Interviews & Features    

 
· Einleitung
· Struktur politischer Diskussionen
· Rhetorische Strategien im Golfkrieg 1991
· Kriegsbefürworter
· Kriegsgegner
Fazit
· Die Quellen
· Die Autoren
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Insgesamt sollten die in den vorangegangenen Abschnitten dargestellten Befunde gezeigt haben, daß in politischen Diskussionen wie über den Irak-Konflikt in starkem Maße von Strategien Gebrauch gemacht wird, die gemessen am Ideal einer rationalen Argumentation und fairen Konfliktlösung als problematisch einzustufen sind. Was sind die Gründe dafür?

Prinzipiell hängt dieser Sachverhalt zunächst damit zusammen, dass in unserer westlichen Kultur das Verfahren einer polarisierenden antagonistischen Argumentation dominiert. Dieses Verfahren ist zwar für das Ziel einer Problematisierung von Positionen effizient, reicht aber nicht aus, wenn es um eine logisch korrekte rationale Entscheidung zwischen alternativen Auffassungen geht. Beispielsweise lässt sich die Legitimität einer Maßnahme zwar zu Recht durch Nennung einer zugehörigen negativen Konsequenz anzweifeln, für eine rational begründete Zurückweisung der Maßnahme müssen aber alle erkennbaren relevanten Konsequenzen berücksichtigt und in einen Abwägungsprozess eingebracht werden. Auf diese Weise entsteht die Gefahr, dass argumentative Vereinfachungen und der Einsatz emotionalisierender Strategien genutzt werden, um die Interessegeleitetheit von politischer Kommunikation zu verschleiern. Die gravierenden negativen Folgen insbesondere eines Kriegs für Tausende von Menschen lassen aber keinen Raum für eine Duldung sachfremder politischer Interessen und deshalb sollte nicht toleriert werden, dass durch fragwürdige rhetorische Strategien Mehrheitsmeinungen zustande kommen, auf die Regierende die Legitimität ihrer Handlungen stützen.

Der negative Aspekt antagonistischer Argumentationen relativiert sich allerdings, wenn man sich klar macht, dass sie günstigenfalls notwendige Teile eines kollektiven Prozesses der Konstitution von sozialer Wirklichkeit sind, die aufeinander bezogen werden müssen und sich wechselseitig ergänzen können. Angewendet auf den Irak-Konflikt bedeutet dies, dass man im gesamtgesellschaftlichen Argumentationsprozess sowohl die Kriegs- als auch die Antikriegsposition sowie starke gesellschaftliche Kräfte hinter ihnen benötigte: Wenn der Irak-Krieg schon nicht verhindert werden konnte, so spielte der von den Kriegsgegnern erzeugte Meinungsdruck anders als beim Golfkrieg 1991 zumindest eine wichtige Rolle für die kritische Begleitung des Kriegsgeschehens und für die gegenwärtige Nachkriegspolitik. Andererseits wäre es auch für eine nichtmilitärische Konfliktlösung notwendig gewesen, Saddam Hussein deutlich zu machen, dass sich die Kriegsbefürworter durchsetzen würden, wenn der UN-Resolution 1441 nicht nachkäme.



pictureVerantwortlich für den Inhalt dieser Seite:
Prof. Dr. Walther Kindt und Dr. Swen Osterkamp