Interviews & Features    

 
· Einleitung
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Juristische Verfolgung von Frauen
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· Was ist Widerstand?
· Kreisauer Kreis
· 20. Juli 1944
· Harnack/Schulze- Boysen- Gruppe
· Solf- Kreis
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Während die Nationalsozialisten zu Beginn ihrer Herrschaft die Handlungsbereitschaft der als unpolitisch geltenden Frauen gegen das Regime unterschätzt hatten, stieg die Anzahl der verhafteten und verurteilten Regimegegnerinnen ab 1939 an. Die Gestapo und die Gerichte schienen der Beteiligung von Frauen am Widerstand eine wachsende Bedeutung zuzuschreiben.

Die Arbeit fragt daher danach, ob und wie sich die juristische Bewertung des widerständigen Handelns von Frauen veränderte. Dazu sollen die geschlechtsspezifischen Erwartungen der Richter und das geschlechtsspezifische Rollenverhalten der Angeklagten vor Gericht untersucht werden. Die Forschung zum Thema ‚Geschlecht und Justiz’ befindet sich jedoch, nicht nur für das Dritte Reich, erst in den Anfängen.

Bei der Analyse der Urteile gegen die Harnack/Schulze-Boysen-Gruppe aus den Jahren 1942 und 1943 konnte festgestellt werden, dass in den Prozessen vor dem Reichskriegsgericht ebenso viele Frauen wie Männer mit dem Tode bestraft wurden. Jedoch dominierte bei den Richtern weiterhin das Bild der unpolitischen Frau, der aufgrund „offenbar [nur] mäßige[n] Intelligenz“ (Feldurteil gegen die 18jährige Hannelore Thiel) keine Verantwortung für ihr illegales Handeln zugemessen wurde. Die Frauen dagegen nutzten diese Rollenerwartung der Richter strategisch und spielten die „‚treudeutsche Hausfrau’ und immer die Unwissende“ (Erika von Brockdorff zu ihrer Mitgefangenen Elisabeth Verleih), um mildere Urteile zu erhalten.

Die Thesen sollen unter Einbeziehung der Gerichtsprozesse gegen die Saefkow-Jacob-Bästlein-Gruppe , den Kreisauer Kreis sowie den
Solf-Kreis, über deren Gerichtsverhandlungen noch keine näheren Studien vorliegen, überprüft werden. Dabei müssen auch mögliche Unterschiede zwischen dem Volksgerichtshof und dem Reichskriegsgericht, das als oberstes Wehrmachtsgericht eigentlich nicht für Zivilistinnen zuständig war, in den Blick genommen werden.



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