Interviews & Features    

 
· Einleitung
· Gesundheitliche Risiken?
Erhöhtes Krebsrisiko?
· Allergieauslöser?
· Gesundheitsrisiko durch transgene DNA?
· Schlussfolgerung
· Referenzen
· Der Autor
· Feedback




Erhöht die gentechnische Veränderung von Lebensmitteln deren Toxizität oder Cancerogenität gegenüber konventionellen Lebensmitteln? Befürchtet wird, dass ein solches, erhöhtes Risiko entweder durch die Wirkung des neuen Genproduktes oder auch durch unbeabsichtigte Mutationen, die durch eine Schädigung eines bestehenden Gens beim Einfügen des neuen Gens (Insertionsmutante) verursacht werden könne. Ist diese Befürchtung begründet?


Zunächst sei betont, dass bei herkömmlichen Züchtungen unter Verwendung von mutagenen, also genverändernden, Chemikalien oder energiereicher Strahlung (z. B. von γ-Strahlen aus einer Kobalt Strahlenquelle) Gefahren durch unbeabsichtigte Mutationen erheblich höher sind als bei der Erzeugung transgener Pflanzen. In der Zeitspanne von 10 Jahren, welche die Entwicklung einer genveränderten Sorte normalerweise mindestens erfordert, findet in Labor- und Feldversuchen eine eingehende Untersuchung der Gleichartigkeit der genveränderten Pflanze zu der entsprechenden Ausgangspflanze in Hinblick auf Erscheinungsform, Wachstumsverhalten und Inhaltsstoffen statt. Toxizität und Carcinogenität werden vor der Markteinführung in Futterversuchen am Vieh und im Rattenmodell getestet. Die Ungefährlichkeit von Produkten, die gentechnisch veränderte Organismen enthalten, wurde in umfangreichen Fütterungsversuchen mit Tausenden von Tieren bestätigt. Bei der Verfütterung von gentechnisch verändertem Futter im Vergleich zu herkömmlichem Futter gab es keine wissenschaftlich fundierten Befunde über eine Beeinträchtigungen der Gesundheit oder der Produktivität der Tiere. Außerdem muss man wissen, dass die in Europa zugelassenen oder zur Zulassung anstehenden gentechnisch veränderten Organismen im Prinzip in den USA und anderen Ländern schon seit über 7 Jahren angebaut wurden und bereits Nahrungsbestandteil für hunderte Millionen Menschen waren. Dabei gab es keinen wissenschaftlich fundierten Bericht, der eine Gefährdung voraussah, und später ebenso keinen einzigen darüber, dass Menschen durch die Nahrungsmittel zu Schaden gekommen sind. Als gesellschaftlicher Beleg für diese Aussage kann auch die Tatsache gelten, dass es bislang keine erfolgreichen gerichtlichen Verbraucherklagen gegen den Verzehr von Produkten, die gentechnisch veränderte Organismen enthalten, gab.

Andererseits gibt es Berichte, dass im Falle von Mais das Gesundheitsrisiko von Verbrauchern durch belastende Pilztoxine bei Verwendung von gentechnisch veränderten Sorten vermindert werden kann. Sehr häufig führt der Befall von Maiskolben mit dem Pilz Fusarium moniliforme zu einer Kontamination mit dem Pilztoxin Fumonisin. Seit über hundert Jahren kennt man bei Pferden, Schweinen und anderen Tieren die „moldy corn disease“, welche nach Verfütterung von mit Fusarien befallenem Mais zu einem Sterben ganzer Herden führen kann. Vor 16 Jahren wurde Fumonisin als Auslöser der Krankheit identifiziert. Bei Ratten wird durch Fumonisin Leberkrebs ausgelöst. Fumonisin ist so stabil, dass es auch noch nach Verarbeitung des Mais in Cornflakes vorhanden sein kann. Es handelt sich um ein ernstes Problem: Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin teilte 2000 mit, dass in Deutschland die Belastung von Kleinkindernahrung durch Fusarientoxine zu hoch ist. Im September 2003 wurden in Großbritannien nach einer Analyse von 30 im Handel befindlichen Maisprodukten 10 Produkte wegen zu hoher Fumonisingehalte aus dem Verkehr gezogen. Dabei waren die am höchsten belasteten Produkte als “organic“ ausgezeichnet. Mehrere Untersuchungen zeigten, dass in insektenresistentem (Bt)-gentechnisch verändertem-Mais die Kontamination durch Fumonisin sehr stark vermindert ist. Dies hängt damit zusammen, dass sich die Fusarien-Pilze an Verletzungsstellen der Maiskolben ansiedeln (die bei gentechnisch verändertem Mais wegen der geringeren Fraßschäden durch den Maiszünsler vermindert sind). Nach diesen Befunden ist der Verzehr von GV-Maisprodukten grundsätzlich gesünder als der Verzehr von herkömmlichen Maisprodukten.


pictureVerantwortlich für den Inhalt dieser Seite: Prof. Dr. Alfred Pühler