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Eine weitere Leitfrage des Projektes lautet, ob und in welcher Weise die Gewalt, die von deutschen Soldaten in
den Kriegen ausgeübt und erfahren wurde, in solchen nur scheinbar marginalen Quellen beschrieben oder verarbeitet
wurde. Hier kann man zeigen, daß während des Ersten Weltkrieges einerseits versucht wurde, die selbst erlittene
Gewalt und die furchtbaren Verletzungen, die viele Soldaten davontrugen, zu verheimlichen.
| Andererseits arbeiteten
etliche Herausgeber und Autoren offensiv daran, die von deutschen Soldaten an der Zivilbevölkerung in Belgien und
Frankreich verübte Gewalt mit dem herkömmlichen Bild heroischer, aber auch ehrenhafter soldatischer Männlichkeit
zu vereinbaren, indem sie die nicht-legitime Gewalt gegen die Zivilbevölkerung in eine legitime Verteidigung
gegen einen bewaffneten Feind umschrieben. |
"Von den deutschen Barbaren - Wie grausam Gefangene von
den Deutschen behandelt werden." Aus: Tornister Humor Band 7, S. 12 |
Am ausdrücklichsten zeigte sich die Verknüpfung von Humor und Gewalt am Ende der Weimarer Republik, als rechte
Nationalisten den Kampf um die Deutungshoheit über den Ersten Weltkrieg gewannen. Es waren vor allem Freikorps-
und SA-Mitglieder, die in ihren Texten die von ihnen eingesetzte Gewalt als Humor bezeichneten: Jeder
zusammengeschlagene Demokrat war eine Garantie mehr, daß ein Zusammentreffen mit politisch anders Denkenden
„ein lustiger Kampf“ werden würde.
Während des Zweiten Weltkriegs dagegen versuchten „humorige“ Texte, von der Gewalt abzulenken, die von Deutschen
verübt worden war. Antisemitismus kam nicht systematisch vor. Dennoch tauchten
zwischendurch kleine Geschichten auf, die verrieten, daß deren Autoren selbstverständlich die Mechanismen zur
Ausgrenzung kannten, welche die deutsche Politik prägten. Witze verwiesen so auf einen geteilten Raum des
Wissens, in dem
jeder Hörende und Erzählende wußte, wann welche Übertreibungen und Karikaturen gesellschaftlich akzeptabel waren.
:: Welche Bereiche werden beforscht?
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite: Prof. Dr. Martina Kessel
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