Universitätsarchiv

 
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Der Archivar, Jg. 52, 1999, H. 2, S. 137-138

Aufbauphase des Universitätsarchivs Bielefeld abgeschlossen

Mit der Verabschiedung des Aufbaubeauftragten des Rektorats für das Universitätsarchiv, des langjährigen Universitätskanzlers, Dr. Eberhard Firnhaber, am 13. Oktober des vergangenen Jahres ist das seit dem 1. Juli 1996 aufgebaute Universitätsarchiv der Universität Bielefeld von der Aufbauphase in die Phase der laufenden Archivpflege eingetreten. Archivplanungen an der im September 1969 mit weitreichenden Reformansprüchen unter maßgeblichem Einfluß Helmut Schelskys gegründeten Universität Bielefeld (1999 ca. 20 000 Studierende) waren fast so alt wie die Universität selbst. Bereits 1972 war die Etablierung eines „hochschulpolitischen Archivs“ als reiner Materialsammlung angedacht worden. Anläßlich des bevorstehenden 20jährigen Universitätsjubiläums beabsichtigte das Rektorat 1987 die Einrichtung einer Veröffentlichungsreihe „Universitätsarchiv“, die – jährlich erscheinend – die Geschichte der Universität und Personenporträts zum Inhalt haben sollte. Schließlich drängte der ehemalige Kanzler und Ehrensenator der Universität, Dr. Firnhaber, Ende 1994 auf die Einrichtung eines dauerhaft fachlich geführten Universitätsarchivs, da die in die Jahre gekommene Universität dabei sei, das Wissen um ihre Gründung, das Gründungskonzept und ihre Realisierung zu verlieren. Durch den Aufbau des Universitätsarchivs ab 1996 wurde der Universität auch im Hinblick auf das 30jährige Jubiläum im September 1999 eine den gesetzlichen Erfordernissen entsprechende Archivpflege ermöglicht.

Das zunächst mit einem über das Arbeitsamt finanzierten Historiker unter Begleitung des Archivbeauftragten ausgestattete Archiv ist dem Referat für Öffentlichkeitsarbeit der Universität als Arbeitsstelle des Rektorats zugeordnet. Mittlerweile ist – trotz angespannter Haushaltslage – die Umwandlung in eine feste Stelle erfolgt. Dem Aufbaukonzept folgend wurde zunächst eine 14 Abteilungen umfassende Archivtektonik erarbeitet. In enger Kooperation mit dem Bielefelder Stadtarchiv wurde ein datenbankgestütztes Archivierungssystem erstellt, das Benutzern und Mitarbeitern einen leichteren Zugriff auf die Archivalien als über herkömmliche Findmittel ermöglicht. Während der Aufbauphase konnten bereits Bestände der wichtigsten Universitätsgremien und Einrichtungen übernommen werden. Gleichzeitig mußte viel Zeit darauf verwandt werden, den Bekanntheitsgrad des Archivs zu steigern und Bewußtsein für die Aufgaben des als Zentralarchiv für die gesamte Universität geplanten Universitätsarchivs zu wecken. Die Unterstützung durch die Universitätsleitung, u.a. durch eine Rundverfügung des Kanzlers („Vorläufige Regelung zur Sicherung archivwürdigen Materials“), trug erheblich zur Steigerung der Akzeptanz, zur Durchsetzung der Anbietungs- und Ablieferungspflicht sowie zur Verminderung von „wilden“ Kassationen bei. Über die Person des Aufbaubeauftragten, als Universitätskanzler seit Juni 1968 selbst Zeitzeuge von Gründung und Aufbau der „Reformuniversität“ Bielefeld, wurde der Kontakt zu Zeitzeugen aus Gründungsausschuß, Wissenschaftlichem Beirat, Politik und Verwaltung hergestellt. Daraus resultierende Interviews ergänzen nun die Überlieferung zur Universitätsgeschichte ebenso wie Aktenübernahmen aus dem Umfeld der Universität, z. B. durch den ersten Vorsitzenden der Westfälisch-Lippischen Universitätsgesellschaft, Rudolf-August Oetker. Allerdings zeigen beträchtliche Aktenverluste aus der Gründungszeit auch, daß bis zur Einrichtung des Archivs ein fast schon zu großer Zeitraum vergangen war.

Mittlerweile befinden sich 23 verzeichnete Bestände mit insgesamt 1850 Archiveinheiten im Universitätsarchiv. Einen Anteil von mehr als zwei Drittel davon weist die Bestandsgruppe „Zentrale Organe / Universitätskommissionen“ (u.a. Gründungsausschuß /Wissenschaftlicher Beirat, Konvent, Senat, Rektorat und Referat für Öffentlichkeitsarbeit) auf. Darüber hinaus ist die Bestandsgruppe „Aufbau und Planung“, die in erster Linie Fremdprovenienzen enthält, für die Planungs- und Gründungsphase der Universität Bielefeld besonders aussagekräftig, wie auch der bereits erwähnte Bestand der Universitätsgesellschaft. Neben kleineren Beständen aus der Abteilung „Verwaltung“, u.a. der Bestand „Kanzler“, und der Abgabe der Fakultät für Soziologie und der Technischen Fakultät befindet sich noch der kleine Bestand „Theologisches Institut“ im Universitätsarchiv, der das letztlich nicht realisierte, gleichwohl theologiegeschichtlich bemerkenswerte Projekt eines bikonfessionellen theologischen Instituts mit der Ausrichtung auf Forschung und Postgraduate-Ausbildung beleuchtet. Die Bestände beschließen ein Nachlaß zu Lebzeiten des Mitglieds des Gründungsausschusses und Mathematikers Friedrich Hirzebruch und ein Teilnachlaß des 1994 verstorbenen Philosophen Lorenz Krüger.

Ferner existieren laufend erweiterte universitätsgeschichtliche Sammlungen, wie Druckschriften, biographische Sammlung, Zeitungsausschnitte, Plakate, Flugblätter, Fotos, Filme, Münzen und Dienstsiegel. Auf ein besonderes Nutzungsinteresse stößt dabei die Sammlung „Studentische Publikationen / Flugblätter“, die – 1971 einsetzend – die heute bereits altertümlich anmutende rege Tätigkeit politischer Hochschulgruppen in der Spätphase der „68er-Bewegung“ dokumentiert.

Unverzeichnet sind u.a. noch die größeren Bestände der Vorgängereinrichtungen Pädagogische Akademie und Pädagogische Hochschule (ca. 90 lfm), des Allgemeinen Studierendenausschusses (ca. 18 lfm) und des Sonderforschungsbereichs „Sozialgeschichte des neuzeitlichen Bürgertums“ (ca. 16 lfm). Die Verzeichnung der übernommenen Bestände hält in einem „Ein-Mann“-Archiv mit der Übernahme in der Regel nicht Schritt.

Martin Löning, Bielefeld