekannt ist, antwortete auf die Frage, was Forschung sei: “Was ich tue, wenn ich nicht weiß, was ich tue.” Ich weiss aus Gesprächen, wie schwer manchen Bürgern diese Toleranz und Akzeptanz fällt.
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Deren Skepsis kleidet sich dann in solche Fragen wie: “Was ist denn an dem und dem Forschungsprojekt interessant, worin liegt denn sein Nutzen?” oder: “Welche Bedeutung hat denn die Erforschung der Strukturen ausgestorbener oder aussterbender oder exotischer Sprachen für uns heute? Warum wird für so etwas Geld ausgegeben, das doch viel besser in der Genomforschung oder in der Erforschung neuer Werkstoffe angelegt wäre?”
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Wenn sich auch die Förderer der universitären Forschung solche Fragen stellen, dann ist die Freiheit der Forschung gefährdet, denn die Förderer entscheiden selbständig, für welche Zwecke sie Geld hergeben wollen. Am Beispiel dieser Fragen zeigt sich die Relevanz der öffentlichen Verantwortung für die Universitäten und der in ihnen betriebenen Forschung, aber auch dafür, dass die Aufgaben der Universitäten nicht auf die Erforschung der jeweils dem Zeitgeist folgenden Problemprioritäten reduziert werden dürfen. Die vornehmste Aufgabe ist es, den Dingen auf den Grund zu gehen, Antworten auf die berühmten “Warum-Fragen” zu finden, auf Fragen, die sich nicht nur auf Natur und Technik beschränken, sondern alle Formen und Ergebnisse der Regungen des menschlichen Geistes thematisieren. Zugestehen möchte ich, dass diese Fragen nicht an allen Universitäten zugleich bearbeitet werden müssen, aber sie dürfen keinesfalls aus dem Kreis der Forschungsfragen ausgeschlossen werden. Was daraus folgt, ist der Appell an Sie, die Bürger, auch das an Forschung und Lehre zu tolerieren, was nicht sofort auf Ihr intuitives Verständnis stößt. Gleichwohl bleibt für uns, für die in denUniversitäten wirkenden Menschen die Einsicht, dass wir, wenn wir die Unterstützung der Menschen für unser Tun gewinnen und erhalten wollen, gut beraten sind, erstens darauf zu achten, welche Fragen die Menschen bewegen und welche sie gelöst haben wollen, und zweitens ihnen das, was wir tun, zu erklären.
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Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich möchte meine Rede mit vier Botschaften schließen. Sie werden merken, dass die Botschaften jeweils mehrere Sätze umfassen. Die Adressaten sind: erstens die Politik, zweitens die Stadt und die Bürger der Region, drittens die Wirtschaft, und viertens die Mitglieder dieser Universität.
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Ich beginne mit der Politik. Ich hoffe, es ist Ihnen deutlich geworden, welche Bedeutung die Autonomie im Sinne der Gestaltung der eigenen Angelegenheiten für die Universitäten hat. Erfreulicher Weise hat die Politik uns ein höheres Maß an Autonomie versprochen, und das neue Hochschulgesetz des Landes macht dankenswerter Weise Ernst mit dem Versprechen, und der Qualitätspakt gibt uns zumindest für einige Jahre die Planungssicherheit, die Wissenschaft benötigt, um sich entfalten zu können.
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Leider bleiben die in Aussicht gestellte Autonomie und Verantwortung unvollständig, da der größte Teil der Studierenden den Universitäten nach wie vor durch die ZVS zugewiesen werden soll und die Universitäten in ihrer Handlungsfreiheit auch in Zukunft durch die Kapazitätsverordnung beschnitten bleiben werden. Entscheidungsfreiheit und Verantwortung sind die Zwillinge der Autonomie. Zu beidem gehört die Entscheidung über und die Verantwortung für die Ressourcen einer Universität. Wir haben es in der Universität mit drei Faktoren zu tun, deren Kombination unter Nutzung bestimmter Technologien Forschungs-, Lehr- und Verwaltungsleistungen produzieren: mit Personal, Finanzen und Räumen. Weiter wissen wir, dass die drei Faktoren einerseits in einem komplementären Einsatzverhältnis stehen, andererseits in bestimmten Grenzen auch gegeneinander substituierbar sind. Mit anderen Worten: Jede Veränderung des Leistungsniveaus und des Leistungsgefüges einer Universität hat Folgen für die Kombination der drei Faktoren. Will also eine Universität ihr Leistungsniveau oder -gefüge verändern, muss sie über alle drei Faktoren frei entscheiden und verfügen können. Genau das aber ist in Bezug auf den Faktor Raum nicht mehr möglich, weil die Dispositionsbefugnis darüber ausgelagert und einer anderen Organisation, dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb überantwortet worden ist. Das ist nicht effizient. Meine Botschaft an die Politik ist eine Reihe von Bitten an Sie Frau Ministerin Behler:
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1. Setzen Sie sich für die Abschaffung der ZVS und der Kapazitätsverordnung ein und für das vollständige Auswahlrecht der Universitäten im Hinblick auf die aufzunehmenden Studierenden.
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2. Setzen Sie sich ein für die Herausnahme der Liegenschaften der Universitäten und Fachhochschulen aus der Verfügungsmasse des Liegenschaftsbetriebs und für den Verbleib der Entscheidungs- und Verfügungskompetenz bei den Hochschulen.
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3. Viele Hochschulen bzw. Fakultäten sind bereit, sich neue, d.h. konsekutiv gestufte und modularisierte Studienstrukturen zugeben. Leider ist in den Erlassen und im Hochschulgesetz stets nur von zwei Stufen die Rede. Dies übersieht, dass der Qualitätsvorsprung der immer zum Vergleich heran gezogenen amerikanischen Universitäten durch ein dreistufiges System mit einem systematischen Doktorandenstudium erzeugt wird. Daher die Bitte, auch in NRW von einem dreistufigen Studiensystem auszugehen bzw. es zuzulassen. Die notwendigen Kapazitäten könnten durch eine Umschichtung von Präsenzstudium zugunsten von Eigenarbeit der Studierenden - im übrigen ebenfalls ein Merkmal der Referenzuniversitäten - erwirtschaftet werden.
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4. Wenn deutsche Universitäten tatsächlich für die Elite des internationalen wissenschaftliche Nachwuchses attraktiv werden sollen, dann ist die beabsichtigte Kostenneutralität der Dienstrechtsreform kontraproduktiv. Daher die dringende Bitte, von dieser Vorgabe Abstand zu nehmen.
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Ich komme zu meiner zweiten Botschaft, sie richtet sich an die Stadt Bielefeld und an die Bürger von Stadt und Region. Lange Zeit lag die Universität wie ein Fremdkörper außen vor den Stadttoren. Mittlerweile hat die Stadt sie umschlossen, wenn auch nur an ihrem Rande. Das wird vermutlich auch noch lange so bleiben. Und dennoch, die Universität ist heute ein Teil der Stadt und ein fester Bestandteil der Region. Liebe Bürger der Stadt: die Universität ist auch Ihre Universität. nicht nur weil Ihre Kinder hier studieren, sondern weil sie ein nicht mehr weg zu denkender Wirtschafts- und Kulturfaktor für Stadt und Region geworden ist.. Die Reputation der Universität als Forschungsuniversität von hoher und höchster Qualität, die uns in den letzten Jahren immer wieder bescheinigt wurde beeinflusst immer stärker das Image der Stadt, die Universität ist inzwischen ein Imageträger für die Stadt geworden. Meine Bitte an die Stadt, lieber Herr David. Drücken Sie die Tatsache, dass Bielefeld eine Universitätsstadt ist, doch einfach auf den Stadtschildern aus.
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Ich komme zu meiner dritten Botschaft. Sie richtet sich primär an die Wirtschaft und ihre Organisationen, aber auch an die sog. Öffentlichkeit. Die Universitäten erfahren nicht erst seit heute von Wirtschaftsorganisationen eine harsche Kritik sowohl an ihren Forschungsleistungen wie an den Kompetenzen ihrer Absolventen. Die Forschung soll nützlich sein, d.h. den Unternehmen schnell verwertbare Erkenntnisse zur Verfügung stellen bzw. sich in Existenzgründungen und marktgängigen Produkten und Dienstleistungen materialisieren. Öffentlich geförderte Forschung soll relevant und nützlich sein und gezielt auf die Bedürfnisse der Gesellschaft und der Wirtschaft reagieren. Hinter dieser Erwartung und Forderung steht die Trennung von zweckfreier Grundlagenforschung und zweckgebundener angewandter Forschung, eine Trennung, die immer zweifelhafter und unfruchtbarer wird. Im Hinblick auf große Entdeckungen mit praktischer Nutzanwendung schreibt der Philosoph Klaus Fischer: “Der größte Nutzen von Wissenschaft und Forschung ist nicht selten jener, den man nicht bewußt angestrebt hat, sondern der sich aus neuen Perspektiven ergibt, die sich zum Zeitpunkt der laufenden Forschung noch nicht erschlossen hatten.” Schließlich formuliert er die vielleicht überraschende Hypothese, dass die “Mathematik vielleicht die nützlichste und wirkungsvollste Wissenschaft überhaupt sei - nicht trotz, sondern gerade weil ihre laufenden Forschgungen nicht auf konkrete, außermathematische Ziele gerichtet sind.” Umgekehrt weist Helmut Skowronek, ein früherer Vorgänger im Amt,darauf hin, dass die Wissenschaft der Dampfmaschine mehr verdanke als die Dampfmaschine der Wissenschaft. Aus beiden Sichtweisen ergibt sich, dass es keinen Sinn macht, sie gegeneinander auszuspielen sondern zu akzeptieren, dass Fragen angewandter Forschung bzw. Problemlösungsversuche zu grundlegenden Fragen führen können, und dass umgekehrt die Suche nach fundamentalen Wahrheiten zu konkreten Problemlösungen führen kann, nur dass der Weg von der Wahrheitssuche zur Problemlösung erstens nicht garantiert werden und zweitens viel Zeit beanspruchen kann, welche die Wirtschaftsorganisationen nicht haben.
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Auf Grundlagenforschung zu verzichten hieße aber, sich selber langfristig die Basis der Existenz zu entziehen und die Idee der Universität aufzugeben. Das aber kann weder im Interesse der Gesellschaft insgesamt noch der Wirtschaft sein.
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Ähnliches gilt im Hinblick auf Lehre und Studium. Sie zielen auf die Vermittlung des Wissens ab, das zum Zeitpunkt der Vermittlung Bestand hat. Das ist Wissen über Theorien, Hypothese, Methoden und empirische Befunde. Insofern ist universitäres Studium auch heute noch eine Ausbildung in der und durch die Wissenschaft, und wie viele meinen, auch nur für die Wissenschaft. Die außerwissenschaftliche Berufswelt und deren Qualifikationsanforderungen treten gegenüber der Eigenlogik der Wissenschaft zurück. Dies wirft sowohl für die Universitätsabsolventen wie auch für die Unternehmen Probleme auf, da einerseits die Unternehmen tätigkeitsnahe bzw. berufsbezogene Kompetenzen der Absolventen erwarten und andererseits die Absolventen diese Spannung zwischen Qualifikationsanforderungen und entwickelten Kompetenzen aushalten und überwinden müssen. Denjenigen, die fordern, die Universität müsse sich den Praxis- bzw. Berufsanforderungen öffnen, ist insoweit Recht zu geben, als erwartet werden muss, dass die Lehrenden den praxisrelevanten bzw. berufsbezogenen Gehalt ihrer Forschungsbefunde aufzuzeigen in der Lage sind. Diese Öffnung der akademischen Lehre hin zum beruflichen Handeln hat allerdings ihre Grenzen, die von beiden Seiten gesehen und akzeptiert werden müssen. Die Wirtschaft muss verstehen lernen, dass die Schritte der Universitäten in Richtung auf eine stärkere Berufs- und Praxisorientierung beschränkt sein werden und müssen, denn berufliches Handeln kann man schließlich nur im Beruf selbst erlernen. Die Universitäten müssen aber ihrerseits verstehen, aber nicht notwendigerweise akzeptieren, weshalb die Wirtschaftsorganisationen berufsfertige Absolventen als Arbeitnehmer oder Existenzgründer wünschen.
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Diese Verständnis für einander wird wachsen, davon bin ich überzeugt, wenn wir gemeinsam akzeptieren, dass es in der Wissenschaft um die oft zeitraubende Suche nach Wahrheit, in der beruflichen Praxis aber um die Suche nach Problemlösungen unter dem Druck knapper Zeit geht, dass die Wissenschaft nach möglichst allgemeinen und allgemein gültigen, notwendigerweise abstrakten Erkenntnissen, berufliche Praxis nach möglichst konkreten und besonderen Lösungen sucht. Daraus folgt, dass das Studium einer Wissenschaft, die ein bestimmtes Praxisfeld außerhalb der Wissenschaft zum Gegenstand hat, nur begrenzt auf die Handlungsanforderungen dieses Praxisfeldes vorbereiten kann. Das was sie dabei tun kann, sollte sie allerdings leisten. Diese Botschaften sollten nicht nur den Praktikern, sondern auch den Studierenden und Lehrenden an Universitäten einsichtig sein. Wenn diese Einsicht wächst, kann die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft bzw. Universität erheblich weniger spannungsreich und zugleich fruchtbarer als bisher gestaltet werden. Dann sind - um mit dem früheren Vorsitzenden des Wissenschaftsrates Winfried Schulze zu sprechen - Elfenbeinturm und Beschäftigungsorientierung kein Gegensatz mehr.
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Ich komme zu meiner vierten und letzten Botschaft, sie gilt den Mitgliedern dieser Universität und steht unter einem Motto, das bei Oscar Wilde entlehnt ist: “Der Fortschritt ist die Verwirklichung von Utopien.”
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Die Universität Bielefeld soll eine Universität sein und bleiben,
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- in der Wissenschaftler und Studierende nach Wahrheit suchen, den Dingen auf den Grund gehen wollen und können,
- die für höchstkarätige Wissenschaftler und Studierende aus dem In- und Ausland attraktiv ist,
- die sich neugierige Menschen wünscht und sie fordert und fördert,
- die ihre Erkenntnisse nicht nur der Wissenschaft selbst zur Verfügung stellt, sondern der Gesellschaft, indem sie sich ihr verständlich macht,
- die selber nach Anwendungs- und Verwertungsmöglichkeiten ihrer Erkenntnisse fragt,
- welche Forschung und akademische Lehre auf höchstem Niveau betreibt und dabei die praktische Relevanz der Forschungsergebnisse sowie die berufliche Relevanz der Lehrinhalte offenlegt,
- in der Wissenschaftler interdisziplinär und im Bewußtsein gesellschaftlicher Verantwortung kooperieren.
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Wer sind nun diejenigen, die zum Wohle der Universität Bielefeld agieren wollen? Meine Damen und Herren, ich stelle Ihnen nun zum Schluß die Mitglieder des Rektorats vor. Ich bitte Sie bzw. Euch, in der Reihenfolge des Aufrufs zu mir zu kommen. Es sind:
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- der Kanzler Karl Herrmann Huvendick (bis zum 31. 7. des Jahres)
- der Kanzlernachfolger (ab dem 1. 8. 01) Hans-Jürgen Simm
- die Prorektorin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs, die Professorin für Physikalische Chemie Katharina Kohse-Höinghaus
- der Prorektor für Personal und Finanzen, der Professor für Öffentliches Recht und Rechtsgeschichte Christoph Gusy
- der Prorektor für Bau- und Strukturangelegenheiten, der Professor für Wissenschaftssoziologie Wolfgang Krohn
- und der Prorektor für Lehre, Studienangelegenheiten und Weiterbildung, der Professor für technische Informatik Gerhard Sagerer
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