Student Advising and Counselling (ZSB)
 
 
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Wissen, was drin steht: Das Lesen von Texten als Informationsquelle

Empirische Untersuchungen zum Leseverhalten belegen: wer ohne gezieltes Interesse liest und alles behalten will, versteht und behält weniger als Personen, die beim Lesen des gleichen Textes nur nach der Antwort auf eine einzige Frage suchten. Fragestellungen wirken offenbar wie Greifhaken, an denen mit den Antworten auf die Hauptfrage auch die anderen Informationen im Gedächtnis hängen bleiben.
(Wolf Wagner in: Uni-Angst und Uni-Bluff)

Eine der wichtigsten und zugleich schwierigsten Aufgaben, die man im Studium zu bewältigen hat, ist der vernünftige Umgang mit Texten. Die Schwierigkeit liegt z. T. an der Menge bedruckten Papiers, mit der man im Uni-Bereich überhäuft wird, z. T. aber auch daran, daß man - von der Schule her daran gewöhnt - eher zu passiver Rezeption als zum aktiven Bearbeiten neigt. Lesen ist jedoch kein passives Aufnehmen passend vorbereiteter Inhalte, sondern eher ein aktiv zu gestaltender Kommunikationsprozeß. Denn:
Autoren von Aufsätzen und Büchern verfassen ihre Texte unter der von Ihnen gewählten Fragestellung und ihrem eigenen Denkzusammenhang entsprechend.
Leser von Texten interessieren sich häufig nur für Teilaspekte oder suchen Material, das sie als Antwort auf ganz andere Fragen verwenden können.

Will man Texte als Informationsquelle nutzen (um eine Prüfung vorzubereiten, Material für eine Hausarbeit zu sammeln oder weil man sich einfach zu einem bestimmten Thema sachkundig machen will), dann muß man sich einerseits auf den Gedankengang des Autors so weit einlassen, daß man den Text verstehen und die Informationen aufnehmen kann. Andererseits muß die eigene Fragerichtung präsent bleiben, damit die Informationen, die der Text dazu liefert, auch erkannt und aufgenommen werden können.
Diese Balance zu halten, ist nicht ganz einfach und bedarf einiger Übung. Die folgende Methode des aktiven Lesens hilft, Texte gezielt als Informationsquelle zu nutzen.
Das Hin- und Hergehen zwischen Aufbau und Verlauf eines Textes einerseits und Eigeninteresse andererseits wird hierbei in fünf Arbeitsschritte übersetzt, die für ganze Bücher oder Aufsätze wie für einzelne Kapitel oder Textabschnitte anwendbar sind:

5-Punkte-Methode

  1. Überblick gewinnen
  2. Fragen
  3. Lesen
  4. In Erinnerung rufen, sich vergegenwärtigen
  5. Nochmals durchsehen.

drehpunkt - rot/orange 1. Überblick gewinnen

Grundgedanke: sich mit dem Buch vertraut machen, sich sozusagen aufwärmen, den Aufbau des Buches verstehen.
Vorgehen: schau dir die Umschlagklappe an, lies das Vorwort, auch das Inhaltsverzeichnis. Enthält das Buch Zusammenfassungen am Schluß der Kapitel, so lies diese, sonst blätter das ganze Buch durch, lies hier einen Abschnitt und dort einige Zeilen, mach dich so in kurzer Zeit mit Stil und Thematik vertraut. Überleg, was du über den Stoff schon weißt, welche Erwartungen du an das Buch hast. Geh ebenso bei jedem einzelnen Kapitel vor (überfliegen, Überschriften ansehen, Zusammenfassungen lesen). Sieh dir genau die Anordnung der Titel an: Haupttitel, Untertitel und weitere Aufteilung. Dieser erste Leseschritt sollte bei einem Kapitel nur wenige Minuten bei einem Buch nicht mehr als eine halbe Stunde dauern.

drehpunkt - rot/orange 2. Fragen

Grundgedanke: sich zum/r aktiv Lesenden und nicht passiv Aufnehmenden machen.
Vorgehen: bevor du anfängst zu lesen, stell dir Fragen über den zu lesenden Text. Überleg, was der Text dir bringen soll, was du erwartest, forme die Überschriften in Fragen um, frag nach Zusammenhängen mit schon Gelesenem, aus welcher Sicht schreibt der Verfasser (Einführung, Darstellung, Diskussionbeitrag, Stellungnahme).
Beim Einüben der 5-Punkte-Methode ist es am besten, die Fragen auch aufzuschreiben.

drehpunkt - rot/orange 3. Lesen

Grundgedanke: Überlegungen des Autors nachvollziehen, in Frage stellen, vorausdenken, bewußt aufnehmen.
Vorgehen: versuche, während des Lesens die Hauptaussagen zu finden, achte auf innere Gliederungen (z. B. "an erster Stelle ist zu nennen", "zusammenfassend", "außerdem von Wichtigkeit", "abschließend"), auf besondere Hinweise (Graphiken, gesperrt Gedrucktes). Behalte dabei die Überschrift und deine eigenen Fragen im Auge.

drehpunkt - rot/orange 4. In-Erinnerung-rufen

Grundgedanke: bewußtes Aufnehmen und besseres Verankern im Gedächtnis, kritisches Überdenken, Trennung von Wichtigem und Unwichtigem.
Vorgehen: schau vom Buch auf, wenn ein Abschnitt beendet ist. Versuch, dir in Erinnerung zu rufen, was du gelesen hast, beantworte die selbst gestellten Fragen (möglichst zunächst ebenfalls schriftlich). Schreib aus der Erinnerung in Stichworten die Hauptpunkte auf, gebrauche dabei deine eigenen Worte (das hat den Vorteil, daß du gleichzeitig ein Exzerpt anfertigst, auf das du immer zurückgreifen kannst). Bei ausschließlich mündlichen Wiederholungen sind Selbsttäuschungen häufig, ein vages Gefühl des Verstandenhabens wird allzuleicht für wirkliches Beherrschen gehalten. Achte darauf, daß das Notieren nur wenig Zeit und Energie beansprucht (nur die wichtigsten Informationen in Kurzform). Erst schreiben, wenn ein Abschnitt zu Ende gelesen ist, unterstreichen (wenn man es will) ebenfalls erst nach dem Lesen.

Diese Schritte 1 - 4 werden für jeden Abschnitt und jedes Kapitel wiederholt, bis das ganze geplante Gebiet durchgearbeitet ist. Dann folgt der 5. Schritt, der eigentlich nichts anderes ist als alle vier vorhergehenden im Schnelldurchlauf.

drehpunkt - rot/orange 5. Nochmals durchsehen

Grundgedanke: Lesekontrolle, weitere Vertiefung und endgültiger Überblick.
Vorgehen: man überfliegt nochmals die Überschriften, versucht, sich die wichtigsten Punkte in Erinnerung zu rufen, liest nach, wo man unsicher ist, schaut seine Notizen durch und stellt einen inhaltlichen Zusammenhang zwischen den einzelnen Gebieten her (Unter- und Überordnung, Ergänzung, Entgegensetzung, Erläuterung sind hierfür mögliche Gesichtspunkte).