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Um scharfe Aufnahmen von schnellen Bewegungen machen zu können, muss man eine
kurze Belichtungszeit wählen. Stroboskopblitze in Kombination mit
Hochgeschwindigkeitskameras ermöglichen z.B. die Beobachtung der Flugbahn einer
Gewehrkugel, für die das menschliche Auge zu langsam ist. Wie muss aber eine
„Kamera“ aussehen, mit der man die Bewegung von Elektronen innerhalb eines Atoms
aufnehmen kann? Dieser Frage ist Anna-Bella Heinemann in einem Interview mit dem
Bielefelder Experimentalphysiker Markus Drescher nachgegangen. Seinem Team
gelang es, zusammen mit der Gruppe von Ferenc Krausz (damals Universität Wien,
jetzt Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching) eine spektroskopische
„Kamera“ zu entwickeln, die mit Hilfe von ultrakurzen Röntgenpulsen die Bewegung
der Elektronen aufzeichnet.
Die Elektronenbewegung innerhalb eines Atoms vollzieht sich im Bereich von
einigen Attosekunden (1 Attosekunde = 10 hoch minus 18 Sekunden). Um eine so
schnelle Bewegung aufzeichnen zu können, war es entscheidend, Anregungspulse
zu erzeugen, die kürzer sind als die Periode (das heißt die Schwingungsdauer)
des sichtbaren Lichtes. Die Periode des sichtbaren Lichtes liegt bei 2 Femtosekunden
(1 Femtosekunde = 10 hoch minus 15 Sekunden) und ist damit zu lang, um die
schnellen Elektronenbewegungen scharf abzubilden. Deutlich schneller ist
Röntgenlicht, das derzeit mit einer Periode von 40 Attosekunden erzeugt werden
kann. Hier muss die Entwicklung jedoch noch nicht zu Ende sein, denn durch
Verwendung noch kurzwelligerer Röntgenstrahlen ließe sich eine noch höhere
Auflösung erreichen.
Mit Hilfe des Röntgen-„Blitzlichts“ lassen sich die Bewegungen der Elektronen
in Einzelbildern „einfrieren“, die zeigen, wie die Elektronen von einem
Laserlichtpuls beschleunigt oder abgebremst werden. Anschließend kann man
diese zeitaufgelösten Energiebilder zu einer Art Film über den gesamten
Vorgang zusammensetzen.
Hier sieht man, wie Drescher und Krausz zum ersten Mal mit ihren kurzen
Röntgenpulsen (in diesem Fall mit einer Länge von 250 Attosekunden)
einen Schnappschuß einer sichtbaren Lichtwelle machen konnten.
Das galt bisher als unmöglich.
Dass dies gelang, war ein sensationeller Erfolg des Wissenschaftler-Teams.
Nachdem Drescher und Krausz in den naturwissenschaftlichen Fachzeitschriften
„Science“ und „Nature“ über ihre Forschung berichtet hatten, rief die sonst so
zurückhaltende New York Times den Beginn des „Atto-Zeitalters“ aus.
Ein Vergleich mit aktuell realisierter Technik zeigt, dass diese neue
Zeitauflösung, die „Attosekunde“, etwa eine Million mal schneller ist,
als das, was z.B. in einem Computer-Prozessor abläuft. Auch wenn jetzt sicher
viele von einem neuen Turborechner träumen – einstweilen beschränkt sich die
Anwendbarkeit der Forschungsergebnisse auf die Grundlagenforschung.
Indirekt jedoch wird sich das bessere Verständnis der inneratomaren Prozesse
unter anderem auf die Entwicklung von z.B. neuen Computerbausteinen auswirken.
Auch in anderen Disziplinen wie der Biologie oder Medizin gibt es
Anwendungsmöglichkeiten. So kann man durch die direkte Beobachtung der
Elektronenbewegung auf die Schädigung von Atomen im menschlichen Körpers durch
Röntgenstrahlung schließen.
:: Nachgefragt - Das Interview mit Markus Drescher
Autorin dieses Textes: Dipl.-Physikerin Carola Haumann
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