Interviews & Features    

 
· Einführung
· Aufbau des Gedächtnisses
· Fünf Gedächtnis- systeme
· Ziele des Projektes
· Die Untersuchungs- methoden
Autobiographisches Gedächtnis bei Erwachsenen
· Autobiographisches Gedächtnis bei Jugendlichen
· Weiterführende Literatur und Links
· Die Arbeitsgruppe
· Feedback


Überschrift
Im ersten Teilprojekt geht es um die Erforschung des autobiographischen Gedächtnisses bei älteren Erwachsenen (zwischen 62 und 75 Jahren), die auf ein Leben, erfüllt von Erinnerungen, „zurückblicken“ können, im Vergleich mit jüngeren Erwachsenen (zwischen 35 und 40 Jahren), die in der Mitte ihres Lebens stehen. Die Probanden beider Altersgruppen erzählen in einem freien Interview über Episoden und bedeutende Erlebnisse. Die von den Probanden berichteten Erlebnisse werden den verschiedenen Lebensphasen (Kindheit, junges Erwachsenenalter, mittleres Erwachsenenalter und Alter) zugeordnet, und so aufbereitet , dass sich die Person während der Untersuchung an ihre eigene Vergangenheit erinnern kann (autobiographisches Erinnern). Da die Erinnerungen aus verschiedenen Lebensabschnitten stammen, ergibt sich zwangsläufig, dass diese Erinnerungen ein unterschiedliches „Erinnerungsalter“ haben.

Da nicht nur autobiographisches Erinnern untersucht wird, sondern auch semantisches (also Fakten -Erinnern), wurden entsprechend der Lebensphasen Fakten aus verschiedenen Lebensbereichen (Schule, Politik, Fernsehen usw.) zusammengestellt. Ähnlich den autobiographischen Erinnerungen erstreckt sich dieses Faktenwissen ebenfalls über die gesamte Lebensspanne. Aus einer Gesamtmenge von 400 solcher Fakten wurden nur diejenigen ausgewählt, die von Personen erinnert wurden, die nicht an der Untersuchung teilnehmen, aber im gleichen Alter der Probanden sind. Hierdurch wird die Allgemeingültigkeit dieses Faktenwissens sichergestellt.

Für die Untersuchungen mittels der funktionellen Magnetresonanztomographie fMRT , bei der die für das Erinnern wichtigen Hirnregionen ermittelt werden können, werden jeweils 36 Reize für jede Lebensphase (Kindheit bis jetzt) und für die Art des Wissens (autobiographisches und semantisches Erinnern) benötigt. Die Reize werden den Probanden während der Untersuchung auditiv dargeboten, d.h. die Probanden hören im fMRT Gerät insgesamt 244 kurze Sätze, die sich auf bestimmte Ereignisse beziehen, und entweder semantische oder autobiographische Erinnerungen hervorrufen.

Beispiele für autobiographische Erinnerungen sind: „Ich tapeziere das Wohnzimmer, das Telefon klingelt, mein Mann hat einen Unfall.“ Ein Beispiel für semantische Erinnerungen hingegen ist folgendes: „Matthias Rust landet mit einer Cessna auf dem Roten Platz in Moskau.“

Das Ziel dieses Teilprojekts ist die besondere Untersuchung des autobiographischen Gedächtnisses bei Erwachsenen. Dabei geht es um die Verortung dieses Gedächtnissystem auf der anatomischen Ebene des Gehirns, um den Vergleich von Strukturen, die beim Erinnern von autobiographischen gegenüber semantischen Gedächtnisinhalten aktiviert werden und schließlich geht es darum, welche Strukturen für das Erinnern unterschiedlich weit zurückliegender Erinnerungen von Bedeutung sind. Im Vergleich der beiden Gruppen kann zusätzlich überprüft werden, ob Menschen verschiedenen Alters unterschiedliche Strategien nutzen, an ihr Wissen zu gelangen.