Interviews & Features    

 
· Einleitung
· Humorige Motive im Ersten Weltkrieg
· Humor im Zweiten Weltkrieg
· Humor und Gewalt
Die Forschungsbereiche
· Quellen und Methoden
· Die Wissenschaftlerin
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Überschrift
Das Forschungsprojekt berührt verschiedene Forschungskontexte. Zunächst geht es um die Erforschung von Humor, Gelächter und dem Komischen, die lange als anthropologische Konstanten behandelt worden sind. Erst in jüngerer Zeit begann die Geschichtswissenschaft, sie als zeit- und gesellschaftsgeprägte, kulturspezifische Kommunikationsformen wahrzunehmen, deren Inhalte, Grenzen und Bedeutungen variabel sind.

Dieses Forschungsprojekt geht von der Hypothese aus, daß das, was als komisch gilt und worüber gelacht werden darf oder soll, uns etwas über die Kultur erzählt, die diese Definitionen durchsetzt und damit auch Grenzen zieht. Gelächter und Humor können einen Schlüssel zu den kulturellen Codes und der kulturellen Sensibilität der Vergangenheit darstellen, wobei hier gerade die widersprüchlichen, ambivalenten Bedeutungen interessieren. Auch Witze und das Komische gehören zu den Möglichkeiten, sich die eigene Welt zu erklären, sich Mut zu machen, Ärger zu ventilieren, und dergestalt bei Prozessen der Sinnstiftung zu helfen.

Gleichzeitig diente diese Bestimmung von Humor in Deutschland immer auch dazu, Gemeinschaft in einem spezifischen Sinne herzustellen. Schließlich konnten diese so unauffälligen, zahlreichen und vielleicht gerade deshalb wirksamen Medien dazu beitragen, neue Erfahrungen, in diesem Fall spezifische Gewaltformen, in das herkömmliche Verständnis von Krieg und soldatischer Männlichkeit zu integrieren.

Zweitens bindet sich das Projekt in die Forschung zur Erfahrungsgeschichte der Weltkriege ein, die sich in den letzten zehn Jahren enorm intensiviert hat. Gerade in diesem Kontext ist die starre Vorstellung einer staatlichen Propaganda, der „das Volk“ gefolgt sei, aufgegeben worden. Statt dessen betonen neuere Forschungen, daß erfolgreiche Propaganda dann und deshalb erfolgreich sei, wenn sie an vorhandene Bedürfnisse und bereits existierende Denk- und Gefühlsmuster anschließen könne.

Wenn man z.B. weiß, daß dieser Humorbegriff eine längere Tradition in Deutschland hatte und die Ikone des „humorigen Soldaten“ seit den Einigungskriegen dazu diente, deutsche Geschichte in einer bestimmten Weise durch das Prisma ihrer Kriege zu erzählen, dann wird verständlicher, warum diese auf den ersten Blick merkwürdige Figur 1914 einen immensen quantitativen Aufschwung erlebte und auch im Zweiten Weltkrieg von Armee und Partei gleichermaßen wiederbelebt wurde.


Verantwortlich!Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite: Prof. Dr. Martina Kessel