Interviews & Features    

 
· Einleitung
· Humorige Motive im Ersten Weltkrieg
Humor im Zweiten Weltkrieg
· Humor und Gewalt
· Die Forschungsbereiche
· Quellen und Methoden
· Die Wissenschaftlerin
· Feedback


Überschrift
Während des Zweiten Weltkrieges dagegen, und das ist eine entscheidende Veränderung, lenkten erstens zahlreiche Sammelbände von der Gegenwart fort. Sie lieferten Beispiele erbaulichen Humors aus vergangenen Jahrhunderten, die angeblich alle genau die Bedeutung gehabt haben sollten, die Gegenwart so zu akzeptieren, wie sie sei, um dann eine leuchtende Zukunft für die Deutschen bauen zu können. Das heißt, die Konstruktion einer spezifischen Vergangenheit durch bestimmte Kulturdokumente sollte auch die gegenwärtige Politik stützen, die eine positive Zukunft versprach, ohne jedoch diese Politik diskutieren zu müssen.

Zweitens, und auch das ist ein entscheidender Unterschied, richteten sich die meisten angeblich humorigen Geschichten nicht gegen die Alliierten, sondern in erster Linie gegen „Meckerer“ in der eigenen Zivilbevölkerung, die zum „angemessenen“ nationalsozialistischen Verhalten aufgefordert wurden.

Dennoch reicht es nicht aus, diesen offiziösen Humor nur als Propaganda „von oben“ zu bezeichnen und die vielzitierten Flüsterwitze als Zeichen von Opposition dagegenzuhalten. Zum einen hat Meike Wöhlert überzeugend gezeigt, daß die Strafe für Flüsterwitze davon abhing, wer sie erzählte, nicht was erzählt wurde, und daß die meisten Witze eher als Ventil dienten, um Frustration zu äußern, statt wirkliche Kritik am Regime. Zum anderen haben Archivrecherchen dieses Projektes ergeben, daß Zensurbehörden in der NS-Zeit sich kaum der „humorigen“ Geschichten aus der Bevölkerung erwehren konnten, da sich zahlreiche Schreiberlinge unter dem Stichwort des „Humors“ zu Schriftstellern berufen fühlten und Texte ablieferten, die noch konventioneller waren als die hier analysierten Quellen.


Verantwortlich!Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite: Prof. Dr. Martina Kessel