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Dr. Susanne Thurn, Schulleiterin der Laborschule 13.11.2002
Prof. Dr. Klaus-Jürgen Tillmann, Wissenschaftlicher Leiter der Laborschule

Starke Werthaltungen - hohe Verantwortungsbereitschaft - gute Fachleistungen

Stellungnahme zu den PISA-Ergebnissen der Laborschule

Die Laborschule ist dem Max Planck-Institut für die PISA-Erhebung an ihrer Schule und deren Ergänzung durch die Civic Education Studies zu großem Dank verpflichtet. Anders als an anderen Schulen wurden an der Laborschule alle Jugendlichen des neunten Jahrgangs getestet, also nicht nur eine Stichprobenauswahl, und zusätzlich alle 15 jährigen.

Die Ergebnisse? Es geling in der Laborschule ganz offensichtlich, junge Menschen mit hohen sozialen Wertvorstellungen und politischem Bewusstsein zu erziehen, die bereit sind, in der Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen, Aggression als Mittel der Auseinandersetzung abzulehnen und Menschen aus nicht-deutschen Herkünften vorbehaltlos anzunehmen. Das Ergebnis bestätigt eine Pädagogik, die zeigen will, dass Demokratie und Verantwortung täglich erfahren und erlernt werden müssen.

Die Laborschule ist eine Schule die weitgehend ohne Noten und ganz ohne Sortierung von jungen Menschen nach Leistung in verschiedene Gruppen auskommt - eine Schule, in der Lernen nicht nur im Klassenraum statt findet, sondern auf jährlichen Reisen und längeren Auslandsaufenthalten, bei mehrwöchigen Praktika und selbstbestimmten Jahresarbeiten.

Die Leistungsergebnisse in der Laborschule liegen weit über dem nordrhein-westfälischen Durchschnitt. Nach den differenzierten Ergebnissen des Max Planck-Instituts leisten die guten Laborschülerinnen und -schüler an der Spitze so viel wie ihre "statistischen Zwillinge" an Gymnasien. Die Mädchen überflügeln sie im Bereich Naturwissenschaft, im Lesen reichen sie gar an finnische Werte heran. Die Jungen allerdings liegen vor allem in Mathematik unter den Leistungen ihrer Vergleichsgruppe. Zugleich werden in der Laborschule die schwächeren Schülerinnen und Schüler in den leistungsgemischten Gruppen durchgehend gut gefördert. Die politische Identitätsentwicklung führt in der Laborschule zu hohem politischen Verstehen und Wissen, zu großer Kommun-ikationsfähigkeit und Kooperationsbereitschaft; auch hier sind die Mädchen - gegen sonstige Untersuchungsergebnisse - den Jungen voraus, liegen aber auch die Jungen noch weit über den Werten der Vergleichsgruppen.

Die Laborschule führt die besonderen hohen Leistungen ihrer Mädchen auf ein langes Bemühen um eine geschlechterbewusste Erziehung zurück. Da das jedoch nicht auf Kosten der Jungen gehen darf, wird die Laborschule in den kommenden Jahren verstärkt daran arbeiten, für die Jungen eine ihnen gemäßere Lernumwelt zu schaffen, damit auch sie ihre Leistungen so steigern können wie die Mädchen. Die deutlich höheren Leistungen der Mädchen gehen interessanterweise nicht einher mit einem höheren Selbstwertgefühl - die Jungen schätzen sich im Gegensatz zu ihren tatsächlichen Leistungen sowohl in Mathematik als auch in Politik besser ein als die Mädchen - auch dies ist ein bedenkenswertes Ergebnis. Erfreulich ist hingegen, dass sowohl Eltern als auch Schülerinnen und Schülern ihrer Schule gute "Noten" geben. Die Jugendlichen bewerten die Klarheit und Strukturiertheit des Unterrichts, die Unterstützung durch ihre Lehrkräfte und die Bewertung der Leistungen an den je individuellen Fähigkeiten als besonders positiv - das heißt, der Unterricht "stimmt" entsprechend den Zielen der Laborschule. Den Lehrerinnen und Lehrern wird darüber hinaus von den Eltern ein besonders großes Interesse an den ihnen anvertrauten Schülerinnen und Schülern bescheinigt. Vielleicht ist auch das ein Grund dafür, dass Laborschülerinnen und Laborschüler gerne in ihre Schule gehen; denn die allgemeine Schulzufriedenheit ist deutlich höher und die Schulunlust niedriger als anderswo.

Dass das anspruchsvolle pädagogische Programm der Laborschule zugleich vereinbar ist mit guten Fachleistungen, ist insgesamt wohl das bemerkenswerteste Ergebnis der "Überprüfung" der Laborschule durch das Max Planck-Institut. Mit diesem Ergebnis befindet sich die Laborschule in guter Gesellschaft mit ähnlich guten Ergebnissen der Hessischen Reformschulen.

 
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