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Kreisauer Kreis
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Der Kreisauer Kreis erhielt seinen Namen vom Familiengut Kreisau des Grafen Helmuth James Graf von Moltke im niederschlesischen Kreis Schweidnitz. Dort traf sich eine Gruppe von etwa 40 Regimegegnern mit unterschiedlichen sozialen, ideologischen und politischen Hitergründen zu drei größeren Tagungen in den Jahren 1942 und 1943. Wesentlich häufiger traf man sich aber in der Wohnung des Ehepaares Marion und Peter Graf York von Wartenburg in der Berliner Hortensienstraße, wo in kleinen Arbeitsgruppen über die Neuordnung Deutschlands nach dem Sturz des NS-Regimes diskutiert wurde.

Ziel des Kreisauer Kreises war die Wiederherstellung eines humanen Rechtsstaats, der nach der Bestrafung der nationalsozialistischen Verbrecher mit einer demokratischen Verfassung neu aufgebaut werden sollte. Entgegen der nationalsozialistischen Herrschaft, die auf Zwang und Unterwerfung beruhte, setze ihr Staats- und Regierungskonzept auf eine Gesellschaftsordnung, die sich auf Humanität, christliche Ethik, Gerechtigkeit und Überwindung von Klassenschranken gründen sollte.

Aus den Reihen der Kreisauer sollten nach einem Sturz des NS-Regimes fähige und verantwortungsbewusste Personen hervorgehen, die in dem neuen Staat zunächst die Verwaltung übernehmen sollten. Zur Vorbereitung eines gewaltsamen Umsturzes oder zum Attentat auf Hitler fühlten sich die Kreisauer nicht berufen. Den Weg für die Reformpläne sollte die Militäropposition des 20. Juli 1944 frei machen, zu der wie auch zu anderen Widerstandskreisen Verbindungen unterhalten wurde.

Nach der Verhaftung von Graf von Moltke im Januar 1944 löste sich der Kreisauer Kreis auf. Einige Regimegegner waren an den Umsturzplänen vom 20. Juli 1944 beteiligt und wurden nach misslungenem Attentat vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt. Die Familien der Attentäter wurden von der Gestapo in Sippenhaft genommen und kamen erst nach Kriegsende wieder frei.



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