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Während des Zweiten Weltkrieges dagegen, und das ist eine entscheidende Veränderung, lenkten erstens
zahlreiche Sammelbände von der Gegenwart fort. Sie lieferten Beispiele erbaulichen Humors aus vergangenen
Jahrhunderten, die angeblich alle genau die Bedeutung gehabt haben sollten, die Gegenwart so zu akzeptieren,
wie sie sei, um dann eine leuchtende Zukunft für die Deutschen bauen zu können. Das heißt, die Konstruktion
einer spezifischen Vergangenheit durch bestimmte Kulturdokumente sollte auch die gegenwärtige Politik
stützen, die eine positive Zukunft versprach, ohne jedoch diese Politik diskutieren zu müssen.
Zweitens, und auch
das ist ein entscheidender Unterschied, richteten sich die meisten angeblich humorigen Geschichten nicht
gegen die Alliierten, sondern in erster Linie gegen „Meckerer“ in der eigenen Zivilbevölkerung, die zum
„angemessenen“ nationalsozialistischen Verhalten aufgefordert wurden.
Dennoch reicht es nicht aus, diesen
offiziösen Humor nur als Propaganda „von oben“ zu bezeichnen und die vielzitierten Flüsterwitze als
Zeichen von Opposition dagegenzuhalten. Zum einen hat Meike Wöhlert überzeugend gezeigt, daß die Strafe
für Flüsterwitze davon abhing, wer sie erzählte, nicht was erzählt wurde, und daß die meisten Witze eher
als Ventil dienten, um Frustration zu äußern, statt wirkliche Kritik am Regime. Zum anderen haben
Archivrecherchen dieses Projektes ergeben, daß Zensurbehörden in der NS-Zeit sich kaum der „humorigen“
Geschichten aus der Bevölkerung erwehren konnten, da sich zahlreiche Schreiberlinge unter dem Stichwort des
„Humors“ zu Schriftstellern berufen fühlten und Texte ablieferten, die noch konventioneller waren als die
hier analysierten Quellen.
:: Doch wie passt Gewalt ins humorige Bild?
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite: Prof. Dr. Martina Kessel
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