|
Unter „Digital Divide“ verstehen wir die digitale Bildungskluft. Dieser
Begriff beruht auf der sogenannten Wissensklufthypothese, die im Jahr 1970 von
Philip J. Tichenor, George A. Donohue, und Clarice N. Olien an der Minnesota
University entwickelt wurde:
„Wenn der Informationsfluß von den Massenmedien in ein Sozialsystem wächst,
tendieren die Bevölkerungssegmente mit höherem sozioökonomischen Status
und/oder höherer formaler Bildung zu einer rascheren Aneignung dieser
Information als die status- und bildungs-niedrigeren Segmente, so dass die
Wissenskluft zwischen diesen Segmenten tendenziell zu- statt abnimmt.“
Das heisst, diejenigen sozialen Gruppen/Bevölkerungsteile, die wirtschaftlich
besser gestellt sind und/oder über einen höheren Bildungsabschluß verfügen,
nehmen den wachsenden Informationsfluß durch die Massenmedien schneller auf
als die Bevölkerungsteile, die wirtschaftlich schwächer gestellt sind und/oder
über einen niedrigeren Bildungsabschluß verfügen. Dadurch wird die Wissenskluft
zwischen diesen beiden Gruppen tendenziell größer.
Diese Wissenskluft verstärkt sich durch die zunehmende Verbreitung der
„Neuen Medien“ (wie Computer, Internet, Email, Chat etc.). Im Vordergrund der
internationalen Debatte steht bislang vor allem die Frage des materiellen
Zugangs zum Onlinemedium , d.h. die Frage, wie sich die Wissenskluft durch
ungleiche Chancen vergrößert, über Computerhardware, Flatrates oder ähnliches
zu verfügen.
Mittlerweile rücken jedoch immer mehr Fragen der Nutzung
des Mediums durch verschiedene Zielgruppen in den Blick, da die Verfügbarkeit
von Computer und Internetzugang nicht zwingend auch eine kompetente Nutzung zur
Folge hat.Bisher vorliegende Studien weisen deutlich auf, dass Kriterien wie
der eigene Bildungsstand bzw. das Bildungsniveau der Herkunftsfamilie,
Gender- (d.h. das Geschlecht der NutzerInnen) und Altershintergrund sowie
regionale Aspekte gravierende Bedeutung für die Entwicklung von
Nutzungskompetenzen haben.
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite: Dr. Nadia Kutscher
|
|