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· Einleitung
· Humorige Motive im Ersten Weltkrieg
· Humor im Zweiten Weltkrieg
· Humor und Gewalt
· Die Forschungsbereiche
· Quellen und Methoden
· Die Wissenschaftlerin
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Überschrift
Humor und Krieg? Das sind Begriffe, die normalerweise kaum im Zusammenhang gedacht werden. Und dann noch „deutscher Humor“, angesichts des tiefsitzenden Vorurteils, daß Deutsche in ihrer Geschichte pünktlich und arbeitswütig, aber sicher nicht witzig gewesen seien?

Kurz gesagt: Mit dem „deutschen Humor“ waren keineswegs Witz und Satire gemeint. Vielmehr entwickelten intellektuelle Eliten diesen Begriff im 19. Jahrhundert als Gegenbegriff zu den damals modernen Formen von Satire und Ironie, die z.B. Schriftsteller wie Heinrich Heine im Vormärz zur Kritik der herrschenden sozialen und politischen Umstände einsetzten. Der Humorbegriff dagegen meinte eine Einstellung zur Gesellschaft, die existierende Hierarchien und soziale wie politische Ungerechtigkeit nicht in Frage stellte, sondern akzeptierte.

Geborener Soldat
"Der Deutsche ist der geborene Soldat". Aus: Tornister-Humor,
Band 11
Die Geschichten, Bilder und Zeichnungen, die in den Weltkriegen unter dem Titel „Humor“ zirkulierten, verdichteten sich im Bild des „humorigen Soldaten“, der unerschrocken kämpfe und seine subalterne Position immer akzeptiere. Sie priesen damit eine Gemeinschaft der Deutschen, die den Krieg ebenfalls nicht kritisierte, sondern rückhaltlos unterstützte. Sie feierten den Heldenmut der deutschen Soldaten, ohne die Kriegswirklichkeit darzustellen, und wollten die Armee zum Sieg und die Bevölkerung zum Durchhalten anstacheln.

Sowohl im Ersten Weltkrieg (1914-1918) als auch im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) publizierten Journalisten,
Schriftsteller und Karikaturisten in Deutschland eine Flut von Sammelbänden, Zeitschriften, Postkarten und anderen Printmedien, die neben dieser motivierenden Bedeutung überdies auch Idealvorstellungen von individueller und kollektiver Identität vermittelten.

In diesem Forschungsprojekt wird zunächst nach der Entstehungsgeschichte dieses spezifischen Humorbegriffs im
deutschsprachigen Raum seit dem frühen 19. Jahrhundert gefragt. Ferner wird das Auftauchen des „humorigen Soldaten“ während der Einigungskriege 1866 und 1870/71 analysiert.

Der Schwerpunkt des Forschungsprojektes betrifft dann die Epoche der Weltkriege. Hier wird gefragt, welche Bedeutungen im einzelnen die Erzählungen und Bilder, die für uns heute selten komisch wirken, in einer Zeit erhielten, in der sich in Deutschland ein rabiater und immer exklusiverer Nationalismus entwickelte. Interessant wird dabei u.a. die Frage, ob und wie in diesen Medien die erlittene und ausgeübte Gewalt thematisiert wird, die in beiden Kriegen einen Zivilisationsbruch darstellte.
Titelbild 'Tornister-Humor Band 7'
Der russische Kriegsgegner
wurde in humorigen Darstellungen als Trinker diffamiert. Aus:
Tornister-Humor, Band 7.

:: Welche humorigen Motive kursierten im Ersten Weltkrieg?

Verantwortlich!Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite: Prof. Dr. Martina Kessel