Interviews & Features    

 
· Einleitung
· Globalisierung und Islamisierung
Aushandlung von Entwicklungs- prozessen
· Entwicklung, Geschlecht und Islam
· Das Forschungs- projekt
· Die Fragestellung
· Die Forschungs- methoden
· Das Forscherinnenteam


Entwicklungsprozesse lassen sich nicht am Reißbrett entwerfen und dann Punkt für Punkt exakt umsetzen. Vielmehr werden sie in Interaktionen zwischen Akteuren verschiedener Ebenen ausgehandelt und nehmen erst dabei Gestalt an. Die Aushandlung von Entwicklungsprozessen findet heute zwischen globalen, translokalen und lokalen Organisationen und Institutionen statt. Der Fokus auf die durch Interaktionsprozesse konstituierten Arenen ermöglicht es, zu untersuchen, wie die Vorstellungen und Erwartungen der beteiligten Akteure sich wechselseitig bedingen und beeinflussen. Diese Wechselwirkungen bleiben sonst allzu oft in den jeweiligen exklusiven und essentialistischen Konstruktionen, z.B. in der Gegenüberstellung der „muslimischen Welt“ und des „Westens“, ausgeblendet.

Durch translokale Netzwerke, getragen von Entwicklungsorganisationen, Nichtregierungsorganisationen und sozialen Bewegungen, werden globale Konzepte und Visionen auf lokaler Ebene angeeignet und in lokale Diskurse übersetzt, wobei sich ihre Bedeutungen entsprechend verändern. In muslimischen Gesellschaften werden westliche Konzepte sozialer, ökonomischer und politischer Entwicklung vor allem hinsichtlich ihrer Vereinbarkeit mit sogenannter „lokalen Kultur“ und einer spezifisch islamischen Identität diskutiert.

Diese Diskussionen finden auf unterschiedlichen gesellschaftlichen Ebenen statt. Austausch, Vernetzungsprozesse und Interaktionen zwischen verschiedenen Akteuren wie lokalen und transnationalen NGOs, dem Staat, ausländischen Geber-Institutionen und supra-nationalen Institutionen (UNO, WHO, Weltbank) tragen zur Entstehung neuer (sozialer) Räume bei.

Mit sozialem Raum ist hier eine von den Subjekten in ihrem Alltagshandeln geschaffene Sinnstruktur gemeint, in der materielle und symbolische Elemente der Lebenswelt zueinander in Bezug gesetzt werden. Dieser Raum ist Schauplatz vielfältiger Aushandlungsprozesse von Identitäten, mittels derer sich die Akteure im jeweiligen Kontext positionieren.




pictureVerantwortlich für den Inhalt dieser Seite: Dr. Petra Dannecker & Anna Spiegel