Interviews & Features    

 
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Im Dritten Reich widersetzten sich Frauen aus allen sozialen, kulturellen und politischen Milieus auf unterschiedliche Weise dem weltanschaulichen Führungsanspruch der Nationalsozialisten. Dennoch wurden sie in der Öffentlichkeit und Forschung, wenn überhaupt, nur als Helferinnen der Männer, nicht aber als selbständig handelnde Regimegegnerinnen wahrgenommen. Der Grund hierfür liegt in einem politischen Widerstandsbegriff, dessen Definition auf einem aktiven Handeln der Regimegegner zum Sturz des NS-Regimes basiert. Diese Begriffsbestimmung schloss die traditionell als unpolitisch geltende Frau jedoch per se aus. In der bürgerlichen Geschlechterordnung wurden Politik, aktives Handeln und Öffentlichkeit mit Männlichkeit gleichgesetzt, während das weibliche Tätigkeitsfeld auf den privaten, unpolitischen Bereich von Haushalt und Familie festgeschrieben wurde. Aus zwei Gründen greift dieser überkommene Widerstandbegriff jedoch zu kurz:

  1. Indem das NS-Regime in die privaten Sphären von Partnerwahl, Fortpflanzung, Kindererziehung und Haushaltsführung eingriff und diese zu staatlichen Angelegenheiten erklärte, kam es im Dritten Reich zu einer Politisierung aller gesellschaftlichen und privaten Lebensbereiche. Von dieser Politisierung war auch der traditionell als unpolitisch geltende Aufgabenbereich der Frau betroffen.
  2. Gleichzeitig schalteten die Nationalsozialisten die öffentliche politische Opposition aus und drohten Regimekritikern mit Verfolgung. Alle Widerstandsaktivitäten zur Bekämpfung des Nationalsozialismus mussten deshalb in der Illegalität und damit im Privaten stattfinden, was zu einer Bedeutungsverschiebung zwischen Öffentlichkeit und Privatheit führte.

Vor diesem Hintergrund kam es Claudia Lenz zufolge zu einem „Prozess der Politisierung des Widerstandshandelns von Frauen“,
der auch die Grenzverläufe innerhalb der bestehenden Geschlechterordnung veränderte.

Das Dissertationsprojekt untersucht die Bedingungen und Möglichkeiten politischen Handelns von Männern und Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, wobei die Trennung zwischen politisch-männlichen und unpolitisch-weiblichen Widerstandstätigkeiten in Frage gestellt wird. Ziel ist es, das Handeln von Frauen in den politischen Widerstand einzuordnen und die in der Forschung diskutierten Definitionen von Widerstand unter Beachtung weiblicher Regimegegnerschaft zu überprüfen und gegebenenfalls weiterzuentwickeln.

::Wie sah die Wissenschaft das Thema bisher?


pictureVerantwortlich für den Inhalt dieser Seite: Karen Parschat