Interviews & Features    

 
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Widerstand und Geschlecht
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Vor dem Hintergrund der in den jeweiligen Milieus geltenden Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit wird nach den Geschlechterbeziehungen und dem geschlechtsspezifischen Rollenverhalten im Widerstand gefragt. Es soll untersucht werden, ob Frauen in Zusammenhang mit der illegalen Widerstandsarbeit und der Kriegssituation den Rahmen traditioneller Tätigkeitsbereiche überschritten oder ob auf herkömmliche Geschlechterstereotypen und -vorstellungen zurückgegriffen wurde.

Die Ausführung des Attentates vom 20. Juli 1944 galt zwar als „Männersache“, jedoch waren die Ehefrauen der Attentäter in die Vorbereitung der Anschlagspläne eingebunden. Die politisch interessierte Christine von Dohnanyi diskutierte mit ihrem Mann Hans über die Widerstandspläne, deckte sein Doppelleben oder tippte für ihn den sogenannten ‚X-Bericht’, mit dem der Umsturz vorbereitet wurde. Freya von Moltke und Marion York von Wartenburg waren bei den Diskussionen des Kreisauer Kreises anwesend und diskutierten mit ihren Männern über die Planungen der Regimegegner für eine Neuordnung Deutschlands nach dem Sturz Hitlers.

Für die Harnack/Schulze-Boysen-Gruppe konnte festgestellt werden, dass die klassische geschlechtsspezifische Arbeitsteilung zwar nicht gänzlich aufgehoben war, die Tätigkeiten der sich als gleichberechtigt wahrnehmenden Regimegegnerinnen aber über ‚frauenspezifische’ Handlungen hinausgingen. Sie waren aktiv an dem Informationsaustausch mit der Sowjetunion und der Durchführung von Schulungsabenden beteiligt, in denen die politische und wirtschaftliche Situation im Dritten Reich erörtert wurde. Auch der bewusste Verzicht auf Kinder zugunsten der illegalen Arbeit kann als Abgehen von traditionell weiblichem Rollenverhalten gewertet werden.



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