Interviews & Features    

 
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Die klassische, auf der Rezeption des Attentats vom 20. Juli 1944 basierende Definition von Widerstand im Sinne eines gewaltsamen Sturzes des NS-Regimes, schließt Frauen per se aus.

Diese Definition führte Claudia Lenz zufolge zur Unterschätzung weiblicher Regimegegnerschaft sowohl in der Forschung, als auch bei den Regimegegnerinnen selbst, die häufig ihr Widerstandshandeln nicht als politisch relevant erinnerten und behaupteten. So erklärten viele Frauen, im Widerstand nichts anderes getan zu haben als das, was notwendig oder die persönliche Pflicht war – in Abgrenzung zu den erwähnenswerten Taten der Männer.

Die hohe Anzahl von Todesstrafen gegen die Regimegegnerinnen in der Harnack/Schulze-Boysen-Gruppe weisen jedoch darauf hin, dass Frauen im Widerstand das gleiche Risiko wie die Männer trugen und die Handlungen und Verhaltensweisen der beiden Geschlechter sich teilweise nicht unterschieden. Zudem hatten sich im Dritten Reich durch die Unterdrückung einer öffentlichen kritischen Opposition einerseits und die Politisierung privater Lebensbereiche durch die Nationalsozialisten andererseits sowohl die Grenzen zwischen privat und öffentlich als auch der Raum politischen Handelns verändert.

Zur Klärung der Definition von politischem Widerstand in Hinblick auf weibliche Regimegegnerschaft sollen in der Dissertation die Bedingungen und Möglichkeiten politischen Handelns im Widerstand gegen den Nationalsozialismus untersucht werden. Dabei wird von einer Aufhebung der Trennung zwischen öffentlich-politischen und privat-unpolitischen Handlungsbereichen ausgegangen und die Unterscheidung zwischen politisch-männlichen und unpolitisch-weiblichen Widerstandstätigkeiten überprüft.



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