Interviews & Features    

 
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Die Problematik des Begriffes ‚Widerstand’ besteht darin, dass er in der Forschung einerseits im weiteren Sinn als Überbegriff für ein breites Spektrum von systemnonkonformen Verhaltensweisen und –formen verwendet wird, andererseits aber auch in einem engeren, politischen Sinn, ohne dass sich bisher ein klare begriffliche Trennung zwischen den beiden Definitionen durchgesetzt hat.

Infolge der Rezeption des Attentats auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde Widerstand in den 1950er Jahren zunächst als aktive Maßnahme zum Sturz des NS-Regimes definiert. Die Erforschung von nonkonformen Verhaltensweisen in der breiten Bevölkerung während des Dritten Reiches führte in den 1970er Jahren zu einer Ausweitung des Widerstandsbegriffes. Der von Martin Broszat in diesem Zusammenhang eingebrachte Begriff ‚Resistenz’ löste eine Diskussion um die Definition von Widerstand und widerständigem Handeln aus, die noch zu keinem Abschluss gekommen ist.

Die unterschiedlichen Formen, mit denen sich die Bevölkerung den weltanschaulichen, disziplinären oder organisatorischen Maßnahmen und Zumutungen der NS-Herrschaft entzog, ohne sich jedoch grundsätzlich gegen das Regime zu richten, wurden mit Opposition, Protest, Dissens, Dissidenz, Verweigerung oder Nonkonformität bezeichnet. Diesen Begriffen wurde eine engere, moralisch wertende Definition von (in der Arbeit als ‚politisch’ bezeichnetem) Widerstand gegenübergestellt, die auf einem bewussten Willen zum aktiven Handeln gegen die nationalsozialistische Herrschaft basierte und deren Eindämmung oder Sturz zum Ziel hatte.

Über die Grenzen zwischen politischem Widerstand und den anderen Formen systemnonkonformem Verhaltens wird in der Forschung jedoch weiter diskutiert.



pictureVerantwortlich für den Inhalt dieser Seite: Karen Parschat